Quelle: Blätter 1963 Heft 04 (April)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ANSPRACHE DES PAPSTES AN DIE VERTRETER DER INTERNATIONALEN
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       PRESSE ANLÄSSLICH DER OFFIZIELLEN MITTEILUNG VON DER VERLEIHUNG
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       DES BALZAN-FRIEDENSPREISES AN JOHANNES DEN XXIII. IN DER
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       SONDERAUDIENZ VOM 7. MÄRZ 1963, AN ALEXEJ ADSCHUBEJ,
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       SCHWIEGERSOHN CHRUSTSCHOWS UND CHEFREDAKTEUR DER "ISWESTIJA",
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       MIT SEINER GATTIN TEILNAHM.
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       Werte Herren,
       Wenn ein internationaler Preis verliehen wird, ist es üblich, daß
       der Preisträger  einige Worte  an die Presse richtet. Für uns ist
       es -  wie Sie  wohl wissen  - durchaus nichts Ungewöhnliches, daß
       Wir die  Vertreter der Presse empfangen. Wir schätzen Ihre Arbeit
       wirklich. Erst  jüngst haben Wir bei Begegnungen mit Journalisten
       von Ihrer  Arbeit gesprochen  und Ihre Kollegen ermahnt, sich dem
       Dienst an  der Wahrheit und an der Gerechtigkeit zu widmen: Veri-
       tas de  terra orta  est, et  iustitia de coelo prospexit (Ps. 84,
       12).
       Wir wollten  Uns an  diesen Brauch halten, nachdem Wir am 1. März
       die offizielle  Mitteilung erhielten,  daß Uns der internationale
       Friedenspreis der  Balzan-Stiftung verliehen wurde, und Wir woll-
       ten Ihre  werte Anwesenheit benutzen, um den Mitgliedern der Bal-
       zen-Stiftung und  dem internationalen  Komitee öffentlich  erneut
       Unseren Dank auszusprechen. Wie sollten Wir nicht freudig darüber
       bewegt sein,  daß die  Wahl einmütig  auf unseren demütigen Namen
       fiel?
       Gewiß, es geht nicht um Unseren Familiennamen, sondern um den Na-
       men den  Wir in  der Nachfolge des heiligen Petrus angenommen ha-
       ben. Sie verstehen, daß Wir deshalb heute vor allem die ehrwürdi-
       gen Namen Unserer Vorgänger in Erinnerung rufen wollen, zumindest
       jene fünf, die Wir im Laufe Unseres Lebens kennengelernt haben.
       Von Leo  XIII. bis  Pius XII. ist alles eine wahre Blüte von Leh-
       ren, Ermahnungen,  pastoraler  und  caritativer  Tätigkeit.  Eine
       Blüte, die jene universale Einmütigkeit vorbereitet hat, die sich
       so wunderbar  manifestierte, als es um die Verleihung des Balzan-
       Preises an Uns ging.
       Damit wird  dem beständigen  Einsatz der Kirche und des Papsttums
       für den  Frieden Ehre erwiesen: Einem Einsatz, dessen charakteri-
       stische Merkmale  durch die Umstände der modernen Zeit immer kla-
       rer hervortraten.  Sie haben, ohne dem Wesen der freien und voll-
       kommenen Souveränität  des römischen  Papstes Abbruch zu tun, auf
       der Ebene  der internationalen Auseinandersetzungen - der kriege-
       rischen oder  der rein  verbalen -  die vollkommene übernationale
       Neutralität der  Kirche und  ihres sichtbaren  Oberhauptes begün-
       stigt.
       Diese Neutralität  versteht sich  jedoch nicht  in rein  passivem
       Sinne, gleichsam  als ob  es die Aufgabe des Papstes sei, das in-
       ternationale Geschehen  zu beobachten  und dazu  zu schweigen. Im
       Gegenteil, es  ist eine  Neutralität, die ihre ganze Zeugniskraft
       bewahrt. Besorgt  um die  Verbreitung der  Prinzipien des  wahren
       Friedens, ermutigt  die Kirche  immer wieder  zu einem  Sprachge-
       brauch und  zur Einführung  von Gewohnheiten  und  Institutionen,
       welche die  Stabilität des Friedens garantieren. Wir haben es im-
       mer wieder  gesagt: Das Wirken der Kirche ist nicht rein negativ,
       es besteht nicht einzig darin, die Regierungen zu beschwören, sie
       mögen bewaffnete  Auseinandersetzungen vermeiden. Die Kirche will
       vielmehr zur  Formung von  Menschen des  Friedens beitragen, Men-
       schen, deren Denken, Handeln und Herz friedfertig ist.
       Die Friedfertigen,  die das  Evangelium selig  preist, sind keine
       Inaktivisten: Sie sind im Gegenteil aktive Förderer des Friedens.
       Es sind  jene, die  den Frieden  schaffen; Facteres  Pacis  (vgl.
       Matth. 5, 9).
       In allen  Riten und  Sprachen erklingt  im Laufe  der Meßliturgie
       wiederholt das  Wort Christi: Pax vobis! Der Friede sei mit Euch!
       Der Zelebrant richtet im Namen der Assistenz an den auf dem Altar
       gegenwärtigen Christus die glühende Bitte, die dann vom mächtigen
       Chor aufgenommen wird: Dona nobis pacem - gib uns den Frieden! So
       muß der  Mensch zuerst um den Frieden bitten, dann muß er lernen,
       ihn zu  leben: Im Kreis der Familie, im sozialen Bereich - und in
       den internationalen Beziehungen.
       Es ist  eine Fülle  schwerer und wohlbekannter Pflichten, die er-
       fordern, daß  man fähig  ist, in edler Weise sich im Gebrauch der
       eigenen Rechte  zu mäßigen und sich einer Sprache zu befleißigen,
       die aufrichtig  und voller  Achtung gegenüber  allen ist,  - auch
       wenn es  darum geht, eine Anklage zurückzuweisen oder das heilige
       Erbe der menschlichen Person, der Familie und der Gemeinschaft zu
       verteidigen.
       Das will  besagen, daß  der christliche  Friede in den göttlichen
       Tugenden seine  Wurzel hat,  im Glauben,  in der Hoffnung, in der
       Liebe. Und  der Friede  festigt sich  und verbreitet  sich  durch
       großherzige und  freiwillige Übung  der Klugheit,  der Gerechtig-
       keit, der Tapferkeit und der Mäßigung.
       Mögen sich  doch diese  friedfertigen Gedanken  immer mehr in der
       Welt verbreiten,  werte Herren!  Es wird  zum Teil  Ihre  Aufgabe
       sein, sie  namentlich durch  die Presse dem Verstand und schließ-
       lich dem  Herzen der  Menschen nahezubringen.  So können Sie sich
       selbst das  Zeugnis ausstellen, zur Verwirklichung jenes Wunsches
       beigetragen zu  haben, der bei der Geburt des Erlösers vom Himmel
       erklang: Friede  den Menschen  auf Erden,  die guten Willens sind
       (Luk. 1, 14).
       Dies will  auch Unser Wunsch sein für alle Nationen, die Sie hier
       vertreten. Mögen  sie immer  mehr die Wohltaten der Eintracht und
       des Wohlstandes  erkennen und überfließen von himmlischen Segnun-
       gen, die  Wir in diesem Augenblick aus der Fülle des Herzens über
       jeden einzelnen von Ihnen erflehen.
       (KNA-Übersetzung)
       

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