Quelle: Blätter 1962 Heft 04 (April)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       438 PROTESTANTISCHE PFARRER GEGEN
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       DIE ATOMARE AUFRÜSTUNG DER SCHWEIZ
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       In einer von 438 Pfarrern der evangelisch-reformierten Landeskir-
       chen und  Dozenten der  schweizerischen theologischen  Fakultäten
       unterzeichneten Erklärung  heißt es  u.a.: "Den  Verfechtern  der
       Atomwaffenverbots-Initiative billigen  wir zu, daß sie ihren Vor-
       schlag in lauterer Absicht unterbreiten. Wie man auch ein verfas-
       sungsmäßig verankertes  Verbot von Atomwaffen beurteilen mag, ha-
       ben wir  die durch die Initiative aufgeworfenen Fragen als solche
       erster Ordnung  zu würdigen.  Wir wenden uns gegen jede diffamie-
       rende Beurteilung der Initianten.
       Atomare Waffen jeder Art sind Massenvernichtungsmittel, deren Be-
       stehen die  Situation der Menschheit von Grund auf verändert. Sie
       verdanken ihre Entstehung und Weiterentwicklung der wechselseiti-
       gen Angst  der Großmächte.  Die gleiche Angst hat auch in unserem
       Lande das  Verlangen nach möglicher atomarer Aufrüstung wachgeru-
       fen. Wir anerkennen die Pflicht des Staates, durch geeignete Maß-
       nahmen den  Schutz unserer  Grenzen zu  sichern und damit für die
       Wahrung von Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit zu sorgen. Ebenso
       groß wie die Sorge um unsere nationale Sicherheit hat aber unsere
       Sorge um den Frieden der Welt zu sein, und die Angst um unser Le-
       ben darf nicht größer werden als die Angst davor, Böses zu tun.
       In der  unerhörten Gefahr,  in der die Welt sich heute angesichts
       eines möglichen  Atomkrieges befindet, liegt auf den Entscheidun-
       gen jedes  einzelnen Volkes eine große Verantwortung. Die Sicher-
       heit aller  erfordert, daß der Atomklub nicht erweitert wird. Wir
       begrüßen daher  den Beschluß jeder Regierung, keine Atomwaffen zu
       beschaffen. Wir sind der Überzeugung, daß die Schweiz als kleines
       Land dem  Frieden der  Völker am besten dient, wenn auch sie sich
       einer Gemeinschaft atomwaffenfreier Staaten anschließt.
       Es ist  unser aller Aufgabe, in wirklicher Opferbereitschaft Mit-
       tel und  Wege zu suchen, wie unser Volk auch in einer sich völlig
       verändernden Welt unter Wahrung seiner Neutralität seine Unabhän-
       gigkeit und Freiheit glaubhaft vertreten und leben kann. Wir sind
       überzeugt, daß  wir dabei  nicht einfach zwischen atomarer Aufrü-
       stung und Unterwerfung zu wählen haben.
       Den Behörden  von Bund, Kantonen und Gemeinden schulden wir heute
       mehr denn je den Dienst treuer Fürbitte und unentwegter Solidari-
       tät. In  der Bereitschaft  dazu ersuchen  wir sie, ungeachtet des
       Ausgangs der bevorstehenden Abstimmung, unseren Soldaten, unserem
       Volk und unseren Kirchen die schwere Gewissensbelastung zu erspa-
       ren, die  eine Einführung  atomarer Waffen  für uns alle bedeuten
       müßte.
       Die Tat (Zürich) v. 15.III.62
       
