Quelle: Blätter 1964 Heft 06 (Juni)


       zurück       Anzeige mit ausgesterntem Text


       Aus Copyrightgründen kann DEA hier keine Volltextausgabe machen.
       ----------------------------------------------------------------
       Das vollständige Dokument finden Sie entweder auf der "Blätter"-
       DVD,  die mehr als 9000 Beiträge von 1956-1989  enthält oder auf
       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
       unter www.blaetter.de.
       
       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Dr. Oswald A. Kohut, MdB
       
       KEINE WIEDERVEREINIGUNG DURCH ABWARTEN
       ======================================
       ...
       Den nachfolgenden Ausführungen, die uns der Bundestagsabgeordnete
       der Freien Demokratischen Partei Dr. Oswald Kohut zum Abdruck zur
       Verfügung gestellt  hat, liegt  eine Ansprache des Verfassers vor
       Offenbacher Jungdemokraten zu Grunde. D. Red.
       ...
       ...
       "Mit dem  Abschluß der  P a r i s e r - V e r t r ä g e",  versi-
       cherte Dr.  Adenauer am 15.12.1954, "wird die Bundesrepublik eine
       sichere Basis  gewinnen, von  der aus sie die Politik der Wieder-
       vereinigung mit  Zuversicht führen  kann." Im  Mai 1955 führte er
       aus: "Die  ganze   a t l a n t i s c h e  G e m e i n s c h a f t
       wird jetzt  für unser Ziel, die Wiedervereinigung, mit Macht ein-
       treten und  die Wiedervereinigung  wird nun  bald in  Frieden und
       Freiheit kommen."
       ...
       ...
       "Wir fahren  mit dem festen Vorsatz nach Moskau, alles in unseren
       Kräften Stehende  zu tun,  was dem Frieden der Welt, der Freilas-
       sung  der  letzten  Kriegsgefangenen  und  der  Wiedervereinigung
       dient."
       ...
       ...
       "Stalin hat uns damals angeboten: gesamtdeutsche freie Wahlen un-
       ter Viermächte-Kontrolle,  Freiheit der  Presse und so weiter und
       so weiter... Friedensvertrag, Abzug aller Truppen innerhalb eines
       Jahres, nationale Bewaffnung eines wiedervereinigten Deutschlands
       - von  300 000 Mann  war die Rede -, keine Neutralisierung, nicht
       Neutralität war  die Bedingung,  sondern es  war lediglich gefor-
       dert, daß  Deutschland nicht  in eine Militäralliance eintritt. -
       Und was  das Schlimme  war: Man  hat nicht  einmal darüber debat-
       tiert, man hat nicht einmal versucht, ein Wort zu wechseln."
       ...
       Überprüfen und Umdenken!
       ------------------------
       ...
       "Sämtliche Verhandlungen  zwischen uns  und den Westmächten haben
       die deutsche  Frage um keinen Schritt vorangebracht. Warum sollen
       wir weiter in den Wind reden, Sie und ich, wenn es um dieses Pro-
       blem geht?  Das beste  ist, wir beginnen wirkliche Verhandlungen,
       um festzustellen,  ob wir  nicht untereinander  zu einer Einigung
       kommen können Ja, direkte Verhandlungen!"
       ...
       ...
       "Die sehr  realistische Haltung Chrustschows habe ich berücksich-
       tigt, als  ich meine  Regierung drängte, die Chance zu ergreifen,
       die vielleicht  in seinem Angebot direkter Verhandlungen lag. Was
       ist dabei  herausgekommen? Ich weiß es nicht, denn Bonn hat meine
       Ratschläge nicht befolgt, und Chrustschow und ich haben nie rich-
       tig zu verhandeln begonnen."
       ...
       Immer noch "Politik der Stärke"?
       --------------------------------
       Bonns Ansprüche sind illusionär
       -------------------------------
       ...
       "Sie verlieren  nichts, wenn  Sie die  deutsche Wiedervereinigung
       opfern, aber  ich. Doch  wir sind bereit, sie zu opfern, wenn wir
