Quelle: Blätter 1964 Heft 06 (Juni)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Jürgen Menningen
       
       AUSCHWITZ UND DIE DEUTSCHE INDUSTRIE
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       Eine Dokumentation
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       ...
       "Ich befehligte  Auschwitz bis  zum 1. Dezember 1943 und schätze,
       daß mindestens  2 500 000 Opfer dort durch Vergasung und Verbren-
       nung hingerichtet und ausgerottet wurden; mindestens eine weitere
       halbe Million  starben durch  Hunger und  Krankheit, was eine Ge-
       samtzahl von ungefähr 3 000 000 Toten ausmacht. Diese Zahl stellt
       ungefähr 70 oder 80 Prozent aller Personen dar, die als Gefangene
       nach Auschwitz  geschickt wurden;  die übrigen  wurden ausgesucht
       und für  Sklavenarbeit in den Industrien des Konzentrationslagers
       verwendet."
       Rudolf Höß vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg am
       5.4.1946.
       ...
       Erstes Interesse der Industrie an Auschwitz
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       ...
       "Inzwischen fand  auch am  7.4. die konstituierende Gründungssit-
       zung in  Kattowitz statt,  die im  großen und ganzen befriedigend
       verlief. Gewisse  Widerstände von  kleinen Amtsschimmeln  konnten
       schnell beseitigt werden. Dr. Eckell hat sich dabei sehr bewährt;
       und außerdem  wirkt sich unsere neue Freundschaft mit der SS sehr
       segensreich aus. Anläßlich eines Abendessens, das uns die Leitung
       des Konzentrationslagers  gab, haben wir weiterhin alle Maßnahmen
       festgelegt, welche  die Einschaltung  des wirklich hervorragenden
       Betriebes des KZ-Lagers zugunsten der Buna-Werke betreffen." 4)
       ...
       ...
       "Ende 1941  wurde dem  Vorstand der  IG-Farben von  dem  Bunawerk
       Auschwitz (durch  Ambros und  Bütefisch 5))  aus Zweckmäßigkeits-
       gründen die  Errichtung des KZ Monowitz auf dem IG-Gelände Ausch-
       witz vorgeschlagen.  Der Kostenvoranschlag für die Errichtung des
       Lagers Monowitz wurde dem Technischen Ausschuß und von diesem dem
       Vorstand übergeben  und von  letzterem gebilligt. Das IG-Bunawerk
       Auschwitz war  nicht nur  für die Unterbringung, sondern auch für
       die Verpflegung  und Beaufsichtigung der Konzentrationslagerhäft-
       linge verantwortlich." 6)
       ...
       Moderner Sklavenhandel
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       ...
       "Je härter  der Krieg  wurde, desto  rücksichtsloser forderte der
       RFSS (Himmler) den Häftlingseinsatz. Die Hauptmasse der Häftlinge
       waren aber die des Ostens und später die Juden. Sie wurden haupt-
       sächlich für die Rüstung geopfert." 7)
       ...
       Die Selektionen
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       ...
       "Die Art  und Weise, wie wir unsere Opfer auswählten, war folgen-
       dermaßen: Zwei  SS-Ärzte waren in Auschwitz tätig, um die einlau-
       fenden Gefangenentransporte zu untersuchen. Die Gefangenen mußten
       bei einem der Ärzte vorbeigehen, der bei ihrem Vorbeimarsch durch
       Zeichen die Entscheidung fällte. Diejenigen, die zur Arbeit taug-
       ten, wurden ins Lager geschickt. Andere wurden sofort in die Ver-
       nichtungsanlagen geschickt.  Kinder im zarten Alter wurden unter-
       schiedslos vernichtet,  da auf Grund ihrer Jugend sie unfähig wa-
       ren, zu arbeiten." 9)
       ...
       ...
       "Zum ersten Male draußen um 3 Uhr bei einer Sonderaktion zugegen.
