Quelle: Blätter 1964 Heft 12 (Dezember)


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       DVD,  die mehr als 9000 Beiträge von 1956-1989  enthält oder auf
       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
       unter www.blaetter.de.
       
       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Bücher
       
       VOM SELBSTBESTIMMUNGSRECHT ÜBER DEN EIGENEN KÖRPER
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       Der Fall  Dr. Dohrn.  Eine Dokumentation  von Sieghart  Ott, Szc-
       zesny-Verlag, München, Paperback, 12,80 DM.
       ...
       ...
       "Der Geschlechtstrieb  ist kein unbezähmbarer Naturtrieb wie Hun-
       ger und  Durst. Es  ist eine  der Großtaten des Christentums, die
       Menschheit von dem Überdruck dieses Triebs befreit zu haben. Ohne
       echte 'Askese' sterben Menschen und Völker an ihrer Sexualität."
       ...
       ...
       "Statt kollektivpsychologische  und statistische  Nachforschungen
       anzustellen, mußte die Strafkammer vielmehr einen normativen Maß-
       stab gewinnen  und sich an der für das Zusammenleben der Menschen
       in unserem  Staat grundlegenden  sittlichen Ordnung  orientieren,
       die auch in einer pluralistischen Gesellschaft nicht fehlt (...).
       Entscheidend war  damit nicht, was die Öffentlichkeit tatsächlich
       denkt, sondern  was sie nach richtigem moralischen Empfinden den-
       ken sollte."
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       ...
       "weil diese  Sterilisationen eben  nicht zu Heilzwecken erfolgen,
       sondern allenfalls  der sozialen  Besserstellung dienen, im Falle
       der Gefälligkeitssterilisationen aber sogar einer ungehemmten Ge-
       nußsucht Vorschub leisten."
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       "Mit der  Anspannung seines  Gewissens hatte  er nicht  nur seine
       sittlichen Wertvorstellungen, sondern auch alle seine Erkenntnis-
       kräfte einzusetzen  (...); er  hatte also  etwaige Zweifel  durch
       Nachdenken und Erkundigen zu beseitigen (...). Mußte er nach Ein-
       satz auch  aller intellektuellen Erkenntnismittel zu dem Ergebnis
       gelangen, daß sein Verhalten der Wertordnung der Gemeinschaft wi-
       derspricht, so mußte er sein eigenes Verhalten auch entgegen sei-
       ner eigenen Überzeugung nach dieser Wertordnung einrichten (...).
       Auch den Überzeugungstäter, der an die Stelle der Wertordnung der
       Gemeinschaft bewußt seine eigene Überzeugung setzt und von dieser
       her im  Einzelfall falsch  wertet, trifft gerade deshalb ein Ver-
       schulden."
       ...
       ...
       "Es ist  schwer zu sagen, wer 'das sittliche Empfinden der Bevöl-
       kerung' repräsentiert. Das ist nicht allein die Presse, noch viel
       weniger sind  es aber  einige höhere Richter. Sind es nicht viel-
       leicht am  ehesten noch die Mütter und Väter, die für das sittli-
       che Empfinden repräsentativ sind?"
       ...
       ...
       "Der Begriff  der 'guten  Sitten', der aus dem Zivilrecht stammt,
       wird  im   allgemeinen  auch  im  Strafrecht  als  das,  was  dem
       'Anstandsgefahl aller  billig und  gerecht Denkenden'  entspricht
       oder was  nach dem  'Anstandsgefühl aller billig und gerecht Den-
       kenden zweifellos  strafwürdiges Unrecht'  ist.  Dem  Landgericht
       Hannover war  diese Auslegung  des Begriffs der 'guten Sitten' zu
       individualistisch und  konkret; es glaubte, ihn metaphysisch fas-
       sen zu müssen. Nach dem Urteil ist die Sittlichkeit eines Verhal-
       tens zu  orientieren an  den 'Normen des Sittengesetzes', die aus
       sich selbst  heraus gelten, die unabänderlich sind und unabhängig
       davon, ob sie befolgt werden oder nicht."
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       "Herr Nannen  vom 'Stern', der 'Spiegel' und sogar 'Das Sonntags-
       blatt' und  'Christ und  Welt' scheinen  mehr  oder  weniger  als
       selbstverständlich anzunehmen,  daß Dr.  Dohrn eingreifen durfte.
       (...) Ob  diese Presseorgane  wohl erkannt  haben, daß  als Folge
       ihres Postulats  gleichzeitig die  Frage bejaht  worden ist,  daß
       dann auch schwere Verstümmelungen mit Einwilligung des Verletzten
       straffrei sein  müssen, ja  sogar die  Tötung auf  Verlangen? Wie
       kann man  dann noch jemanden bestrafen, der es - vorwerfbar - un-
       terlassen hat, einen Selbstmörder zu retten? Man sage nicht, dies
       seien grundlegend andere Fälle. Wenn wir dem einzelnen die unein-
       geschränkte Verfügung  über seinen  Körper zugestehen,  dann kann
       man diese Fälle logischerweise eben nicht ausklammern."
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       "Der Wille  einer Frau,  Kinder nicht mehr zu erhalten, kann aber
       allein nicht als ethische Begründung anerkannt werden."
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       "Sollte es  etwa nicht  gegen die  Würde des  Menschen, der Frau,
       verstoßen, wenn der Staat sie zwingen will, gegen ihren und ihres
       Ehemannes Willen  Kinder zu gebären? Sollte diese 'Pflicht' nicht
       einen Eingriff  in die  freie Entfaltung  der Persönlichkeit dar-
       stellen?"
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       W. Baranowsky
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