Quelle: Blätter 1963 Heft 01 (Januar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ÖKONOMISCHE UND SOZIALE KONSEQUENZEN DER ABRÜSTUNG
       ==================================================
       
       Auszüge aus einer Untersuchung einer Beratenden Fachgruppe des
       --------------------------------------------------------------
       Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen (Dokument
       ------------------------------------------------------------
       E/3593 des Generalsekretariats vom 28. Februar 1962; Urtext
       -----------------------------------------------------------
       Englisch). Die Mitglieder der Fachgruppe waren: V.Y. Aboltin
       ------------------------------------------------------------
       (UdSSR); Mamonn Beheiry (Sudan); A.J. Brown (England); B.N.
       -----------------------------------------------------------
       Ganguli (Indien), A.A. Khan (Pakistan), O. Lange (Polen), W.W.
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       Leontief (USA), J.A. Mayobre (Venezuela), A. Sanvy (Frankreich).
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       Inhaltsverzeichnis
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       Kapitel 1 Für militärische Zwecke eingesetzte Produktivkräfte.
       Kapitel 2 Die friedlichen  Verwendungsmöglichkeiten der  freiwer-
       denden Produktivkräfte.
       Kapitel 3 Der Einfluß der Abrüstung auf das Sozialprodukt und die
       8eschäftigung.
       Kapitel 4 Strukturprobleme der Umstellung.
       Kapitel 5 Der Einfluß  der Abrüstung  auf internationale ökonomi-
       sche Beziehungen.
       Kapitel 6 Die Auswirkungen  der Abrüstung  auf Größe  und Gestalt
       der wirtschaftlichen Entwicklungshilfe.
       Kapitel 7 Einige soziale Auswirkungen der Abrüstung.
       Kapitel 8 Zusammenfassung und Schlußfolgerung.
       Anhang
       Anhang 1 Die für die Studie grundlegende Resolution für die Gene-
       ralversammlung.
       Anhang 2 Offizielle Statistiken über Militärausgaben (von 59 Län-
       dern der  ganzen Welt).  Anhang 3 Analytische Tafeln, die gewisse
       mögliche wirtschaftliche  Veränderungen im  Falle einer Abrüstung
       veranschaulichen.
       
       Verzeichnis der Tabellen
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       Tabelle 1 Militärausgaben in  den  kapitalistischen  ("Industrial
       Private Enterprise") Ländern, wie sie in den Budget-Aufstellungen
       festgestellt sind, verglichen mit anderen Statistiken, 1957-1959.
       Tabelle 2 Militärausgaben  der  Entwicklungsländer  aufgrund  der
       Budget-Angaben, verglichen mit anderen Statistiken, 1957-1959.
       Tabelle 3 Militärausgaben der  kommunistischen ("Centrally  Plan-
       ned") Länder  aufgrund der  Budget-Aufstellungen, verglichen  mit
       anderen Statistiken, 1957-1959.
       Tabelle 3-1 Wechsel in der Beschäftigung in den Vereinigten Staa-
       ten als Folge einer Verlagerung der Milit. Kosten, 1958.
       Tabelle 3-2 Einfluß der  Abrüstung auf verschiedene Industriesek-
       toren in England, 1959.
       Tabelle 3-3 Direkte und indirekte Rüstungsnachfrage für bestimmte
       Rohmaterialien.
       Tabelle 3-4 Veränderungen in  der Weltnachfrage  nach  bestimmten
       Rohmaterialien nach einer Verlagerung von Rüstungskäufen zu ande-
       ren Nachfragekategorien.
       
       Kapitel 1: Für militärische Zwecke eingesetzte Produktivkräfte
       --------------------------------------------------------------
       
