Quelle: Blätter 1964 Heft 11 (November)


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       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Alfred Holm
       
       STAATSFEINDLICHES ZELLULOID? (II) *)
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       Filmzensur in der Bundesrepublik
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       Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK)
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       ...
       "Noltenius hält  die Selbstkontrolle  für eine  effektive Zensur,
       weil sie  der Öffentlichkeit mögliche Beiträge zum Prozeß der öf-
       fentlichen Meinungsbildung  entzieht oder  ihr nur in veränderter
       Form zugänglich  macht. Die  Mitglieder der  Prüfgremien sind für
       sie 'Vertreter  von Gruppeninteressen',  die mit Kompromissen und
       gegenseitigen Zugeständnissen  'Tabus' entwickeln,  an denen  die
       Filmindustrie, will sie das 'Imprimatur' erhalten, sich orientie-
       ren muß... Zweifellos hat Noltenius diese Tatbestände richtig ge-
       sehen. Dennoch  erscheint die  'Freiwillige Selbstkontrolle' noch
       immer als das geringste Übel. Ihre Auflösung würde mit Sicherheit
       die Schaffung  zentraler oder regionaler Zensurbehörden nach sich
       ziehen..."
       ...
       ...
       "Die Freiwillige Filmselbstkontrolle in Wiesbaden, ohne deren Ge-
       nehmigung kein  Film in  bundesdeutsche Kinos  gelangt,  schwingt
       sich immer  mehr zu  einer politischen  Zensurstelle mit  Gleich-
       schaltungstendenzen auf...  Als Maß  ihrer  Eingriffe  geben  die
       Selbstzensoren den  Durchschnittsbesucher an, der nicht zu unter-
       scheiden vermöge,  der - so möchten es die autoritären Selbstkon-
       trolleure für wahr halten - dumm, ahnungslos, auf jeden Fall fern
       demokratischer Mündigkeit  sei. Ihm  müsse man  nach Manier deut-
       scher Filme,  so glauben  die wiesbadener  Gängeler des deutschen
       Filmbesuchers, alles ganz deutlich, ohne geringsten geistigen An-
       spruch und vor allem nicht kritisch beunruhigend sagen..."
       ...
       ...
       "Wäre die  FSK eine  staatliche Institution,  so hätte  ihr  Code
       wahrscheinlich nach  Erscheinen des  späteren Grundgesetzes  syn-
       chronisiert werden  müssen. Sie  selbst hat  aus dem  vorhandenen
       Status quo  nach angelsächsischem  Vorbild eine  Spruchpraxis be-
       gründet mit dem Versuch, sich den ständig ändernden Verhältnissen
       in einer  offenkundigen nationalen  und internationalen Restaura-
       tion seit 1949 im Sinne ihrer Grundsätze und der durch das Grund-
       gesetz garantierten freien Meinungsäußerung anzupassen."
       ...
       ...
       "Das Pendel  bei der  Beurteilung von  Kriegsfilmen war  nach dem
       Kriege ganz  nach der einen Seite ausgeschlagen. Diese gefühlsmä-
       ßige Ablehnung  ist einer  objektiveren, sachgerechteren Betrach-
       tung gewichen ... Mut, Entschlossenheit, Charakterfestigkeit, Ka-
       meradschaft, Opfersinn  und Eintreten  für den  Nächsten -  diese
       guten und vorbildlichen männlichen und menschlichen Eigenschaften
       können nicht  deswegen von  der Wiedergabe im Film ausgeschlossen
       werden, weil sie Uniformträgern zu eigen sind."
       ...
       ...
       "Nun ist  aber die  Duldsamkeit der FSK stets mehr von rechts als
       von links strapaziert worden."
       ...
       Filmbewertungsstelle der Länder,
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       ...
       "Hier  gilt  es",  schrieb  Klaus  Hebecker  in  der  "Welt"  vom
       31.10.1961, "das  Publikum vor  seinen Filmbewertern zu schützen,
       zumal in  einem Land  wo jedes  Prädikat einer  Obrigkeit als der
       Weisheit letzter Schluß betrachtet wird."
       ...
       Filmpolitik des Bundes,
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       Prämienwesen
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