Quelle: Blätter 1964 Heft 01 (Januar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ENTSCHLIESSUNGEN DER VIII. SESSION DER TABLE RONDE EST-OUEST
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       IN MOSKAU, 5.-8.XII.1963 (VGL. AUCH S. 4 FF.)
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       Entschließung zu den Abrüstungsproblemen
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       I. Unmittelbar mögliche Maßnahmen
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       Die Teilnehmer  der VIII.  west-östlichen Table  Ronde-Konferenz,
       die in Moskau vom 5.-8. Dezember 1963 zusammentrafen, bekräftigen
       von neuem  die Notwendigkeit  einer allgemeinen und vollständigen
       Abrüstung unter  internationaler Kontrolle, welche die begründete
       und hauptsächliche  Garantie für  einen stabilen  und dauerhaften
       Frieden ist.
       Aber die  zu einer solchen Abrüstung führenden Verhandlungen kön-
       nen von  langer Dauer  sein, und ihre Abwicklung wird von dem je-
       weiligen Stand  der hauptsächlichen Streitpunkte beeinflußt, wel-
       che die Machtblöcke noch voneinander trennen.
       Aus diesem Grunde und ohne abzuwarten, bis ein solcher Vertrag zu
       Papier gebracht,  signiert und  ratifiziert ist,  befürworten die
       Teilnehmer den  möglichen und  wünschenswerten Abschluß  von  be-
       grenzten Vereinbarungen, die ohne Aufschub in Kraft treten können
       und dazu  beitragen würden, die Atmosphäre zu entspannen und neue
       Fortschritte zur  Lösung der noch bestehenden politischen Streit-
       fragen, und  der technischen Schwierigkeiten der Abrüstung zu er-
       zielen.
       Die Teilnehmer  sind in ihren Ansichten ermutigt durch die Unter-
       zeichnung des  Moskauer Vertrages über den Stopp der nicht unter-
       irdischen nuklearen  Versuche, die nach ihrer Ansicht ein bedeut-
       sames Ereignis  unserer Epoche darstellt. Sie beglückwünschen die
       Verhandlungspartner und  stellen mit  Freude fest, daß dieses Ab-
       kommen, wichtig  bereits in  Anbetracht seiner  Wirkung gegen die
       Ausbreitung der  atomaren Waffen, noch wesentlicher ist durch das
       Klima, das  es geschaffen hat. Mehr als jede andere Bekundung hat
       es in  der Tat  dazu beigetragen,  den Kalten Krieg abzubauen und
       eine Entspannung der Gemüter herbeizuführen.
       Andere Teil-Maßnahmen  müssen diesem  Versuchsstopp  folgen.  Die
       Teilnehmer des  Runden Tisches  richten an  alle Regierungen, vor
       allem an diejenigen, denen ihre Teilnahme an der Genfer Konferenz
       eine besondere  Verantwortung auferlegt, sowie an die öffentliche
       Meinung aller  Völker die Aufforderung, sofort über folgende Maß-
       nahmen, deren jede einzelne unmittelbar anwendbar ist, unabhängig
       von den anderen und selbst im Falle des Fehlens jeglicher Verein-
       barung über die allgemeine und vollständige Abrüstung, zu verhan-
       deln:
       1. Ausdehnung des  Verbots der  nuklearen Versuche auf unterirdi-
       sche Explosionen,  ausgenommen diejenigen, welche wissenschaftli-
       che oder  technische Zwecke  verfolgen und  unter internationaler
       Kontrolle autorisiert werden;
       2. Hinzufügung eines  Abkommens an den Moskauer Vertrag, das jede
       neue Ausbreitung  von atomaren Waffen in der Form ihrer Lieferung
       durch eine Atommacht an ein verbündetes Land oder eine Gruppe von
       verbündeten Ländern  untersagt oder  ihnen in irgendeiner anderen
       Form erlaubt, an der Anwendung dieser Waffen teilzuhaben;
       3. Ein Abkommen,  das darauf  hinzielt, die  Verbreitung atomarer
       Waffen unmöglich  zu machen,  d.h. ihre künftige Produktion durch
       noch nicht  atomare Mächte, und zwar durch unterschriftliche Ver-
       pflichtung, im  Geiste des  Abkommens von Moskau, der Atommächte,
