Quelle: Blätter 1963 Heft 11 (November)


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       Aus der Wirtschaft
       
       OST-WEST-HANDEL
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       Präsident Kennedy  hat am  10. Oktober den Verkauf von amerikani-
       schem Weizen  im Wert von 250 Millionen Dollar an die Sowjetunion
       genehmigt. "Damit  wird auch  eine Weizenausfuhr im Wert von rund
       60 Millionen Dollar an die Tschechoslowakei, Bulgarien und Ungarn
       möglich. Die  Gesamtausfuhr, die  durch Privatfirmen  abgewickelt
       werden soll,  wird sich  damit auf rund sieben Millionen t Weizen
       belaufen." Der  Weizen darf ausschließlich an die Sowjetunion und
       an die  europäischen Ostblock-Staaten,  d.h. nicht  an Kuba  oder
       China geliefert werden. (FAZ v. 11.10.63)
       
       Eine sowjetische  Handels-Delegation unter  Leitung des stellver-
       tretenden Handelsministers  Borisow ist  am 21.  Oktober zum  Ab-
       schluß des  Vertrages über den Kauf von amerikanischem Weizen für
       den Betrag  von 250  Millionen Dollar  in New  York eingetroffen.
       (Neue Zürcher Zeitung v. 23.10.63)
       
       Nach einem  Bericht der Deutschen Zeitung vom 19./20. Oktober aus
       New York  haben sich  in einer  Umfrage unter 1500 amerikanischen
       Exporteuren 70%  für eine  Normalisierung der  Handelsbeziehungen
       mit den  Ostblockstaaten ausgesprochen. Es heißt dort weiter, auf
       Grund der neuesten Gespräche habe sich in Washington der Eindruck
       bestätigt, die  Sowjetunion wünsche  nicht nur  Getreide, sondern
       auch industrielle Erzeugnisse und vor allem Maschinen und Fabrik-
       einrichtungen von den USA zu kaufen.
       
       Der amerikanische  Handelsminister Luther  Hodges erklärte am 25.
       Oktober in  einer Rede  in Houston,  Texas, der  Ostblock habe im
       Jahre 1962  für insgesamt  fast 4,5  Milliarden Dollar  Waren  in
       nichtkommunistischen Ländern gekauft. Der amerikanische Anteil an
       diesem Geschäft habe weniger als 3%, 125 Millionen Dollar, betra-
       gen. "Von den 4,5 Milliarden Dollar entfielen allein 2,2 Milliar-
       den auf  Japan und  die NATO-Alliierten,  Länder, deren Industrie
       gesamthaft genommen  nicht an  diejenige der  Vereinigten Staaten
       heranreiche. Die  Bundesrepublik Deutschland habe für 719 Millio-
       nen Dollar,  Großbritannien für 369 Millionen, Frankreich für 267
       Millionen, Italien  für 240 Millionen und Japan für 166 Millionen
       Ostgeschäfte getätigt.  Die  meisten  dieser  Lieferungen  hätten
       nicht etwa Weizen oder andere Agrarprodukte, sondern Chemikalien,
       Maschinen und  Fertigprodukte eingeschlossen.  Die Bundesrepublik
       habe für  214 Millionen  Dollar Fertigprodukte, für 192 Millionen
       Maschinen und Transportausrüstungen und für 55 Millionen Chemika-
       lien geliefert."
       Der amerikanische  Handelsminister deutete  die Möglichkeit einer
       Aufhebung der  bisherigen Beschränkungen  für den  amerikanischen
       Osthandel an. Er wies vor allem auf die Bedeutung des Handels für
       die Minderung  der politischen  Spannungen in der Welt hin. (Neue
       Zürcher Zeitung vom 27.10.63)
       
       Das amerikanische  Handelsministerium hat den Export von 50 000 t
       Getreide zum Preise von 3,3 Millionen Dollar an Ungarn genehmigt.
       Eine tschechoslowakische Handelsmission wird zur Verhandlung über
       Weizenkäufe in Washington erwartet. (Die Welt vom 26.10.63)
       
