Quelle: Blätter 1963 Heft 07 (Juli)


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       Buchbesprechungen
       
       NEUERSCHEINUNGEN HISTORISCH-POLITISCHER LITERATUR
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       Soziologie, Geschichte, Philosophie
       -----------------------------------
       
       Ernst Bloch, Avicenna und die Aristotelische Linke. Suhrkamp Ver-
       lag, Frankfurt,  116 S.,  brosch. 3,-  DM (Edition  Suhrkamp, Bd.
       22).
       
       Victor Austin,  Der Amerikanische  Bürgerkrieg in  Augenzeugenbe-
       richten. Aus  dem Amerikanischen von Tilla Schenk. Mit einem Vor-
       wort von Wilhelm Treue. Karl Rauch Verlag, Düsseldorf, 368 S. mit
       6 Kt.,  Zeittafel,  Chronisten-  und  Quellenverzeichnis  und  16
       Bildt., Ln. 19,80 DM. - In der Reihe "...in Augenzeugenberichten"
       liegen schon Ausgaben über die Kreuzzüge und die Französische Re-
       volution vor.
       
       F. Osterroth  / D. Schuster, Chronik der deutschen Sozialdemokra-
       tie. Verlag  J.H.W. Dietz Nachf., Hannover, 672 S., Ln. 19,80 DM.
       - Chronologisch  geordnete Fakten  und Ziffern aus der Geschichte
       der SPD.
       
       Judenfeindschaft. Sieben Analysen des Antisemitismus. Herausgege-
       ben von  Karl Thieme.  S.  Fischer  Verlag,  Frankfurt,  327  S.,
       brosch. 3,60  DM (Fischer-Bücherei, Großband 524). - Sieben Auto-
       ren untersuchen  die Judenfeindschaft aus der Sicht der christli-
       chen, mohammedanischen  und jüdischen  Religion (Johann Maier und
       Hans Wolfram  Gerhard), den  wirtschaftlich, politisch und biolo-
       gisch motivierten  Antisemitismus (Karl  Thieme, Ernst  v. Schenk
       und Karl  Saller) und  stellen die Ergebnisse der Judenverfolgung
       in Deutschland dar (Ernst Ludwig Ehrlich und Kurt Grossmann).
       
       Zeitgeschichte
       --------------
       
       Günter Schubert,  Anfänge  nationalsozialistischer  Außenpolitik.
       Verlag Wissenschaft  und Politik,  Köln, 256  S.,  engl.  brosch.
       26,50 DM.  - Die Anfänge einer speziellen nationalsozialistischen
       Programmatik zur  Außenpolitik datiert  Günter Schubert in seiner
       der westberliner  Freien Universität  vorgelegten Dissertation in
       die Nachkriegsjahre  1919-1923. Er  nennt die damals entstandenen
       "grundsätzlichen und zielsetzenden Vorstellungen" des Nationalso-
       zialismus einen  "invertierten Sozialimperialismus", dessen klare
       Angriffsposition gegen  das "System von Weimar" gleich zeitig Me-
       thode war: Erst die Kräfte der Demokratie in Deutschland beiseite
       räumen und dann "gegen die äußeren Feinde" antreten.
       
       Enno Georg,  Die wirtschaftlichen Unternehmungen der SS. Deutsche
       Verlags-Anstalt, Stuttgart,  ca. 175  S., engl.  brosch. 9,80  DM
       (Schriftenreihe der  Vierteljahreshefte für  Zeitgeschichte, Heft
       7). -  Diese "Häftlingsbetriebe"  entstanden schon vor Beginn des
       Zweiten Weltkrieges  und dienten neben der Erzielung ökonomischen
       Gewinns der  Ausnutzung "menschlicher Reserven" in den Konzentra-
       tionslagern für die Rüstungswirtschaft des Dritten Reiches.
       
       Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen des Ru-
       dolf Höß. Herausgegeben von Martin Broszat. Deutscher Taschenbuch
       Verlag, München, 189 S., brosch. 2,50 DM (dtv/Dokumente/Bd. 144).
       
       H. Göppinger/J.G.  Reißmüller, Die  Verfolgung der Juristen jüdi-
       scher Abstammung durch den Nationalsozialismus. Ring Verlag, Vil-
       lingen, 172 S., Paperbark 9,80 DM.
       
       Nathan Cohen, Rechtliche Gesichtspunkte zum Eichmann-Prozess. Eu-
       ropäische Verlagsanstalt, Frankfurt, 92 S., brosch. 6,80 DM.
       
       Gordon C. Zahn, German Catholics and Hitlers Wars. A Study in So-
       cial Control.  Sheet and  Ward, London-New  York, 346 S., brosch.
       18/6 net.  - Eine vorzügliche, auf eingehendem Quellenstudium be-
       ruhende Darstellung der Beziehungen zwischen dem nationalsoziali-
       stischen Staat  und der  katholischen Kirche,  die auch  vor  den
       "Tabus" dieses Themas nicht halt macht.
       