       keine Atomgeheimnisse  auszuliefern und keinerlei wissenschaftli-
       che und  technische Hilfe  zu leisten,  die selbst  in indirekter
       Weise eine solche Verbreitung erlauben würde;
       4. Verpflichtung der  atomaren Mächte, die Stationierung der ato-
       maren Waffen nicht weiter auszudehnen, d.h. sie nicht in Gebieten
       unterzubringen, die  gegenwärtig nicht mit diesen Waffen versehen
       sind;
       5. Schaffung von atomfreien Zonen, die einer strengen internatio-
       nalen Kontrolle unterstellt sind;
       6. Schaffung von verdünnten Zonen, die nicht notwendigerweise mit
       den staatlichen  Grenzen übereinstimmen  müssen. Im Innern dieser
       Zonen würden  die Truppenstärken  und die  konventionellen Waffen
       reduziert oder die verbündeten Truppen würden zurückgezogen, oder
       diese beiden  Arten von  Maßnahmen würden gleichzeitig realisiert
       werden. Internationale Kontrollen sollten in diesen Zonen propor-
       tional zu  ihrer teilweisen oder vollständigen Entmilitarisierung
       installiert werden;
       7. Schaffung eines Beobachterkorps in durch Vereinbarung bestimm-
       ten Gebieten, mit ständigem Sitz auf den großen Flughäfen, in Hä-
       fen und  an Eisenbahnen-  und Fernstraßenkreuzungen, mit der Auf-
       gabe, jede  Bewegung von  Truppen oder  von Material,  die  einen
       Überraschungsangriff befürchten lassen könnte, zu melden.
       8. Verzicht der  Militärmächte, im  besonderen der  NATO und  des
       Warschauer Paktes, auf jede Erhöhung ihrer militärischen Ausgaben
       über das  gegenwärtige Niveau  des bestehenden,  1963 beginnenden
       Budgets hinaus.  Dies betrifft sowohl die Ausgaben für den Unter-
       halt der Truppen, als für die Erhaltung und Anschaffung militäri-
       schen Materials.
       9. Anstrengungen mit  Hinblick auf einseitige Abrüstung der mili-
       tärisch schwachen Staaten, sofern sie dies wünschen, im Austausch
       gegen die Verpflichtung aller an ihr Gebiet angrenzenden Staaten,
       sie nicht  anzugreifen noch  sich in ihre inneren Angelegenheiten
       einzumischen, in  Verbindung mit einer angemessenen Kontrolle auf
       beiden Seiten ihrer Grenzen.
       Jede dieser Maßnahmen kann in einer sehr kurzen Frist geprüft und
       ausgeführt werden.  Jede bedeutet  einen Beitrag zur Verringerung
       der diplomatischen  Spannungen und der globalen militärischen La-
       sten und  würde die  Verhandlungen für  die allgemeine und totale
       Abrüstung erleichtern.  Aber keine  dieser Maßnahmen  könnte  die
       allgemeine und  totale Abrüstung ersetzen, die die grundsätzliche
       Forderung der Teilnehmer am Table Ronde-Gespräch bleibt.
       
       II. Der Vertrag über die allgemeine und vollständige Abrüstung
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       Die Notwendigkeit  einer allgemeinen  und vollständigen Abrüstung
       wird heute  von allen Staaten anerkannt. Um sie zu verwirklichen,
       haben die  Regierungen insgesamt  Interesse an Verhandlungen über
       den Vertrag und daran, ihn in der kürzestmöglichen Frist zu rati-
       fizieren, um  militärische Ausgaben zu ersparen und die Forschung
       von noch furchtbareren Waffen einzustellen, als die, welche heute
       zur Verfügung stehen. Die Teilnehmer am Runden Tisch betonen, daß
       der Rüstungswettlauf  und die politischen Meinungsverschiedenhei-
       ten zwei  voneinander abhängige Erscheinungen sind, von denen die
       eine die andere stets nach sich zieht und beschwert. In umgekehr-
       tem Sinne:  Jeder Fortschritt auf dem Wege zur Abrüstung eröffnet
       neue Möglichkeiten  für die  internationale Entspannung und umge-
       kehrt. Der Abschluß eines Vertrages über die Abrüstung würde sich
       ebenso nachdrücklich auf die Entspannung auswirken.
