Quelle: Blätter 1965 Heft 02 (Februar)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Horst Heiden
       
       ATOMMINEN - FAKTEN UND DEMENTIS
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       Eine dokumentarische Übersicht
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       ...
       "Auf der  Montagsitzung des  Militärausschusses der NATO soll der
       Generalinspekteur der Bundeswehr, General Trettner, ein deutsches
       Konzept der sogenannten Vorwärtsstrategie vorgelegt haben ... Der
       mögliche Gegner  soll dabei  in einer geringen Entfernung von der
       Zonengrenze, auf  westdeutschem Boden, in eine Sperre von Atommi-
       nen laufen ... Die Verwendung von Atomminen auf westdeutschem Ge-
       biet wird  als defensive,  die Eskalation - Steigerung zum umfas-
       senden Atomkrieg  - nicht  auslösende Maßnahme  gewertet ...  Der
       Einsatz von  atomaren Minen  in relativ stark bewohnten Gebieten,
       die zum  Teil Industriezonen sind, und ein Bewegungskampf entlang
       einer eintausend Kilometer langen Grenze würden rund zehn Millio-
       nen Deutsche unmittelbar, die ganze Bundesrepublik aber mittelbar
       in Mitleidenschaft ziehen." (Frankfurter Allgemeine, 16. Dezember
       1964.)
       ...
       ...
       "Diplomaten diskutierten  mit Journalisten, Briten mit Deutschen,
       Amerikaner mit  Franzosen. Die  Militärs liefen mit eisiger Miene
       dazwischen hindurch,  hatten es  furchtbar eilig  und ließen sich
       nicht ansprechen. Wo man doch einen Offizier erwischte, setzte er
       flugs ein  Gesicht auf,  auf dem  man unschwer  'cosmic'  ablesen
       konnte: höchste  Geheimhaltungsstufe."  (Zitiert  nach  "Spiegel"
       1/2, 1965.)
       ...
       ...
       "In allen  unseren Überlegungen  lassen wir uns grundsätzlich vom
       deutschen, von unserem Interesse leiten, und das bedeutet, daß in
       meiner Vorstellung  keine Planungen  existieren, die  nicht  aus-
       schließlich dem  Schutz jedes  einzelnen  Bürgers,  auch  unserer
       Landsleute an  der Zonengrenze,  dienen. Ich  meine aber,  daß es
       leichtfertig wäre,  wenn ich fachliche Einzelfragen einer militä-
       rischen Konzeption  der öffentlichen  Diskussion übergäbe,  bevor
       die militärischen  Gremien unserer  Allianz eine Entscheidung ge-
       troffen haben.  Selbstverständlich muß ein Bundesverteidigungsmi-
       nisterium jede Möglichkeit, somit auch die eines eventuellen Ein-
       satzes von Atomminen, in Erwägung ziehen ... Jede verantwortliche
       militärische Führung  muß für den extremen Fall vorbereitet sein.
       Wenn in  solche Überlegungen  atomare Minen einbezogen werden, so
       ist es  ganz selbstverständlich, daß sich die Bundesregierung da-
       bei vom  Gedanken des  Schutzes  der  Bevölkerung  leiten  läßt."
       (Bulletin des  Presse- und  Informationsamtes der Bundesregierung
       vom 17. Dezember 1964.)
       ...
       ...
       "Die Meldungen,  daß die Bundesrepublik im Rahmen ihrer Pläne für
       die Vorwärtsverteidigung  die Errichtung  eines  Atomminengürtels
       längs der  Zonengrenze fordere, werden in Washington mit gemisch-
       ten Gefühlen  aufgenommen. Die deutsche Planung war vor rund drei
       Wochen  durch   Generalinspekteur  Trettner   den  amerikanischen
       Stabschefs entwickelt worden. Dabei wurde klar, daß General Whee-
       ler, der amerikanische Generalstabschef, die Errichtung eines Fe-
       stungsgürtels längs der Zonengrenze aus strategischen wie politi-
       schen Gründen ablehnt ... Die Vorsicht, mit der der deutsche Plan
       in Washington bearbeitet wird, ist wiederum Teil der Absicht, die
       Weiterverbreitung von  Kernwaffen auch  dem Anschein nach zu ver-
       meiden." (Frankfurter Allgemeine, 18. Dezember 1964.)
       ...
       ...
       "Als er  von Reportern über die Möglichkeit nuklearer Minenfelder
       entlang der  Zonengrenze befragt  wurde, sagte  der Minister, daß
       der Oberkommandierende der NATO für Europa Einsatzanweisungen für
       den Einsatz  (der amerikanischen  Atomminen) unter bestimmten Be-
       dingungen habe.  Es wurde  dann klar, daß die Vereinigten Staaten
       nicht die  Absicht haben, ein solches Minenfeld anzulegen, wie es
       von Westdeutschland  vorgeschlagen wurde, und daß die beiden Län-
       der noch  immer geteilter  Meinung sind über das nukleare Element
       in der Vorwärtsverteidigung... Die in der Bundesrepublik gelager-
       ten Atomminen  haben die Aufmerksamkeit des westdeutschen Vertei-
       digungsministers erregt  und dazu  geführt, daß Minister von Has-
       sel, als er kürzlich hier war, die Anlage eines ständigen nuklea-
       ren Minenfeldes  entlang des  Eisernen Vorhanges anregte. General
       Trettner, der  Generalinspekteur der  Bundeswehr,  machte  diesen
       Vorschlag bei  den militärischen Gesprächen in Paris, die der Ta-
       gung des  Atlantikrates vorausgingen." (Times, London, 18. Dezem-
       ber 1964.)
