Quelle: Blätter 1963 Heft 11 (November)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       STRAUSS UND DIE KATHOLISCHE AKTION
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       Die Auseinandersetzung  zwischen CSU-Spitze und katholischem Kle-
       rus ist  in eine  bemerkenswerte Sackgasse geraten. Die Auseinan-
       dersetzungen begannen für die Öffentlichkeit erkennbar zu werden,
       als sich  die Gerüchte  zur undementierten Tatsache verdichteten,
       Strauß habe von Kardinal Döpfner eine eindeutige Abfuhr erhalten.
       Eine Eigenschaft,  in der  Strauß nie  enttäuschte, nämlich seine
       minuziös sorgfältige  Rache, setzte  ein, als  er sich  in seinem
       Parteitagsreferat mit den "dunklen Mächten" der "Katholischen Ak-
       tion" befaßte,  umbraust vom  Jubel seiner  Anhänger.  Bis  heute
       steht der wütende Kampf des Franz-Josef Strauß gegen einzelne ka-
       tholische Publizisten und Journalisten im Vordergrund.
       Es folgte der berühmt gewordene "Filser-Brief" in Straußens Haus-
       blatt "Bayern-Kurier",  dessen Angriff auf den Klerus aus der Fe-
       der des  unter  unrühmlichen  Umständen  schon  einmal  aus  CSU-
       Diensten ausgeschiedenen Sexual-Literaten Hans Wüst stammten...
       Noch steht,  wie gesagt, Franz Josef Strauß' Kampf gegen einzelne
       katholische Publizisten und Journalisten im Vordergrund. Die Par-
       tie steht nicht einmal schlecht für den kompromittierten Ex-Mini-
       ster, wenn  man etwa  den seltsamen Auflösungsprozeß des Münchner
       Büros der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) betrachtet. Noch
       stehen Strauß zur Finanzierung seiner erbarmungslosen Pressepoli-
       tik Gelder  zur Verfügung, die ihren Ursprung in jenen Reptilien-
       fonds haben, die einmal unter die Lupe zu nehmen der neue Bundes-
       kanzler sich vorgenommen hat.
       Aber die  wirkliche Auseinandersetzung  hat ihre  Wurzeln in  den
       derzeitigen Beratungen  des Vatikanischen  Konzils, wo  es um die
       stark vertretene  Auffassung  der  angelsächsischen  Konzilsväter
       geht, eine  Trennung von Kirche und Staat anzuerkennen. Das würde
       natürlich praktisch  bedeuten, daß  ein Strauß nicht mehr die fi-
       nanziellen Mittel  hätte, katholische Journalisten unter Druck zu
       setzen.
       Hamburger Echo v. 28.10.63
       

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