       Die Dauer  der Durchführung  der Maßnahmen  des Vertrages muß auf
       ein Mindestmaß beschränkt werden, das mit den technischen Maßnah-
       men vereinbar ist, die der Vertrag umfaßt. Im Zuge des Vergleichs
       zwischen den  letzten Vorschlägen von sowjetischer und amerikani-
       scher Seite  in Genf  erachten die  Teilnehmer am Runden Tisch es
       für möglich,  daß drei Etappen von jeweils zwei Jahren vorgesehen
       werden. Jede  Durchführungsetappe des  Vertrages sollte Verminde-
       rungen in  den Truppenstärken, der konventionellen Bewaffnung und
       der militärischen  Ausgaben umfassen, so daß jeder Staat nach der
       Abrüstung nur  ein streng  begrenztes Polizeikontingent  mit aus-
       schließlich leichten  Waffen behält.  Die Vertragsvorschläge  der
       UdSSR und  der USA  sind auf diesen Gebieten einander nahe genug,
       um eine glückliche Vereinbarung zu erlauben.
       Die zur Massenvernichtung geeigneten Zerstörungswaffen sowie alle
       zu ihrer  Anwendung erforderlichen  Vorrichtungen müßten zerstört
       oder einem  internationalen Institut  für Wissenschaftliche Raum-
       forschung im  Laufe der  ersten Etappe  übereignet werden, vorbe-
       haltlich der  weiter unten  vorgesehenen Ausnahmen. Gleicherweise
       sollten die  Vorräte an spaltbarem Material zerstört oder am Ende
       dieser Etappe friedlichen Zwecken zugeführt werden, wobei anfangs
       das Maß der Beseitigung proportional dem Umfang der existierenden
       Vorräte in jedem Lande entsprechen würde.
       Um während  des Verlaufs der Abrüstung die internationale Sicher-
       heit zu  garantieren, würde eine streng begrenzte Menge nuklearer
       Waffen und  der dazu  gehörigen Vorrichtungen von beiden Parteien
       zurückbehalten werden,  in gegenseitiger  Übereinkunft und  unter
       folgenden Bedingungen:
       Die Menge  der Vorräte  würde beim einen und beim anderen Partner
       die gleiche  sein und  von Experten auf ein Mindestmaß beschränkt
       werden, das ausreichte, den zu bedrohen, der versuchen würde, den
       Vertrag zu  brechen, das  jedoch nicht genügen würde, um eine nu-
       kleare Aggression  zu beginnen.  Die Anzahl dürfte, nach der Mei-
       nung der Teilnehmer, einige Dutzend nicht überschreiten.
       Die gesamte vorhandene militärische Macht würde ebenfalls von den
       beiden Partnern begrenzt.
       Die zurückgehaltenen  Raketen sollen auf feststehenden Rampen auf
       der Erde  untergebracht und  ständiger Kontrolle unterworfen wer-
       den. Jede  Rampe würde  mit einer  einzigen  Rakete  ausgestattet
       sein.
       Diese nukleare  Bewaffnung würde  von den  beiden Mächten bis zur
       Vollendung der dritten Etappe der Abrüstung erhalten und dann un-
       ter internationaler Kontrolle zerstört.
       Während der  ganzen Dauer  der Durchführung  der drei Etappen der
       Abrüstung würde  eine internationale Kontrolle funktionieren, die
       feststellt, daß  die Zerstörungen oder Verminderungen von den Un-
       terzeichnern des Vertrages korrekt durchgeführt werden.
       Die Teilnehmer betonen, daß die im Besitz der verschiedenen Staa-
       ten befindlichen  Unterlagen,  zusammen  mit  der  Kontrolle  der
       durchgeführten Zerstörung  der Waffen, der Inspektion der spezia-
       lisierten Rüstungsbetriebe  und der  Prüfungen der  Budgets, eine
       genügend genaue  Durchführung des  Vertrages erlauben,  zumindest
       während seiner ersten Etappe.
