Quelle: Blätter 1962 Heft 08 (August)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Anmerkungen, Glossen, Zuschriften
       
       ADENAUER UND DIE PROVINZ
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       "In der Provinz denkt man klarer als in der Hauptstadt eines Lan-
       des. Bewußt habe ich mich nach dem Kriege, als die Bundesrepublik
       eine Regierungsstadt  benötigte, für  die Provinz,  für die Stadt
       Bonn am  Rhein mit ihrer ausgezeichneten Universität entschieden.
       Nicht, weil  Berlin für  uns damals  nicht zu  erreichen  gewesen
       wäre." Bundeskanzler  Dr. Adenauer  in Bordeaux Anfang Juli 1962.
       (Nach: Deutsche Zeitung vom 9. Juli 1962.)
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       "Dr. Adenauer  unterstrich, daß er 25 Jahre als Bürger, nicht als
       Einwohner in  Bad Honnef  wohne. Er  erinnerte an  die  gemeinsam
       durchstandene Not der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit, die
       die Menschen  aneinandergekittet habe. Dr. Adenauer bedauerte es,
       daß der  Bürgersinn in den größeren Städten durch die Entwicklung
       der Technik immer mehr schwinde, er glaube, daß die mittleren und
       kleineren Städte  dereinst die Heimat des deutschen Volkes werden
       würden, weil  diese Atmosphäre  in  den  Großstädten  immer  mehr
       schwinde."  Bundeskanzler   Dr.  Adenauer  auf  dem  Festakt  zum
       100jährigen Bestehen  von Bad  Honnef, 14. Juli 1962. (Nach: Köl-
       nische Rundschau am Sonntag vom 15. Juli 1962.)
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       "Celle hält an seiner Tradition fest, Juristen- und Soldatenstadt
       zu sein.  Etwa zweitausend amtierende Juristen, eine große engli-
       sche Garnison  und eine kleinere deutsche leben in Celle. Die mi-
       litärische Vergangenheit  ist seit  den Zeiten  des  Königsreichs
       Hannover lebendig.  Das schützte  die Soldaten in den Nachkriegs-
       zeiten vor  Diffamierung. Längst  haben sie  wieder eine  gesell-
       schaftliche Position.  Die Teilnahme des Militärs entscheidet, ob
       ein Fest  gelingt oder  nicht, sagte  mir ein  Oberstleutnant der
       Bundeswehr. Celle,  die Stadt  der Bälle.  Der Ball der Bälle ist
       der exklusive  Welfenball. Auch die Art der Geselligkeit ist tra-
       ditionsgebunden, obwohl  der Glanz  der zivilen  Soireen  mangels
       Dienstboten und  Reichtum verblaßt  ist. 'Hätten  wir noch unsern
       Fürsten, wären  wir heute bei Hofe', ist ein verbürgter Ausspruch
       aus  dem   Großbürgertum  von   1961."  (Deutsche   Zeitung   vom
       28./29.7.62).
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       In der  Süddeutschen Zeitung  war dazu am 27. Juli zu lesen: "Die
       gesamte CSU, ein FDP-Stadtrat und zwei Mitglieder der Freien Wäh-
       lergemeinschaft (FWG) stimmten gegen die beantragte Straßenbenen-
       nung. Der  CSU-Sprecher, Elektromeister Karl Rückers, gab zu ver-
       stehen, daß seine Fraktion 'angesichts der Berliner Mauer dem An-
       trag nicht  zustimmen' könne.  Frank habe 1955, so sagte Rückers,
       den Nationalpreis  der DDR erhalten und auch angenommen. Außerdem
       sei ihm  1957 aus  Anlaß seines 75. Geburtstages die Ehrendoktor-
       würde der  Ostberliner Humboldt-Universität verliehen worden. Aus
       allen diesen  Gründen könne man nicht eine Straße nach ihm benen-
       nen. Im  übrigen käme dies, so lautete die Auffassung der CSU und
       der FWG,  einer 'Aufwertung  der DDR' gleich. Der Schuhmachermei-
       ster Simon Blenk, der Vorsitzende der FWG, führte gegen Frank ins
       Feld, er  habe 1957 in einem New Yorker Wochenmagazin eine Erzäh-
       lung unter  dem Titel  "Das Mädchen  von Würzburg" veröffentlicht
       und darin  zum Ausdruck gebracht, daß Juden in der Innenstadt zu-
       sammengetrieben und getötet worden seien. Frank war in dieser Er-
       zählung von  den Hexenverbrennungen  in Würzburg  ausgegangen und
       hatte dann  auf die Judenverfolgungen im Dritten Reich übergelei-
       tet. 'Das ist eine Brunnenvergiftung', sagte Blenk. Der ehemalige
       BHE-Stadtrat Oswald  Nippert, der  jetzt bei  der CSU hospitiert,
       erklärte, Frank habe damit Würzburg in Mißkredit gebracht."
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       A.v.B.
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