       Im Vergleich hierzu erscheint mir das Dante'sche Inferno fast wie
       eine Komödie. Umsonst wird Auschwitz nicht das Lager der Vernich-
       tung genannt." 10)
       ...
       "Aktion Reinhardt" - der Mord wird zum Geschäft
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       ...
       "Schon 1942  war Kanada I lange schon nicht mehr in der Lage, die
       Sortierung laufend  zu erledigen. Trotz immer wieder neu erstell-
       ter Schuppen  und Baracken, Tag- und Nachtarbeit der sortierenden
       Häftlinge, andauernder  Verstärkung dieser Kommandos, türmte sich
       das noch  unsortierte Gepäck, obwohl täglich mehrere Waggons, oft
       bis zu 20, mit sortiertem Material verladen wurden..." 15)
       ...
       Sklavenarbeit in den Rüstungsbetrieben
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       ...
       "Der Weg  vom Lager  zur Arbeit  war 4-6 Kilometer lang. Außerdem
       mußte man  morgens und  abends ein  bis zwei  Stunden beim Appell
       stehen. Unter  diesen Umständen  konnte man es also drei bis vier
       Monate aushalten. Nach Ablauf dieser Zeit starben viele Leute aus
       Erschöpfung oder  Ermüdung. Ich selbst mußte diese schwere Arbeit
       nicht vollbringen,  da ich  als Arzt  im Ambulatorium beschäftigt
       war, wo  ich Kranke  versorgte. Durch  dieses Ambulatorium gingen
       täglich 500  bis 600  Kranke... Während der Arbeit wurde oft sehr
       stark geschlagen.  Vom Arbeitsplatz brachte man täglich etwa zehn
       Tote oder Halbtote, die bald starben..." 18)
       ...
       ...
       "Die Bedingungen waren unerträglich... Am ersten Arbeitstag, Vor-
       abend vor  Weihnachten, 24.  Dezember 1942, mußten wir ohne Essen
       bis 3.00 Uhr morgens des 25. Dezember durcharbeiten. Unser Dienst
       bestand im  Ausladen von  Waggons, Eisenstangen  und Zementsäcken
       und schweren Öfen..." 19)
       ...
       ...
       "...wenn Sie  sich nun diese von hohem Ethos getragene vorbildli-
       che Einstellung der I.G. gegenüber ihrer Belegschaft vergegenwär-
       tigen und  ebenso die in diesem Verfahren klar in Erscheinung ge-
       tretene Freiheit von jedem engen und überheblichen Nationalismus,
       die die I.G. auszeichnete, müssen Sie sich da nicht sagen, daß es
       jeder Lebenserfahrung  und jeder  psychologischen Wahrscheinlich-
       keit widersprechen  würde, wenn die I.G. nun auf einmal gegenüber
       den bei  ihr tätigen Fremdarbeitern und KZ-Häftlingen die Haltung
       eines rücksichtlosen, kalten Ausbeuters eingenommen hätte? Außer-
       dem sollte  man den Männern der I.G. nicht die Dummheit zutrauen,
       daß sie  ihre Arbeitskräfte, auf denen schließlich die Produktion
       beruhte, schlecht  behandelt und  unzureichend ernährt hätte usw.
       Es ist  doch klar, daß eine befriedigende Arbeitsleistung nur von
       gutwilligen, ausreichend ernährten und anständig behandelten Men-
       schen erwartet  werden kann.  Liegt nicht der schlagendste Beweis
       überhaupt in  der Tatsache, daß in den I.G.-Werken und der in dem
       einen Fall Auschwitz auch nicht unbedeutenden Anzahl von KZ-Häft-
       lingen praktisch keine Sabotagefälle vorgekommen sind?" 20)
       ...
       Industrialisierter Massenmord
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       Immer mehr Häftlinge für die Rüstungsindustrie
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       ...
