Quelle: Blätter 1964 Heft 01 (Januar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT
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       In einer  Zeit, in  der die Entwicklung der Vernichtungswaffen in
       Ost und  West die  Menschheit in  die Gefahr  gebracht hat ausge-
       löscht zu  werden, kommt der Arbeit der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELL-
       SCHAFT (DFG), gegr. 1892, erhöhte Bedeutung zu.
       Im Geiste  ihrer 6  Friedens-Nobelpreisträger  (u.a.  Bertha  von
       SUTTNER, Carl  von OSSIETZKY,  Albert SCHWEITZER,  Linus PAULING)
       und gleichgesinnter Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik
       möchte die  DFG zur  Entspannung der heutigen Weltlage beitragen.
       Eine entscheidende  Voraussetzung für die Erhaltung des Weltfrie-
       dens ist  die Lösung der deutschen Frage. Hierzu unterbreitet die
       DFG der Öffentlichkeit nachstehende Vorschläge:
       1. Nach dem  ersten hoffnungsvollen Beginn in Berlin sollten wei-
       tere Verhandlungen  geführt werden,  die der  innerdeutschen Ent-
       spannung dienen.  Der menschliche  Gesichtspunkt sollte dabei den
       Vorrang vor Prestigefragen haben.
       2. Die Pläne  für eine  atomwaffenfreie Zone mit verminderter Rü-
       stung in  Mitteleuropa sollten von beiden Teilen Deutschlands un-
       terstützt werden.
       3. Die Amnestierung  aller Verhafteten  und  Verurteilten,  deren
       "Vergehen" in unerwünschter politischer Gesinnung bestand, ist in
       beiden Teilen Deutschlands vordringlich.
       4. Die ostdeutsche Regierung (Regierung der DDR) sollte im Inter-
       esse von Entspannungs- und Abrüstungsmaßnahmen in Deutschland den
       Schießbefehl an ihren Grenzen zurücknehmen.
       
       Hamburg, den 4.I.64
       gez. D. Martin Niemöller (Präsident)
       gez. Pfr. Gottfried Wandersleb
       gez. August Bangel (Bundesvorsitzende)
       

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