       Sie sind  überzeugt, daß  die genaue  Durchführung der  Maßnahmen
       eine solche  Entspannung und ein solches aufeinanderfolgendes Ge-
       fühl des  Vertrauens erzeugen  wird, daß die Vertragspartner dazu
       übergehen werden,  spontan die  Operationen zu  beschleunigen und
       auf das schnellste die entsprechenden Einsparungen zu machen, von
       denen ein  Teil dazu bestimmt sein wird, den weniger entwickelten
       Völkern zu helfen.
       Die Teilnehmer  am Runden  Tisch bekräftigen  außerdem, daß jeder
       Vertrag über die allgemeine und totale Abrüstung Klauseln enthal-
       ten muß,  die die  Sicherheit der abgerüsteten Staaten gewährlei-
       sten.
       Die Konferenz  wird diese  Frage auf  der kommenden IX. Zusammen-
       kunft wieder  aufnehmen, ebenso  wie die Behandlung der zu diesem
       Zweck von  den Herren Noel-Baker, Warbey, James David und Zillia-
       cus verfaßten Dokumente. Die Teilnehmer des Table Ronde-Gesprächs
       appellieren an  die Delegationen  der Genfer Abrüstungskonferenz,
       diese Kompromiß-Vorschläge  in ihre  Beratungen einzubeziehen und
       ihre Verhandlungen,  die bisher zu langsam vorangekommen sind, zu
       beschleunigen, um den Wunsch der Menschen nach Frieden zufrieden-
       zustellen.
       
       Entschließung über die kulturelle Zusammenarbeit.
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       Die Teilnehmer der VIII. Table Ronde-Zusammenkunft
       - beachtend, daß die kulturelle und wissenschaftliche Zusammenar-
       beit einen  der wesentlichen  Aspekte der  friedlichen Koexistenz
       bildet und eine Einrichtung für ein besseres Verständnis zwischen
       den Völkern bildet,
       - darum bemüht, die Achtung vor der Würde des Menschen wiederher-
       gestellt zu sehen,
       - wünschen, daß alle Mittel der Bildung und der Information, ins-
       besondere das  Buch, die  Presse, der  Film, der Rundfunk und das
       Fernsehen, sich in erster Linie von den durch die UNO definierten
       Grundsätzen leiten  lassen, die  endgültig  jede  Propaganda  für
       Krieg, Gewalt und Haß verbannen,
       - empfehlen, daß  die Lehrer  aller Grade sich darum bemühen, bei
       der Jugend  das Gefühl  für die internationale Zusammenarbeit und
       die Freundschaft zwischen den Völkern zu entwickeln.
       Eine umfassende  Begegnung der Lehrer sollte ins Auge gefaßt wer-
       den, getragen  von der Initiative berufener internationaler Orga-
       nisationen, damit im einzelnen Erziehungsmethoden festgelegt wer-
       den, die  mit der  Beschaffenheit und Vielfalt der Welt von heute
       übereinstimmen.
       Große Anstrengungen  sollten verwirklicht  werden auf  dem Gebiet
       des kulturellen,  alle Kreise der Bevölkerung umfassenden Austau-
       sches, wobei  die Stipendien  an Schüler,  Studenten und qualifi-
       zierte Personen erweitert werden müßten.
       Ihre Huldigung  erweisend, an  all das,  was auf  diesen Gebieten
       durch zahlreiche  Regierungen bereits verwirklicht wurde, glauben
       die Teilnehmer  der Konferenz  jedoch aussprechen  zu müssen, daß
       die Aktivität  der nichtregierungsamtlichen sozialen Organisatio-
       nen noch  nicht ausreichend ist und daß sie einer ernstlichen Er-
       mutigung bedürfen.
       Die Teilnehmer  schlagen vor,  innerhalb der Organisation der UN-
       ESCO eine  Konferenz des europäischen Fernsehens einzuberufen, um
       die Grundlage  für eine regelmäßige Zusammenarbeit auszuarbeiten.