       "Der Verlauf  des Krieges  erzwingt den  Einsatz aller  überhaupt
       verfügbaren Arbeitskräfte  für die Rüstung. Eine noch beachtliche
       Reserve ist in den Konzentrationslagern mit nicht kriegswichtigen
       Arbeiten beschäftigt. Himmler verspricht dem Führer die Übernahme
       'siegentscheidender Rüstung'  durch die  SS und  die Durchführung
       durch die  Häftlinge. Ab  diesem Zeitpunkt  gilt für ihn nur noch
       die Parole:  rücksichtslosester Arbeitseinsatz aller noch verfüg-
       baren Häftlinge  für die  Rüstung..., und  für das  Reichssicher-
       heitshauptamt: neue  sicherheitspolizeiliche  Aktionen,  um  mehr
       Häftlinge herbeizuschaffen,  für Eichmann: seine Judenaktionen zu
       intensivieren..." 23)
       ...
       ...
       "Es handelt  sich bei  Auschwitz ja  nicht nur um eine der vielen
       I.G.-Gründungen, wie wir sie in den letzten Jahren geschaffen ha-
       ben, sondern ich fürchte nach den Ereignissen der letzten Wochen,
       daß Auschwitz  berufen ist,  sich ganz  entscheidend  für  unsere
       Firma und damit auch für die Rüstung auszuwirken.." 25)
       ...
       Personalprobleme im IG-Werk Auschwitz
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       "Ich komme  zurück auf meine Ausführungen in der letzten Tea-Sit-
       zung wegen  der Hilfsaktion Auschwitz. Inzwischen haben die tech-
       nischen Betriebe  in kameradschaftlichster Weise Hunderte von be-
       sten Kräften nach Auschwitz abgestellt und mir damit außerordent-
       lich geholfen.  Auf Veranlassung von Herrn Prof. Krauch werden in
       den nächsten  Tagen Landesschützen  dem Werk  überwiesen, so  daß
       auch der Schutz der deutschen Belegschaft gegeben ist."
       ...
       ...
       "Ich richte  nun die  Bitte an  Sie als Leiter des kaufmännischen
       Ausschusses, diesen Appell an Ihre kaufmännischen Kollegen zu ge-
       ben und  mir für  Auschwitz mindestens 50 deutsche Kräfte freima-
       chen. Jeder Tag bringt uns entscheidenden Nutzen!"
       ...
       ...
       "Die katastrophalen  Personalverhältnisse in  Auschwitz machen es
       erforderlich, mit  allen Mitteln  Vorsorge zu treffen, daß die in
       der kaufmännischen  Abteilung zu  leistenden Arbeiten nicht durch
       anzahl- und  arbeitsmäßig mangelhafte Kräfte eine zu große Verzö-
       gerung erleiden..." 26)
       ...
       Medizinische Experimente an Häftlingen im Dienst der Industrie
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       ...
       "Bereiten Sie  150 Frauen  in bestmöglichstem  Gesundheitszustand
       vor, und  sobald Sie  uns mitteilen,  daß Sie soweit sind, werden
       wir diese  übernehmen..." "Erhielten  den Auftrag für 150 Frauen.
       Trotz ihres  abgezehrten Zustandes  wurden sie als zufriedenstel-
       lend befunden.  Wir werden  Sie bezüglich der Experimente auf dem
       laufenden halten..."  "Die Versuche wurden gemacht. Alle Personen
       starben. Wir  werden uns  bezüglich einer  neuen Sendung bald mit
       Ihnen in Verbindung setzen" 28).
       ...
       ...
       "Auf die  aktivistische Einstellung der Industriellen kommt es in
       dem neuen  Staat um so mehr an, als das deutsche System der Wirt-
       schaftslenkung sich nicht auf die Aufgabe von Direktiven von oben
       nach unten  beschränkt, sondern  seiner Natur  nach der ständigen
       bereitwilligen korrigierenden  Mitarbeit  der  Gelenkten  bedarf.
       Diese Mitarbeit  ist geradezu  eine der wichtigsten Voraussetzun-
       gen, auf  denen die Funktionsfähigkeit unserer Wirtschaftslenkung
       beruht." 29)
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