       Aktuelle Themen
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       Robert Jungk, Die Zukunft hat schon begonnen / Heller als tausend
       Sonnen /  Strahlen aus  der Asche.  Sonderausgabe in  einem Band.
       Scherz Verlag, Berlin-Wien-Stuttgart, 800 S., Ln. 16,80 DM.
       
       James Baldwin, Schwarz und Weiß oder Was es heißt, ein Amerikaner
       zu sein. Elf Essays. Aus dem Amerikanischen von Leonarda Gescher-
       Ringelnatz. Nach  den in  den Bänden  "Notes of a Native Son" und
       "Nobody Knows My Name" erschienenen Essays. Rowohlt Verlag, Rein-
       bek, 140  S., Paperback,  9,80 DM. - Der 33jährige Schriftsteller
       James Baldwin gehört heute zu den maßgebenden geistigen Repräsen-
       tanten der  Farbigen in  den Vereinigten Staaten. Kürzlich suchte
       er mit  einer Delegation Präsident Kennedy im Weißen Haus auf, um
       dort für die Garantierung der Bürgerrechte auch in den Südstaaten
       der USA einzutreten.
       
       Theodor H.  White, Der Präsident wird gemacht. Aus dem Amerikani-
       schen von  Klaus Schoenthal.  Kiepenheuer & Witsch, Köln, 480 S.,
       Ln. 29,80  DM.  -  Wie  der  Präsident  unter  dem  Sternenbanner
       "gemacht" wird,  studierte und  beschrieb der Amerikaner White am
       Objekt: der  Kandidatur und "Wahlschlacht" von John F. Kennedy im
       Jahre 1960.
       
       Anthony Sampson, Wer regiert England? Mit einem Vorwort von Theo-
       dor Eschenburg.  Aus dem Englischen von Günter Eichel. Piper Ver-
       lag, München,  580 S.,  Ln.  26,-  DM.  -  Fesselnd  geschriebene
       "Anatomie einer  Führungsschicht", die  auf den britischen Inseln
       schnell zum  Bestseller wurde. Ihr Verfasser ist prominenter Mit-
       arbeiter des  Londoner "Observer"  und er erweist sich als Kenner
       von Aristokratie,  Clubs, Fleet Street, Regierung und Militär wie
       auch des  parlamentarischen und wirtschaftlichen Vorder- und Hin-
       tergrundes. Theodor  Eschenburg nennt das Buch einen "politischen
       Baedecker" für das heutige England und die Diagnose "auch für uns
       Deutsche brennend interessant".
       
       Conor C.  O'Brien, Meine Mission in Katanga. Enthüllungen weltpo-
       litischer Hintergründe.  Paul List-Verlag,  München, 362  S., Ln.
       18,80 DM.  - Ein halbes Jahr, von Mitte bis Ende 1961, konnte der
       irische Historiker und Diplomat das Material für sein Buch an Ort
       und Stelle sammeln. UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld hatte ihn
       mit dem  Auftrag nach Elisabethville gesandt, dort die Wiederein-
       gliederung Katangas  in den kongolesischen Staatsverband zu über-
       wachen. Aber  O'Brien resignierte.  Er quittierte  den Dienst bei
       der Weltorganisation als er sah, daß Belgien, Frankreich und auch
       Großbritannien den "Separatisten" Tschombe unterstützten, um ihre
       wirtschaftlichen Interessen  und Beteiligungen an der erzfördern-
       den Union Minière zu erhalten.
       
       Paul Dahm,  Johannes XXIII. Der Papst des Konzils. Kühlen Verlag,
       Mönchengladbach, 152  S. mit 149 Abb., Ln. 26,- DM. - Bildbiogra-
       phie des verstorbenen Papstes und Fotobericht über die erste Ses-
       sion des Konzils.
       
       Ulrich Sonnemann, Das Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten. Deut-
       sche Reflexionen. Rowohlt Verlag, Reinbek, 296 S., Paperback 9,80
       DM.
       
       Geoffrey McDermott,  Berlin: Success  of a Mission? André Deutsch
       Ltd., London,  16/ - net. - Schlagzeilen berichteten im September
       1962 von der "vorzeitigen Pensionierung" des politischen Beraters
       des britischen  Stadtkommandanten in  Berlin. Die Differenzen des
       Gesandten mit  dem Foreign  Office wurden bald bekannt: McDermott
       riet zu einer Anerkennung der DDR und der gegenwärtigen deutschen
       Grenzen und  befürwortete Verhandlungen  über ein "besonderes Ge-
       biet" Westberlin  mit freiem  Zugang und dort verbleibenden Mili-
       tärkontingenten. (Vgl.  "McDermotts Berlin-Vorschläge"  in "Blät-
       ter", Heft 10/1962, S. 773.)
       

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