Quelle: Blätter 1965 Heft 01 (Januar)


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       DVD,  die mehr als 9000 Beiträge von 1956-1989  enthält oder auf
       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
       unter www.blaetter.de.
       
       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Bücher
       
       NICHT "KRIEGS"-, SONDERN "GEWALT"VERBRECHEN
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       Reinhard Henkys,  Die  nationalsozialistischen  Gewaltverbrechen.
       Mit einer  Einleitung von Präses D. Kurt Scharf und einem Beitrag
       von Prof.  Dr. Jürgen  Baumann, herausgegeben von Prof. Dr. Diet-
       rich Goldschmidt.  Kreuz-Verlag Stuttgart/Berlin.  329 S., Paper-
       back DM 8,50, Ln. DM 12,80.
       ...
       ...
       "Technische und  militärische Tüchtigkeit  nahmen gerade  in  den
       tonangebenden  bürgerlichen  und  kleinbürgerlichen  Kreisen  den
       Platz von  selbständigen sittlichen Werten ein; das Humane hinge-
       gen, dem  sie  hätten  dienen  sollen,  wurde  nur  zu  gern  als
       "Schlappheit" abgewertet.  Pflichttreue rangierte  als  eine  der
       höchsten deutschen  Tugenden, ohne  daß ihr  als Kontrolle ebenso
       selbstverständlich die Pflicht zur Erwägung an die Seite gestellt
       worden wäre,  ob und  wie weit  die Pflichterfüllung im einzelnen
       nicht zur Unmenschlichkeit im ganzen führe."
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       "Das öffentliche  Bewußtsein muß aufnehmen, daß Kriminalität sich
       nicht auf die Gesetzesübertretungen von Außenseitern oder Asozia-
       len beschränkt,  sondern daß es auch eine 'Kriminalität in Macht-
       positionen' gibt  deren Ausübende  als Repräsentanten staatlicher
       oder gesellschaftlicher  Funktionen ein  hohes Sozialprestige ge-
       nießen."
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       "Nur diese  exorbitanten Verhältnisse  ließen  diese  Männer  und
       Frauen in  so exorbitanter Weise schuldig werden. Die meisten von
       ihnen sind  nach 1945  'brave Familienväter oder Mütter' geworden
       und haben  sich sowohl  vorher als  auch nachher nicht nur straf-
       frei, sondern  sogar gut oder einwandfrei geführt. Verhindern wir
       ein neues  NS-Regime oder das Eintreten irgendeines anderen tota-
       litären Regimes,  so werden  diese Menschen nicht wieder schuldig
       werden. Ich möchte sogar meinen, daß  d i e s e  Menschen, selbst
       wenn sie  nicht bestraft  würden und  selbst dann,  wenn uns eine
       neue Diktatur  und Barbarei beschert würde, nicht wieder in glei-
       cher Weise  straffällig würden. Sie dürften inzwischen die Stimme
       des Gewissens  in einer  Weise vernommen  haben, die  sie unfähig
       macht, Derartiges  wieder zu tun. Sie durch die Strafe beeinflus-
       sen zu  wollen, zu  lassen, was sie ohnehin nicht tun würden, ist
       absurd."
       ...
       ...
       "Hier stehen sich gut und böse in immerwährendem, scharf getrenn-
       tem Gegensatz  gegenüber: Staatliche Autorität, Ordnung, Bildung,
       Wissenschaft auf  der einen Seite, zersetzende Kritik, Unordnung,
       Chaos, Verbrechen  auf der  anderen. Daß die soziale Wirklichkeit
       nicht in  dieser strengen  Zweiteilung organisiert  ist, ja,  daß
       beide Teile  zusammenfallen können und daß im Offizier, Juristen,
       Arzt die  ständige Möglichkeit  der Pervertierung  zum Verbrecher
       liegt, ist  eine Erkenntnis, gegen die sich gerade der herkömmli-
       che Bürger wehrt."
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       Ilse Staff
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