       7. Es ist  wichtig, daß Länder bei der Vorbereitung der Abrüstung
       eine Bestandsaufnahme  der verschiedenen  Produktivkräfte machen,
       die eine  Abrüstung für  friedliche Zwecke  freisetzen würde. Ein
       solcher Überblick  würde wirtschaftliche Planung und Anpassung in
       allen Bereichen, öffentlichen und privaten, nationalen und inter-
       nationalen, erleichtern.
       8. Um die Umstellungsprobleme abschätzen zu können, die entstehen
       mögen, und um die friedlichen Zwecke bestimmen zu können, für die
       die freiwerdenden Produktivkräfte gebraucht werden können, ist es
       notwendig, bis  zu einem gewissen Grade den Umfang und die Zusam-
       mensetzung der freiwerdenden Produktivkräfte zu bestimmen... Auf-
       grund der  verfügbaren Daten scheint Übereinstimmung zu bestehen,
       daß die  Welt gegenwärtig rund 120 Milliarden Dollar jährlich für
       militärische Zwecke  verbraucht. Diese  Zahl entspricht etwa 8-9%
       der jährlichen  Welterzeugung aller  Güter und  Dienstleistungen;
       sie entspricht  wenigstens zwei Dritteln - nach einigen Schätzun-
       gen sogar  der Gesamtgröße  - des Volkseinkommens aller unterent-
       wickelten Länder.  Sie entspricht  fast dem  Wert des  jährlichen
       Weltexports aller Waren...
       9. Etwa 20  Millionen Menschen sind in den Streitkräften der Welt
       tätig. Diese  Zahl schließt nicht diejenigen ein, die laufend mit
       der  Herstellung   militärischer  Güter  oder  der  Leistung  von
       Diensten für die Streitkräfte oder mit der Herstellung der Rohma-
       terialien, Ausrüstung und anderen Gütern, die indirekt in der Rü-
       stungsproduktion gebraucht  werden, beschäftigt sind. Die Gesamt-
       zahl aller Personen in den Streitkräften und in allen produktiven
       Tätigkeiten, die  aus militärischen  Ausgaben entstehen, mag über
       50 Millionen betragen.
       11. ...In vielen Ländern rangiert der geschätzte Anteil der Mili-
       tärausgaben am  Bruttosozialprodukt zwischen 1 und 5%, während in
       anderen, besonders  in einigen  der größeren Länder, die entspre-
       chenden Raten zwischen 5 und 10% liegen.
       12. ...Der Großteil  der Militärausgaben der Welt ist hochkonzen-
       triert in  wenigen Ländern.  Nach den  verfügbaren Angaben fallen
       etwa 85%  der Militärausgaben  der Welt auf 7 Länder: Kanada, die
       Bundesrepublik, Frankreich,  die  Volksrepublik  China,  die  So-
       wjetunion, England und die Vereinigten Staaten von Amerika.
       16. Die verfügbar gemachten Daten einer Reihe von Ländern zeigen,
       daß die Rüstungsproduktion weitgehend in wenigen Industriegruppen
       konzentriert ist,  besonders in  den Munitionsfabriken, den elek-
       trischen  Gerätefabriken,   den  Transportmittelindustrien   ein-
       schließlich Flugzeug- und Raketenwerken. Eine ähnliche Konzentra-
       tion in  den gleichen  Industrien besteht  hinsichtlich der durch
       Militärausgaben Beschäftigten.  In den meisten anderen Industrien
       machen die Militärausgaben einen verhältnismäßig kleinen Teil der
       Gesamtausgaben aus. Die von Militärausgaben abhängigen Industrien
       sind auch  in hohem Grade konzentriert in bestimmten Landesteilen
       und Städten.  Zwar ist  diese Art der Konzentration der Erzeugung
       und Beschäftigung  nicht unbedingt  für alle  Länder  charakteri-
       stisch, aber sie ist im allgemeinen bei den größeren Militärmäch-
       ten gegeben.
       
       Kapitel 2: Die zivilen Verwendungsmöglichkeiten
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       der freiwerdenden Produktivkräfte
       ---------------------------------
       
       (In den  Abschnitten 18-21  wird zunächst ausgeführt, daß es kein
       Problem ist,  die im  Falle einer Abrüstung freiwerdenden Produk-
       tivkräfte für  friedliche Zwecke einzusetzen, "das wirkliche Pro-
       blem ist,  eine Rangordnung  der dringenden Nachfragen aufzustel-
       len". Es  werden genannt:  Die Steigerung  des persönlichen  Ver-
       brauchs von  Gütern und  Diensten;  Neuinvestitionen;  Haus-  und
       Städtebau; Ausbau  von Bildungs-, Gesundheits-, Wohlfahrts-, Kul-
       tur- und Forschungseinrichtungen. Allerdings betont das Dokument,
       daß kurzfristig Schwierigkeiten entstehen:)
       
