Quelle: Blätter 1964 Heft 10 (Oktober)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       BERTRAND RUSSELL WARNT VOR GOLDWATER
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       Rundschreiben der Bertrand-Russell-Friedensstiftung
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       Die Bertrand-Russell-Friedensstiftung,  zu deren  Förderern  u.a.
       gehören: Albert  Schweitzer, Linus  Pauling, Max  Born, Pablo Ca-
       sals, Kaiser Haile Selassie, die Staatspräsidenten Radhakrishnan,
       Ayub Khan, Kwame Nkrumah, Julius Nyerere und Leopold Senghor, Kö-
       nigin Elisabeth von Belgien, hat uns um Veröffentlichung der bei-
       den folgenden Texte gebeten. D. Red.
       
       Ich hege  keinen Zweifel, daß die Wahl Goldwaters einen Atomkrieg
       wahrscheinlich macht; und es sollte klar sein, daß Goldwater per-
       sönlich launenhaft genug ist, den Ostblock zu veranlassen, zu ei-
       ner äußerst  kriegerischen Haltung  Zuflucht zu  nehmen.  Es  ist
       nicht notwendig, Goldwater mit Hitler gleichzusetzen, um sich die
       Umstände ins  Gedächtnis zurückzurufen,  die es Hitler ermöglich-
       ten, mit  Schlagworten wie:  "Arbeit bringt  Freiheit" und "Kraft
       durch Freude" zur Macht zu gelangen.
       Viele Leute werden zu sagen versuchen, daß die amerikanische Wahl
       zu uns keine Beziehung hat und daß wir nicht das Recht haben, uns
       einzumischen. Diese  Vorstellung paßt in die Welt des neunzehnten
       Jahrhunderts, aber  nicht in  eine Welt, in der eine Handlung des
       amerikanischen  Präsidenten  mit  einer  Massenvernichtung  enden
       könnte.
       Goldwater hat  ein Todesurteil  über uns alle ausgesprochen. Dies
       geht alle Menschen an. Jetzt, in wenigen Monaten vor der amerika-
       nischen Wahl,  gibt es  keine wichtigere Aufgabe als die Mobilma-
       chung eines weltumspannenden Feldzuges mit dem Ziel, das amerika-
       nische Volk  die Gefühle derer wissen zu lassen, die unseren Pla-
       neten nicht verwüstet sehen wollen.
       Ich lege  für Ihre  Unterzeichnung einen Aufruf bei mit der Über-
       schrift "Hinweis  auf die  Gefahr der  Goldwater-Politik für  die
       Welt". Dieser  Aufruf ist  an alle Gewerkschaften, internationale
       Organisationen und  an geistig  hervorragende Persönlichkeiten in
       Großbritannien, Westeuropa,  Afrika, Asien  und Lateinamerika ge-
       sandt werden.  Ich würde  mich freuen,  wenn Sie sich in der Lage
       sähen, ihn zu unterzeichnen.
       
       Ihr ergebener
       Bertrand Russell
       
       Hinweis auf die Gefahr der Goldwater-Politik für die Welt
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       Die Welt  zögert am  Rande der Zerstörung. Die Entscheidung liegt
       bei wenigen  mächtigen Männern; sie ist von äußerster Wichtigkeit
       für alle Menschen.
       Nuklearer Krieg und Weltfrieden sind nicht länger nationale Ange-
       legenheiten. Die Machtergreifung Goldwaters ist eine akute Bedro-
       hung für  das Überleben  der Menschheit. Seine Kandidatur vergrö-
       ßert die  Gefahr und bringt alle Zeichen der Hoffnung ins Schwan-
       ken. Seine  Wahl bedeutet  unbedingtes Unglück. Goldwater hat er-
       klärt:
       1. Wir sind unter allen Bedingungen gegen Abrüstung.
       2. Wir sollten alle kommunistischen Staaten befreien, einschließ-
       lich Osteuropa, die Ukraine, Armenien, Lettland, Litauen und Est-
       land.
       3. Wir sollten  die Entscheidung über die Anwendung von nuklearen
       Waffen den  Armeebefehlshabern und  dem Militärausschuß  der NATO
       übertragen.
       4. Wir sollten das Versuchs-Stop-Abkommen aufheben und die Versu-
       che wieder aufnehmen.
       5. Wir sollten nukleare Waffen im Weltraum haben und den Vertrag,
       der das verbietet, widerrufen.
       6. Wir sollten nur militärische Hilfe leisten und nur an antikom-
       munistische Staaten.
       7. Wir sollten aus den Vereinten Nationen austreten.
       8. Wir sollten  die diplomatische Anerkennung der Sowjetregierung
       rückgängig machen.
       9. Wir sollten in Cuba einfallen.
       10. Wir sollten  nukleare Waffen in Vietnam anwenden und den Nor-
       den angreifen.
       Diese politischen  Ziele  werden  unvermeidlich  einen  nuklearen
       Krieg verursachen.  Die Völker  der Welt  sind die  Opfer. Es ist
       eine gebieterische  Pflicht für die Völker der Welt, ihren Stand-
       punkt bekannt  zu machen,  damit das amerikanische Volk die Tiefe
       und Stärke der Gefühle der Welt erkennt.
       Goldwater hat ein Todesurteil über uns alle gesprochen. Goldwater
       und seine politischen Ziele müssen besiegt werden.
       

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