Quelle: Blätter 1963 Heft 12 (Dezember)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       AUFRUF ZUM OSTERMARSCH 1964
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       Die Einstellung  der Atomwaffentests  ist vereinbart, und weitere
       Entspannungsabkommen bahnen  sich an.  Damit wächst die Hoffnung,
       daß der  atomare Krieg  verhindert und der Friede erhalten werden
       kann. Die  Völker atmen auf: Der radioaktiven Verseuchung der At-
       mosphäre ist  Einhalt geboten  -  e i n  e r s t e r  Schritt zur
       umfassenden und kontrollierten Abrüstung ist getan!
       Diese Abkommen sind ein Zeichen der Einsicht jener Politiker, die
       einen Anfang  gemacht haben, sie sind ebensosehr ein Erfolg jener
       Millionen von  Menschen in  vielen Ländern, die seit Jahren gegen
       die atomare  Rüstungspolitik auftreten.  Jeder einzelne von ihnen
       hat den  Umschwung mit  vorbereitet, der sich jetzt vollzieht und
       dessen Ergebnis  die weltweite Billigung der Entspannungsabkommen
       ist.
       Der Friedensplan  des Generalsekretärs der  U N O  zeigt den Weg,
       auf dem   w e i t e r e   Fortschritte der Abrüstungspolitik mög-
       lich sind. Dieser Plan sieht vor:
       * Beendigung der Atomwaffentests auch unter der Erde,
       * Verbot der Verwendung von Nuklearwaffen im Kriege,
       * Maßnahmen zur Verhütung von Überraschungsangriffen,
       * Verträge über atomwaffenfreie Zonen
       Dieser Plan muß Wirklichkeit werden!
       Es ist keine Zeit zu verlieren. Die Fesselung des gesellschaftli-
       chen Lebens durch überholtes Militärdenken und die Vergeudung von
       Produktivkräften durch eine sinn- und maßlose Rüstungspolitik muß
       in aller  Welt ihr  Ende finden,  wenn eine  friedliche und gesi-
       cherte Existenz   a l l e r   V ö l k e r   der  Erde morgen noch
       möglich sein soll.
       Die Forderung nach atomwaffenfreien Zonen steht in einigen Teilen
       der Welt vor der Verwirklichung.  M i t t e l e u r o p a  hinge-
       gen ist  nach wie vor konfliktgeladen. Ein Krieg in diesem Gebiet
       wäre das  Ende der  mitteleuropäischen Völker.  Deshalb rufen wir
       die Bürger aller Länder Mitteleuropas auf, die Kampagne für Abrü-
       stung zu verstärken und die verantwortlichen Politiker in Ost und
       West davon  zu überzeugen,  daß die  in Mitteleuropa  bestehenden
       Probleme nur  ohne Gewalt und Gewaltsandrohung gelöst werden kön-
       nen. Erneut stellen wir den Ostermarsch 1964 unter das Motto:
       * Mitteleuropa - atomwaffenfrei
       * Mitteleuropa - militärisch verdünnte Entspannungszone
       * Mitteleuropa - Brücke zwischen Ost und West.
       Noch immer  reichen die  Anstrengungen im Westen und im Osten un-
       seres Vaterlandes nicht aus, um eine wirkliche Entspannung zu er-
       reichen. Deutschland  darf nicht Störenfried sein. Es kann seinen
       Beitrag zu  einer Strategie  des Friedens  leisten. An die Stelle
       steigender Rüstungsanstrengungen  und der Militarisierung des öf-
       fentlichen Lebens  in beiden  Teilen Deutschlands muß eine aktive
       Politik der Sicherheit durch Abrüstung treten.
       In der  Bundesrepublik fordern der Deutsche Gewerkschaftsbund und
       andere  gesellschaftliche   Gruppen     e i g e n e      A b r ü-
       s t u n g s i n i t i a t i v e n     der  Bundesregierung.   Mit
       dieser Forderung stimmen wir überein. Wir schlagen vor:
       * Verzicht auf die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen,
       * Zustimmung und  Beitritt der  Bundesrepublik zu allen Vereinba-
       rungen, die zum Verzicht auf Gewalt führen,
       * Initiative der  Bundesrepublik zu  Verhandlungen über ein atom-
       waffenfreies, militärisch  verdünntes Sicherheitssystem  in  Mit-
       teleuropa.
       Wir erklären: Unser Nein zur Bombe ist ein Ja zur Demokratie, ein
       Ja zur  Forderung des Grundgesetzes der Bundesrepublik: dem Frie-
       den der  Welt zu  dienen. Eine Politik der Abrüstung in Mitteleu-
       ropa kann  verhindern, daß  der demokratische Stil unseres Landes
       durch administrative oder gesetzliche Maßnahmen abgebaut wird.
