Quelle: Blätter 1963 Heft 12 (Dezember)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Die Lage
       
       Dr. Achim von Borries
       
       NEUE MÄNNER VOR ALTEN PROBLEMEN
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       ...
       "Angesichts der  Neger-Revolution halten sie den Süden des Landes
       für ein  natürliches Agitationsfeld, aber auch besonders in Texas
       und Süd-Kalifornien  sind sie  äußerst aktiv. Es gibt Kleinstädte
       nicht nur  im Süden, sondern auch im Westen und Mittelwesten, die
       sie durch  unsichtbaren Terror  so gut  wie beherrschen... Es be-
       steht kein  Zweifel daran,  daß in  den letzten Jahren der rechte
       politische Flügel  Amerikas auf Kosten der breiten Mitte gestärkt
       worden ist.  Sichtbares Zeichen hierfür ist der Siegeszug des Se-
       nators Goldwater  durch die republikanischen Reihen, die in ihrer
       großen Masse  während der  Eisenhower-Nixon-Epoche leicht  rechts
       vom Zentrum  standen und  nun in  die totale  Opposition um jeden
       Preis abrutschen. Goldwater ist nur ein Symbol dieser Massen, die
       aus den  verschiedensten Gründen  die heutige  Welt und vor allem
       die großen Verantwortungen, die die Vereinigten Staaten in dieser
       Welt zu  tragen haben,  nicht leiden  können. Während  sie nur im
       allgemeinen im  Negativen einig sind, wie Anti-Kommunismus, Anti-
       Rassengleichheit, Anti-Wohlfahrtsstaat,  Anti-Vereinte  Nationen,
       Anti-Auslandshilfe, Anti-Entspannung,  Anti-Atomteststop - ist in
       ihnen allen  eine gemeinsame  Sehnsucht verkörpert:  'Zurück  zur
       Normalität'... Sehr  groß ist  die Zahl derer, die, jahrelang von
       den Parolen  des Kalten  Krieges gefüttert,  in den jetzigen Ent-
       spannungsversuchen Washingtons  ein Zeichen  der Schwäche  sehen,
       die angesichts  des ständigen Goldabflusses Beendigung jeder Aus-
       landshilfe fordern;  die angesichts  der Erstarkung  Europas  und
       'den vielen Schwierigkeiten, die Amerikas Verbündete machen', das
       Heil Amerikas in neuer Isolierung suchen. Vielleicht schwingt das
       Pendel gar  nicht so stark aus, wie es den Anschein hat, aber die
       Propagandatrommeln hämmern  laut. Diese  Propaganda ist gut geölt
       -, und  zwar zum  guten Teil  im wahren Sinne des Wortes, denn es
       sind viele  Petroleum-Millionen, die  die Agitatoren finanzieren.
       Wenn Geld  wahlberechtigt wäre,  so würde  Senator Goldwater  un-
       schlagbar sein." (Die Tat v. 3.11.63.)
       ...
       ...
       "Der Bau  der Berliner  Mauer und die gegenwärtigen Spannungen in
       Berlin sind  direkt der schwachen Außenpolitik der Regierung Ken-
       nedy und  ihren fortgesetzten Konzessionen gegenüber den Kommuni-
       sten zuzuschreiben."
       ...
       ...
       "Es gibt  keinen Zweifel  an der aufrichtigen Trauer Chrustschows
       über die Ermordung Mr. Kennedys. Diese beiden Männer - die beiden
       mächtigsten Männer  in der Welt - kamen zu der Einsicht, daß Ame-
       rika und  Rußland, bei all ihrer Rivalität, zusammenarbeiten muß-
       ten für den Frieden. Anders konnte es für keine der beiden Natio-
       nen oder  für die  Menschheit Hoffnung  geben. Doch  Kennedy  und
       Chrustschow mußten  beide jeden kleinen Schritt des Weges erkämp-
       fen, um die Extremisten der Alten Garde in ihren Ländern davon zu
       überzeugen, daß  Koexistenz erforderlich  sein könnte.  Sowohl in
       Amerika und  in der kommunistischen Welt gibt es mächtige Kräfte,
       die glauben, daß die beiden Systeme niemals versöhnt werden könn-
       ten. Schon sagt man uns dort, es müsse jetzt eine Pause eintreten
       in dem  Kampf um  wesentliche Übereinstimmungen  zwischen Ost und
       West. Aber  die Welt kann sich eine lange Pause in dem Bemühen um
       ein besseres Verstehen nicht leisten. Die Uhr könnte allzu leicht
       zurückgestellt werden auf den Kalten Krieg. Obwohl die amerikani-
       schen Behörden sofort jede auswärtige Verbindung des Präsidenten-
       mörders bestritten  haben, könnte es eine Welle antiroter Gefühle
       geben, weil  der vermeintliche Mörder als ein Kommunist beschrie-
       ben wurde."
