Quelle: Blätter 1962 Heft 08 (August)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DER FALL SCHLIEKER UND DIE WIRTSCHAFTSLAGE IN DER BUNDESREPUBLIK
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       Über die  Wirtschaftslage in der Bundesrepublik geben die derzei-
       tigen Börsenkurse ein zutreffenderes Bild als die letzten, unver-
       ändert  optimistisch   gestimmten  Konjunkturberichte.  Der  Fall
       Schlicker beweist,  daß der  Wettbewerb auf manchen Gebieten fast
       ruinöse Formen  angenommen hat.  Unternehmen, die keinen Rückhalt
       im Kapitalmarkt  finden, sind gezwungen, ihre Produktion zu jeder
       Bedingung zu  verkaufen, um  durch steigende Umsätze das Geld für
       die ständig  steigenden  Kosten  wieder  hereinzubekommen.  Damit
       bringen sie  ihre Konkurrenten in Gefahr, ohne sich selbst retten
       zu können.  Diese verhängnisvolle Spirale kann zu einer Kettenre-
       aktion von Konkursen und schließlich zur Arbeitslosigkeit führen.
       Les Echos (Paris)
       
       Der Antrag  der Willy  H. Schlieker K.G. beim Amtsgericht Hamburg
       auf Einleitung  eines Vergleichsverfahrens  wird in den deutschen
       Küstenländern als Anzeichen für eine Verschärfung der Krise ange-
       sehen, in der sich die deutsche Werftindustrie befindet.
       Im westlichen  Ausland hat der Vergleichsantrag Überraschung aus-
       gelöst. Willy  H. Schlieker  ist 48jährig.  Er wird von den Wirt-
       schaftsexperten als  Industriekapitän angesehen, dem der Ruf vor-
       auseilte, der "krisenfesteste Wirtschaftssteuermann" an der deut-
       schen Küste zu sein.
       Basler Nachrichten
       
       "ANTIKOMMUNISMUS" ALS VORWAND FÜR DRASTISCHE
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       FREIHEITSBESCHRÄNKUNGEN IN SÜDAFRIKA
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       Der für die Staatssicherheit zuständige südafrikanische Justizmi-
       nister Vorster hat am Dienstag eine Liste mit 102 Personen veröf-
       fentlicht, denen  in Südafrika nach dem Gesetz zur Bekämpfung des
       Kommunismus die  Teilnahme an  jeglichen  Versammlungen  verboten
       ist. Die  Genannten dürfen  auch keine Artikel oder Bücher veröf-
       fentlichen. Jedes  im Ausland  erschienene Buch  oder jede  Zeit-
       schrift, die  Äußerungen dieser Personen enthalten, sind vom Ver-
       kauf in Südafrika ausgeschlossen und können beschlagnahmt werden.
       Die Bekanntgabe  ist die  erste Maßnahme,  die sich  auf das Ende
       Juni in  Kraft getretene  "Sabotagegesetz" stützt. Die Hälfte der
       betroffenen Personen  sind Europäer. Allein 32 leben in Kapstadt.
       Die Eingeborenen sind durchweg ehemalige Angehörige des afrikani-
       schen Kongresses,  der 1960 für illegal erklärt wurde. Andere der
       auf der  Verbotsliste aufgeführten  Personen sind  Mitglieder des
       linksorientierten  "Demokratischen   Kongresses"  der   für  eine
       Gleichberechtigung der  Rassen eintretenden Europäer sowie Anhän-
       ger der Liberalen Partei.
       Unter den  prominenten Südafrikanern, die auf der Liste verzeich-
       net sind,  befinden sich der Träger des Friedensnobelpreises, Al-
       bert Luthuli,  der Sohn  des früheren  Generalgouverneurs Patrick
       Duncan, der  nach London  geflüchtete Schriftsteller Ronald Segal
       und der  Universitätsprofessor Harold  Simons,  der  in  Kapstadt
       afrikanisches Recht  lehrt. Luthuli,  Segal und  andere sind  als
       entschiedene Gegner  des Kommunismus bekannt. Sie sind jedoch dem
       Sabotagegesetz unterworfen,  da nach Auffassung der Regierung die
       von ihnen erstrebte Änderung der Staats- und Gesellschaftsordnung
       einem Teilziel des Kommunismus entspricht. Der Justizminister hat
       die Veröffentlichung weiterer Listen angekündigt.
       FAZ v. 1.VII.62
       

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