       22. In der  ersten Zeit...  werden die alternativen Nachfragemög-
       lichkeiten einigermaßen  beschränkt  sein.  Es  braucht  Zeit  um
       Schwerter in  Pflugscharen zu  verwandeln oder  einen Soldaten in
       einen Angestellten  oder Fabrikarbeiter. Studien in einigen Indu-
       strieländern haben  gezeigt, daß  die Produktionskapazitäten, die
       von der  militärischen Nachfrage  nicht mehr  beansprucht werden,
       viel unmittelbarer  auf den Ausstoß von dauerhaften Verbrauchsgü-
       tern und industriellen Ausrüstungen umgestellt werden können, als
       für die  Produktion von  Häusern, Nahrungsmitteln,  Kleidern oder
       Bildungsmöglichkeiten. Daher  sollten die  Länder  in  der  Über-
       gangsperiode nicht  nur die  unbefriedigte Nachfrage nach höherem
       Verbrauch, Investitionen  und Entwicklungshilfe in Rechnung stel-
       len, sondern  auch das Ausmaß, in welchem alternative neue Ausga-
       ben die  besonderen, durch die Abrüstung frei verfügbar werdenden
       Produktivkräfte mehr oder weniger nützen würden ...
       23. In den  zentral geplanten Wirtschaften kann der Übergang, die
       Umformung der  industriellen Kapazität  und der  Arbeitskraft für
       die Produktion  von Gütern für zivile Zwecke in einer verhältnis-
       mäßig kurzen  Zeit erreicht werden... Diese Umstellung kann durch
       Maßnahmen verwirklicht werden, die im Rahmen des allgemeinen öko-
       nomischen Planes  festgelegt worden sind, der ein wünschenswertes
       Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Produktionsmöglichkeiten ga-
       rantiert.
       
       (In den  nächsten Abschnitten  wird gezeigt, daß in allen Ländern
       eine stark  steigende Nachfrage  nach Konsumgütern bestehen wird.
       Dann folgt der Abschnitt:)
       
       S o z i a l i n v e s t i t i o n e n
       29. In den  Vereinigten Staaten hat die Nationale Planungsgesell-
       schaft Ende  1959 die  zunehmenden Ausgabemöglichkeiten  für ver-
       schiedene Staatsprogramme  der  nächsten  fünf  Jahre  geschätzt.
       Diese Schätzungen  sollten einen  Überblick über  die bestehenden
       Entwicklungs- und Verbesserungsprogramme auf verschiedenen Gebie-
       ten für  die nächsten Jahre geben. Die Bedeutung dieser Schätzun-
       gen, die  durchschnittliche jährliche  Ausgaben von 66 Milliarden
       Dollar implizieren,  sollten beurteilt werden im Hinblick auf die
       Tatsache, daß  die gegenwärtigen  Ausgaben der Bundes-Staats- und
       Gemeindeverwaltungen für  all diese  Programme etwa 30 Milliarden
       Dollar im  Jahr betragen.  Daher ist es klar, daß diese Programme
       den größten Teil der durch die Abrüstung freiwerdenden Hilfsquel-
       len aufzehren könnten.
       
       Kapitel 3: Der Einfluß der Abrüstung auf das Nationalprodukt
       ------------------------------------------------------------
       und die Beschäftigung
       ---------------------
       
       (Zunächst -  Abschnitt 52-73  - werden  allgemeine  Probleme  der
       wirtschaftlichen Umstellung,  insbesondere nach dem Zweiten Welt-
       krieg und dem Koreakrieg, behandelt.)
       
