Quelle: Blätter 1963 Heft 11 (November)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       MAHNMAL FÜR NOBELPREISTRÄGER OSSIETZKY
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       Die Gewerkschaftsjugend errichtete im ehemaligen KZ Papenburg
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       eine Gedenkstätte
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       Papenburg/Emsland (dpa).  Ein Mahnmal der Gewerkschaftsjugend für
       den deutschen  Friedensnobelpreisträger und Journalisten Carl von
       Ossietzky wurde  wenige Monate  nach seinem  25. Todestag auf dem
       Friedhof des  früheren Konzentrationslagers  Papenburg-Esterwegen
       eingeweiht. Es  besteht aus  zwei übereinandergelegten Findlings-
       blöcken. Auf  einer schlichten Bronzeplatte wird auch der politi-
       schen Mithäftlinge Ossietzkys gedacht. Der Friedensnobelpreisträ-
       ger von  1935 war  nach dreijähriger Haft im KZ Esterwegen Anfang
       Mai 1938  als Gefangener der Gestapo in Berlin an Tuberkulose ge-
       storben.
       In einer  Feierstunde würdigte  der stellvertretende  DGB-Vorsit-
       zende Beermann die Persönlichkeit Ossietzkys als eines aufrechten
       Republikaners und  Demokraten. "Feindlich  stand er nur jenen ge-
       genüber, die  den Machtapparat des Staates für verfassungswidrige
       Handlungen mißbrauchten.  Diese Unterscheidung  ist sehr wichtig,
       denn sie  ist bis  heute noch nicht ins Bewußtsein aller Menschen
       gedrungen", betonte Beermann.
       Der stellvertretende DGB-Vorsitzende bedauerte, daß über 25 Jahre
       vergehen mußten,  bis Ossietzky  an diesem Ort seines Leidens ein
       bescheidenes Denkmal  gesetzt werden  konnte. Es sei bezeichnend,
       daß es  in unserem Staate Menschen gebe, die diesen erbarmungslos
       verfolgten Mann  auch heute  noch beleidigten  und sein  Andenken
       schmähten. Der Bekennermut Ossietzkys müsse in einen größeren Zu-
       sammenhang gestellt  werden. Es  seien nicht  nur  Offiziere  und
       Geistliche, nicht nur wenige Männer aus Wissenschaft und Publizi-
       stik gewesen,  die sich gegen Hitler auflehnten, sondern an ihren
       bescheidenen Plätzen  viele Frauen  und Männer aus der Arbeitneh-
       merschaft.
       Das Mahnmal  für Ossietzky steht auf einem mit Bäumen und Buschen
       bepflanzten etwa  60 Quadratmeter  großen Platz. Dorthin waren zu
       der Gedenkstunde  auch ehemalige  Mithäftlinge  Ossietzkys  sowie
       Vertreter der  Verfolgtenorganisationen und  Persönlichkeiten des
       öffentlichen Lebens,  unter ihnen  der niedersächsische Landtags-
       präsident Lehners, gekommen.
       Die Initiative  zur Errichtung  der Gedenkstätte  ging von jungen
       Bergarbeitern in Essen aus. Die Jugend der IG Bergbau und Energie
       sammelte gemeinsam  mit dem  DGB-Landesbezirksjugendausschuß Nie-
       dersachsen über tausend Mark für die Gestaltung des Mahnmals, Die
       staatliche Moorverwaltung  Emsland half  den Jugendlichen,  einen
       geeigneten Platz zu finden.
       Süddeutsche Zeitung v. 7.10.63
       

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