Quelle: Blätter 1963 Heft 03 (März)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF ZUM OSTERMARSCH 1963
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       Ein Schritt genügt heute,
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       um den  atomaren Weltkrieg auszulösen - das hat die Krise um Kuba
       gezeigt. Noch  aber geht  gegen jede Vernunft das atomare Wettrü-
       sten in  Ost und  West weiter.  Neue Atommächte kündigen sich an.
       Der Tag  scheint nicht mehr fern, an dem jeder verantwortungslose
       Politiker in  der Lage sein wird, seine Fehden mit einem atomaren
       Massenmord auszutragen.  Die Gewöhnung an den Gedanken eines ato-
       maren Krieges  und die  Vortäuschung von  Schutzmöglichkeiten für
       jedermann erhöhen die Gefahr des Ausbruchs eines solchen Krieges.
       Der sogenannten  Landesverteidigung, die  im Ernstfall nichts als
       Landesvernichtung wäre,  wird mehr  und mehr  das gesamte gesell-
       schaftliche Leben,  werden Politik,  Wirtschaft und Erziehung un-
       tergeordnet, wird  der demokratische Stil des Landes geopfert. Um
       des Krieges  von morgen  willen wird  die Demokratie  schon heute
       zerstört.
       Die sinn-  und maßlose Rüstungspolitik in West und Ost verhindert
       die zur  Sicherung des Lebens der anwachsenden Menschheit notwen-
       dige friedliche  Zusammenarbeit der  Völker. Die Rüstungsausgaben
       der beiden Militärblöcke sind heute genau so hoch wie das gesamte
       Volkseinkommen der  Entwicklungsländer.  Während  Milliarden  für
       Waffen aufgewendet  werden, die  die Welt in die Luft zu sprengen
       drohen, hungern  in anderen  Teilen der Welt mehr Menschen als je
       zuvor. Das darf nicht so bleiben!
       
       Überall in der Welt
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       melden sich  Stimmen der  Vernunft. Sie sagen: seit Hiroshima ist
       der Krieg  das Ende aller Dinge. Nur Abrüstung bringt uns Sicher-
       heit. Nur  weltweite Zusammenarbeit  kann unsere Zukunft sichern.
       Jedes Risiko, das einer Politik der Abrüstung innewohnt, verblaßt
       gegenüber den  Gefahren, die  in einem  weiteren Rüstungswettlauf
       liegen.
       Der Druck  der öffentlichen  Meinung in vielen Ländern, die Stel-
       lungnahmen der unabhängigen Atomwaffengegner, der Weltkirchen und
       der blockfreien  Staaten veranlassen  schon heute die Großmächte,
       nicht von Verhandlungen abzulassen.
       Diesen Druck  gelt es  zu verstärken. Wir müssen die Staatsmänner
       zwingen:
       die Kernwaffenversuche einzustellen
       die Ausdehnung des Besitzes von Atomwaffen auf weitere Staaten zu
       verhindern
       Verträge über atomwaffenfreie Zonen zu schließen
       auf die weitere Produktion von Kernwaffen zu verzichten
       und eine allgemeine Abrüstung vorzunehmen.
       Ein neuer  Krieg in  Mitteleuropa, gleichgültig ob Verteidigungs-
       oder Angriffskrieg, wäre das Ende der Existenz unseres Volkes. Es
       muß daher  in unserem Lande alles vermieden werden, was den poli-
       tischen und  militärischen  Konfliktstoff  in  Mitteleuropa  ver-
       schärft. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat auf seinem Kongreß in
       Hannover die  Bundesregierung und  die politischen  Parteien auf-
       gefordert, eigene  Initiative zur  Abrüstung zu ergreifen und auf
       die atomare  Bewaffnung der Bundeswehr zu verzichten. Dieser For-
       derung stimmen wir zu. Wir vom Ostermarsch sagen:
       keine Atomwaffen  auf deutschem Boden! keine deutsch-französische
       Atomwaffenproduktion! Verhandlungen über eine atomwaffenfreie mi-
       litärisch verdünnte Entspannungszone in Mitteleuropa!
       
