Quelle: Blätter 1963 Heft 05 (Mai)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Die Lage
       
       Dr. Achim von Borries
       
       KONKURS IN RATEN
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       ...
       "Man wird  kaum von  der Wahrheit abweichen, wenn man feststellt,
       daß nach  zehn Jahren sozialer Marktwirtschaftstheorie der Fiskus
       und die  großen Kapitalgesellschafeen reicher, das Volk in seiner
       Gesamtheit ärmer  ist als  vor dem  Krieg. Ein Teil des relativen
       deutschen Wirtschaftswunders  ist rein  optisch dadurch  bedingt,
       daß die  Bundesrepublik den  neuen Reichtum  in  das  öffentliche
       Schaufenster gestellt  hat (Juliusturm und Vocketurm) und die un-
       zureichende Vermögensbildung  der Bevölkerung  im  Dunkeln  läßt,
       während die  anderen Länder  die Vermögensbildung in der Bevölke-
       rung kräftig  unterstützen und  in das Schaufenster die öffentli-
       chen Schulden  stellen. Dadurch  kommt das  kuriose Ergebnis  zu-
       stande, daß eine christlich-demokratische Regierung, die ununter-
       brochen das Bekenntnis zu Privateigentum und Sozialstaat im Munde
       führt, in Wirklichkeit den Reichtum bei der öffentlichen Hand und
       den großen  Kapitalgesellschaften konzentriert  hat (und damit in
       die Nähe administrativ gelenkter totalitärer Staaten gerät), wäh-
       rend die  Vertreter kapitalistischer  Wirtschaftsprinzipien (USA)
       den sozialen Reichtum breit verteilen, und sozialistisch regierte
       Länder (wie  ztw. England, Frankreich, skandinavische Länder) die
       private Vermögensbildung auf Kosten der Verschuldung im öffentli-
       chen Sektor fördern. Die Akkumulation der Reichtumsbildung in der
       Zehnjahresperiode 1949/57  ist in  der Bundesrepublik  genau nach
       den Erwartungen von Karl Marx erfolgt und nicht nach den Theorien
       von Ludwig  Erhard." (Anton  Reithinger, "Soziale Marktwirtschaft
       auf dem Prüfstand", Frankfurt am Main 1958, Seite 25 ff.)
       ...
       ...
       "Das deutsche  Steuersystem begünstigt die Selbstfinanzierung der
       Großunternehmungen zu Lasten des Mittelstandes und der Allgemein-
       heit. Die Ausschüttungspraxis der Verwaltungen macht im Gegensatz
       zu den  Gepflogenheiten in anderen Ländern davon in so konsequen-
       ter Weise  Gebrauch, daß  maßgebende Unternehmungen der deutschen
       Ausfuhrindustrie im Verlauf weniger Jahre das Mehrfache ihres Ak-
       tienkapitals neu investiert haben, während sie nur Bruchteile von
       5 bis  10% der  wirklich erzielten  Gewinne an  die Anteilseigner
       ausschütten. Die  deutsche Großindustrie hat auf diese Weise seit
       der Währungsreform  eine Größenordnung von mindestens 100 Mrd. DM
       zusätzlich über den Preis und die Steuerersparnis aufgebracht."
       ...
       ...
       "Also meiner  Meinung nach ist das allererste und wichtigste, daß
       man den  Fehler von 1955 wieder rückgängig macht. Man muß aus der
       Einordnung der  beiden deutschen  Teilstaaten in zwei entgegenge-
       setzte Bündnissysteme  heraus, solange  sie  darin  bleiben,  ist
       nichts zu  machen, denn zwei Teile eines Staates können nicht ge-
       geneinander militärisch  verbündet sein.  Man muß  zweitens - man
       kann nur  heraus aus der Bündnisfrage - und man muß in diesem Zu-
       sammenhang endlich  eine  tatsächliche  Friedensregelung  finden,
       d.h. einen  Ausgangspunkt, der  innere und äußere Verhältnisse in
       Deutschland wieder  reinlich scheidet.  Augenblicklich ist ja das
       Paradoxe das,  daß die deutsche Innenpolitik gewissermaßen ameri-
       kanische und  russische Außenpolitik  ist. Davon  muß man weg. Es
       muß ganz  klar werden:  Also da  ist  ein  Schlußstrich  gezogen,
       Deutschland im ganzen hat die und die Verpflichtungen und die und
       die Grenzen und innerhalb dieser Grenzen und dieser Verpflichtun-
       gen sind  die Deutschen  wieder Herr  im eigenen Haus. Dann kommt
       das Dritte,  nämlich das innenpolitische Zusammenarbeiten der ge-
       trennt gewordenen  Staaten. Komischerweise stelle ich mir das gar
       nicht so  schwer vor, wie manche Leute es tun. Ich kann nicht se-
       hen, daß  es unmöglich sein soll, innerhalb desselben föderativen
       Staates sozialistisch  geleitete Länder und kapitalistisch gelei-
       tete Länder zu haben."
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       ...
       "Sie sind  Pedanten, sie sind Doktrinäre, sie nehmen ihre eigenen
       ideologischen Vorurteile  und das,  was sie  sich  dabei  denken,
       furchtbar ernst.  Aber, das hoffe ich, und ich möchte fast sagen:
       Ich bete zu Gott, daß die Deutschen, nach allem, was sie durchge-
       macht haben,  endlich lernen,  ein bißchen  Humor und Toleranz im
       Umgang miteinander  zu zeigen  und ihre  Ideologien nicht ganz so
       ernst zu nehmen."
       ...
       

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