Quelle: Blätter 1962 Heft 12 (Dezember)


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       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Anmerkungen, Glossen, Zuschriften
       
       BAYERISCHE LANDTAGSWAHLEN - ERLEBT IN BAYERN
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       Zur "Spiegel-Affäre": für jeden, der es ganz genau wissen will!
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       ...
       "Beunruhigt blickt  das Ausland  auf das große Durcheinander, das
       parteiischer  Übermut   und  dunkle   persönliche  Interessen  in
       Deutschland ausgelöst  haben. ... Bebend vor Erwartung (sind) die
       alten Gegner und Feinde Deutschlands. ... Diese sachliche Analyse
       über die  wirkliche Stimmung  im Ausland ist nur für den erstellt
       worden, der sich wirklich Mühe geben will, die Lage zu verstehen.
       ... Der Deutsche, der mehr wissen will, muß nachdenken. ... Jetzt
       wird wieder  bedenkenlos Attacke  geritten gegen  die positivsten
       Aufbauleistungen im  neuen deutschen  Staat, gegen  Personen, die
       sich darum  die größten Verdienste erworben haben, die diese Lei-
       stungen garantieren: Der Kanzler etwa oder der Verteidigungsmini-
       ster. Sie  sind dem rücksichtslosen Vernichtungswillen der Gegner
       ausgesetzt. Ob dagegen Verschwörung, Verrat und Verantwortungslo-
       sigkeit die  ohnedies stets bedrohte innere und äußere Sicherheit
       der Deutschen  in Frage  stellen, scheint Politikern und Publizi-
       sten der alten Weimarer Schule gleichgültig zu sein. ... Die zer-
       setzende Kritik  in der  deutschen Presse und im Bundestag hat es
       jetzt der alten Verschwörung gegen Deutschland wieder ermöglicht,
       einen Verleumdungsfeldzug  gegen die  Bundesrepublik,  gegen  die
       Deutschen, zu entfachen. ... Den ausländischen Kritikern der Bun-
       desrepublik geht  es ebenso  wenig um  die Sache - Pressefreiheit
       und Rechtsstaatlichkeit  - wie den inneren Gegnern auch. ... Nach
       der Kuba-Spannung  steuert  Moskau  eine  Entspannungswelle,  die
       durchaus geeignet wäre, die Dämme der deutschen Sicherheit zu be-
       schädigen. Im  Westen ist  die Versuchung  wieder im Wachsen, den
       Sowjets die  Entspannung durch  einen Preis  zu  honorieren,  den
       Deutschland auf  Kosten seiner  nationalen Zukunft,  der Berliner
       Freiheit und  der eigenen Sicherheit zu leisten hätte. In den USA
       versuchen die alten Koexistenz-Idealisten und -Fanatiker, die Re-
       gierung unter  Druck zu setzen, von ihr zu erreichen, daß sie die
       Interessen des  "ewigen deutschen  Störenfrieds" über Bord wirft,
       um einen  Ausgleich mit Moskau zu finden.... Daß uns der überwie-
       gende Teil  der englischen  Öffentlichkeit aus Ressentiment, ver-
       letzter nationaler Eitelkeit und Konkurrenzneid nie wohl gesonnen
       war, ist für Fachleute eine feststehende Tatsache. Deshalb ist es
       ein Skandal,  daß sich  die deutsche Opposition auf solche briti-
       sche Kritiker  beruft, denen sie neue Munition für alte Ausbrüche
       der Mißgunst  geliefert hat.  ... Auch  in Frankreich stehen alle
       Parteien und  fast die ganze Presse im Angriff gegen die eine Re-
       gierungspartei und  gegen de  Gaulle. Sie  können der  Versuchung
       nicht widerstehen,  den Staats-Chef ohne Rücksicht auf höhere In-
       teressen des Staates und Europas gerade in seiner Deutschland-Po-
       litik zu treffen und damit seine und Adenauers größte und kühnste
       Initiative abzuwerten.  ... Genauso  wie die deutsche Opposition,
       genauso bedenkenlos,  aus Partei-Egoismus.  ... Der  linke Flügel
       der Regierungskoalition  (in Italien)  betreibt die "Öffnung nach
       links", sucht das Bündnis mit Linkssozialisten. Diese fordern da-
       für einen  außenpolitischen Preis:  Roms Eintreten  für westliche
       Konzessionen in  Berlin, für  Abstriche von der militärischen Si-
       cherheit der  Bundesrepublik. Bisher  hat sich die Regierung Fan-
       fani widersetzt.  Die Linkspresse  nützt nun die Attacken und die
       Kritik der  deutschen Opposition am Kanzler und an Strauß, um das
       Prestige Deutschlands in Italien abzuwerten, um die Regierung auf
       den Kurs gegen die Bundesrepublik hinüberzuziehen. Argumente wer-
       den aus  Deutschland geliefert.  Ihre deutschen  Urheber  berufen
       sich aber  dann ihrerseits  auf "italienische Stimmen". So ist es
       überall in der Welt, denn überall gibt es Kräfte, die Deutschland
       nicht wohlgesinnt sind, deren Spiel von Deutschland gestört wird.
