Quelle: Blätter 1964 Heft 09 (September)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       DIE "TIMES" FÜR "EINFRIEREN" DER ATOMWAFFEN IN ZENTRALEUROPA
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       Eine Beteiligung  der Bundesrepublik an der vorgesehenen multila-
       teralen Atomstreitmacht der NATO ruft überall in Osteuropa Furcht
       hervor und  macht die  Wirkung vieler  Handelsabkommen wieder zu-
       nichte. Die  Hallstein-Doktrin verhindert weiter, daß osteuropäi-
       sche Staaten  diplomatische Beziehungen  mit  der  Bundesrepublik
       aufnehmen und das Zollsystem der EWG wird vielleicht noch weitere
       Barrieren für  den Ost-West-Handel bringen. So sieht man die Ent-
       wicklung jenseits  der Elbe. Im Westen mag man ungehalten darüber
       sein, daß  die Osteuropäer  so nervös  und mißtrauisch sind. Doch
       wenn die Bundesrepublik wieder schwer bewaffnet ist, dann glauben
       die Polen  und die Tschechen und andere Osteuropäer einfach nicht
       an das  Versprechen des Westens, daß die deutsche Einheit nur auf
       friedlichem Weg  erreicht werden soll; sie gehen wieder zurück in
       die Sicherheit, die ihnen die Waffen der Sowjetunion bietet...
       Je mehr  man den  Komplex Zentraleuropa  untersucht, mit  all der
       Angst und  den Leidenschaften,  die die Trennungslinie quer durch
       Deutschland hervorruft, desto notwendiger scheint es, sich wieder
       einmal mit  dem Plan für ein "Einfrieren" der nuklearen Waffen in
       den beiden  Deutschlands und  den anderen  Staaten in diesem Teil
       der Welt  zu befassen.  Oder wenn man glaubt, daß es diskriminie-
       rend sei,  wenn man  Staaten beim  Namen nennt,  dann soll Harold
       Macmillans Plan  wieder hervorgeholt  werden, in  dem ein solches
       Gebiet durch Meilen und Kilometerangaben definiert ist.
       Times v. 20.VIII.64.
       

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