Quelle: Blätter 1964 Heft 04 (April)


       zurück

       
       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       "WOLLT IHR DEN 'TOTALEN KRIEG'?"
       ================================
       
       Vor dem  Arbeitskreis "Wehrpolitik" des CDU-Kreisverbandes sprach
       Oberstleutnant i.G.  Walitschek von  der Akademie für Wehrverwal-
       tung und Wehrtechnik (Mannheim) über das "Moderne Kriegsbild".
       Als Brückenkopf  der NATO  würde die Bundesrepublik in einem kom-
       menden Krieg  bestimmt zum Kriegsschauplatz, wobei die klassische
       Trennung von Front und Heimat im Fall der Anwendung von nuklearen
       Waffen sofort entfällt, sagte der Redner. Dann würde es unter der
       Zivilbevölkerung weit  mehr Opfer geben als unter den Soldaten...
       Deutsche müßten  auf beiden Seiten neben ihren jeweiligen Verbün-
       deten mitten in ihrem Vaterland gegen Deutsche kämpfen.
       Resignation und Furcht vor dem Gegner kommen aber nach den Worten
       des Referenten  einer "nationalen  Selbstaufgabe" gleich. Deshalb
       müßten jetzt  alle Verteidigungsanstrengungen  mit Vorrang behan-
       delt werden  - sowohl die militärische Rüstung wie die politische
       und gesetzgeberische Vorbereitung für einen möglichen Kriegsfall.
       In diesem  Zusammenhang wies Oberstleutnant Walitschek wiederholt
       auf die  immer dringlicher  werdende  Verabschiedung  eines  Not-
       standsgesetzes hin. Nicht allein die vorhandenen zwölf Divisionen
       genügen als  Rüstzeug für  einen kommenden  Krieg, der  Verteidi-
       gungswille des ganzen Volkes müsse hinzukommen, er müsse dem Geg-
       ner auch immer wieder glaubhaft gemacht werden...
       "Ein Krieg  der Zukunft  ist ein Krieg der Extreme", sagte Walit-
       schek Die Zahl der Toten, die Höhe des materiellen Schadens könne
       alles bisher Dagewesene übersteigen...
       Flensburger Nachrichten v. 9.III.64
       

       zurück