       76. Die wirtschaftlichen  Maßnahmen, die nötig sind (im Falle ei-
       ner Abrüstung,  d. Ü.),  eine allgemeine  wirksame Nachfrage auf-
       rechtzuerhalten, sind  in den privatwirtschaftlichen Systemen an-
       dere, als  in den  zentral geplanten. In den letzteren fallen die
       ökonomischen Entscheidungen  in einer  Zentrale. Der Großteil der
       Produktivkräfte  ist   Staatseigentum.   Die   nationalen   Wirt-
       schaftspläne sind  auf eine hohe Wachstumsrate und höhere Lebens-
       standards ausgerichtet.  In den  Privatwirtschaften andererseits,
       wo der private Sektor viel größer ist als der staatliche, ist die
       Macht, ökonomische  Entscheidungen zu fällen, geteilt. Die Regie-
       rungen müssen  sich daher in erster Linie auf verhältnismäßig in-
       direkte Mittel  wie Fiskal-  und Geldpolitik  verlassen,  um  die
       wirtschaftlichen Entscheidungen in den privaten Sektoren des Ver-
       brauchs und der Investitionen zu beeinflussen...
       77. In den  industriellen privatwirtschaftlichen Systemen ist be-
       reits den  Methoden große  Aufmerksamkeit geschenkt worden, durch
       die  die  tatsächliche  Gesamtnachfrage  aufrechterhalten  werden
       kann. Die Mitgliedsstaaten sind aufgrund der Charta der Vereinten
       Nationen verpflichtet, Vollbeschäftigung aufrechtzuerhalten. Eine
       Anzahl von  Regierungen hat  weiteres unternommen, indem sie eine
       nationale Politik  festlegte, die  Maßnahmen in  dieser  Richtung
       vorsieht. Die  verfügbaren Instrumente zur Verhinderung irgendei-
       nes wesentlichen  Rückgangs an  Nachfrage sind wohl bekannt. Ihre
       relativen Erfolge  dagegen variieren stark von einem Land zum an-
       deren und von einer Zeit zur anderen aufgrund der Unterschiede in
       Einrichtungen und  Haltungen  (nämlich  in  bezug  auf  planvolle
       staatliche Vollbeschäftigungspolitik  in den  westlichen Ländern,
       d. Ü.).
       
       Kapitel 4: Strukturprobleme der wirtschaftlichen Umstellung
       -----------------------------------------------------------
       
       (In diesem  4. Kapitel, in den Abschnitten 94-123, des Dokumentes
       werden eine  Reihe von  Einzelproblemen der  Umstellung der Wirt-
       schaft von  der Produktion militärischer zu der ziviler Güter und
       Dienste untersucht.  Es wird  darauf eingegangen,  daß eine Reihe
       von Rüstungs-Produktionsbetrieben  ohne weiteres auf Friedenspro-
       duktion umgestellt  werden kann: "Z.B. kann man ein Werk vom Pan-
       zerwagen-Bau zum  Bau von  Traktoren umstellen; von militärischer
       zu ziviler  Luftfahrt, von Kriegsschiffen zu Handelsschiffen oder
       von elektronischer Ausrüstung für militärische Zwecke zu der Aus-
       rüstung von Fernsehanlagen." (Abschn. 98). Andere Industriezweige
       lassen sich  nach der  Meinung der  Studienkommission nicht  ohne
       weiteres umstellen,  u.a. deshalb, weil es keinen so großen zivi-
       len Bedarf  für die  Produkte, auf  die man diese Werke umstellen
       könnte, gibt. So werden Umstellungen nötig, die nicht bewerkstel-
       ligt werden  können "innerhalb  derselben Produktionsstätte,  die
       vielmehr eine  Verschiebung von  Produktivkräften von einer Indu-
       strie zu einer anderen erforderlich machen". (Abschnitt 98). U.a.
       gibt das Dokument die Ergebnisse einer Untersuchung von Professor
       W. Leontief  wieder, wonach  (bei Zugrundelegung der Verhältnisse
       des Jahres  1958) im  Falle einer totalen Abrüstung in den Verei-
       nigten Staaten  von Amerika  1 320 000 Arbeitnehmer der militäri-
       sche Güter produzierenden Industrien frei werden würden; außerdem
       2 530 000 Mitglieder der Streitkräfte und etwa 790 000 Zivilange-
       stellte der militärischen Bürokratien. Das Dokument fährt fort:)
       
