Quelle: Blätter 1964 Heft 04 (April)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       PRESSEMITTEILUNG DES ZENTRALEN AUSSCHUSSES
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       ZU DEN OSTERMÄRSCHEN 1964
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       Am Ostermontag sind in allen Teilen der Bundesrepublik die Oster-
       märsche, die  von der Kampagne für Abrüstung veranstaltet wurden,
       zu Ende  gegangen. Trotz  des strömenden  Regens und Schneesturms
       übertraf die  Beteiligung die des vorigen Jahres beträchtlich. An
       den Märschen,  Kundgebungen und  Veranstaltungen beteiligten sich
       während der drei Feiertage etwa 65 000 Menschen, zusammen mit den
       Veranstaltungen zur Vorbereitung der Märsche etwa 100 000.
       Die Kampagne,  die sich  mit gleicher Entschiedenheit gegen Atom-
       waffen und  das Wettrüsten  in Ost  und West ausspricht, forderte
       durch ihre  Demonstrationen als weitere Schritte die Aufnahme von
       Verhandlungen über  die Bildung  einer atomwaffenfreien  Zone  in
       Mitteleuropa, den  Verzicht der  Bundesregierung auf  Beitritt zu
       der multilateralen  Atommacht und die Schaffung einer Abrüstungs-
       behörde nach  amerikanischem Vorbild. Diese drei Forderungen sol-
       len u.a. auch nach Ostern durch eine Petition, zu der auf den Ab-
       schlußkundgebungen aufgerufen  wurde, dem  Bundestag unterbreitet
       werden.
       Aus der  Bundesrepublik schlossen  sich  den  Märschen  besonders
       Gruppen der  Gewerkschaftsjugend, der Naturfreundejugend, der so-
       zialistischen Jugend  "Die Falken",  der Bündischen  Jugend,  der
       Quäker, der  Kriegsdienstgegnerverbände und  evangelische und ka-
       tholische Jugendgruppen an.
       Es beteiligten  sich ferner  Delegationen und Gruppen aus 17 aus-
       ländischen Staaten,  darunter waren Franzosen, Belgier, Engländer
       und Skandinavier besonders stark vertreten.
       Auf den  annähernd 100  Veranstaltungen und Kundgebungen sprachen
       als prominente deutsche Vertreter u.a. Kirchenpräsident D. Martin
       Niemöller, Erich  Kuby, Prof. Dr. Vogel aus Berlin, Heinz Raspini
       (Dozent der  Bundesschule der IG Metall in Lohr), Prof. D. Helmut
       Gollwitzer und  viele andere Geistliche, Gewerkschaftsfunktionäre
       und Professoren.
       Außerdem sprachen  Vertreter des Zentralen Ausschusses der Kampa-
       gne für  Abrüstung wie  der Hamburger  Lehrer Hans Konrad Tempel,
       der Bundesjugendleiter  der Naturfreunde Herbert Faller, der Bun-
       desvorsitzende des  Verbandes der Kriegsdienstverweigerer Herbert
       Stubenrauch, die Theologin Dr. Hannelis Schulte, Dr. Arno Klönne,
       Heiner Halberstadt und Dr. Andreas Buro, Geschäftsführer des Zen-
       tralen Ausschusses.  Ferner sprachen prominente ausländische Red-
       ner, u.a.  der Vizepräsident des dänischen Reichstages Rasmussen,
       der britische Unterhausabgeordnete Frank Allaun, der holländische
       Abgeordnete Brüggemann,  Rolf Debouse,  Betriebsrat der  Renault-
       werke, Prof. Routchevsky, Präsident der französischen Friedensge-
       sellschaft und Abbé Carrett. Der polnische Professor für interna-
       tionales Recht  Ryczka, der  in Mannheim  den polnischen Plan für
       Errichtung einer  atomwaffenfreien Zone in Mitteleuropa erläutern
       sollte, erhielt von der Bundesregierung keine Einreiseerlaubnis.
       Der Aufruf zum Ostermarsch 1964 wurde von zahlreichen prominenten
       Persönlichkeiten unterschrieben,  u.a. von Hans Magnus Enzensber-
       ger, Prof.  Ernst Bloch,  Wolfgang Neuss, Dr. Erich Kästner, Rolf
       Hochhuth, Dr.  Müller-Gangloff; von  über 1100  Geistlichen aller
       Konfessionen, 450 Gewerkschaften und Betriebsräten, 400 Professo-
       ren und  Pädagogen, 50  Stadtverordneten, 400 Schriftstellern und
       Künstlern, annähernd 300 Juristen und Rechtsanwälten. Nobelpreis-
       träger Prof. Dr. Max Born und der SPD-Bundestagsabgeordnete Prof.
       Fritz Baade  erklärten neben  dem britischen Philosophen Bertrand
       Russell ihre Übereinstimmung mit den Forderungen der Kampagne für
       Abrüstung.
       In der  Schlußerklärung zu den Ostermärschen 1964 werden die Bür-
       ger der  Bundesrepublik aufgefordert,  die Kampagne für Abrüstung
       verstärkt fortzuführen,  um die  Bundesregierung zu  veranlassen,
       auch ihren Beitrag zur Sicherung des Friedens in der Welt zu lei-
       sten.
       

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