Quelle: Blätter 1963 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       PROFESSOR TAMMS WARNT VOR LUFTSCHUTZ-ILLUSIONEN
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       Die Deutsche Zeitung berichtete am 4. März über einen Vortrag des
       Düsseldorfer Baudezernenten,  des bekannten  Städteplaners  Prof.
       Tamms vor  Architekten und Bauexperten aus dem Ruhrgebiet in Düs-
       seldorf:
       
       Der Städteplaner  und Düsseldorfer Baudezernent, Professor Tamms,
       hält die  Schutzbaupläne der  Bundesregierung zur  Sicherheit der
       Bevölkerung im Falle eines nuklearen Krieges für weitgehend illu-
       sorisch. Nach  seiner Ansicht  gibt es gegen den Einsatz von Was-
       serstoffbomben, nukleare  Waffen im  Megatonnenbereich und  gegen
       eine chemische und bakteriologische Kriegführung überhaupt keinen
       wirksamen Schutz,  während man  sich gegen den Einsatz taktischer
       Atomwaffen nur  unter konkreten  Bedingungen schützen  könne. Wer
       die Gefahren  des Atomkrieges "mit Gefühlswerten oder mit politi-
       scher Taktik"  zu bewältigen suche, erklärte Tamms, leiste nichts
       zur Aufklärung  der Bevölkerung... U-Bahnnetze, Tunnel und unter-
       irdische Garagen  sind nach  Ansicht von Tamms völlig ungeeignet,
       da sie in der Regel im Grundwasserbereich liegen und bei atomaren
       Druckwellen gegen  Wassereinbrüche nicht  zu sichern seien. Schon
       unter den  Bedingungen des  konventionellen Krieges habe sich das
       Berliner U-Bahnnetz  als  Mausefalle  erwiesen.  Abgesehen  davon
       seien die  Baumaßnahmen, die  sowohl unterirdischen  Verkehr  wie
       Luftschutz garantieren sollten, so konträr, daß die dafür notwen-
       digen Milliardenbeträge  gar nicht  aufgebraucht werden  könnten.
       Auch Atombunker  hält Tamms in dem Augenblick für illusorisch, in
       dem die  Menschen gezwungen würden, mehrere Wochen lang auf einem
       Raum von  0,5 qm pro Person auszuharren. Die Verschlüsse bildeten
       hier die Hauptschwierigkeit. Öffentliche Versorgungsanlagen seien
       ebenfalls nicht zu schützen, da allein eine Großstadt wie Düssel-
       dorf ein  Kanalnetz von 800 und ein Kabelnetz von 3000 Kilometern
       besitze. Eine  100-Megatonnen-Bombe reiße jedoch einen Krater von
       fünf Kilometern  Durchmesser, eine  15-Megatonnen-Bombe habe noch
       in 100  Kilometer Entfernung vom Explosionsherd die Strahlungsin-
       tensität von 100 Röntgen...
       

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