Quelle: Blätter 1962 Heft 07 (Juli)


       zurück       Anzeige mit ausgesterntem Text


       Aus Copyrightgründen kann DEA hier keine Volltextausgabe machen.
       ----------------------------------------------------------------
       Das vollständige Dokument finden Sie entweder auf der "Blätter"-
       DVD,  die mehr als 9000 Beiträge von 1956-1989  enthält oder auf
       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
       unter www.blaetter.de.
       
       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Vikar Albrecht Bausch
       
       POLITISCHE PREDIGT IN DER EVANGELISCHEN KIRCHE
       ==============================================
       I: Bestandsaufnahme
       -------------------
       Der politischen Predigt ein Kontra!
       -----------------------------------
       ...
       "Leider kann  der Herr  Landesbischof Ihrer  Bitte nicht entspre-
       chen, da  er sich in seinen Predigten an die textgemäße Verkündi-
       gung des  Evangeliums von  unserem Herrn Jesus Christus zu halten
       pflegt -  in der Überzeugung, daß eine Polemik für oder gegen die
       atomare Aufrüstung weder textgemäß ist, noch dem Auftrag des Pre-
       digers entspricht."
       ...
       ...
       "Aber Sie  werden nun  auch verstehen,  daß ich  sehr betrübt bin
       darüber, daß  manche unserer  Amtsbrüder zu  der Meinung  neigen,
       sie... pflegen  'die politische Predigt', wenn sie gegen Atomwaf-
       fen, Atomtod und Wehrdienst sprechen. Damit stoßen sie aber unter
       dem Kopfschütteln  weiter Kreise  offene Türen ein: jedermann ist
       gegen die Verwendung atomarer Kraft zu kriegerischen Zwecken; je-
       dermann ist der Überzeugung, daß der Krieg kein Mittel ist, poli-
       tische Spannungen  zu beheben; keiner will einen Atomtod sterben,
       und schließlich ist keiner gerne Soldat, weil das allerhand Unbe-
       quemlichkeiten mit sich bringt... An Mut fehlt es mir also nicht,
       aber ich  würde niemals  gegen den  Wehrdienst oder gegen moderne
       Waffen in  der Predigt  etwas sagen,  weil das meine Aufgabe weit
       überschritte, mich  lächerlich machte und - gar kein Ausdruck be-
       sonderen Mutes wäre."
       ...
       ...
       "Alles daransetzen, daß jedes Glied meiner Gemeinde und meine Ge-
       meinde als Ganzes fest im Glauben und in der Liebe gegründet ist,
       daß wir  alles aus Gottes Hand nehmen, was er uns schickt, mag es
       nun aus der Wut der Elemente oder aus dem Unverstand der Menschen
       stammen."
       ...
       Doch alles für die staatstreue Predigt!
       ---------------------------------------
       ...
       "Unsere erste  Aufgabe: Das sind Sie, lauter junge Männer, in den
       entscheidenden Jahren  ihres Lebens!  ... Was  Sie als Soldat ge-
       lernt..., das  ist  jedes  einzelnen  Sache.  Aber  der  richtige
       Glaube, Ihr Männer, gehört auch dazu! Ich will in aller Kürze sa-
       gen, warum.  Der Soldat,  der seine  Existenz möglichst hoch ver-
       steht, ist derjenige Mann, der gerichtet ist auf das Leben in der
       Krise. Ihr  habt es  doch eben  gehört (von General Heusinger, d.
       Vf.): Im Angesicht des Todes wurden im Ernstfall Befehle erteilt.
       Und Sie  haben doch  gespürt, was  das für eine Entscheidung ist.
       Jeder Mann, der überhaupt lebt, muß auf Krisen gerüstet sein. Der
       Soldat weiß  es zwei  Nummern deutlicher als andere. Und deswegen
