Quelle: Blätter 1962 Heft 10 (Oktober)


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       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Die Lage
       
       Johannes Weidenheim
       
       RAUSCH, OBSTRUKTION UND NOTWENDIGE TAT
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       ...
       "Es war  wie eine Monsterrevue von Cecil B. de Mille in der Bear-
       beitung von Leni Riefenstahl."
       ...
       ...
       "Ehe wir  uns mit  'Größe' und  sonstigen Gefühlen  beschäftigen,
       sollten wir  das Fundament  unserer demokratischen Ordnung festi-
       gen. Es ist, das wissen wir doch alle, noch lange nicht so stark,
       wie wir es uns wünschen müßten."
       ...
       ...
       "Auf nationaler  oder internationaler Ebene haben weder Franzosen
       noch Deutsche je Großes geleistet, ohne daß bei den einen und den
       anderen militärische Dinge ausschlaggebend gewesen wären."
       ...
       ...
       "Aber ebenso,  wie es für Großbritannien unmöglich ist, Europa zu
       ignorieren, kann  Europa es sich nicht leisten, die Welt zu igno-
       rieren. Präsident de Gaulle und Dr. Adenauer sind im Irrtum, wenn
       sie wirklich  glauben, daß Westeuropa nun seine Zukunft gestalten
       könne, ohne die Macht und die Interessen der Sowjetunion und Ame-
       rikas oder  Asiens und Afrikas zu berücksichtigen. Und hier liegt
       die immer  noch gewaltige Bedeutung des Commonwealth, denn es ist
       bei weitem  das beste  und dazu fast einzige wirklich funktionie-
       rende Bindeglied,  das zwischen  der Alten  Welt Europas  und der
       Neuen Welt  Asiens und Afrikas existiert. Aus diesem Grund dürfte
       das Commonwealth die Garantie dafür sein, daß Europa seinen Blick
       nicht nach innen, sondern nach außen richten wird."
       ...
       ...
       "Anläßlich einer  in Wien  abgehaltenen Feier zum vierzigjährigen
       Bestehen der  Europäischen Union  erklärte ihr  Begründer Richard
       Coudenhove-Kalergi: "Die  Abhaltung einer  internationalen  Frie-
       denskonferenz ist  unerläßlich, um  den Kalten Krieg und die Dro-
       hung eines  nuklearen Weltkonflikts  zu bannen."  Der Redner nahm
       gegen die  Meinung Stellung, daß es keinen Frieden zwischen ideo-
       logischen Gegnern  geben könne. Auf das Beispiel der französisch-
       deutschen  Wiederversöhnung  verweisend,  fuhr  er  fort:  "Warum
       könnte die  Annäherung zwischen  dem Westen und den Sowjets nicht
       noch schneller  vor sich  gehen, da  es doch zwischen ihnen keine
       ererbte Feindseligkeit gibt, sondern nur Differenzen hinsichtlich
       von Wirtschaft  und Politik?" Zum gegenwärtig schärfsten europäi-
       schen Problem,  der deutschen  Frage, äußerte Coudenhove-Kalergi,
       daß es  dem Internationalen  Gerichtshof in Den Haag unterbreitet
       werden könnte:  "Wird es  nicht möglich  sein, die deutsche Frage
       durch den  Abschluß eines  Friedensvertrages zu lösen, dann müßte
       man einen  Waffenstillstand zwischen  der NATO und dem Warschauer
       Pakt in Betracht ziehen." Auf jeden Fall "ist es offenkundig, daß
       die Vereinigung  Europas den Atomkrieg nicht ausschließt, wenn es
       dem vereinigten  Europa nicht  gelingt, sich mit dem sowjetischen
       Nachbarn zu verständigen."" (Le Monde, 28.9.62)
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       Friede darf nicht an den Deutschen scheitern
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       "Wir halten es für bezeichnend, daß bei der jüngsten französisch-
       deutschen Verbrüderung  offiziell fast  nichts über  die deutsche
       Wiedervereinigung gesagt  wurde. Wie erörterten General de Gaulle
       und Dr. Adenauer wohl das Problem der deutschen Wiedervereinigung
       unter vier  Augen? Wir Amerikaner glauben, daß die Wiedervereini-
       gung Deutschlands  eines Tages kommen muß. Somit glauben wir auch
       an die  Notwendigkeit von  Verhandlungen mit  den  Sowjets,  eine
       Überzeugung, die General de Gaulle nicht teilt."
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       ...
       "Der einzige  Weg, die Wiedervereinigung herbeizuführen, ist der,
       daß die Deutschen an ihrer Wiedervereinigung selber arbeiten."