       PROMINENTE SCHWEIZER FÜR ATOMWAFFEN-FREIE NEUTRALITÄTSPOLITIK
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       Zehn Vertreter des kulturellen Lebens der Schweiz begrüßen in ei-
       ner Erklärung die Initiative auf Bildung eines Klubs der atomwaf-
       fenlosen Staaten  und befürworten  die Mitwirkung  der Schweiz in
       dieser Vereinigung als zeitgemäßen Ausdruck unserer Neutralitäts-
       politik. Die  Schweiz müsse  das Wagnis auf sich nehmen, "auch in
       der Frage der Landesverteidigung den Geist der Humanität über den
       Geist der  Gewalt zu stellen". Nur dadurch erhalte unsere Neutra-
       lität ihre Glaubwürdigkeit.
       Diese Erklärung  ist unterzeichnet  von  Prof.  Dr.  theol.  Karl
       Barth, Basel;  Max Bill,  Architekt, Zürich; Hans Bösch, Schrift-
       steller, Küttigen  bei Aarau;  Friedrich Dürrenmatt, Schriftstel-
       ler, Neuenburg;  Dr. h.c.  Hermann Hesse,  Schriftsteller, Monta-
       gnola  (Nobelpreisträger  für  Literatur);  Pfarrer  Kurt  Marti,
       Schriftsteller, Bern; Dr. theol. Alois Müller, Professor am Prie-
       sterseminar Solothurn;  Prof. Dr.  phil.  Walter  Muschg,  Basel;
       Prof. Dr.  Leopold Ruzicka,  Zürich (Nobelpreisträger für Chemie)
       und Otto F. Walter, Schriftsteller, Rickenbach bei Olten.
       Die Tat (Zürich) v. 24.III.62
       
       BRITISCHE KONSERVATIVE UNTERSTÜTZEN DEN PLAN
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       FÜR EINEN NICHT-NUKLEAREN KLUB
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       Der Westen sollte sich darauf vorbereiten, im Prinzip die Konzes-
       sion zu  machen und  einen einfachen Plan ins Auge zu fassen, der
       nukleare Tests  in der Atmosphäre verbietet oder aufschiebt, ohne
       jegliche Inspektion  am Explosionsort.  Dies sagt  ein Memorandum
       der Bow-Gruppe.  (Die Bow-Gruppe  ist eine einflußreiche Vereini-
       gung junger  Akademiker innerhalb  der  britischen  konservativen
       Partei. D.R.)...
       Wesentlicher Fortschritt in Richtung auf einen weltweiten, nicht-
       nuklearen Klub  könnte durch ein Test-Verbot und auch durch ener-
       gische Schritte  erreicht werden, Deutschland nicht mit nuklearen
       Waffen auszurüsten.
       Die Chancen,  Frankreich oder China von ihrer Absicht, Atommächte
       zu werden,  abzubringen, wären  nicht sonderlich groß. Wenn China
       nukleare Waffen hätte, könnte Indien sich verpflichtet fühlen, zu
       folgen. So  könnten es  auch andere Länder - Westdeutschland, Is-
       rael oder  Schweden. "Es wäre aber sehr unwahrscheinlich, daß sie
       es tun  würden, wenn  die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
       und die  Welt-Meinung in  ihrer Gesamtheit dagegen vereint wären,
       daß diese Länder sie besitzen", sagt das Memorandum.
       Das Memorandum verwirft die Argumente für eine einseitige atomare
       Abrüstung durch  England, oder  die Unterordnung  seiner  Streit-
       kräfte unter amerikanische Kontrolle. Aber es sagt, die britische
       Regierung sollte zu einem günstigen Zeitpunkt zu verstehen geben,
       die nukleare Streitmacht als Teil eines weltweiten Abkommens auf-
       zugeben, mit  dem alle  Länder, mit  Ausnahme der Sowjetunion und
       China, nukleare Waffen verwerfen würden.
       Observer v. 11.III.62
       
       DÄNEMARK WILL KEINE ATOMWAFFEN
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       Die dänische  Regierung hat  am Wochenende  ihre Entschlossenheit
       bekräftigt, keine Atomwaffen herzustellen und auch keine Atomwaf-
       fen von anderen Nationen anzunehmen. In einem Schreiben an UN-Ge-
       neralsekretär U Thant  erklärte der  dänische Außenminister Krag,
       die dänische  Regierung messe  der Abrüstung entscheidende Bedeu-
       tung zu  und wünsche  aktiv zu  Verhandlungen beizutragen, die zu
       einer vollständigen  Abrüstung unter angemessenen Kontrollen füh-
       ren können.
       Frankfurter Rundschau v. 19.III.62
       