       ist es  nicht einfach  ein Ornament,  wenn wir von den Fragen des
       christlichen Glaubens sprechen." (H. Lilje).
       ...
       ...
       "daß die  evangelische Kirche  mit  dieser  Amtseinführung  durch
       einen Landesbischof  erneut ein  unüberhörbares Ja zu ihrem seel-
       sorgerlichen Dienst an den Soldaten im Rahmen des  u m s t r i t-
       t e n e n   S e e l s o r g e v e r t r a g e s  gesprochen habe.
       Im Namen des Evangeliums könne kein einseitiger Verzicht auf eine
       Bewaffnung in der Bundesrepublik Deutschland gefordert werden..."
       (Sperrung v. Vf.)
       ...
       ...
       "...schon der  geringe Erfolg  einer Befürwortung der Wehrdienst-
       verweigerung, die  durch das Grundgesetz ermöglicht ist..., müßte
       gezeigt haben, daß die Mehrheit unseres Volkes viel realistischer
       denkt und...  davon überzeugt  ist, daß auch ein kleines Volk be-
       reit sein  muß, für  die Verteidigung  seiner Freiheit  Opfer  zu
       bringen. Daß  das in  einem Atomzeitalter geschehen muß, ist ent-
       setzlich, liegt aber nicht in unserer Hand."
       ...
       Rückblende
       ----------
       ...
       "Mit dem Lutherliede: Ein feste Burg ist unser Gott - sind unsere
       Kämpfer in  die Schlacht  gezogen. Mit der Zuversicht: Nehmen sie
       den Leib,  Gut, Ehr, Kind und Weib - das Reich muß uns doch blei-
       ben -  sind sie für das Vaterland, für die höchsten Güter gestor-
       ben. Wie  unsere Väter im Glauben sich des Heldenmutes der Refor-
       matoren, so  wollen auch  wir der  dahingerafften  Blüte  unserer
       Söhne und  Brüder uns  wert erzeigen,  wenn wir im heiligen Ernst
       des Glaubens  zu dem  rechten Manne, der für uns streitet - Jesus
       Christus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit - am Reforma-
       tionstag bekennen:  Ein feste Burg ist unser Gott - das Reich muß
       uns doch bleiben!" (Das 2. Reich, wie sich versteht...)
       ...
       ...
       "Tieferschüttert von  der heutigen  Nachricht... ordnen wir hier-
       durch an, daß im Kirchengebet der Gemeinde etwa in folgender Form
       gedacht wird: Heiliger, barmherziger Gott! von Grund unseres Her-
       zens danken  wir dir,  daß du unserem Führer bei dem verbrecheri-
       schen Anschlag  Leben und Gesundheit bewahrt und ihn unserem Volk
       in einer Stunde höchster Gefahr erhalten hast. In deine Hände be-
       fehlen wir  ihn. Nimm  ihn in  deinen gnädigen  Schutz.  Sei  und
       bleibe du  sein starker  Helfer. Walte in Gnade über den Männern,
       die in  dieser für  unser Volk  so entscheidungsschweren  Zeit an
       seiner Seite arbeiten. Der Landesbischof: Dr. Marahrens; der Lan-
       deskirchenrat: i.V. Stehlmann."
       ...
       ...
       "Herr, Gott  der Heerscharen,  dessen Macht währt von Ewigkeit zu
       Ewigkeit und  dessen Name  ist über allen Namen im Himmel und auf
       Erden, wir  bitten dich,  nimm die Streitmacht der NATO und alle,
       die darin  dienen, unter  deinen Schutz.  Verteidige sie inmitten
       aller Gewaltanwendung zu Land, auf dem Wasser und in der Luft und
       laß sie  sein ein  Schutzschild für die Völker und ein Garant zur
       Sicherheit für  alle, die  da wandeln  in Frieden nach deinem Ge-
       setz. Zur  Zeit des Friedens bewahre sie vor allem Bösen und gib,
       daß sie  nicht den  Mut verlieren zur Zeit des Kampfes. Hilf, daß
