Quelle: Blätter 1963 Heft 11 (November)


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       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Dr. jur. Ilse Staff
       
       BEWÄLTIGUNG DER VERGANGENHEIT (I)
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       ...
       "Gesteht! Was man von je
       Gewußt,
       Es ist durchaus nichts wissenswürdig",
       ...
       ...
       "Heute dagegen  ist der  durchschnittliche Mensch  infolge seiner
       historischen Ignoranz  fast in  der Lage des ersten Menschen, und
       daher kommt  es u.a., daß in der Tat aus seiner alten und überzi-
       vilisierten Seele  plötzlich unerwartete  Formen der  Rohheit und
       der Barbarei hervorbrechen." (Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart,
       1951.)
       ...
       ...
       "Es gibt  fast nichts  Rechtes oder  Unrechtes, das nicht mit dem
       Wechsel der  Himmelsgegend seine  Natur wechselte. Drei Grad Pol-
       höhe stürzen  die ganze Jurisprodenz um, ein Meridian entscheidet
       über die  Wahrheit. Nach  wenigen Jahren des Besitzes ändern sich
       grundlegende Gesetze, das Recht hat seine Epochen. Eine spaßhafte
       Justiz, die  ein Fluß  oder ein Berg begrenzt. Wahrheit diesseits
       der Pyrenäen, Irrtum jenseits."
       ...
       ...
       "Wenn man  aufmerksam untersucht, was sich in der Welt zugetragen
       hat, seit  die Menschen  die vergangenen Ereignisse im Gedächtnis
       bewahren, könnte man mühelos feststellen, daß sich in allen zivi-
       lisierten Ländern  neben einem Despoten, der befiehlt, fast immer
       ein Rechtsgelehrter  befindet, der  dessen willkürliche und unzu-
       sammenhängende Willensakte  in eine  Ordnung und  Übereinstimmung
       bringt. Die  allgemeine und  unbestimmte Liebe zur Macht, die die
       Könige erfüllt,  ergänzen sie durch die Freude an der Methode und
       die Kenntnis  von den  Einzelheiten der  Herrschaft, über die sie
       selbstverständlich verfügen. Jene verstehen es, die Menschen vor-
       übergehend zum Gehorsam zu zwingen; diese besitzen die Kunst, sie
       fast freiwillig zu ständiger Fügsamkeit zu beugen. Die einen lie-
       fern die Macht, die andern das Recht. Jene gelangen durch Willkür
       zur höchsten  Macht, diese  durch Legalität. An dem Schnittpunkt,
       an dem  sie sich  begegnen, entsteht  ein  Despotismus,  der  der
       Menschheit kaum  die Luft  zum Atmen läßt: wer nur an den Fürsten
       denkt, nicht  an den  Juristen, kennt  nur die eine Seite der Ty-
       rannei; um  das Ganze zu erfassen, muß man aber beide zugleich im
       Auge haben."  (zitiert nach  "Das Zeitalter der Gleichheit", her-
       ausgegeben  von  Siegfried  Landshut,  Kröner  Verlag  Stuttgart,
       1954.
       ...
       ...
       "Die Wissenschaft  als solche  konnte nur durch die Forscher rui-
       niert werden. Daß dieses geschah, ist die Schmach unserer Univer-
       sitäten... Es ist erschütternd, was bei den Nachforschungen jetzt
       unter dem  einmal Gedruckten gefunden wird aus der Feder von Män-
       nern, bei denen es kaum jemand erwarten würde... Man muß im Blick
       auf die  Gesamtpersönlichkeiten und ihre Leistungen Entgleisungen
       nicht als solche isolieren und allein bewerten, aber man darf bei
       der Anklage im ganzen sie auch nicht vergessen... Der Zustand der
       Wissenschaftlichkeit war  offenbar vor 1933 schon so brüchig, daß
       er nur  geringen Widerstand leisten konnte. Diese Anklage richtet
       sich gegen den Boden, auf dem die nationalsozialistischen Verbre-
       chen gegen  die Wissenschaft möglich waren... Was der Nationalso-
       zialismus mit  Sterilisierung, Geisteskrankenmord  und Rassenwahn
       verwirklichte, das war längst vorher entworfen in einem Mißbrauch
       der Wissenschaft... Ermöglicht wurde der Sturz der Wissenschaften
       infolge des  nationalsozialistischen Verbrechens durch die vorher
       verbreitete Unklarheit  darüber, was  Wissenschaft ist..." (Piper
       Verlag München, 1958.)
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       ...
       "Dem Herrn  Minister für  Wissenschaft,  Kunst  und  Volksbildung
       teile ich  ergebenst mit,  daß ich mich außerstande sehe, derzeit
       meine Vorlesungen  aufzunehmen. Zur vorläufigen Begründung beehre
       ich mich  hinzuzufügen: Nachdem  ich mich bisher auf Grund meiner
       venia legendi zu den Traditionen des deutschen Humanismus bekannt
       habe; nachdem  diese Traditionen an den preußischen Universitäten
       in einem  Maße, wie  es die  deutsche Geschichte bisher nicht ge-
       kannt hat,  verlassen worden sind: nachdem die deutsche Universi-
       tät als  solche in ihren hierzu berufenen Organisationen für ihre
       Idee zu  kämpfen aufgehört  hat und  nachdem die Erfüllung meiner
       Amtspflichten auf Schritt und Tritt Opfer der Gesinnung, und zwar
       Opfer solcher Art von mir fordert, wie ich sie als gerechtfertigt
       im Sinne des deutschen Gedankens keineswegs betrachten kann, sehe
       ich mich  gegenwärtig der Möglichkeit beraubt, mein Lehramt sinn-
       gemäß zu verwalten." (Zitiert nach "Vermächtnis der Antike", her-
       ausgegeben von  Carl Becher, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen,
       1960.)
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