       BELGISCHE INITIATIVE FÜR DEUTSCHLAND-LÖSUNG DURCH VERHANDLUNGEN
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       Direkte Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der Sowjet-
       zone wurden  in einer  Resolution gefordert, die am Wochenende in
       Brüssel zum Abschluß einer stark besuchten öffentlichen Diskussi-
       onsveranstaltung über  das Deutschland-Problem gefaßt wurde. Ost-
       West-Gespräche über Deutschland, so heißt es darin, dürften nicht
       verzögert werden.  Berlin soll nach der Resolution den Status ei-
       ner "freien  und neutralen  Stadt" erhalten,  der durch  die vier
       Großmächte und eventuell durch internationale, der UN angeschlos-
       sene Organisationen garantiert wird. Diese Organisationen sollten
       ihren Sitz  in Berlin  haben. Veranstalter der Diskussion war der
       kürzlich gegründete "Nationale Bund für eine belgische Initiative
       zur internationalen Entspannung". Ihm gehören belgische Parlamen-
       tarier aller Parteien und führende Persönlichkeiten des öffentli-
       chen Lebens  an. Vorsitzender  ist der christlich-soziale Senator
       Carel van Cauwelaert. Das Diskussionsthema lautete "Möglichkeiten
       zur Lösung des Deutschland-Problems durch Verhandlungen".
       Stuttgarter Zeitung v. 26.III.62
       
       ATOMWAFFENGEGNER DEMONSTRIEREN IN NEW YORK
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       Mehr als  zweitausend Atomwaffengegner  legten am  Wochenende den
       gesamten Verkehr auf dem Times-Square in New York, einer der leb-
       haftesten Straßen  der Welt,  völlig lahm. Die Demonstranten, die
       auf Schildern  Präsident Kennedy zum Verzicht auf die angekündig-
       ten Tests  aufforderten, traten  in einen  Sitzstreik und konnten
       erst von der Polizei zur Räumung der Fahrbahn veranlaßt werden.
       Die Welt v. 5.III.62
       
       WASHINGTON POST: KEINE BEDENKEN GEGEN KONTAKTE BONN - MOSKAU
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       Es sieht  so aus, als ob Krolls Gegner, insbesondere im Auswärti-
       gen Amt,  alles in  ihrer Macht Stehende tun, um ihn in Mißkredit
       zu bringen  und Adenauer  zu zwingen, sich von seinem Botschafter
       loszusagen, den  er gerade dazu ausersehen hatte, die Kontakte zu
       Chrustschow zu verbessern. Von hier aus gesehen, gibt es kaum et-
       was, was an Krolls Aktivitäten bedenklich aussieht. Die Bundesre-
       publik ist  in so vielfältiger Weise an die westliche Allianz ge-
       bunden, daß  das Phantom  eines modernen Hitler-Stalin-Paktes un-
       wahrscheinlich erscheint.  Angesichts der  Spannungen  um  Berlin
       können offene  Kontakte zwischen Bonn und Moskau einem sehr nütz-
       lichen Zweck  dienen. Wenn  Kroll das  Opfer einer  Intrige  sein
       sollte, dann  erweisen die  Intriganten damit nicht nur einem Di-
       plomaten, sondern der ganzen Diplomatie einen schlechten Dienst.
       Washington Post v. 9.III.62
       
       FRAGWÜRDIGER RAPALLO-KOMPLEX
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       Die Westdeutschen  sollten sich  davor hüten, dem Rapallo-Komplex
       zuviel Gewicht  beizumessen. Es  ist zwar ein Lebensinteresse der
       westlichen Völker,  daß Deutschland  zu ihrem  Kreis gehört, aber
       ihr Interesse  erfordert wirklich  nicht, daß  die Bundesrepublik
       schlechte Beziehungen  zur Sowjetunion hat. Im Gegenteil: solange
       die Beziehungen zwischen Bonn und Osteuropa so schlecht wie jetzt
       bleiben, kann man kaum einen Ausweg aus den miteinander verquick-
       ten Problemen  sehen, mit  denen sich  die 17  Minister in Genf -
       vielleicht ohne Hoffnung - auseinandersetzen werden.
       Economist v. 11.III.62
       
       DIE "TIMES" ZUM "FALL KROLL"
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       Einige der  Kroll unterstellten  Vorschläge mögen für die prakti-
       sche Diplomatie  in der  Gegenwart zu  weit gegangen  sein. Viel-
       leicht hat  er sie gar nicht gemacht. Aber das Beunruhigende ist,
       daß selbst  über seine  milderen Vorschläge  ein Geschrei erhoben
       wurde. Die  Moral daraus  ist klar.  Solange einige durchaus ver-
       nünftige Vorschläge in Deutschland und unter den Alliierten nicht
       offen diskutiert  werden, wird es immer einen unschönen Aufschrei
       geben, wenn  irgend jemand  aus dem Tritt zu geraten scheint. Man
       muß mehr Vertrauen haben.
       Times v. 13.III.62
       
