Quelle: Blätter 1962 Heft 11 (November)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DER APPELL DES UNO-GENERALSEKRETÄRS AN KENNEDY UND CHRUSTSCHOW
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       UNO-Generalsekretär U Thant  gab den Inhalt seiner Botschaften an
       Präsident Kennedy und den sowjetischen Regierungschef Chrustschow
       in der  Nacht zum  Donnerstag in einer Rede im Sicherheitsrat be-
       kannt. Die  Botschaften sind identisch. Der Text der Botschaft an
       Chrustschow hat folgenden Wortlaut:
       "Ich bin  von den  ständigen Vertretern  einer großen  Anzahl von
       Mitgliedsregierungen der  Vereinten Nationen aufgefordert worden,
       angesichts der  gegenwärtigen kritischen Situation einen dringen-
       den Appell  an Sie  zu richten. Diese Vertreter sind der Ansicht,
       daß im  Interesse des internationalen Friedens und der Sicherheit
       alle Beteiligten  von allen  Aktionen Abstand nehmen sollten, die
       die Situation  verschärfen und  das Risiko eines Krieges mit sich
       bringen könnten.
       Nach Ansicht  dieser Länder  ist es  wichtig, daß  Zeit  gefunden
       wird, um die beteiligten Parteien in die Lage zu versetzen zusam-
       menzukommen, um die gegenwärtige Krise friedlich zu lösen und die
       Situation im karibischen Raum zu normalisieren.
       Das macht  einerseits die freiwillige Unterbrechung aller Waffen-
       lieferungen per Schiff nach Kuba und andererseits die freiwillige
       Aufhebung der  militärischen Blockademaßnahmen  notwendig, welche
       die Durchsuchung von Schiffen auf der Fahrt nach Kuba vorsehen.
       Ich glaube,  daß eine derartige freiwillige Zurückstellung dieser
       Maßnahmen für  eine Zeit  von zwei  bis drei Wochen die Situation
       weitgehend entspannen  und den  beteiligten Parteien  Zeit lassen
       wird, sich  zu treffen  und  Diskussionen  aufzunehmen,  um  eine
       friedliche Lösung des Problems zu finden.
       In diesem  Zusammenhang bin ich gern bereit, mich selbst für alle
       Parteien und  für alle  Dienste bereit  zu halten,  die ich viel-
       leicht leisten  kann. Ich  appelliere dringend  an Eure Exellenz,
       dieser Botschaft  sofortige Beachtung  zu schenken. An den Präsi-
       denten der  Vereinigten Staaten von Amerika habe ich eine gleich-
       lautende Botschaft gerichtet."
       Nach: Süddeutsche Zeitung v. 26.X.62.
       
       DER ÖKUMENISCHE RAT DER KIRCHEN ZUR KUBA-KRISE
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       Auf Grund  von Verlautbarungen der Vollversammlungen des Ökumeni-
       schen Rates  der Kirchen haben Ausschüsse und Amtsträger des Öku-
       menischen Rates  wiederholt ihre  Besorgnis und  ihr Bedauern zum
       Ausdruck gebracht,  wenn Regierungen unilaterale militärische Ak-
       tionen gegen  andere Regierungen  unternahmen. Die Amtsträger des
       Ökumenischen Rates  der Kirchen  fühlen sich  verpflichtet,  ihre
       tiefe Sorge  und ihr  Bedauern über die Aktion auszusprechen, die
       die Regierung  der Vereinigten Staaten gegenüber Kuba durchführen
       zu müssen  glaubt, und  hoffen dringend, daß jede der betroffenen
       Regierungen die  größtmögliche Zurückhaltung  üben wird,  um eine
       Verschlimmerung der internationalen Spannung zu vermeiden.
       Gez. Dr. Franklin Clark Fry, Vorsitzender des Zentralausschusses;
       Dr. Ernest  A. Payne,  stellvertretender Vorsitzender;  Dr.  W.A.
       Visser t' Hooft, Generalsekretär.
       Nach: Neue Zürcher Zeitung v. 3.XI.62.
       

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