       Das Einschreiten  der deutschen  Justiz  und  die  unvermeidliche
       Amtshilfe der deutschen Regierung haben der Bundesrepublik keinen
       einzigen neuen  Gegner im Ausland geschaffen. ... Für die meisten
       ausländischen Freunde der jetzt entfesselten deutschen Opposition
       gibt es  in ihren Plänen keinen Platz für die Politik dieses Man-
       nes (des  Verteidigungsministers): Politik  der  Sicherheit,  der
       Gleichberechtigung der Deutschen im Bündnis, der Abschreckung des
       Krieges durch  die einzig  geeigneten Waffen und durch die innere
       Stärke des Staates.... Die spontane Verschwörung zwischen den in-
       neren Gegnern  und ausländischen  Widersachern. ...  Verschwörung
       des Schweigens  im Großteil  der deutschen  Presse, des Funks und
       Fernsehens soll den Bundesbürger daran hindern, diesen Tatbestand
       zu erfahren. Er darf nicht wissen, daß die größten und angesehen-
       sten liberalen  Zeitungen Europas  nicht die  deutsche Regierung,
       sondern die  Opposition wegen  ihres Verhaltens in der "Spiegel"-
       Affäre verdammen."
       ...
       ...
       ("Corriere della Sera"!):
       "Das größte  Nachrichtenmagazin der  Welt, die  "Time",  hat  mit
       größter Autorität  und  klassischer  Treffsicherheit  charakteri-
       siert: 'In  seiner redaktionellen  Richtung stand  er (der "Spie-
       gel") gegen  nahezu alles  auf und  für nahezu  nichts  ein,  mit
       Ausnahme vielleicht  der Anerkennung  Ostdeutschlands, für die er
       oft eintrat...'."
       ...
       ...
       (Dagegen ein von uns exzerpiertes Zitat aus demselben Artikel der
       "Time": "Es  hätte sich  so auch  im Hitler-Deutschland abspielen
       können. Gewappnet  mit Arroganz,  Pistolen und Haftbefehlen drang
       die Bundeskriminalpolizei nachts in das Bonner Büro des "Spiegel"
       ein, ...  und führte  die leitenden  Redakteure ins Gefängnis ab.
       ... In  der letzten Woche hat diese Serie von Polizeistaat-Aktio-
       nen die  westdeutsche Republik  bis  ins  Mark  erschüttert.  Von
       Karlsruhe bis  Westberlin hörte  man wieder das schreckliche Wort
       "Gestapo" auf den Straßen.... Die Reaktion in Deutschland war, in
       einem gewissen  Sinne, ein  beruhigendes Zeugnis  dafür, daß  die
       Deutschen heute in einem Rechtsstaat leben wollen.")
       ...
       ...
       "Italiens führendes Meinungsorgan "Corriere della Sera" hatte den
       Kern der  Dinge in  der "Spiegel"-Angelegenheit erfaßt: 'Was hier
       in Wirklichkeit  auf dem  Spiel steht,  ist einerseits  die  Auf-
       rechterhaltung der  gegenwärtigen Politik der deutschen Bundesre-
       gierung und  auf der  anderen Seite  der Kampf verschiedener Men-
       schen und Organisationen um ein Stück Macht mehr.'"
       ...
       ...
       (Ein von  uns exzerpiertes  Zitat aus "Corriere della Sera": "Der
       'Spiegel' ist ein Stück Deutschland, das auch künftig respektiert
       werden wird.")
       "Hier die  Kernsätze aus der Wiener 'Presse': 'Armes Deutschland,
       dem es  so schwerfällt,  Maß in der Demokratie zu finden. ... Ein
       Land, dessen einfache Bürger bessere Wortführer verdienten, schon
       weil ihnen  der gesunde Hausverstand noch nicht abhanden gekommen
       ist'."
       ...
       ...
       "Dem gesunden  Hausverstand des deutschen Bürgers, der Unterstüt-
       zung durch  die Mehrheit  der Wähler  haben es  Adenauer, Erhard,
       Strauß und  andere zu verdanken, daß sie den deutschen Staat, die
       Wirtschaft und  die Verteidigung wieder aufbauen konnten. Die Op-
       positionskräfte haben  jetzt eine  legitime Aktion der Justiz zum
       Vorwand genommen,  eine neue  Attacke ohne Rücksicht auf deutsche
       Verluste zu entfesseln. ... Vielleicht gerade jetzt, weil das Da-
       tum der  bayerischen Landtagswahlen bevorstand, weil sie hofften,
       die deutschen  Bundesbürger Bayerns  zu überrumpeln,  ihnen keine
       Zeit mehr  zu lassen,  den gesunden Hausverstand und ihre politi-
       sche Bildung  zu gebrauchen. Es verhält sich alles so, als ob der
       Wähler seiner  bisherigen Denkfähigkeit  beraubt werden soll. Un-
       sere Analyse  soll ihm  aber die sachliche Überlegung erleichtern
       (wenn es  überhaupt nötig gewesen sein sollte). Denn in der Ruhe,
       Abgeschiedenheit und  dem Ernst der Wahlzelle verhallt das Markt-
       geschrei der Demagogen, sprechen nur noch die Intelligenz und der
       gesunde Hausverstand."
       ...
       ...
       Hans v. Uslar
       ...
       

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