       101. ...Es würden  also etwa  4,5 Millionen  Menschen - etwa 6-7%
       aller Erwerbstätigen von 1958 - bei einer anderen Industriegruppe
       beschäftigt werden müssen, bzw. eine zivile statt einer militäri-
       schen Anstellung finden müssen.
       102. Professor Leontief  schätzt, daß die Zahl der in den vergrö-
       ßerten zivilen  Wirtschaftssektoren Beschäftigten etwa um 600 000
       kleiner sein  würde, als  die derjenigen,  die aus Militärstellen
       und Rüstungsindustrien frei werden. (Dabei nimmt Leontief an, daß
       derselbe  Betrag,  der  bisher  für  Rüstungsausgaben  ausgegeben
       wurde, nunmehr für zivile Ausgaben vom Staat bereitgestellt wird.
       D. Übers.)  Um diese Differenz auszugleichen, müßten die gesamten
       Staats- und privaten Ausgaben während des Prozesses der Abrüstung
       um etwa  1% zunehmen, wenn der allgemeine Beschäftigungsgrad auf-
       rechterhalten bleiben soll...
       
       (In den  Abschnitten 103-105 berichtet das Dokument über ähnliche
       Verhältnisse in  den anderen privatwirtschaftlich geführten hoch-
       industrialisierten Ländern. Absatz 106 und 107 werden die relativ
       geringfügigen Probleme in den Entwicklungsländer skizziert.)
       
       In den zentral geplanten Wirtschaften wird, wie schon zuvor fest-
       gestellt, die  Produktionskapazität gewöhnlich  voll in  Anspruch
       genommen. Dabei würde es notwendig werden, die Produktionsanlagen
       von der  Produktion militärischer  Ausrüstung umzustellen auf die
       Produktion von  dauerhaften Konsumgütern  und von Investitionsgü-
       tern, die  in diesen  Anlagen mit  geringfügigen  Neuausrüstungen
       produziert werden  können. Eine  solche  Umstellung  könnte  sehr
       schnell durchgesetzt werden. Viele Anlagen, die militärische Aus-
       rüstungen produzieren, stellen gleichzeitig gewisse Güter des zi-
       vilen Bedarfs  her. In Polen z.B. erstellen Betriebe, die militä-
       rische Ausrüstungen  produzieren, auch  etwa 50%  der  volkswirt-
       schaftlichen Produktion  von Motorrädern und Motorrollern 80% der
       Sämaschinen, 70%  der Waschmaschinen und 30% der Kühlschränke des
       Landes...
       
       (Der Bericht  kommt zu  dem Schluß,  daß in den östlichen zentral
       geplanten Ländern  die Abrüstung  dazu führen  würde, daß  man in
       viel stärkerem  Ausmaße als bisher Investitionen und Produktionen
       für den  zivilen Bedarf  würde vornehmen können. Das Dokument be-
       handelt dann  noch in  den Abschnitten 111-123 einige Spezialpro-
       bleme wie  die Anpassung der Fachkräfte an die Friedenszeiterfor-
       dernisse, die  Probleme besonderer Subventionen für spezielle Un-
       ternehmungen und  Industrien und die Umorientierung der technolo-
       gischen und Forschungseinrichtungen.)
       
       Kapitel 5: Der Einfluß der Abrüstung auf die
       --------------------------------------------
       internationalen ökonomischen Beziehungen
       ----------------------------------------
       
       124. Die Abrüstung  würde günstige  Wirkungen auf die Entwicklung
       der internationalen  ökonomischen Beziehungen  haben. Die politi-
       sche Entspannung würde ein internationales Abrüstungsprogramm be-
       gleiten und  würde eo  ipso bewirken, daß die Nationen bereit wä-
       ren, ihre  gegenseitigen ökonomischen  Beziehungen zu überdenken.
       Die konsequente Verminderung der internationalen Spannungen würde
       eine gesunde Basis für den Abbau von Handelsschranken und die Än-
       derung bestehender Handelsverträge und Handelspraktiken schaffen.
       Auf lange  Sicht würde das die Expansion des internationalen Han-
       dels fördern,  eine rationale  internationale Arbeitsteilung  und
       einen wirksameren  Gebrauch der Produktivkräfte der Welt ermögli-
       chen...
       
