Quelle: Blätter 1963 Heft 06 (Juni)


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       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Egbert Hoehl
       
       DIE LÜGE ALS STILMANIER
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       Wochenschau und Zeitgeschehen
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       Notwendiger Rückblick
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       ...
       "kamen im  neutralen Ausland  sowohl als  auch in Deutschland zur
       Verteilung und wurden durch gestellte Propagandafilme ergänzt, in
       denen Statisten in britischer Uniform sich den tapferen deutschen
       Truppen ergaben.  Die deutsche  Regierung unterstützte Bemühungen
       dieser Art  zu  'Durchhalte'-Zwecken.  Im  weiteren  Verlauf  des
       Krieges beorderte das Oberkommando eigens ausgewählte Kameraleute
       zur Teilnahme  an militärischen  Operationen. Damit verfolgte man
       die Absicht, eindrucksvolles Bildmaterial zu erhalten, das später
       auch als  historische Unterlage  dienen konnte...  Aber die Deut-
       schen waren  keineswegs die  einzigen, die den Film zu ihren Son-
       derzwecken verwandten.  Die Franzosen  hatten ganz  ähnliche Vor-
       stellungen vom  Nutzen dokumentarischer Kriegsfilme und verhalfen
       ihnen mit nicht geringerem Nachdruck zur Geltung..."
       ...
       ...
       "Diese jungen  Filmbesessenen, denen die Revolution nicht nur ein
       politisches Erlebnis,  sondern eine  optische 'Revolution des Au-
       ges' (Watow)  war, diese  jungen Filmleute  waren es auch, welche
       das Filmmaterial für die legendären Propagandazüge zusammenstell-
       ten, die  1918 in wochenlangen Propagandafahrten den Gedanken der
       Revolution in die entlegensten russischen Provinzen trugen."
       ...
       ...
       "Er vertrat  die Theorie  eines 'mechanischen Objektivismus', wo-
       nach die  Kamera als 'Maschinenauge' der beste Garant für die ob-
       jektive Wahrheit  sei, und  entwickelte die Montage an sich, ohne
       Drehbuch, Atelier  und Schauspielerpersönlichkeit.  Der Regisseur
       dürfe lediglich die  'r e p r o d u z i e r t e  R e a l i t ä t'
       auswählen und  montieren. Die  optische Erfahrung hatte er in den
       23  Folgen  seiner  sowjetoffiziellen  Wochenschau  'Kino-Prawda'
       ('Kino-Wahrheit') gesammelt,  die er  1922 als optische Ergänzung
       der Tageszeitung  'Prawda' im  Auftrage Lenins und Lunatscharskis
       gedreht hatte..."
       ...
       ...
       "Hier... experimentierte Wertow bereits mit den Möglichkeiten der
       Montage, der  filmischen Metapher,  der Rückblende  und der  Vor-
       schau. Nach  Wertows Meinung  verwandelte sich der Film durch die
       Montage  von   einer  bloßen   Widerspiegelung  des   Lebens  zur
       'Organisation des Lebens selbst'..."
       ...
       Die Kunst, nicht zu informieren
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       ...
       "Der Zuschauer soll keiner eigenen Gedanken bedürfen: das Produkt
       zeichnet jede  Reaktion vor: nicht durch seinen sachlichen Zusam-
       menhang -  dieser zerfällt,  soweit er Denken beansprucht -, son-
       dern durch  Signale. Jede logische Verbindung, die geistigen Atem
       voraussetzt,  wird  peinlich  vermieden."  (Adorno/Horkheimer  in
       "Aufklärung als Massenbetrug").
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       "Wie ein  Leitartikel Nachrichten und Facts auf eine höhere Ebene
       erhebt, soll es die Wochenschau auch tun." ("Spiegel", 3.7.57).
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       ...
       "Bewußt wurde von der Aneinanderreihung mehr oder weniger wichti-
       ger Tagesereignisse  Abstand genommen  und die  ganze Wochenschau
       unter den  Titel 'Das  Gesicht unserer  Zeit' gestellt. Ausgehend
       von der  Warnung der deutschen Atomforscher vor der alles zerstö-
       renden Wirkung  der nuklearen Waffen... zeigen wir in eindringli-
       chen Bildern  die vernichtenden  Folgen ihrer  Anwendung, die den
       Menschen von heute ständig bedrohen..."
       ...
       Das stereotype Schema
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       Resümee
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