       Ihre hauptsächliche Aufgabe würde in der gemeinsamen Ausarbeitung
       von kulturellen Programmen bestehen, die dazu bestimmt sind, zwi-
       schen den  Völkern eine  wahrhafte Annäherung herbeizuführen, ge-
       gründet auf einer großen wechselseitigen Kenntnis voneinander.
       Schließlich soll  die Aufmerksamkeit  der Friedensfreunde auf ein
       sehr positives Element des Fortschritts gerichtet werden, das die
       Projekte internationaler  Zusammenarbeit auf  dem Gebiet der wis-
       senschaftlichen und medizinischen Forschung darstellen.
       Es ist zu hoffen, daß bescheidene Opfer aus den Militärbudgets es
       möglich machen  werden, sehr schnell ein Institut für internatio-
       nale Krebsforschung zu schaffen, wo Forscher aller Länder sich in
       ihrer Erfahrung befruchten können und so dieses Institut zu einer
       wahrhaften Stätte des Lebens machen werden.
       Es ist augenscheinlich, daß diese verschiedenen Probleme nur dann
       vollkommen gelöst werden können, wenn ein Teil der sehr beträcht-
       lichen Mittel,  die heute  den Militärausgaben zur Verfügung ste-
       hen, humanitären Zwecken zugeleitet werden.
       
       Entschließung zu den nichteuropäischen Fragen
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       Die Beendigung  des Kolonialismus,  für die  sich die Generalver-
       sammlung der  UNO aussprach,  ist eines der entscheidenden Ereig-
       nisse unseres  Jahrhunderts. Aber die unvermeidlichen politischen
       und gesellschaftlichen Veränderungen in den entkolonisierten Län-
       dern und  den anderen Entwicklungsländern verlangen von den wirt-
       schaftlich entwickelten Mächten, bei Achtung der Souveränität je-
       ner Staaten, eine folgende Punkte umfassende Vereinbarung:
       1. In der  Hilfe an  Entwicklungsländer darf  kein  Staat  danach
       trachten, militärische  und politische  Vorteile zu erlangen oder
       aus politischen  Veränderungen Nutzen  zu ziehen, um diese Länder
       in Militärblöcke einzuspannen.
       2. Ein Verbot  muß jede Waffenlieferung an Regierungen betreffen,
       die sie für die Unterdrückung der für ihre Freiheit und nationale
       Unabhängigkeit kämpfenden Völker sowie für eine gewaltsame Verän-
       derung bestehender  Grenzen und  die Annexion fremder Gebiete be-
       nutzen. Die  wirtschaftlich entwickelten Staaten müßten sich ver-
       ständigen, damit  die Entwicklungsländer  nicht in  den Rüstungs-
       wettlauf einbezogen  und ihre  bescheidenen Mittel  nicht von der
       Verwirklichung dringender Wirtschaftsaufgaben abgewendet werden.
       3. Alle Mächte  müssen, entsprechend  ihrer Mittel,  in der wirt-
       schaftlichen Hilfeleistung  an die Entwicklungsländer zusammenar-
       beiten, wenn  möglich in  gemeinsamer Aktion, vor allem im Rahmen
       der UNO.
       4. Die Teilnehmer  am VIII.  Table Ronde-Gespräch geben ihrer Un-
       ruhe Ausdruck angesichts der Tatsache, daß eine notwendige Norma-
       lisierung der Lage im Laos nicht verwirklicht wurde. Die Teilneh-
       mer dieses  Gesprächs fordern  die Staaten,  die den Genfer Laos-
       Vertrag 1962 unterzeichneten, auf, die sofortige Anwendung dieses
       Vertrages zu gewährleisten.
       Um zur Gesundung der Weltsituation und zur Befestigung der inter-
       nationalen Zusammenarbeit  beizutragen, halten die Teilnehmer der
       VIlI. Table  Ronde-Konferenz es  für absolut notwendig, die Dele-
       gierten der chinesischen Volksrepublik, als rechtmäßige Vertreter
       Chinas, unverzüglich in die UNO aufzunehmen.