       (In den Abschnitten 125-137 des Kapitels wird ausgeführt, in wel-
       cher Weise  der Handel  zwischen den  geplanten und  den  anderen
       Wirtschaftssystemen ausgedehnt  werden könnte.  ("Die zentral ge-
       planten Wirtschaftssysteme  vergrößern  sich  rapide  und  bilden
       einen wachsenden Markt, besonders für langlebige Produktionsgüter
       und Rohmaterialienausführung".  Abschnitt 126);  es wird gezeigt,
       daß die  Wirtschaftshilfe für die Entwicklungsländer stark ausge-
       dehnt werden  könnte; es wird darauf hingewiesen, daß einige Roh-
       stoff-liefernde Länder im Zusammenhang mit der Abrüstung zunächst
       einen Nachfragemangel  verspüren würden,  der durch  langfristige
       Umplanungen ausgeglichen  werden müßte. ("Es sollte möglich sein,
       selbst kurzfristig  eine bedeutende  Reduzierung des  allgemeinen
       Preisniveaus der Rohstoffe zu vermeiden"; Abschnitt 137.)
       
       Kapitel 6: Die Wirkungen der Abrüstung auf den Umfang
       -----------------------------------------------------
       und den Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklungshilfe
       -----------------------------------------------------
       
       (In diesem  Kapitel wird zunächst dargelegt, daß das Wirtschafts-
       wachstum in den unterentwickelten Ländern erschreckend gering ist
       und die Kluft zwischen dem Lebensstandard dieser armen Länder und
       dem der  reichen Länder  immer größer  wird. Nach einer Abrüstung
       könnte hier  durch vermehrte wirtschaftliche Hilfe ein Wandel ge-
       schaffen werden:)
       
       Bei 141. ...Die  notwendige Folge für die Wachstumsrate (der Ent-
       wicklungsländer, d.  Übers.) mag illustriert werden durch ein hy-
       pothetisches Beispiel,  wonach angenommen  wird, daß diese Länder
       die Hälfte  der Produktionskräfte,  die durch  die Abrüstung frei
       werden, für  Investitionen in der Produktionskapazität verwenden,
       und zugleich  die Rate des gesamten Kapitalzuflusses aus den ent-
       wickelten Länder  (sowohl der  privatwirtschaftlich wie  der zen-
       tralplanerisch bewirtschafteten)  auf etwa  15 Milliarden  Dollar
       jährlich steigt  (etwas mehr als 1 Prozent ihres Bruttosozialpro-
       duktes). Dies  ist ein  mäßiger Anstieg (der Wirtschaftshilfelei-
       stungen, d.  Übers.) angesichts  der 8 oder 9% (des Bruttosozial-
       produktes), die  sie gegenwärtig  für militärische Zwecke einset-
       zen. Unter  diesen Bedingungen  können die  weniger  entwickelten
       Länder damit  rechnen, ihre jährliche Wachstumsrate des National-
       produkts von etwa 3% auf 5% zu steigern. Wenn man von einer jähr-
       lichen Zuwachstumsrate  der Bevölkerung von etwa 2% ausgeht, dann
       würde das  eine Zunahme  des Einkommens  pro Kopf  von 1%  auf 3%
       jährlich bedeuten.
       
       (In den folgenden Abschnitten - bis 156 - werden weitere Möglich-
       keiten stärkerer Wirtschaftshilfe für die Entwicklungsländer dis-
       kutiert; insbesondere  wird darauf  hingewiesen, daß  die Gesamt-
       samme der  diesen Ländern von den Industrieländern zu gewährenden
       Kredite wesentlich höher als jetzt sein könnte.)
       
       Kapitel 7: Einige soziale Folgen der Abrüstung
       ----------------------------------------------
       
