Quelle: Blätter 1963 Heft 12 (Dezember)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DOCH KRUPP-KRISE?
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       In den "Basler Nachrichten" vom 13. November 1963 nahm der Londo-
       ner Wirtschaftskorrespondent  des schweizerischen Blattes, Rudolf
       Hahn, zu  den Gerüchten über Liquiditätsschwierigkeiten der Firma
       Krupp Stellung. In seinem Bericht heißt es u.a.:
       
       Die heftige  Reaktion der  deutschen Presse auf jüngste Krupp-Be-
       richte einiger  britischer Sonntagszeitungen wird in der Londoner
       City mit großer Verwunderung vermerkt. Gerüchte über Liquiditäts-
       schwierigkeiten des  Ruhrkonzerns zirkulierten in Frankfurt schon
       im Spätsommer.  Daß sie von deutschen Zeitungen einfach ignoriert
       und totgeschwiegen  worden waren,  zeugt von Vernachlässigung der
       journalistischen Aufgabe und einem bedauernswerten Mangel an Mut.
       Wären sie  nicht schließlich  vom "Sunday  Telegraph" und von der
       "Sunday Times",  zwei durchaus  seriösen und  beileibe nicht  zur
       kleinen Clique  ausgesprochen deutschfeindlicher Blätter gehören-
       den Organen,  aufgegriffen worden,  dann läge  heute  noch  immer
       nicht das  zur Klärung  der Situation seit langem überfällige De-
       menti aus Essen und von Bankier Abs vor.
       Gewiß gelten  die Borgward-,  Schlicker- und Stinnes-Affären hier
       keineswegs als  symptomatisch  für  Stabilität  und  Stehvermögen
       deutscher Großunternehmen.  Aber natürlich haben sie auch in Lon-
       don eine  gewisse Nervosität  und Unsicherheit in der Beurteilung
       der deutschen  Lage geschaffen, sind doch die finanziellen Bezie-
       hungen der  City zur  deutschen Industrie recht eng. Mit dem Hin-
       weis auf  die in Düsseldorf und Frankfurt seit Monaten herumgebo-
       tenen Krupp-Gerüchte  haben die beiden Londoner Sonntagszeitungen
       darüber hinaus  ein breites Publikum nachhaltig auf die einzigar-
       tige Tatsache  aufmerksam gemacht, daß ein für die deutsche Wirt-
       schaft und  damit für die wirtschaftliche und politische Stabili-
       tät-Westeuropas  höchst   bedeutsames  Unternehmeneffektiv,   der
       größte schwerindustrielle  Komplex Europas - das private Eigentum
       eines einzigen  Mannes ist,  der nie  Rechnung ablegt...  Wie die
       deutschen Börsen zur Genüge verdeutlichen, haben die Dementis aus
       Essen und  von Bankier  Abs die ausländischen Aktienkäufer bisher
       wenig beeindruckt  und jedenfalls  noch kaum bewirkt, daß man das
       Vertrauen zurückgewinnt und wieder anschafft.
       

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