Quelle: Blätter 1964 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       RUND 4 MILLIONEN RUSSISCHE KRIEGSGEFANGENE
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       IN DEUTSCHEN LAGERN UMGEKOMMEN
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       Im letzten  Weltkrieg haben nahezu vier Millionen kriegsgefangene
       russische Soldaten  den Tod  gefunden. Zu dieser Feststellung kam
       gestern im  Frankfurter Auschwitzprozeß der Bonner Historiker Dr.
       Hans-Adolf Jacobsen, der als Sachverständiger über nationalsozia-
       listische Kriegsziele  im letzten Krieg referierte. Nach Darstel-
       lung des  außerordentlich gut  informierten Wissenschaftlers, der
       auf alle Zusatzfragen der Verteidigung präzise Antworten gab, wa-
       ren bis  1945 rund  5,7 Millionen russische Soldaten in Gefangen-
       schaft geraten,  von denen  nur etwa  eine Million  in den Lagern
       überlebte.
       Im Mittelpunkt  des Sachverständigengutachtens  standen der am 6.
       Juni 1941  vom Oberkommando  der Wehrmacht erlassene Kommissarbe-
       fehl und  die rechtswidrigen  Befehle der  SS-Einsatzgruppen, die
       die gnadenlose  Ermordung Hunderttausender sowjetischer Kriegsge-
       fangener und Juden in den von den Deutschen besetzten Ostgebieten
       ermöglichten. Dieser  Kommissarbefehl hat nach Darstellung Jacob-
       sens seine  Wurzeln in  den Plänen  Hitlers, Himmlers und anderer
       Nazigrößen über  die Behandlung der besiegten Völker. Wie die Po-
       len, so  hätten auch  die Russen zu einem Sklavenvolk degradiert,
       ihre politische  Führung und  Intelligenz daher vernichtet werden
       sollen. Die  slawische Bevölkerung hätte zu 75 Prozent nach Sibi-
       rien ausgesiedelt werden sollen.
       Spandauer Volksblatt v. 15.VIII.64.
       

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