Quelle: Blätter 1963 Heft 02 (Februar)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Heinz Abosch
       
       ENTWICKLUNGSLÄNDER ZWISCHEN ABHÄNGIGKEIT UND FREIHEIT
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       Jenseits der Unabhängigkeit
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       ...
       "Es gibt  immer noch  zwei Marokkos:  das Marokko  der Geschäfts-
       leute, der  Grundbesitzer und Beamten und das Marokko der kleinen
       Leute in  den Städten  und der Masse auf dem Lande. Das erste ist
       ein modernes  Land, dessen  Lebensniveau sich dem vieler europäi-
       scher Nationen annähert; das zweite lebt unterentwickelt mit Mit-
       teln, die  kaum höher  sind als  die der Nahostländer. Die beiden
       vereinigten Marokkos  bilden einen politisch unabhängigen Staat -
       man sah  es anhand  seiner diplomatischen  Schritte -,  der  aber
       wirtschaftlich abhängig  ist. Die  von der Kolonisierung geschaf-
       fene Lage wurde nicht wirklich in Frage gestellt."
       ...
       Lateinamerikanische Erfahrung
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       ...
       "weil sie  die Grundlagen  des amerikanischen  Wirtschaftssystems
       bedroht... Denn  wenn (die  USA) vom kubanischen Zucker sprechen,
       denken sie an Erze und seltene Metalle, an Erdöl, Kautschuk, Jute
       usw., die sie aus den Entwicklungsländern beziehen. Die Kontrolle
       über den Zuckerproduzenten verlieren, heißt eine Bresche zuzulas-
       sen, die  andere Länder  ebenfalls benutzen  könnten, deren  Roh-
       stoffe die  USA einführen,  damit 180  Millionen Amerikaner, kaum
       ein Sechstel  der Erdbevölkerung,  die Hälfte  der  Welterzeugung
       verbrauchen können". 3)
       ...
       ...
       "Man muß begreifen, daß der amerikanische Imperialismus alle Län-
       der Lateinamerikas  betrifft und  daß diese Völker viel mehr Ver-
       ständnis dafür  haben, daß  Castro die amerikanische Wirtschafts-
       vormacht erschüttern  konnte,  als  für  alles  Gerede  über  die
       "kommunistische" Orientierung des kubanischen Regimes. Als ich in
       Brasilien war,  konnte ich feststellen, daß man dort Kuba als ein
       Beispiel ansah." 4)
       ...
       Ungenügende Entwicklungshilfe
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       ...
       "Die Resultate  sind enttäuschend.  Weder auf  politischem Gebiet
       noch in  der Form  echten Wirtschaftsfortschritts entsprachen sie
       den Summen,  die die  Hilfe gewährte.  Tatsächlich ist Laos nicht
       das einzige  Beispiel dafür,  daß Hunderte  Millionen Dollar eher
       dazu beitrugen,  eine Situation  zu verderben, als sie zu verbes-
       sern."
       ...
       ...
       "Bisher war  die westliche Hilfe im allgemeinen zweiseitig. Jedes
       reiche Land  - besonders  die ehemaligen  Kolonialmächte - neigte
       dazu, seinen  "Privatgarten" zu  behalten: Einflußsphären,  wo es
       seine Hilfe gegen besondere politische, wirtschaftliche und stra-
       tegische Vorteile eintauschen konnte. Das war ohne Zweifel die am
       wenigsten befriedigende  Art der  Hilfe für  deren Empfänger. Sie
       wird jährlich  festgesetzt und  muß gewöhnlich im Lande des Spen-
       ders ausgegeben  werden. Diese  Form von  Beistand ist am meisten
       dazu geeignet,  der an der Macht befindlichen Gruppe Cadillacs zu
       bezahlen..." 5)
       ...
       ...
       "Insgesamt wuchs Chinas Gesamtproduktion während der ersten Plan-
       perioden beider  Länder dreimal  so schnell wie die Indiens. Nach
       1957 wurde der Unterschied noch größer... Fachleute haben errech-
       net, daß  China seine Investitionen doppelt so wirksam in Produk-
       tion umwandelt  wie Indien. Zwischen 1950 und 1957 wurde in China
       jede Anstiegseinheit  im Nationaleinkommen  mit nur der Hälfte an
       Investitionen bezahlt, wie dies in Indien der Fall war. Der Fort-
       schrittsrhythmus Indiens  kann also trotz ständiger Hilfe von au-
       ßen mit dem Chinas in keiner Weise Schritt halten." 6)
       ...