       sie bewahren  unsere Freiheit  gegen jene, die die demokratischen
       Freiheiten zerstören oder beschränken wollen, damit die Segnungen
       der Religion  und des Gesetzes uns und den kommenden Generationen
       erhalten bleiben. Amen."
       ...
       Die theologische Wurzel des Übels
       ---------------------------------
       ...
       "Von Polizei  und weltlichem  Regiment wird gelehrt, daß alle Ob-
       rigkeit in  der Welt und geordnete Regiment und Gesetz, gute Ord-
       nung von Gott geschaffen und eingesetzt sind und daß Christen mö-
       gen in Obrigkeit-, Fürsten- und Richter-Amt ohne Sünde sein, nach
       kaiserlichen und  anderen üblichen Rechten Urteil und Recht spre-
       chen, Übeltäter  mit dem  Schwert strafen,  rechte Kriege führen,
       streiten, käufen  und verkäufen,  aufgelegte Eide tun, eigens ha-
       ben, ehelich  sein etc."  Immerhin ist  am Schluß dieses Artikels
       die Gehorsamsgrenze  klar verzeichnet: "...so der Obrigkeit Gebot
       ohn' Sünd  nicht geschehen mag, soll man Gott mehr gehorsam sein,
       denn den Menschen. Apostelgeschichte 5, 29." **)
       ...
       ...
       "In der Welt des Widerstreites muß also das Recht verteidigt wer-
       den, und  die Liebe  muß sich möglicherweise in der Anwendung der
       Schwertgewalt bewähren."
       ...
       Kirche und Demokratie
       ---------------------
       Fazit
       -----
       ...
       "Jetzt sitzen  wir in  einem goldenen  Käfig, im hellsten Rampen-
       licht der  Öffentlichkeit, nicht nur toleriert, sondern angeblich
       aufs höchste  respektiert und  von der  Gesellschaft so großzügig
       ausgehalten, daß  wir uns jede Ausweitung unseres kirchlichen Ap-
       parates leisten können. Nur heraus dürfen wir aus diesem goldenen
       Käfig freilich nicht... Wirklich stören dürfen wir diese Harmonie
       durch unsere  Verkündigung nicht, sondern letzten Endes haben wir
       eben hinterher christlich zu sanktionieren, was Staat und Gesell-
       schaft auch  ohne uns  ohnehin tun."  (Prof. D.  Hermann Diem  in
       "Politische Verantwortung", Dez. 1959.)
       ...
       ...
       "Wollen wir  in der abendländischen Tradition bleiben, so muß der
       Krieg als  eine sittlich beschreibbare Größe, als ein Handeln mit
       sittlicher Zielsetzung und als Mittel des sittlich gerechtfertig-
       ten politischen Willens erkennbar bleiben."
       ...
       ...
       "Wer die  Arbeit der Militärseelsorge in der Deutschen Bundeswehr
       unvoreingenommen beobachtet,  muß zugeben,  daß ein  überraschend
       großer Teil  der Soldaten  und Offiziere  mit  großem  sittlichen
       Ernst an  die Bewältigung  der Probleme  ihres Standes herangeht.
       Sie sind bereit, für diese Aufgabe, der sie nicht ausweichen kön-
       nen und  wollen, sich die Hilfe der Kirche gefallen zu lassen, ja
       man muß  sagen, daß  sie in großer Erwartung nach dieser kirchli-
       chen Hilfe  rufen. Durch  keine Erwägung  kann in  Frage gestellt
       werden, daß die Militärseelsorge die Aufgabe hat, dem Soldaten zu
       helfen, die  drückende Last  seines Berufes  als Christ zu tragen
       und zu  bewältigen." (beides Oberkirchenrat E. Wilkens, Hannover,
       in "Lutherische Monatshefte", April 1962, S. 172.)
       ...
       ...
       "Im Ernstfall  kann ich  nur auf  den  Knopf  drücken  mit  einem
       'Kyrieeleison - Herr erbarme Dich'!"
       ...
       

       zurück