Quelle: Blätter 1962 Heft 10 (Oktober)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Arno Behrisch
       
       DER FÜHRER GING, DIE PALADINE BLIEBEN
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       ...
       "Der deutsche Widerstand wurde zur Basis des deutschen Wiederauf-
       stiegs. Diese  Behauptung gilt  einmal wegen der nicht abzustrei-
       tenden Tatsache, daß Deutschland niemals in dieser kurzen Zeit in
       den Kreis  der freien  Nationen aufgenommen  worden wäre, wenn es
       nicht auf  die Tätigkeit des Widerstandes hätte hinweisen können.
       Erst dadurch  wurde die  Kollektivschuld-These der Alliierten wi-
       derlegt und  damit der  Weg für einen Wiederaufstieg Deutschlands
       frei. Sieht  man von  dieser Grundvoraussetzung für den deutschen
       Wiederaufstieg ab,  so wird  unsere These auch dadurch bestätigt,
       daß die Anfänge des demokratischen Lebens nach 1945 in fast allen
       Parteien von Männern des Widerstandes ausgingen."
       ...
       ...
       "Groß ist  die Schuld  weiter Kreise unseres Volkes, die sich nur
       allzu bereitwillig  zu Handlangern und Steigbügelhaltern für Hit-
       ler erniedrigten...  Das furchtbare  Ausmaß des Unrechts, das die
       Hitlerzeit gebracht  hat, verpflichtet,  die Schuldigen  und ihre
       Helfershelfer uunachsichtig... zur Rechenschaft zu ziehen."
       ...
       ...
       "Die aktiven  Nationalsozialisten und  die aktiven  Militaristen,
       die für  den Krieg  und seine Verlängerung verantwortlich sind...
       müssen aus  ihren Stellungen  entfernt werden. Das Elend, das sie
       über Deutschland, über die ganze Welt gebracht haben, schreit zum
       Himmel."
       ...
       ...
       "Das Hauptziel  der US-Besatzungspolitik  bleibt die  Beseitigung
       nazistischer Einflüsse  auf allen  Gebieten des deutschen Lebens.
       Die Bundes- und Landesorgane haben die verfassungsmäßige Pflicht,
       entsprechende Schritte zu unternehmen."
       Nicht minder  deutlich wurde  Ernst Reuter  auf dem Parteitag der
       SPD in Berlin 1947:
       "Wichtiger als die Demontage einzelner Fabriken ist die Demontage
       jener kriegerischen  überheblichen Gesinnung,  die in der Vergan-
       genheit, immer von einer kleinen Minderheit künstlich und zielbe-
       wußt geschürt, den Boden für kriegerische Explosionen vorbereitet
       hat... Wir  wollen dafür  sorgen, daß nicht wieder durch die Hin-
       tertür dieselben  alten innerlich  überlebt gewordenen Kreise aus
       der Versenkung  auftauchen, die von der komischen Vorstellung be-
       sessen sind,  als ob  immer nur  sie allein imstande wären, unser
       Land zu vertreten."
       ...
       ...
       "Es war  für Kurt  Schumacher eine  bittere Enttäuschung, daß die
       SPD beim  Wiederaufbau der  Bundesrepublik von der Regierungsver-
       antwortung ausgeschlossen  blieb... Tatsächlich  geschah der Wie-
       deraufstieg Deutschlands  auch nicht im Zeichen des Widerstandes.
       Er war bewußt auf Versöhnung der durch die nationalsozialistische
       Zeit im  deutschen Volk  aufgerissenen Gegensätze  abgestellt und
       hat erreicht,  daß sich  heute alle Volksschichten in Deutschland
       mit der Demokratie versöhnt haben."
       ...
       ...
       "Die Wiedereingliederung  solcher   M a s s e n   v o n    M i t-
       s c h u l d i g e n   in eine  gesittete freie  Gesellschaft  ist
       kein  justizmäßiges,  nicht  einmal  ein  sittlich-pädagogisches,
       sondern ein  politisches, fast hätte ich gesagt organisatorisches
       Problem."
       ...
       ...
       "Nicht die  Zahl der  wieder salonfähigen  Nazis ist  bedenklich:
       bloß die  Höflichkeit, mit der sie aufgenommen werden, die Breit-
       spurigkeit, mit  der sie  sich gebärden, und die Unverfrorenheit,
       mit der sie die Unbelasteten verdrängen... Mögen sich Gefängnisse
       und Gerichtssäle  von Obernazis  und ihren  Profiteuren leeren  -
       wenn sich nur die Ämter und Theater, die Redaktionen und Filmstu-
       dios, die Fabriken und Anwaltskanzleien nicht mit ihnen füllen."
       ...
       ...
       "Die so  reden, vergessen  den ursächlichen  Zusammenhang...  Das
       Vergessen-Wollen ist Feigheit, ist Flucht vor der Wahrheit."
       ...
       ...
       "Übrigens sind  Freiheit und  andere blendende Worte nur ein Vor-
       wand. Noch niemand hat je nach Unterjochung anderer und Herrenge-
       walt gestrebt, ohne sich dieser Worte zu bedienen."
       ...
       ...
       "Ich frage  die Herren aufs Wort: Sind Sie getreue Diener der De-
       mokratie? Wenn nicht, dann können Sie nur ihre Henker sein!"
       ...
       ...
       "...rechtzeitig alle  politischen  Radikalinskis  und  Umstürzler
       hinter Schloß  und Riegel bringen, falls eines Tages unserer Kon-
       junktur die Luft knapp wird."
       ...
       ...
       "Paragraphenmäßig ist  alles in  Ordnung, aber  ob wir Demokraten
       geworden sind,  bleibt offen,  wenn man  die Demokratie nicht nur
       als eine Abstimmmungsmaschine ansieht." (Heuß)
       ...
       Was im Handbuch des Bundestages alles nicht mehr steht
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       "Gründungsmitglied des  Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold,  von 1933
       bis 1942  Angehöriger einer  Oppositionsgruppe gegen  Hitler, die
       später mit  Dr. Gördeler in Verbindung stand; 1938 Verhaftung und
       Überweisung in ein Zwangsarbeitslager. 1945 von der Militärregie-
       rung als Landrat in Bamberg und 1946 als Generalstaatsanwalt ein-
       gesetzt. Nach  Bildung des neuen Kabinetts Ehard im Dezember 1946
       zum Generalankläger  für Großfälle im Zuge der politischen Säube-
       rung bestellt."
       ...
       ...
       "Mit der  Restaurierung der  ehemals führenden  Schichten  mußten
       aber unvermeidlicherweise alle jene gesellschaftlichen Leitbilder
       und Wertbegriffe  wieder zur Herrschaft gelangen, durch die diese
       Schichten seit  den wilhelminischen  Tagen geprägt  worden waren.
       Ebenso zwangsläufig  hat die  Wiederaufrüstung jene  Kräfte  aufs
       neue an  die Spitze  getragen, denen  das Militärische nun einmal
       mehr ist als ein notwendiges Übel. In der Tat, mit Pazifisten und
       überzeugten Liberalen hätte sich nicht gut aufrüsten lassen. Hier
       mußte man schon andere Reservoire anzapfen, und es war ein glück-
       licher Zufall,  daß man,  psychologisch, auf  die von  Hitler ein
       Jahrzehnt lang  angeheizten antibolschewistischen Affekte zurück-
       greifen konnte."
       ...
       ...
       "Da steht  der Feind,  wo Mephisto  sein Gift in die Wunden eines
       Volkes träufelt;  da steht der Feind, und, darüber ist kein Zwei-
       fel, dieser Feind steht  r e c h t s."
       ...
       

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