       
       Entschließung in den anderen politischen Fragen
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       Die Teilnehmer  des VIII. Table Ronde-Treffens schritten zu einem
       Meinungsaustausch über  zahlreiche Fragen,  die in  Beziehung mit
       der europäischen  Sicherheit stehen,  und sind einstimmig zu fol-
       gendem Beschluß gekommen:
       Die führenden  Mächte sollten ohne Verzögerung Verhandlungen über
       folgende Punkte eröffnen:
       1. Das Verbot der Zuflucht zum Waffengebrauch, insbesondere durch
       den Abschluß  eines Nichtangriffsvertrages  zwischen den  Mächten
       der Nato  und des Warschauer Paktes, der dazu beiträgt, Vertrauen
       in Europa zu erzeugen und die Stabilität zu stärken.
       2. Die Errichtung einer atomwaffenfreien Zone in Mitteleuropa auf
       der Basis  des  Rapacki-Planes  und/oder  anderer  analoger  Vor-
       schläge, wie diese in der Entschließung des gegenwärtigen "Runden
       Tisches" über die Abrüstung präzisiert sind.
       3. Der Schutz  gegen die  Gefahr von  Überraschungsangriffen, wie
       ebenfalls in der oben zitierten Entscheidung dargelegt. Die Teil-
       nehmer übersehen  nicht, daß manche Deutsche es vorziehen würden,
       die Teilnahme  ihrer Regierungen von der Erreichung von vorherge-
       henden oder gleichzeitigen Fortschritten auf dem Wege der Wieder-
       vereinigung Deutschlands  abhängig zu  machen; aber  selbst unter
       diesem Gesichtspunkt  ist es  unerläßlich, zuerst an der Entspan-
       nung zu arbeiten.
       Aus dieser  Sicht und  gemäß der  Opposition des "Runden Tisches"
       gegen jegliche  Ausbreitung der  Atomwaffen, muß die nukleare Be-
       waffnung der  einen oder  der anderen deutschen Armee, in welcher
       Form auch immer, sei es direkt oder indirekt, vermieden werden.
       Die Teilnehmer  des "Runden  Tisches" appellieren andererseits an
       die Großmächte,  die Verhandlungen über das deutsche Problem wei-
       ter zu  verfolgen, um ein für alle annehmbares Abkommen zu errei-
       chen.
       
       Verbesserung der internationalen wirtschaftlichen Beziehungen
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       und Entwicklung des Welthandels
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       Die hauptsächlichen  Wirtschaftsprobleme,  denen  die  Welt  sich
       heute gegenübergestellt  sieht, ergeben  sich aus  dem  Rüstungs-
       Wettrennen, aus der Situation der weniger entwickelten Länder und
       den wirtschaftlichen  Maßnahmen, die mit dem Kalten Krieg verbun-
       den sind.  Wir betrachten es vor allem als wichtig, daß alle Ein-
       schränkungen, die  den Handel,  die Anleihen, die Kredite betref-
       fen, und  die politischen  Diskriminierungen  oder  strategischen
       Rücksichten entspringen,  aufgehoben werden.  Insbesondere messen
       wir der  Entwicklung aller  Möglichkeiten  des  Welthandels  eine
       große Wichtigkeit  bei als  Mittel zur  Sicherung der friedlichen
       und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Nationen.
       Die Konferenz  des west-östlichen  "Runden Tisches"  erachtet die
       Einberufung der  Konferenz der  Vereinten Nationen für Handel und
       Entwicklung als einen wichtigen Fortschritt auf dem Wege der Ent-
       wicklung friedlicher Wirtschaftszusammenarbeit zwischen allen Na-
       tionen der Welt. Wir appellieren an alle Regierungen, dieser Kon-
       ferenz ihre  volle Unterstützung zu widmen, und wir erwarten, daß
       sie für alle Nationen offen sein wird, ganz gleich, ob diese Län-
       der Mitglieder  der UNO  sind oder nicht. Andererseits bitten wir
       alle Teilnehmer  dieser Konferenz,  ihre volle Aufmerksamkeit auf
       die Ausdehnung  der wirtschaftlichen  Zusammenarbeit zwischen Ost
       und West und auf die Förderung der weniger entwickelten Länder zu
       richten.