       ...
       "Es ist  absolut falsch,  demgegenüber darauf hinzuweisen, daß in
       den fünfziger Jahren die westliche Hilfe für die Entwicklungslän-
       der das  Vielfache der  russischen betrug...  Die  Russen  wirken
       zehn- und  hundertfach mehr durch das, was sie in verhältnismäßig
       kurzer Zeit  in der Sowjetunion getan haben, als durch ihre wirt-
       schaftlichen Hilfeleistungen. Wenn die Westmächte daher weiter so
       wenig tun wie bisher, dann droht, daß die Kommunisten große Fort-
       schritte erzielen  und die Mehrheit der Entwicklungsländer in den
       Machtblock totalitärer Staaten einbezogen wird." 7)
       ...
       ...
       "Aber ist  es denkbar, daß der Westen wirklich fähig ist, sich zu
       wachsender Isolierung  und letzten Endes zum Niedergang zu verur-
       teilen, weil  er nichts Positiveres vorschlagen kann, um die kom-
       munistische Herausforderung in den wirtschaftlich zurückgebliebe-
       nen Ländern  der Welt  anzunehmen? Ist diese Tendenz, die Marx im
       internationalen Mabstab recht geben könnte, unabänderlich?" 8)
       ...
       ...
       "Es ist  schwierig, die  Augen vor  der Tatsache zu verschließen,
       daß  sich  gegenüber  den  unterentwickelten  und  wirtschaftlich
       schwachen Ländern exklusive Gruppierungen herausbilden, die neben
       der wirtschaftlichen Ungleichheit politische Beziehungen auferle-
       gen, welche  deutlich an die dem Neokolonialismus eigenen Bindun-
       gen erinnern. Ein bezeichnendes Beispiel dafür ist der Gemeinsame
       Markt und  sein Verhalten  gegenüber Afrika,  das immer  mehr als
       eine dauernde  Rohstoffbasis und  militärisch-politische  Festung
       betrachtet wird", schreibt D. Jerkovic 11).
       ...
       ...
       "um jeden  Preis, unter  dem Vorwand,  der Präsident sei kommuni-
       stisch, versuchten,  die Öffnung des Fächers der Handels- und di-
       plomatischen Beziehungen Brasiliens zu verhindern 12)".
       ...
       Wege der Freiheit
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       ...
       "der Staat sowohl die Akkumulation des Kapitals als seine produk-
       tive Investition planen muß. Diese Planungspolitik muß anderseits
       von  einem   koordinierten  Bemühen   zur  vollständigen  Gesell-
       schaftsumwandlung begleitet  sein -  unter anderem  eine Agrarre-
       form, die  Erziehung der  Massen, die Heranbildung von Technikern
       und die Vernichtung des störenden Aberglaubens -, die nur von ei-
       ner revolutionären Massenbewegung zu vollbringen". 13)
       ...
       ...
       "nicht mehr  ohne Einschränkung  und nicht mehr in derselben Form
       brauchbar, wenn  es um unsere Beziehungen zu den Entwicklungslän-
       dern geht.  Man sollte hierbei auch nicht aus der Perspektive des
       uns geläufigen und fast die Rolle eines Axioms spielenden Antago-
       nismus "Staatswirtschaft - Privatwirtschaft" urteilen". 15)
       ...
       ...
       "Die Konfliktquellen  beseitigen, heißt  den Kolonialismus in all
       seinen Formen  beseitigen und eine Politik der friedlichen Koexi-
       stenz in der Welt gutheißen und durchführen."
       ...
       ...
       "Letzten Endes, nachdem die Leidenschaften sich gelegt hatten und
       der gesunde  Menschenverstand die  Überhand gewann,  stellte  man
       fest, daß  die Religionskriege  einen großen  Irrtum bildeten und
       nicht notwendig  waren... Desgleichen bin ich überzeugt, daß glü-
       hend verteidigte  politische Ideologien uns nicht zum Kriege füh-
       ren sollten. Diese Ideologien könnten friedlich nebeneinander be-
       stehen 16)."
       ...
       

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