       in ein starkes westliches Lager eintreten können... Vergessen Sie
       nicht, daß  ich der einzige deutsche Kanzler bin, der die Einheit
       Europas der Einheit seines eigenen Vaterlandes vorzieht!"
       ...
       In die Sackgasse geraten...
       ---------------------------
       ...
       "Der Grund,  warum die  deutsch-amerikanischen Beziehungen  unter
       Konrad Adenauer niemals stabil wurden, ist dieser: Er bestand im-
       mer darauf,  daß wir  eine Formel  wiederholten, die es unmöglich
       machte, Deutschland  wieder zu  vereinigen, wenn  wir nicht einen
       Weltkrieg auslösen  wollten. Adenauer  glaubte, immer  wieder die
       Versicherung nötig zu haben, daß wir noch dieser unwirklichen und
       gefährlichen Formel folgten."
       ...
       ...
       Bischof Lilje  konnte im "Sonntagsblatt" weiter feststellen: "Die
       im Jahre 1951 unter dem Eindruck der Korea-Krise und der Nachwir-
       kung der  Berlin-Blockade neu  eingeführten,  bis  zum  äußersten
       dehnbaren Staatsgefährdungs-Delikte...  haben sich in den 13 Jah-
       ren ihrer Anwendung eher hemmend für den Prozeß einer freien gei-
       stigen Auseinandersetzung  mit dem  Kommunismus, denn  förderlich
       für das  Staatswohl erwiesen. Sie entsprechen der Vorstellung von
       einem unmündigen  Staatsbürger, der  der Strafdrohung als Korsett
       bedarf, weil  er aus eigener Kraft und Einsicht der ideologischen
       Aggression keinen ausreichenden Widerstand zu leisten vermag."
       ...
       Wiedereinigung in eigene Hände nehmen
       -------------------------------------
       ...
       "Wenn unter  den Zweiten Weltkrieg der Strich gezogen wäre, würde
       das dem  Erstarken der  Idee des  Revanchismus in Westdeutschland
       ein Ende machen und die Lage im Zentrum Europas und in der ganzen
       Welt festigen.  Für das  deutsche Volk den Weg zur Wiedervereini-
       gung auf friedlicher und demokratischer Grundlage bestätigen las-
       sen, heißt,  vor allen  Dingen eine Annäherung der Bundesrepublik
       Deutschland mit  der Deutschen  Demokratischen Republik  und Kon-
       takte zwischen den beiden real bestehenden deutschen Staaten, die
       Schaffung einer  Konförderation durchsetzen,  wie dies die Regie-
       rung der  DDR wiederholt  vorgeschlagen hat. Das wäre an sich ein
       guter Beitrag  zur Entspannung der Lage und zur Festigung der Si-
       cherheit in Europa."
       ...
       ...
       "Es war stets ein Fehler der Deutschen, alles erreichen zu wollen
       oder nichts  und sich  eigensinnig auf  eine bestimmte Methode zu
       versteifen. Ich  war dagegen  stets erfreut, wenn ich der Einheit
       Deutschlands. auf welchem Wege auch immer, auch nur drei Schritte
       näher kam."
       ...
       Nicht länger warten!
       --------------------
       ...
       "Das gesamte deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbst-
       bestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden."
       ...
       ...
       "...aus der  Präambel des  Grundgesetzes ist  für alle  deutschen
       Staatsorgane der Bundesrepublik die Rechtspflicht abzuleiten, die
       Einheit Deutschlands  mit allen Kräften anzustreben, ihre Maßnah-
       men auf  dieses Ziel auszurichten und die Tauglichkeit für dieses
       Ziel jeweils als einen Maßstab dieser politischen Handlung gelten
       zu lassen... Nach der negativen Seite bedeutet das Wiedervereini-
       gungsgebot, daß  die staatlichen  Organe alle Maßnahmen zu unter-
       lassen haben,  die die  Wiedervereinigung rechtlich  hindern oder
       praktisch unmöglich machen..."
       ...
       

       zurück