       MEINUNGSFREIHEIT NUR FÜR "RECHTGLÄUBIGE"?
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       Gehen die  Christlichdemokraten nicht  entschieden zu  weit, wenn
       sie gewissermaßen Dehlers Kopf fordern? Ist Dehler als Vizepräsi-
       dent des Bonner Parlaments wirklich "nicht mehr tragbar", weil er
       in freier  Diskussion freie  Meinungen äußerte?  Der Angegriffene
       erklärte am  Mittwoch vor seiner Fraktion, er habe wiederholt be-
       tont, daß  er "aus  liberaler Grundhaltung  heraus in unbedingtem
       Gegensatz zum  Kommunismus stehe".  Sind solche Beteuerungen not-
       wendig? Wird  als Kommunist verdächtigt, wer anderer Ansicht ist?
       Will man hierzulande (und nicht nur hier) in den Spuren McCarthys
       wandeln? Denn man mag Dr. Thomas Dehler alles mögliche vorwerfen:
       daß er  ein leidenschaftlich  ringender, von  liberalen Ideen er-
       füllter Politiker ist, können nur Übelwollende bestreiten.
       Gelten also  die Artikel 5 und 38 des Grundgesetzes nur für brave
       Rechtgläubige? Die Frage stellte sich schon beim "Fall Bucerius".
       Sie stellt  sich jetzt beim "Fall Dehler" mit verschärfter Dring-
       lichkeit.
       Tagesanzeiger (Zürich) v. 15.III.62
       
       HOLLÄNDISCHE KRITIK AN ADENAUERS OBERLÄNDER-BRIEF
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       Muß dieser Mann mit einer unwiderruflich schwarzen Vergangenheit,
       dessen Beziehungen  zum Nationalsozialismus  nicht mehr  mit  den
       Worten "argloser  Mitläufer" bagatellisiert werden können, wieder
       auf die  politische Bühne gehoben werden? Und dies, nachdem er im
       September 1961  als Kandidat  der CDU  eine Niederlage erlitt und
       man in  dieser Partei selbst dachte: "Den sind wir auf anständige
       Weise losgeworden"?  Trotzdem scheint  der Bundeskanzler  zu wün-
       schen, daß  Oberländer wieder  die Arena  der aktiven Politik be-
       tritt. Man  erhält den Eindruck, daß über die Vergangenheit Ober-
       länders Sand gestreut worden ist.
       Algemeen Dagblad (Rotterdam) v. 2.III.62
       
       "NEW YORK TIMES" FÜR REALISTISCHE CHINA-POLITIK
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       Das kommunistische  China muß  letzten Endes in jedes in Genf er-
       zielte Abkommen  einbezogen werden,  wenn  ein  solches  Abkommen
       wirksam sein  soll. Das  Rüstungspotential von 650 Millionen Men-
       schen kann  bei einem  praktischen Herangehen  an das Problem der
       Rüstungskontrolle nicht einfach ignoriert werden.
       Diese Situation  verdeutlicht wieder einmal, wie unrealistisch es
       ist, wenn  andere Regierungen  so tun,  als ob  die Regierung des
       kommunistischen China  nicht existiere.  Die Vereinigten  Staaten
       mögen diese Regierung nicht. Aber indem wir ihr die "Anerkennung"
       vorenthalten, tragen  wir einfach  dazu bei, ihr freie Hand in so
       wichtigen Dingen wie der Rüstungskontrolle zu lassen und berauben
       uns selbst  gleichzeitig der Gelegenheit, diplomatische Vertreter
       hinter Chinas  Eisernen Vorhang  zu entsenden und auf diese Weise
       mehr darüber  zu erfahren,  was in  diesem riesigen  Koloß Asiens
       wirklich vor sich geht.
       Der  Haken   bei  der  Sache  ist,  daß  in  den  letzten  Jahren
       "Anerkennung" immer  mehr mit  "Billigung" gleichgesetzt wird. Es
       gibt keinen  vernünftigen Grund,  weder geschichtlich noch sonst-
       wie, warum  dies so sein sollte. Die Vereinigten Staaten billigen
       nicht die  Ziele der Politik der Sowjetunion, aber sie anerkennen
       deren Regierung.
       New York Times v. 14.III.62
       
       DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT UND DAS ABRÜSTUNGS-PROBLEM
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       Ein wilder Streit herrscht im Kongreß, um einen umfangreichen Be-
       richt geheimzuhalten,  der das  Ausmaß der  Abhängigkeit größerer
       amerikanischer Industrien von Verteidigungsaufträgen untersucht.
       Er wirft auch ein neues Licht auf das große Ausmaß der Konzentra-
       tion des  Verteidigungsgeschäfts in  den Händen  einiger  weniger
       größerer Firmen.
       Der Bericht,  hunderte von  Seiten lang,  wurde unter der Leitung
       des Unterausschusses  für Abrüstung  im Senat vorbereitet, um die
       Frage der wirtschaftlichen Auswirkung der 'Rüstungs-Kontrolle' zu
       untersuchen - ein Ausdruck, der gewählt wurde, um in Kongreßkrei-
       sen weniger provozierend zu tönen als Abrüstung.
       Der Vorsitzende  des Unterausschusses,  Senator Hubert  Humphrey,
       wirbt persönlich  für eine  Freigabe der  Information als Ansporn
       für vorbereitende Arbeiten, die er für notwendig hält, um die Ab-
       rüstung für die amerikanische Geschäftswelt erträglich zu machen.
       Der Bericht  enthüllt, daß  1959/60 das  Verteidigungswesen,  bei
       weitem der größte Einzelkäufer in den USA, Verträge mit nicht we-
       niger als  18 000 Firmen,  darunter 14 000  kleinen Unternehmern,
       abgeschlossen hat.  Er zeigt  auch, daß die acht Spitzenfirmen 38
       Prozent des Geschäftes machten.
       Einzelheiten des  Berichtes beruhen  auf Fragebogen, die an unge-
       fähr 450  Firmen geschickt wurden: 370 von ihnen, die zusammen 82
       Prozent der gesamten Verteidigungsaufträge halten, berichten über
       das Ausmaß  ihrer Abhängigkeit  von  Verteidigungsaufträgen,  und
       darüber, ob und wie sie meinten, mit der Abrüstung fertig zu wer-
       den. Sie  alle gaben beruhigende Antworten über ihre Fähigkeit zu
       überleben, vorausgesetzt, man gewährt Zeit, Steuererleichterungen
       und staatliche Hilfe während der Übergangs-Periode.
       Die untersuchten  Firmen beschäftigen  etwa 4  Millionen Menschen
       und hatten  einen Umsatz  von 80 Milliarden Dollar, von denen ein
       Viertel in  die Verteidigung  ging. Die Untersucher betonten, daß
       sie nicht  in der  Lage gewesen seien, Sub-Kontrakte über den er-
       sten und  zweiten Lieferanten hinaus zu verfolgen, hingegen flie-
       ßen aber die Verteidigungsmittel viel weiter, als die Zahlenanga-
       ben zeigten.
       Viele Firmen  berichteten,  daß  die  Umstellung  auf  friedliche
       Zwecke wegen  des großen  Ausmaßes der  Spezialisierung schwierig
       sei.
       Nora Beloff im Observer v. 25.III.62.
       
