Quelle: Blätter 1965 Heft 01 (Januar)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Prof. Dr. jur. Werner Maihofer
       
       DAS PROBLEM DER TODESSTRAFE
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       ...
       "Soweit die  Möglichkeit gegeben  wird, legen  wir uns ins Mittel
       für alle  Sünder, weil alle Sünden unerläßlich scheinen, wenn der
       Schuldige die  Besserung beginnt.  Zur Besserung  der Sitten aber
       ist kein anderer Ort als in diesem Leben."
       ...
       ...
       "Eine jede  einzelne Person  verhält sich  zu der  ganzen Gemein-
       schaft wie der Teil zum Ganzen, deswegen, wenn ein Mensch für die
       Gemeinschaft gefährlich  und verderblich  ist wegen  einer Sünde,
       dann ist  es löblich und heilsam, ihn zu töten, damit das Gemein-
       wohl gewahrt werde", denn ein solcher "böser Mensch ist schlimmer
       als ein Tier und schadet mehr".
       ...
       ...
       "Ich halt's, daß Ketzer verbrennen daher kommt, daß sie fürchten,
       sie könnten sie mit Schriften nicht überwinden."
       ...
       ...
       "Außer dem Christenstande, in weltlichen Ämtern und Gerichten, da
       hat das  5. Gebot  nicht mehr seinen Gang. Denn wer im weltlichen
       Regiment ist,  der hat  Befehl, daß  er zürnen, strafen und töten
       soll, wo  etwas Unbilliges  und des Todes wert von den Untertanen
       begangen ist." "Wenn so Gott will das Schwert von ihm geführt ha-
       ben, soll er's tun, frisch hinrichten und würgen."
       ...
       ...
       "Wenn der  Fürst oder  Richter einen  tötet, da ist unseres Herrn
       Gottes Wort  und Befehl  bei, daselbst  führest  du  das  Schwert
       nicht, sondern  Gott, daselbst  leuchtet das Schwert, als wäre es
       in Gottes Hand, als führe es ein Engel und kein Mensch; darum daß
       Gottes Wort  daran hanget,  welches gebeut, die Bösen zu strafen,
       die Frommen zu schützen."
       ...
       ...
       "Der Christ  kann sich  nicht auf den Begriff der Vergeltung, der
       Rache gründen,  denn gegen  sie erklärt sich der Erlöser absolut.
       Zu deutlich  ist, daß  im Alten  Testament die Todesstrafe nichts
       ist als  die von  den Obergesetzen  verwaltete Blutrache  und daß
       Christus schlechthin alle Rache verbietet."
       ...
       ...
       "So muß  mit der  Bildung der  Staaten das Bestreben wachsen, die
       Todesstrafe aufzuheben, und mit der Christianisierung der Staaten
       das Bewußtsein,  daß sie  nicht nur überflüssig ist und unwürdig,
       sondern auch  unsittlich. Der Christ muß beharrlich danach trach-
       ten, daß sie abgeschafft werde."
       ...
       ...
       "Vom Evangelium her ist nichts, gar nichts für diese Einrichtung,
       alles gegen  sie zu  sagen." "Es  ist erstaunlich und betrüblich,
       daß es seit 1900 Jahren eine christliche und seit 400 Jahren eine
       evangelische Kirche  gegeben hat,  die nicht  nur nicht für diese
       Erkenntnis eingetreten  ist, sondern  die sich  ihr immer  wieder
       entgegengesetzt hat.  Und es gehört zu den beschämenden Wohltaten
       der göttlichen  Geschichtsregierung, daß  diese sich  trotzdem  -
       wiederum von  den Kindern der Welt früher und energischer ergrif-
       fen als von den Kindern des Lichtes - weithin durchgesetzt hat."
       ...
       ...
       "Die Christenheit wird, wenn der Staat die Todesstrafe als Mittel
       rechtmäßigen Strafvollzugs  übt, ihm die Begründung der kriminal-
       politischen Notwendigkeit  aufbürden, und unablässig für den Ver-
       zicht auf  die Todesstrafe einzutreten haben. Sie wird auf keinen
       Fall die  Todesstrafe religiös legitimieren und theologisch sank-
       tionieren dürfen."
       ...
       ...
       "Die Statistik  weist aus, daß die Anzahl der Morde und der ande-
       ren Kapitalverbrechen hier im Lande stetig zurückgeht."
       ...
       ...
       "Die Erfahrungen,  die Schweden  mit der  Abschaffung der  Todes-
       strafe seither gemacht hat, sind die besten. Die Mordkriminalität
       ist zurückgegangen,  obwohl die  Gesamtkriminalität, insbesondere
       die Diebstahls-  und Betrugskriminalität, angestiegen ist ... Of-
       fensichtlich ist  es ungewiß,  ob man  von einem direkten Einfluß
       der Abschaffung der Todesstrafe auf die Mordkriminalität sprechen
       kann. Wenn  es einen solchen Einfluß gibt, scheint er derartig zu
       sein, daß  er kriminalitätsverringernd wirkt. So ist die Abschaf-
       fung der  Todesstrafe nicht nur eine Frage der Humanität, sondern
       auch eine solche der guten Politik."
       ...
       ...
       "Die Länder  und Zeitalter  der härtesten  Strafen sahen auch die
       blutigsten und unmenschlichsten Verbrechen."
       ...
       

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