       Am 8.  Oktober hat  Bulgarien mit  Kanada einen Kontrakt über die
       Lieferungen von  300 000 t  kanadischen  Weizens  bis  Juli  1964
       (falls das  Volumen der kanadischen Ernte es erlaubt, sollen wei-
       tere 150 000  t geliefert werden) für den Betrag von etwa 33 Mil-
       lionen Dollar  abgeschlossen. (Neue  Zürcher Zeitung  v.  10.  u.
       17.10.63)
       
       Zwischen Frankreich  und der  Sowjetunion wurde in Paris ein Ver-
       trag über die Lieferung von 80 000 t französischen Weizenmehls in
       den Monaten  Oktober bis März abgeschlossen. (Deutsche Zeitung v.
       4.10.63)
       
       In einem  Eigenbericht meldet  die Deutsche  Zeitung vom  16. Ok-
       tober,  einflußreiche  amerikanische  Wirtschaftskreise  drängten
       nunmehr die Regierung, das über die Volksrepublik China verhängte
       Handelsembargo aufzuheben.  Der Vorsitzende  der Organisation der
       amerikanischen Handelskammern  hat sich  zum Sprecher dieses Ver-
       langens gemacht.  "Er führte dabei auch das Argument an, daß sich
       japanische -  sogar konservative  - Konzerne über ihre Diplomaten
       eifrig bemühen,  mit den  Rot-Chinesen ins  Geschäft zu kommen...
       Die japanischen Unternehmen betreiben die seit 1960 erheblich ge-
       stiegenen Exporte  nach Rot-China  und die Importe durch Vermitt-
       lung des  Funktionärs der  Außenhandels-Organisation  in  Peking,
       Liao Tscheng-Tschih,  wobei die  Verträge durch die Regierung ge-
       nehmigt werden  müssen. Die  gegenwärtigen Jahresumsätze  bewegen
       sich um  rund 50  Millionen Dollar.  Das ist nicht viel. Offenbar
       aber befürchten  die amerikanischen  Geschäftsleute, Japan  werde
       allmählich auf  dem einst  traditionellen  amerikanischen  China-
       Markt die Oberhand gewinnen."
       
       Über die  Absicht Japans, seinen Handel mit China auszuweiten be-
       richtete am  14. Oktober in einem Eigenbericht aus Tokio auch die
       FAZ. Es  heißt dort:  "Die Diskussion  um Japans Handel mit China
       und den Ostblockstaaten hat in diesen Tagen neuen Auftrieb erhal-
       ten. Anlaß  ist die  Absicht der  amerikanischen Regierung,  ihre
       Handelspolitik gegenüber  den kommunistischen Ländern zu überprü-
       fen. In Tokio haben diese Erklärungen uneingeschränkte Zustimmung
       gefunden. Regierungs-  und Wirtschaftskreise  machten  kein  Hehl
       daraus, daß Japan jede Erleichterung im Warenverkehr mit den kom-
       munistischen Ländern  - vor  allem wenn  sie von  den Amerikanern
       selbst ausgehen  - willkommen heißen würde. Wie üblich in solchen
       Fällen fehlt es auch nicht an Stimmen, die die Regierung drängen,
       jetzt rasch  zu handeln,  weil man sonst vielleicht schon zu spät
       kommen könnte. Japans Minister für Handel und Industrie hat inso-
       fern auch  sofort reagiert und mit Hinweis auf die amerikanischen
       Absichten eine sofortige Überprüfung der zurückgehaltenen Röhren-
       lieferungen an  die Sowjetunion angekündigt. Seiner Erklärung war
       zu entnehmen, daß Japan mit einem New Look im Osthandel rechnet."
       
       Es verlautete  Anfang Oktober,  die Sowjetunion habe die Absicht,
       in den  nächsten Monaten  bis zu  300000 Tonnen Weizenmehl in der
       Bundesrepublik zu  kaufen, zum  Weltmarktpreis  von  284  DM  pro
       Tonne. Bis  Ende Oktober sind von den zuständigen Bonner Behörden
       Exportlizenzen für etwas mehr als 150 000 t Weizenmehl an die So-
       wjetunion erteilt worden. Weitere Exportlizenzen werden erwartet.
       (Die Welt v. 29.10.63)
       

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