       EUROPÄISCHE SCHRIFTSTELLER ZUR KUBA-FRAGE
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       Europäische Schriftsteller  erklären in  einem offenen  Brief  an
       Kennedy: "Wir  haben von  der Existenz eines neuen Invasionsplans
       gegen Kuba,  mit finanzieller  Hilfe und Unterstützung der Regie-
       rung der  Vereinigten Staaten von Nordamerika, Kenntnis erhalten,
       ähnlich dem, der im April 1961 in der fehlgeschlagenen Aggression
       von Bahia de Cochinos seinen Höhepunkt fand.
       Durch diese  Nachrichten alarmiert, erbitten die unterzeichnenden
       Intellektuellen und  Künstler verschiedener politischer, religiö-
       ser und  ideologischer Tendenzen  aus allen europäischen Ländern,
       im Namen  der internationalen Legalität, des Weltfriedens und des
       Rechts aller Völker auf freie Wahl seiner Zukunft, Ihre persönli-
       che Intervention,  um so  jede direkte oder indirekte Einmischung
       seitens Ihrer  Regierung in  die inneren Angelegenheiten Kubas zu
       vermeiden und  um eine  Lösung der zwischen beiden Ländern beste-
       henden Schwierigkeiten  auf friedlichem  Wege durch Verhandlungen
       auf der  Basis gegenseitiger  Achtung und  Gleichberechtigung  zu
       finden."
       Hoy (Havanna) v. 20.III.62
       Anmerkung der Redaktion:
       Diese im März 1962 in Florenz gefaßte Entschließung wurde u.a von
       folgenden Schriftstellern unterzeichnet:
       Jean Paul  Sartre, Simone de Beauvoir, Jean Genet, Tristán Tzara,
       André Frenaud,  Bernard Pingaud,  Christiane Rochfort, Marquerite
       Duras, Maurice  Nadeau (alle  Frankreich); Carlo  Levi, Salvatore
       Quasimodo, Ugo  Pirro, Elio Vittorini, Liliane Magrini (alle Ita-
       lien); Vera  Panova, Nekrassov,  Grigori Tschukrai, Alexej Surkov
       (alle Sowjetunion);  Hans Magnus  Enzensberger  (Bundesrepublik);
       Tanasije Vladenovi  (Jugoslawien); Jaroslaw  Iwaskiewicz (Polen);
       Nazim Hikmet  (Türkei); Gabor Tolnai (Ungarn); ferner zahlreichen
       spanischen und portugiesischen Schriftstellern.
       
       BERTRAND RUSSELL ZUR KUBA-FRAGE
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       Bertrand Russell  sagte in  einem Interview,  das die  kubanische
       Zeitung "Revolución" vom 15. Februar veröffentlichte: "Die Hyste-
       rie in  den Vereinigten Staaten gegenüber der kubanischen Revolu-
       tion bedroht den Weltfrieden."
       "Die Vereinigten  Staaten haben schon eine Invasion nach Kuba un-
       terstützt, die  aber fehlschlug,  da der  größte Teil der kubani-
       schen Bevölkerung  fest entschlossen  die Regierung von Dr. Fidel
       Castro verteidigte. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Verei-
       nigten Staaten  von Nordamerika  einen neuen  Versuch planen, dem
       kubanischen Volk  ein Regime  aufzuzwingen, das nicht nach seinem
       Wunsche ist."
       "Ein Angriff  von seiten  der Vereinigten Staaten auf Kuba könnte
       einen Atomkrieg  auslösen, und  aus diesem  Grund allein  muß man
       sich entschieden dagegen wenden."
       "Kein Staat  hat das Recht, Kuba vorzuschreiben, wie es seine ei-
       genen Angelegenheiten  zu regeln hat. Nach einem Jahrhundert ame-
       rikanischer Oberherrschaft  ist Kuba heute in der Lage, Wohnungen
       und Schulen  zu bauen,  die Erziehung  und Kultur voranzutreiben,
       Krankheit, Armut  und Elend  abzuschaffen. Die kubanische Revolu-
       tion verdient  Vertrauen und  Ansporn  und  keine  blinde  Feind-
       schaft."
       "Ich appelliere  an die  Regierung der  Vereinigten Staaten, Kuba
       die Lösung  seiner Probleme zu überlassen, ohne ihm Schwierigkei-
       ten zu  machen. Ich appelliere an die Bevölkerung der Vereinigten
       Staaten, nicht  auf die hysterischen Reden ihrer Führer zu hören.
       Ich appelliere an die Regierungen und Völker Latein-Amerikas, un-
       erbittlich jede  Maßnahme gegen die kubanische Revolution zurück-
       zuweisen."
       Russell sagte  in seinen Schlußworten: "Eine Aktion der Vereinig-
       ten Staaten  gegen Kuba  könnte einen Atomkrieg auslösen, und ein
       solcher Krieg würde die Zivilisation, ja vielleicht überhaupt die
       menschliche Rasse zerstören."
       "Man muß vor alle anderen Dinge den Menschen setzen."
       

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