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       "Kein zukünftiger  Historiker soll sagen dürfen, an den Deutschen
       sei der  Friede im Osten gescheitert... Viele ernsthafte Beobach-
       ter der  internationalen Lage  haben das  wachsende  Gefühl,  daß
       keine Zeit mehr zu verlieren ist... Das unverständliche, geradezu
       neurotische Nichtstun, für das sich selbst heute noch hier und da
       einige angebliche  außenpolitische Experten  in Bonn oder sonstwo
       einsetzen, kann  nur zu Krieg oder zu einem schäbigen Olmütz füh-
       ren, aus dem dann später doch der Konflikt entsteht."
       ...
       ...
       "Machen wir  so weiter wie in den letzten zwölf Jahren, dann wer-
       den wir  im besten  Fall im  Osten genau so viel erreichen wie in
       den letzten  zwölf Jahren  - nämlich  gar nichts. Dann würde aber
       auch die Kriegsgefahr sich automatisch bis zu dem Punkt steigern,
       an dem  eine Selbstentzündung nach allen Regeln der Erfahrung so-
       zusagen unvermeidlich werden würde."
       ...
       ...
       "Heute können  die Polen  etwa der deutschen These: "Wir erkennen
       die Oder-Neiße-Linie  nicht an,  wir wollen Revision der Ostgren-
       zen, aber  wir wollen  sie nicht mit Gewalt, nicht durch Macht" -
       heute können sie diesem Worte nicht mehr trauen. Sie kennen diese
       These ja  aus der grauen Vergangenheit der Weimarer Republik. Da-
       mals war die deutsche Haltung ja auch: Wir erkennen nicht an, wir
       versöhnen uns mit dem Polnischen Korridor nicht, wir wollen Revi-
       sion, früher  oder später,  aber nicht mit Gewalt; das war ja die
       These des Außenministers Stresemann. Die Polen wissen gut, was in
       den späten  dreißiger, was  in den  vierziger Jahren  kam." ("Die
       Zeit" v. 7.9.62)
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       "Großbritannien... soll erst dann in die Europäische Wirtschafts-
       gemeinschaft eintreten dürfen, wenn es darauf verzichtet, die Be-
       teiligung weiterer  Staaten und hier vor allem der Bundesrepublik
       am atomaren  Rüstungswettlauf zu einem Verhandlungsgegenstand mit
       der Sowjetunion zu machen... Will die Insel in die EWG, dann soll
       sie ein  für alle  Male Abstand nehmen von jedem Versuch, politi-
       sche Lösungen in Europa zu suchen, die Atomwaffen für die Bundes-
       wehr ausschließen..."
       ...
       ...
       "Die Unfähigkeit einiger deutscher Politiker, das Zögern der ame-
       rikanischen Haltung zu begreifen, einer Ausrüstung der Bundeswehr
       mit Atomwaffen zuzustimmen, spiegelt einen bedenklichen Mangel an
       moralischem Feingefühl und an historischem Denken wider."
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       Pause in Berlin?
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       "Eine   e c h t e,  durchgreifende Hilfe für die Bevölkerung Mit-
       teldeutschlands kann  nur im  Einvernehmen  mit  ihrer  Regierung
       wirksam werden...  Eine wirksame  Hilfe für  die Deutschen in der
       Sowjetzone setzt also ein völlig neues Verhältnis zur mitteldeut-
       schen Regierung  voraus, das  die Entfremdung zwischen den beiden
       Teilstaaten des  Deutschen Reiches und die Entwicklung in Mittel-
       deutschland nicht verschärft, sondern die Spannungen löst."
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       "Und es  scheint auch,  daß eine  ganze Menge der Menschen in der
       Zone tatsächlich  irgendeine Form  von Sozialismus  ganz gern be-
       hielten, aber ohne die Perversitäten, aber ohne die Ausschweifun-
       gen, die  heute das  Wirtschaftsleben in  der Zone  verhunzen und
       verderben. So  wie wir  in Westdeutschland  oder in  Italien oder
       England oder  Frankreich oder  in den  Vereinigten  Staaten  doch
       einen guten Teil von Staatseigentum oder Planwirtschaft haben ne-
       ben der  Privatwirtschaft, so würde ich es nicht als das Ende der
       Dinge ansehen,  wenn innerhalb  des deutschen  nationalen  Raumes
       zwei Wirtschaftssysteme nebeneinander existierten und meinetwegen
       miteinander konkurrierten." ("Die Zeit" v. 7.9.62)
       ...
       Vorschlag zur Integrierung der Opposition
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