       ...
       ...
       "Die Frage, in welchem Umfang atomare Minensperren im Zonengrenz-
       raum angelegt werden sollen, wird in den kommenden Monaten Gegen-
       stand von Verhandlungen zwischen Bonn und Washington und von Stu-
       dien in  den alliierten Stäben der NATO sein ... Im strategischen
       Konzept der Bundeswehrführung, das der Generalinspekteur, General
       Trettner, und  Bundesverteidigungsminister von Hassel in Washing-
       ton und später in Paris bei der NATO vortrugen, sind die atomaren
       Minenfelder als örtliche Sperren gedacht, aber nicht als ein lüc-
       kenloser atomarer  'Cordon sanitaire',  hinter dem  die 'Schild'-
       Streitkräfte der  NATO sich verschanzen würden ... der Bundesver-
       teidigungsminister und  der Generalinspekteur  scheinen  mit  der
       Einplanung von  atomaren Minensperren einen anderen Zweck zu ver-
       folgen: nämlich die amerikanischen taktischen Atomwaffen im Falle
       eines Großangriffs  so schnell wie nötig in Aktion treten zu las-
       sen. Atomminensperren auf den natürlichen Vorstoßachsen eines An-
       greifers sollen  als 'Zünder'  dienen, der die Abwehrreaktion der
       Amerikaner  mit   ihren  atomaren  Gefechtsfeldwaffen  auszulösen
       hätte." (Die Welt, 19. Dezember 1964.)
       ...
       ...
       "Am 18.  Dezember erklärte der Pressesprecher des Bundesverteidi-
       gungsministeriums, Oberst  Hasso Viebig,  erneut, die  Frage  der
       Atomminen sei  bisher lediglich theoretisch diskutiert worden. An
       die Installierung  solcher Minen  in Friedenszeiten sei nicht ge-
       dacht. Der  Sprecher der  Bundesregierung, Karl Günther von Hase,
       erklärte ebenfalls  am 18.  Dezember, das  Kabinett habe sich mit
       diesem  Fragenkreis,  der  selbstverständlich  seine  politischen
       Aspekte habe,  noch nicht befaßt. Man habe bei den ganzen Diskus-
       sionen bisher  nicht von  einem durchgehenden Minengürtel gespro-
       chen, sondern  von der  Frage, ob  es nicht zweckmäßig sei, durch
       die Anlage von Minensperren an bestimmten Stellen einem eventuel-
       len Angreifer die Benutzung militärisch besonders günstiger Stel-
       len für einen Durchbruch unmöglich zu machen. Wenn diese Gedanken
       zum Tragen  kämen, werde  man die Minen immer noch nicht in Frie-
       denszeiten einbauen, sondern sie erst in bedrohlichen Situationen
       heranschaffen. Allerdings müsse man bereits in Friedenszeiten die
       Sprengkammern für eine solche Planung anlegen." (Zitiert nach Ar-
       chiv der Gegenwart, Seite 11 594.)
       ...
       ...
       "Offensichtlich handelt  es sich  aber bei  den Atomminen um eine
       bereits vorhandene Waffe, die jedoch erst im Ernstfall eingesetzt
       werden soll." (Industriekurier, 19. Dezember 1964.)
       ...
       ...
       "Der Plan  ist nicht allein von dem Generalinspekteur der Bundes-
       wehr entworfen  worden. Man  kann gleichwohl  von einem Trettner-
       Plan sprechen,  weil der  Generalinspekteur verantwortlich zeich-
       net. Verteidigungsminister von Hassel ist überzeugt, daß die Ver-
       wirklichung der Vorschläge Trettners die Sicherheit der Bundesre-
       publik erhöhen könnte ... Nach dem deutschen 'Diskussionsbeitrag'
       (den wiederzugeben wir von höchster Stelle des Verteidigungsmini-
       steriums ermächtigt  sind) soll der Einsatz von Atomminen die mi-
       litärischen Operationen  in eine  bestimmte Richtung treiben. An-
       fangs soll  es ein  Nebeneinander von  herkömmlicher und begrenzt
       atomarer Kampfhandlung  geben. Ob  diese  Phase  schnell  in  den
       großen Atomkrieg  übergehen würde, läge beim Feind." (Frankfurter
       Allgemeine, 22. Dezember 1964.)
       ...
       ...
