Quelle: Blätter 1964 Heft 07 (Juli)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Prof. Dr. jur. Harold Rasch
       
       DEUTSCHE OSTPOLITIK IN DER SACKGASSE - UND EIN AUSWEG 1)
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       ...
       "Seit 14  Jahren könnte  Deutschland ein  ungeheures  moralisches
       Prestige gesammelt  haben, wenn  es sich bewußt und entschlossen,
       als soziale  Friedensrepublik, an  die Spitze der Entwicklung ge-
       stellt hätte  und dem Erdteil zum Führer in neue und bessere Zeit
       geworden wäre.  Es hat  sich nicht entschließen können. Die Angst
       und Panik vor der nationalen Honorigkeit war stärker, vor ihr hat
       es kapituliert  jeden Tag,  und heute sehen wir es den krassesten
       nationalistischen Unfug  treiben, ohne Gefühl dafür, daß Gott das
       Überständige ekelt,  über das  er mit uns hinauswill und in Wahr-
       heit, im Geiste längst hinaus ist."
       ...
       ...
       "Die Bundesregierung  hat bereits mit ihrer Politik gegenüber den
       osteuropäischen Staaten  gezeigt, daß  sie trotz  der bestehenden
       ideologischen Unterschiede  bereit ist,  mit ihnen gutnachbarlich
       zusammenzuleben und zusammenzuarbeiten. Ein gutnachbarliches Ver-
       hältnis auch  zwischen der Sowjetunion und uns herzustellen, wäre
       nur eine konsequente Fortsetzung unserer Politik.
       Auf diesem  Wege steht jedoch eine Hürde, die nicht wir errichtet
       haben, sondern  die Sowjetunion,  und die  allein  sie  wegräumen
       kann. Es  wäre ein  großer Fehler, dieses Hindernis zu ignorieren
       und so  zu behandeln,  als existiere  es nicht.  Dieses Hindernis
       aber ist,  daß die  Sowjetunion auch  heute noch,  neunzehn Jahre
       nach Kriegsende,  mit Hilfe  ihrer Divisionen  ein Regime stützt,
       dessen Angehörige  1945 im  Gefolge der Roten Armee nach Deutsch-
       land gekommen sind, daß sie im Gegensatz zu dem Wunsch des ganzen
       deutschen Volkes,  in einem  einzigen freien  Staat zu leben, die
       These von  zwei deutschen Staaten erfunden hat und aufrechterhält
       und daß  sie den Deutschen in der Zone nach wie vor das Selbstbe-
       stimmungsrecht vorenthält. Dies sind letzten Endes die Gründe da-
       für, daß  sich die  Beziehungen zwischen  uns und der Sowjetunion
       nicht grundlegend verbessert haben."
       ...
       ...
       "Argumente der  anderen Seite müssen weder mitgeteilt noch wider-
       legt werden, sie erledigen sich von selbst durch ihre Herkunft...
       Die Propaganda  hat die  Information derart deformiert und einge-
       färbt, daß  jede objektive Information automatisch als Propaganda
       'durchschaut' wird 14)".
       "Das zeigt  sich auch  an der  Schizophrenie der 'Nachrichten aus
       der Zone',  die das  Land zwischen  Elbe und Oder zu einer wahren
       terra incognita machen. Da hört man grundsätzlich nur von Versor-
       gungsschwierigkeiten und Zuchthausurteilen, deren Strafjahre noch
       addiert werden,  als wenn  die Wirklichkeit nicht hinreichte. Was
       in Leuna,  in Eisenhüttenstadt oder Schwedt geschieht, und welche
       Konsequenzen die Umorientierung der DDR-Industrie auf den gemein-
       samen Markt  des COMECON  hat, darüber  erfährt man  so  gut  wie
       nichts, obwohl es im Hinblick auf eine Wiedervereinigung doch von
       Interesse wäre 15)".
       "Hier hat  sich der  Westen der totalitären Propaganda weitgehend
       angeglichen. Subalterner deutscher Übereifer, stets etwas mehr zu
       tun als  verlangt wird,  den man - nicht nur in der Publizistik -
       in beiden  Teilen unseres  Vaterlandes beobachten  kann, ließ uns
       auch in  diesem Punkt  alle zivilisierten Demokratien übertreffen
       16)".
       ...
       ...
       "Die ganze  Welt in  Ost und West weiß keine Lösungen, sie ist im
       Umbruch, im  Aufbruch, sie  sucht. Aber  wir suchen nicht einmal.
       Noch mehr,  oder richtiger,  noch weniger:  wir werden  uns nicht
       einmal ehrlich  über die  Probleme klar" 20). - Das Mißverhältnis
       zwischen der Macht der Gerissenen und der (Ohn-)Macht der Denken-
       den ist zu groß" 21).
       ...
       

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