       In diesem  Kapitel -  Abschnitt 157-176  - wird noch einmal alles
       das zum  Bewußtsein gebracht,  was in  einer abgerüsteten Welt an
       sozialen Verbesserungen  ermöglicht werden könnte: Steigerung des
       Lebensstandards, insbesondere in den "unterpriviligierten Gesell-
       schaften"; Ausgaben  für wissenschaftliche Forschung, Gesundheit,
       Haus- und Städtebau; Verkürzung der Arbeitszeit, Verbesserung der
       Arbeitsbedingungen, verlängerter  Urlaub. "Im Bereich des persön-
       lichen und familiären Lebens würde die Abrüstung und das Nachlas-
       sen der  Kriegsdrohung bewirken,  daß Spannungen  nachlassen, die
       oft psychosomatische Schäden hervorbringen. Das menschliche Leben
       würde einen  neuen Sinn  erlangen, wenn  einmal der Krieg und die
       Kriegsvorbereitungen ausgeschaltet  wären. Das  ganze Leben würde
       ein helleres  Ansehen gewinnen, besonders für junge Menschen, die
       in einen  Beruf eintreten  oder eine  Familie  begründen  wollen"
       (Abschnitt 160). Es wird weiter darauf verwiesen, in welchem Aus-
       maß die internationalen Beziehungen zwischen den Völkern und Ras-
       sen sich verbessern würden, wie das zerstörerische Mißtrauen zwi-
       schen den  Völkern und  Blöcken nachlassen würde. "Die Menschheit
       würde fähig  werden, in Kooperation diejenigen Projekte zu reali-
       sieren, die  kein einzelnes  Land oder  keine einzelne Gruppe von
       Ländern realisieren kann. (163).)
       
       Kapitel 8: Zusammenfassung und Schlußfolgerungen
       ------------------------------------------------
       
       186. Das gegenwärtige  Ausmaß der militärischen Ausgaben bedeutet
       nicht nur  eine schwerwiegende politische Gefahr, sondern für die
       meisten Länder auch eine gewaltige ökonomische und soziale Bürde.
       Es absorbiert  eine große Menge menschlicher und materieller Pro-
       duktivkräfte aller Arten...
       167. Es scheint  allgemein Übereinstimmung darin zu bestehen, daß
       die Welt,  roh geschätzt,  z. Zt.  120 Milliarden Dollar jährlich
       für militärische  Ausgaben verwendet.  Das  entspricht  etwa  der
       Hälfte der gesamten Brutto-Kapitalbildung der Welt. Das sind min-
       destens zwei Drittel - nach einigen Schätzungen entspricht es so-
       gar der Gesamtsumme - des Volkseinkommens aller unterentwickelten
       Länder.
       169. Es gibt  so viele konkurrierende Bedürfnisse für einen nütz-
       lichen Einsatz der Produktivkräfte, die durch eine Abrüstung frei
       würden, daß  das wirkliche  Problem darin besteht, eine Skala der
       Prioritäten aufzustellen...
       170. Zunehmender persönlicher  Bedarf mag  sehr wohl einen großen
       Teil der freiwerdenden Produktivkräfte absorbieren. Ein wesentli-
       cher Teil  von ihnen müßte dagegen für die Ausdehnung der Produk-
       tionskapazitäten genutzt  werden, denn nur eine solche Ausdehnung
       kann eine  feste Basis für weitere mögliche Zunahmen im Verbrauch
       schaffen...
       171. Sozialinvestitionen sind  eine bedeutende Alternative sowohl
       zu privatem  Verbrauch, wie  auch zu  industriellen und landwirt-
       schaftlichen Investitionen.  Sie erfordern  den übrigen Teil (der
       freiwerdenden Mittel;  d. Ü.), einerseits aufgrund der Dringlich-
       keit der Verbesserung der sozialen Verhältnisse, und andererseits
       aufgrund der  Tatsache, daß  das Wachstum  der industriellen  und
       landwirtschaftlichen Produktivität von der Entwicklung der Erzie-
       hung, des  Wohnungsbaus, der  Gesundheit und anderer sozialer Be-
       reiche abhängt.
       172. Die freiwerdenden  wissenschaftlichen und  technischen  Men-
       schenkräfte würden  die Ingangsetzung von Programmen ermöglichen,
       mit denen elementare wissenschaftliche Untersuchungen in denjeni-
       gen Bereichen  unternommen werden könnten, die bisher vernachläs-
       sigt worden sind, wie z.B. die Nutzbarmachung der Atomenergie für
       friedliche Zwecke,  die Raumforschung, die Erforschung der Arktis
       und Antarktis zum Nutzen der Menschheit und Projekte zur Verände-
       rung des Klimas in riesigen Gebieten der Welt.
       173. Obwohl es  allerdings aktive  Entscheidungen der Regierungen
       gemäß der  nationalen und  internationalen Bedürfnisse  erfordern
       würde, um  die notwendigen Programme für den Einsatz der freiwer-
       denden Produktivkräfte in Gang zu setzen, scheint es völlig klar,
       daß kein  Land einen Mangel an nützlichen Anwendungsmöglichkeiten
       für die  Produktivkräfte hätte, die durch die Abrüstung verfügbar
       würden.
       174. ...Im ökonomischen  Leben aller Länder würden Verschiebungen
       in der  Gestaltung der  Nachfrage und  in der Inanspruchnahme der
       Produktivkräfte auftreten...
       176. In den privatwirtschaftlich geführten Industrien ist den Me-
       thoden, durch  die eine  tatsächliche Nachfrage  aufrechterhalten
       werden kann,  bereits viel Aufmerksamkeit geschenkt worden. Geld-
       und Fiskalpolitik  könnten eingesetzt  werden, um  den Effekt der
       Verkürzung in  der Gesamtnachfrage  auszugleichen, der  durch ein
       Nachlassen in den militärischen Ausgaben entstände, sofern dieses
       Nachlassen nicht  durch ein  Steigen der  zivilen  Staatsausgaben
       ausgeglichen würde...
       178. In den zentral geplanten Wirtschaften ist die Aufrechterhal-
       tung der Nachfrage bei einer Reduzierung der Militärausgaben ein-
       fach eine  Sache der  Wirksamkeit der Planungstechniken. Infolge-
       dessen könnte  die tatsächliche Nachfrage leicht aufrechterhalten
       werden, und  das Grundproblem der Umstellung würde die technische
       Anpassung der  Produktionsanlagen von  der  Waffenproduktion  zur
       Produktion von Zivilgütern betreffen.
       