       "Es gibt weder einzelne Atomminen noch gar Atomminengürtel an der
       Zonengrenze. Sie  sind auch  nicht geplant.  Ich wiederhole diese
       Feststellung an  erster Stelle, um jeden Gerüchten entgegenzutre-
       ten. Ich  habe den Eindruck, daß das Wort Minengürtel die Verwir-
       rung geschaffen  hat, um  deren Klärung auch Sie sich bemühen. Um
       der entstandenen  Verwirrung weiter  entgegenzutreten möchte  ich
       ebenso eindeutig feststellen, daß von niemandem geplant ist, auch
       nur einzelne  Minen, nicht einmal konventionelle Minen, im Zonen-
       randgebiet im  Frieden einzubauen."  (Bulletin vom  29.  Dezember
       1964.)
       ...
       ...
       "Die USA  haben der  NATO verschiedene  taktische Atomwaffen, die
       für die  Verteidigung Europas  benötigt werden, zur Verfügung ge-
       stellt und diese in Europa eingelagert. Sie befinden sich in ame-
       rikanischem Gewahrsam  und unter  amerikanischer Kontrolle. Unter
       diesen Waffen  befinden sich  auch  atomare  Sprengmittel.  Diese
       Sprengmittel sind  gleich allen anderen der Allianz zur Verfügung
       stehenden Waffen  in die  Verteidigungsplanung der  NATO einbezo-
       gen." (Amerika-Dienst vom 18. Januar 1965.)
       ...
       ...
       "Es gibt  keine einzige  ADM (atomic demolition mine) im Einsatz,
       es gibt  kein Atomminenfeld,  es gibt  keinen Atomminengürtel, es
       gab keinen  Platz für ein Feld, einen Gürtel oder einen sonstigen
       Einsatz. Es  gibt keinen  Plan, und die Bundesregierung hat nicht
       die Absicht,  einen solchen  Plan aufzustellen  ... Ich meine, es
       ist gut, wenn der Deutsche Bundestag feststellt, daß es derartige
       Pläne nicht  gegeben hat,  nicht  gibt  und  nicht  geben  wird."
       (Amtliches Prokokoll  des Deutschen  Bundestages,  156.  Sitzung,
       Seite 7678.)
       ...
       ...
       "Der Bundestagsausschuß  für Verteidigung  nahm einen Bericht des
       Bundesministers der  Verteidigung über den Verlauf der diesjähri-
       gen NATO-Rats-Konferenz  in Paris  entgegen. Minister  von Hassel
       informierte den  Ausschuß u.a.  über das strategische Konzept der
       Allianz. Es  sieht seit langem naturgemäß auch den Einsatz atoma-
       rer Minen vor." (Bulletin vom 29. Dezember 1964.)
       ...
       ...
       "Das Konzept der flexiblen Reaktion in Europa - politisch und mi-
       litärisch -  darf nicht  so interpretiert  werden, daß  die soge-
       nannte Atomschwelle unangemessen hochgeschraubt werden kann, ohne
       Rücksicht auf  politische Erwägungen  ... Um  dies zu verhindern,
       müssen atomare  Zerstörungsminen, atomare Luftverteidigungswaffen
       und, wenn  nötig, atomare Gefechtsfeldwaffen für die Anwendung in
       einer frühen  Phase eines erkennbaren Angriffs auf Europa bereit-
       gestellt werden.  Nur auf  diese Weise,  so sehe ich es, kann dem
       Gegner eine  letzte entschiedene  Warnung gegeben werden, daß die
       Konsequenz Eskalation  heißt." (Foreign Affairs Quarterly, Januar
       1965.)
       ...
       ...
       "So hat  sie bei  der Übung  'Grenzland' im letzten September ein
       traditionelles Grenzschutzmanöver  durchgeführt, bei dem sie eine
       beachtliche Abteilung 'roter' Invasionstruppen über eine angenom-
       mene Grenzlinie  zurückzudrängen versuchte.  Daran  war  an  sich
       nichts Ungewöhnliches, zumal da kein Einsatz atomarer Feuerwaffen
       vorgesehen war.  Ein Punkt jedoch fesselte die Aufmerksamkeit der
       anwesenden Beobachter.  Das Manöverthema  sah  vor,  entlang  der
       Grenze zu  deren Abriegelung einen Gürtel von Atomminen von einer
       Kilotonne Sprengkraft  zu verwenden,  die eventuell von einer ge-
       mischten deutsch-amerikanischen Abteilung eingesetzt werden soll-
       ten. Es  scheint das  erste Mal zu sein, daß die Einführung einer
       derartigen Waffe  angekündigt wird.  Ein Streifen  von  Atomminen
       entlang des  Eisernen Vorhanges, ist das in den europäischen Ver-
       teidigungsplänen vorgesehen?" (Revue Militaire Générale, Dezember
       1964.)
       ...
       ...
       "Es scheint  so, als  sei die  Nachricht noch nicht nach Bonn ge-
       drungen, daß Senator Goldwater die Präsidentenwahl verloren hat."
       (Times, London, 17. Dezember 1964.)
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