       ...
       ...
       "Und doch besteht eine echte Gefahr, daß die zwar begrenzte, aber
       reale Verbesserung  der Beziehungen,  die  seit  der  kubanischen
       Krise erreicht worden ist, nun zum Stillstand kommt... Die Haupt-
       gefahr in dieser Situation ist, daß man die Dinge einfach treiben
       läßt."
       ...
       ...
       "Die Frage,  vor der  wir stehen, ist, ob wir die Sowjetunion für
       alle Zeiten  und in jedem Betracht als unbeugsamen Feind betrach-
       ten oder  ob wir  in ihr  einen mächtigen und gefährlichen Gegner
       sehen sollen,  den wir  auf verschiedene Weisen beeinflussen kön-
       nen, um  ihn zu einer Preisgabe seiner aggressiven Pläne zu brin-
       gen." (NZZ v. 23.11.63)
       ...
       ...
       "Aber der  Zwischenfall hat  auch noch eine andere und vielleicht
       noch interessantere  Seite. Der  voraussichtliche republikanische
       Präsidentschaftskandidat der  USA der  rechtskonservative Senator
       Goldwater hat,  wie gestern  berichtet, am selben Wochenende sei-
       nerseits in  Erklärungen gegenüber  dem deutschen  Springer-Blatt
       'Die Welt  am Sonntag' mit noch viel größerem Tralala ins gleiche
       Horn gestoßen, die Konzessionen der Kennedy-Regierung an die Kom-
       munisten für  den Bau  der Berliner Mauer verantwortlich gemacht,
       das Ende  der Koexistenz-Politik proklamiert und ist dafür einge-
       treten, die  deutsche Wiedervereinigung  durch eine  Wirtschafts-
       blockade des  Westens gegen die Sowjetunion zu erzwingen. Es kann
       kaum ein Zweifel daran bestehen, daß Adenauer - man erinnere sich
       an seine Haltung gegenüber den westlichen und deutschen Getreide-
       und Mehllieferungen  an Moskau  - die Dinge ähnlich sieht wie der
       Exponent der amerikanischen Rechtsopposition, die zum Großangriff
       gegen Kennedy  rüstet. Da  Goldwater auch aus seinen von Adenauer
       (und der Anti-Schröder-Gruppe innerhalb der CDU) geteilten Sympa-
       thien für  die  Europa-Politik  de  Gaulles  keinen  Hehl  macht,
       scheint sich  hier  eine  internationale  Front  der  Gegner  der
       'Entspannungspolitik'  abzuzeichnen,  die  sich  gegenseitig  die
       Bälle zuwerfen."
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       ...
       "Adenauers Kritik  an der  amerikanischen Haltung  in den Stunden
       und Tagen  nach der  Errichtung der  Berliner Mauer am 13. August
       1961 fällt  zeitlich mit  einer neuen  Attacke Senator Goldwaters
       gegen die Außenpolitik Kennedys zusammen; und der frühere Kanzler
       versieht die  Gegner Kennedys  so mit Munition zum Wahlkampf, was
       die  gegenwärtigen  deutsch-amerikanischen  Beziehungen  belasten
       könnte. Dabei  hat man  auch den  Eindruck, daß Adenauer, wenn er
       den Kennedy  von 1961  kritisiert, genau  so den Kennedy von 1963
       meint."
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