       (In Abschnitten  179-185 wird noch einmal zusammengefaßt, in wel-
       cher Weise  Abrüstung Arbeitskräfte freisetzen würde, und in wel-
       cher Weise  privatwirtschaftlich und  planwirtschaftlich geführte
       Länder diesen Gefahren der Arbeitslosigkeit und den Problemen der
       Wirtschaftsumstellung begegnen  können.  Abschnitt  186-189  wird
       noch einmal auf die Verbesserung der internationalen Wirtschafts-
       beziehungen infolge  einer Entspannung und Abrüstung hingewiesen,
       und in  den Abschnitten 190-193 die erweiterten Möglichkeiten für
       eine Entwicklungshilfe  der noch  nicht industrialisierten Länder
       betont; 194 schließlich wird noch einmal auf die positiven sozia-
       len Konsequenzen der Abrüstung verwiesen.)
       
       Schlußfolgerung
       ---------------
       
       195. Die Beratende  Gruppe ist  einstimmig der  Meinung, daß alle
       die Probleme  und Schwierigkeiten einer Umstellung, die durch die
       Abrüstung auftreten,  durch entsprechende  nationale und interna-
       tionale Maßnahmen  gelöst werden  können. Es  sollte  daher  kein
       Zweifel darüber  bestehen, daß die Umstellung der Produktivkräfte
       auf friedliche  Zwecke für die Wohlfahrt aller Länder bewerkstel-
       ligt werden  und zu einer Verbesserung der Weltwirtschaft und der
       sozialen Beziehungen führen kann. Die Verwirklichung einer allge-
       meinen und  vollständigen Abrüstung  würde nur  zum Segen für die
       ganze Menschheit sein.
       
       (Es folgen  in dem  Dokument einige  Anhänge: eine auf die Ergeb-
       nisse des Dokuments gegründete Resolution der Generalversammlung;
       Statistiken über  die Militärausgaben  von 59  Ländern aller Erd-
       teile, notiert  in den jeweiligen Währungen und in Verhältniszah-
       len zum  Bruttosozialprodukt der betreffenden Länder; analytische
       Tabellen über  bestimmte mögliche  ökonomische Veränderungen wäh-
       rend der Abrüstungsperiode in den USA und England.)
       
       Copyright dt.  Übersetzung "Blätter  für deutsche und internatio-
       nale Politik"
       

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