       Wir bitten alle Mitbürger:
       * Unterstützen Sie öffentlich unsere Vorschläge!
       * Arbeiten Sie  mit unserer  Kampagne, die  unabhängig von  jeder
       parteipolitischen Bindung  ist und keine einseitige Stellungnahme
       im Kalten Krieg kennt!
       * Übernehmen Sie Verantwortung in den Ostermarsch-Ausschüssen!
       * Helfen Sie, durch genaue Information die Denkschablone aufzulö-
       sen und Gesichtspunkte für friedliche Lösungen zu entwickeln!
       * Machen Sie den Ostermarsch 1964 zu einem Höhepunkt der Kampagne
       für Abrüstung!
       Eine starke  Volksbewegung für Abrüstung kann weitere Schritte zu
       einer internationalen  Friedensordnung  vorbereiten.  Der  Friede
       kann erreicht und gesichert werden, wenn alle Menschen guten Wil-
       lens ihr  Verlangen nach Abrüstung und Entspannung öffentlich be-
       kunden und in allen Bereichen der Gesellschaft durchsetzen.
       
       Unterzeichner:
       Professor D.  Helmut Gollwitzer,  Berlin -  Dr. Gerhard  Szczesny
       (Verleger), München  - Rolf Hochhuth (Lektor), z.Z. Basel - Erich
       Kuby (Schriftsteller),  München - Professor Otto Pankok - Hans A.
       Nikel (Verleger),  Frankfurt -  Paul Schallück  (Schriftsteller),
       Köln - Gerhard Zwerenz (Schriftsteller), Köln - Christian Geißler
       (Schriftsteller), München - Robert Jungk (Schriftsteller), Wien -
       Professor Dr.  Friedrich  Heer,  Wien  -  Heinz  Kloppenburg  DD.
       (Oberkirchenrat), Dortmund - Martin Niemöller (Kirchenpräsident),
       Wiesbaden -  Professor Dr.  Th. Gläß  (Stadtrat, Schuldezernent),
       Frankfurt -  Walter Buckpesch  (Stadtrat, Schuldezernent), Offen-
       bach -  Dr. Erich Kästner (Schriftsteller), München - Karl Appel-
       mann (Bürgermeister),  Offenbach - Professor Ossip K. Flechtheim,
       Berlin -  Professor D.  Heinrich Vogel,  Berlin -  Heinz  Hilpert
       (Intendant), Göttingen  - Dr.  Günther  Anders  (Schriftsteller),
       Wien - Ernst Kreuder (Schriftsteller), Darmstadt - Herbert Faller
       (Bundesjugendleiter der  Naturfreunde Deutschlands),  Frankfurt -
       Dr. Arno  Klönne (wiss.  Assistent), Bochum  - Hans Konrad Tempel
       (Lehrer), Hamburg  - Dr.  Andreas Buro, München - Professor Wolf-
       gang Abendroth,  Marburg -  Professor Hans Werner Bartsch, Frank-
       furt - Christel Beilmann (Schriftleiterin), Bochum - Werner Beut-
       ler  (Oberstudienrat),   Köln  -  Otto  Böhnke  (Betriebsratsvor-
       sitzender), Dortmund  - Hedwig Born, Bad Pyrmont - Dr. Margherita
       von Brentano  (wiss. Rat),  Berlin -  Professor  Heinrich  Düker,
       Marburg  -  Dr.  Erdmuthe  Falkenberg  (Reg.-Dir.),  Frankfurt  -
       Pfarrer Karl Giesen, Essen - Professor Johannes Harder, Wuppertal
       - Professor  Eduard Hapke, Lüneburg - Dr. med. Ernst Hass, Dorfen
       - Josef  Höning (Bevollmächtigter  IG Metall), Rheinhausen - Gerd
       Hirschauer (Redakteur), München - Karl Friedrich Hübsche (Gewerk-
       schaftssekretär), Bochum  - Pastor  Rudolf Dohrmann,  Wolfsburg -
       Hanns Martin  Elster (Schriftsteller),  München -  Pfarrer Helmut
       Goes, Stuttgart  - Pastor  Dr. theol.  G. Greiffenhagen, Bremen -
       Pfarrer Herbert  Günneberg, Essen  - Dr. Rolf Gutte (Studienrat),
       Bremen -  Karl Heinz Gutsmann (Gewerkschaftssekretär), Duisburg -
       Dr. Werner  G. Haverbeck,  Vlotho -  Heinrich Hannover (Rechtsan-
       walt), Bremen  - Wolfgang F. Haug (Redakteur), Berlin - Professor
       Gustav Heckmann,  Hannover - Professor Helmut Heinemann, Lüneburg
       - Professor  Karl Heckmann,  München  -  Professor  Lothar  Hock,
       Gießen -  Theodor Immer  (Landesjugendpastor), Leer  -  Dr.  med.