       Wir hoffen,  daß die  Konferenz für Handel und Entwicklung insbe-
       sondere Schritte in Hinsicht auf die Beseitigung aller Einschrän-
       kungen einer freien Entwicklung des Handels unternehmen wird, wie
       sie in Embargos, Handelsquoten und Kreditdrosselungen infolge po-
       litischer und strategischer Gesichtspunkte bestehen.
       Die Konferenz  für Handel  und Entwicklung  sollte ihre besondere
       Aufmerksamkeit den  Problemen des Handels mit den weniger entwic-
       kelten Ländern  und der  Hilfe an  diese Länder  mit dem Ziel der
       Förderung  ihres  industriellen  und  landwirtschaftlichen  Fort-
       schritts vorbehalten.
       Das wohl  größte wirtschaftliche  Problem stellt  jedoch der sich
       mehr und  mehr vertiefende  Abgrund zwischen den hochentwickelten
       Gebieten der  Welt und den minderentwickelten dar. Eine der Haup-
       tursachen für  diesen Abgrund  ist die ungünstige Entwicklung des
       Handels der weniger entwickelten Länder. Diese hat in den letzten
       Jahren die  Hilfsgelder, die  Anleihen und  die gewährten Kredite
       verschlungen. Es ist wichtig, daß die weniger entwickelten Länder
       über genügend  große Hilfsquellen verfügen können, um ihre natio-
       nale Produktion  in einem Rhythmus zu vermehren, der beträchtlich
       schneller ist  als derjenige des Anwachsens ihrer Bevölkerung, um
       ihre Bedürfnisse  auf den Gebieten der Erziehung und des sozialen
       Wohlstands zu befriedigen.
       Die Hilfe  der entwickelten  Länder für  die weniger entwickelten
       Völker ist  durch die  Auswirkungen  des  Kalten  Krieges  einge-
       schränkt. Aus  diesem Grunde wird diese Hilfe nicht immer so ein-
       gesetzt, wie  es am  nützlichsten ist,  und manchmal  werden  die
       Hilfsmittel  infolge  von  außerwirtschaftlichen  Gesichtspunkten
       vergeudet.
       Die finanziellen  und materiellen Hilfsquellen, die dank der Ver-
       minderung der  Militärausgaben freigemacht werden können, sollten
       für soziale und humanitäre Zwecke verwendet werden, für den Kampf
       gegen Hungersnot  und Elend, für die Verbesserung des Wohlstandes
       und des  Gesundheitswesens sowie  für die kulturelle Entwicklung.
       Im einzelnen  sollte ein  nennenswerter Prozentsatz  dieser durch
       die Abrüstung  freigemachten Mittel  für eine vermehrte Hilfe für
       die weniger entwickelten Gebiete der Erde bestimmt sein.
       Wir halten  es für  notwendig, daß  die Konferenz  für Handel und
       Entwicklung zur  Gründung einer ständigen Organisation für Handel
       und Entwicklung  führt, die als eine UNO-Abteilung allen Nationen
       offen stände.  Eine solche  Einrichtung würde den Welthandel för-
       dern und  erleichtern und  die Hilfe für die weniger entwickelten
       Territorien erweitern  und verbessern.  Das zu  erreichende  Ziel
       ist, den weniger entwickelten Ländern zu erlauben, ihre Industrie
       und ihre  Landwirtschaft zu  fördern und ihre Handelspartner frei
       zu wählen,  wie es ihr eigener Vorteil und der der anderen Länder
       gebietet. Endlich,  um eine bessere internationale Arbeitsteilung
       zu erreichen,  sollte die Organisation für Handel und Entwicklung
       die Arbeit  der bestehenden Büros der Vereinten Nationen, der re-
       gionalen Wirtschaftsorganisationen  und der zweiseitigen Abkommen
       koordinieren. Der kürzlich in den internationalen politischen Be-
       ziehungen erzielte  Fortschritt muß  als geeignete Basis für ent-
       scheidende Fortschritte  auf den  Gebieten des  Handels  und  der
       wirtschaftlichen Entwicklung dienen.
       

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