Quelle: Blätter 1962 Heft 04 (April)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ATOMWAFFENVERSUCHE DIENEN NICHT DEM FRIEDEN
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       Ein Aufruf
       Die Ankündigung  der Atommächte,  ihre Kernwaffenversuche  wieder
       aufzunehmen, erfüllt  alle Völker  mit Bestürzung  und Schrecken.
       Nach unserer  Überzeugung kann  es  k e i n e r l e i  R e c h t-
       f e r t i g u n g   für die  weitere radioaktive  Verseuchung der
       Welt mit  kaum heilbaren  gesundheitsgefährdenden Folgen  für die
       Menschen aller  Nationen geben. Das Bestreben der großen Militär-
       staaten, unter  Mißachtung der  UNO-Charta und der Menschenrechte
       immer verheerendere  Massenvernichtungsmittel zu  entwickeln  und
       diese bereits in Friedenszeiten unter Verletzung der Souveränität
       atomwaffenfreier Staaten  entgegen einem  ausdrücklichen Beschluß
       der UNO-Vollversammlung  zu erproben,  führt  zur  Auflösung  der
       zwischenstaatlichen Ordnung  und der menschlichen Gesittung. Über
       kurz oder  lang muß  das immer wieder neu ausbalancierte "Gleich-
       gewicht  des  Schreckens"  durch  Kurzschlußhandlung  oder  durch
       menschliches  Versagen   zu  einem  vernichtenden  Atomkrieg  mit
       unvorstellbaren Ausmaßen von Grausamkeiten und Leiden führen. Das
       Beispiel der  bisherigen Atommächte  kann leicht  andere  Staaten
       dazu verführen, ebenfalls die Hand nach Atomwaffen auszustrecken.
       Aus Sorge um die heutige und um künftige Generationen fordern wir
       deshalb  im   Namen  der   Menschlichkeit  die   Atommächte  auf:
       U n t e r l a ß t   j e d e n   w e i t e r e n    K e r n w a f-
       f e n v e r s u c h,     stellt  alle   Vorbereitungen  zu  einem
       Atomkrieg ein,  verständigt und einigt euch über die Abschaffung,
       Vernichtung und Ächtung aller nuklearen Vernichtungsmittel.
       Allen Friedliebenden  auf dieser  Erde rufen  wir zu: Unterstützt
       jedes Bemühen  um die    A b s c h a f f u n g    a t o m a r e r
       W a f f e n   und um  die Erhaltung  des Friedens,  verlangt  die
       Nichtanwendung und  Ächtung der  Atombombe und  wendet euch gegen
       alle Kernwaffenversuche.  Denn diese  Versuche dienen  dem Kriege
       und nicht  dem Frieden!  Heute ist  noch Zeit zum Handeln, morgen
       schon kann es zu spät sein.
       Dr. Günther  Anders, Wien - Wolfgang Bartels, München - Prof. Dr.
       Karl Bechert, MdB, Mainz - Prof. Dr. J. Arvid Hedvall, Göteborg -
       Dr. Robert  Jungk, Wien - Kampfbund gegen Atomschäden - Dr. Erich
       Kästner, München - Wilhelm Keller, Vorsitzender des Verbandes der
       Kriegsdienstverweigerer in  der War Resisters' International e.V.
       - Komitee gegen Atomrüstung, München - Christel Küpper, München -
       Margarethe Lachmund,  Berlin, Friedensausschuß der deutschen Quä-
       ker -  Dr. Walter Lidl, München, Bundesvorsitzender der IdK - Dr.
       phil. Paul  A. Loos, München - Dr. med. habil. Dr. Bodo Manstein,
       Detmold -  Christian Mayer-Amery,  München -  Kirchenpräsident D.
       Martin Niemöller,  Wiesbaden - Prof. Dr. Linus Pauling, Pasadena,
       Kalifornien -  Prof. Dr.  Hans Rheinfelder, München - Hans Werner
       Richter, Präsident der Europäischen Föderation gegen Atomrüstung,
       München -  Lord Bertrand  Russell, London  -  Dr.  med.  Siegmund
       Schmidt, Bad  Rothenfelde - Oberbürgermeister i.R. Robert Scholl,
       München -  Walter Schweiger,  Weltbund zur  Rettung  des  Lebens,
       Deutsche Sektion,  München -  Prof. Dr. Albert Schweitzer, Lamba-
       rene -  Dr. med.  K.H. Stauder,  Grünwald -  stud.  phil.  Reiner
       Steinweg, München  - Dr.  R. Trumpp,  Hopfen am See, Vorsitzender
       der Notgemeinschaft  zur Verteidigung  der Volksgesundheit - Hans
       Georg Tempel,  Hamburg, Koordinator  der Ostermärsche - Prof. Dr.
       Johannes Ude,  Grundlsee (Steiermark) - Dr. Kurt Urban, München -
       Ebba Waerland, Djursholm (Schweden) - Prof. Dr. Aloys Wenzl, Mün-
       chen.
       Das Gewissen, München, April 1962.
       

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