       Fritz Katz, Iserlohn - Professor Heinz Dietrich Kenter, Stuttgart
       - Hanns  Hellmut Kirst  (Schriftsteller), Feldafing  - Dr.  Ernst
       Moritz Klingenberg  (Oberstudienrat), Mettmann  - Professor  Hans
       Dieter von  Klöden, Hannover  - Dr. Gernot Koneffke (Oberstudien-
       rat), Neu-Isenburg  - Josef  Konrads (Oberstudienrat),  Aachen  -
       Günther Köpke  (Gewerkschaftssekretär), Frankfurt - Dr. Rheinhard
       Köster (Pfarrer),  Essen - Dr. Ulrich Kunz (Pfarrer), Ludwigsburg
       - Horst  Kynast  (Gewerkschaftssekretär),  Kassel  -  Günter  Laß
       (Gewerkschaftssekretär), Bielefeld  - Dr. Wilhelm Lenzen (geistl.
       Studienrat), Mönchengladbach  - Manfred  Liebel (1.  Vorsitzender
       SDS), Frankfurt  - Dieter  Linz (Pfarrer), Köln - Dr. Armin Prinz
       zur Lippe,  Detmold -  Pfarrer Klaus Lohmann, Bad Godesberg - Dr.
       Lina Mayer-Kulenkampff,  Hamburg - Dr. med. habil. Bodo Manstein,
       Detmold - Professor W.D. Marsch, Wuppertal - Ulrike Marie Meinhof
       (Chefredakt.), Hamburg-D.  - Wilhelm  Niemöller (Pfarrer), Biele-
       feld -  Rudolf Paul  (Oberstudienrat), Reutlingen - Professor Ka-
       tharina Petersen,  Hannover - Dipl.-Volkswirt Heinz Raspini, Lohr
       - Karl  Rauch (Schriftsteller),  München - Marie Friderike Rieger
       (Oberstudienrätin), Freiburg  - Dr.  Reinhold  Rieger  (Pfarrer),
       Reilingen - Sepp Sigulla (Gewerkschaftssekretär), Frankfurt - Pa-
       stor Udo W. Smidt, Bremerhaven - Dr. Wolfgang Sünkel (wiss. Assi-
       stent), Münster  - Wolfgang Schlenker (Oberstudienrat), Ulm - Ro-
       bert Scholl,  München -  Günther Schwarz (Gewerkschaftssekretär),
       Frankfurt -  Martin Stöhr  (Stud.-Pfarrer), Darmstadt - Professor
       D. H.  Strathmann, Erlangen  - Pfarrer  Heinrich Treblin, Alzey -
       Professor Johannes Ude, Grundlsee - Dr. Hans Peter Vogt (Reg.-As-
       sessor), Wiesbaden - Dr. Hartmut Weber (wiss. Assistent), Münster
       - Professor Fritz Wenzel, Braunschweig - Professor D. Ernst Wolf,
       Göttingen -  Professor Konrat  Ziegler, Göttingen - Pfarrer Eber-
       hard Koch,  Geisenheim -  Pfarrer Ernst  Otto Mohn,  Offenbach  -
       Pfarrer Albert Röhling, Düsseldorf - Pfarrer Heinrich Brüggemann,
       Dortmund -  Bettina von Arnim (Malerin), Eschborn - Professor Dr.
       A. Neuhäusler,  München - Renate Riebandt-Rolfs (Schauspielerin),
       Frankfurt -  Pastor Hans  Puschke, Hamburg  - Pastor  Karl-Johann
       Rese -  Dr. Achim  von Borries (Redakteur), Köln - Dr. H.G. Stück
       (wiss. Assistent),  Darmstadt -  August Bangel,  Castrop-Rauxel -
       Herbert Stubenrauch  (Lehrer), Wuppertal - Professor Joachim Häm-
       merling, Wilhelmshaven - Malte J. Rauch (Journalist), Frankfurt -
       Jochen  Müller  (Gewerkschaftssekretär),  Frankfurt  -  Professor
       Reinhard W.  Kaplan,  Frankfurt  -  Horst  Klaus  (Gewerkschafts-
       sekretär), Nürnberg  - Carl  Amery  (Schriftsteller),  München  -
       Pfarrer H.D.  Osenberg, Saarbrücken  - Professor  Johannes  Kaan,
       Karlsruhe -  Professor D. Kreck, Bonn - Manfred Roesner (Konzert-
       meister),  Aachen  -  Dr.  Fritz  J.  Raddatz  (Verlagsdirektor),
       Hamburg - Manfred von Mackensen (Dipl.-Chem.), Stuttgart
       

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