       Für Europa und die UNO
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       Die Forderung  nach einer Entspannungszone in Mitteleuropa werden
       die unabhängigen  Atomwaffengegner in aller Welt im Jahre 1963 in
       den Mittelpunkt  ihrer Aktionen  stellen.  Der  Ostermarsch  1963
       steht unter dem Motto:
       Mitteleuropa - atomwaffenfrei
       Mitteleuropa - militärisch verdünnte Entspannungszone
       Mitteleuropa - Brücke zwischen Ost und West
       Die Menschen  aller mitteleuropäischen Staaten werden aufgerufen,
       eine Kampagne  für diese  Ziele in  ihrem Land aufzunehmen, damit
       das gemeinsame  Interesse aller  Völker Mitteleuropas, ihr Gebiet
       nicht zum  Schauplatz eines dritten Weltkrieges werden zu lassen,
       deutlich wird.  Von Polen  bis Frankreich  müssen die  Bürger die
       verantwortlichen Politiker  davon überzeugen,  daß  die  Probleme
       Mitteleuropas nur  ohne Gewalt und ohne Gewaltandrohung, in einer
       Atmosphäre des  Vertrauens und der Entspannung gelöst werden kön-
       nen.
       Die Menschen  der ganzen Welt fordern wir auf, die Bemühungen der
       UNO um  Entspannung und  Abrüstung stärker zu unterstützen, damit
       aus ihr  ein wirksames  Instrument weltweiter  Zusammenarbeit der
       Völker wird.
       
       Unsere Kampagne für Abrüstung
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       hat international und in der Bundesrepublik ständig an Unterstüt-
       zung und  Anerkennung gewonnen.  Wir nehmen das gute Recht freier
       Bürger für  uns in  Anspruch: uns  selbst zu vertreten, wo unsere
       gewählten Vertreter  uns nicht  vertreten. Wir  tun dies in aller
       Offenheit, unabhängig  von jeder  parteipolitischen Bindung, fern
       jeder einseitigen Stellungnahme im Kalten Krieg. Wir treten gegen
       jede Gewaltpolitik auf, von wem auch immer sie betrieben wird.
       Wir bitten alle Mitbürger
       sich unserer Kampagne für Abrüstung und Entspannung anzuschließen
       unsere Arbeit geistig und materiell zu unterstützen
       in den  Ortsausschüssen bei  der Vorbereitung  des  Ostermarsches
       1963 mitzuwirken.
       Wer den Frieden will, muß den Frieden mit vorbereiten. Wir arbei-
       ten zu  diesem Zweck  mit Menschen der ganzen Welt. Arbeiten auch
       Sie mit uns.
       
       Ostermarsch der Atomwaffengegner
       Zentraler Ausschuß
       
       Zentraler Ausschuß - Geschäftsführung Dr. Andreas Buro, 8 München
       55, Andreas-Vöst-Straße  5, Feruruf  1 83 61, Postscheck Hannover
       239 848, Dr. Andreas Buro, Sonderkonto Braunschweig.
       Kuratorium des Ostermarsches:
       Frank Allaun, Stefan Andres, Hedwig Born, Margherita v. Brentano,
       Benjamin Britten,  L. John  Collins,  Herbert  Faller,  Ossip  K.
       Flechtheim, Christian  Geißler, Helmut  Gollwitzer, Werner G. Ha-
       verbeck, Gustav  Heckmann, Heinz  Hilpert,  Robert  Jungk,  Erich
       Kästner, Arno  Klönne, Heinz  Kloppenburg, Christel Küpper, Armin
       Prinz zur  Lippe, Wilhelm Maler, Bodo Manstein, Martin Niemöller,
       Katharina  Petersen,  Bertrand  Russell,  Robert  Scholl,  Martin
       Schröter, Helga  Tempel-Stolle,  Johannes  Ude,  Heinrich  Vogel,
       Fritz Wenzel, Ernst Wolf.
       Sprecher des  Zentralausschusses: Hans-Konrad Tempel, 207 Ahrens-
       burg/Holstein, Manhagener Allee 33, Fernruf 48 76
       Unterschriften zum Aufruf sind erbeten an die Geschäftsführung.
       

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