Quelle: Blätter 1965 Heft 02 (Februar)


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       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Prof. Dr. theol. Wolfgang Schweitzer
       
       DER CHRISTLICHE GLAUBE -
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       FESSEL ODER BEFREIUNG UNSERER OSTPOLITIK?
       =========================================
       ...
       "In der gegenwärtigen Situation erscheint die Preisgabe des deut-
       schen Anspruchs  auf die  verlorenen Ostgebiete  und der Verzicht
       auf die  Rückkehr dorthin  um des Friedens und um eines guten Zu-
       sammenlebens mit unsern östlichen Nachbarn willen als geboten. Zu
       solcher Erkenntnis  befreit das  Evangelium die  politische  Ver-
       nunft" (These 17).
       ...
       ...
       "Diese Illusion  droht das  Verhältnis zwischen  unserm Volk  und
       seinen östlichen  Nachbarn auf  lange Zeit  zu vergiften und kann
       gefährliche Folgen  haben, wenn  ihr nicht bei uns selbst Einhalt
       geboten wird.  Sich dieser  Erkenntnis widersetzen, ist dasselbe,
       wie den Kriegszustand aufrecht erhalten."
       ...
       ...
       "Zwar können verantwortliche Staatsmänner in der Außenpolitik un-
       seren ehemaligen  Kriegsgegnern gegenüber immer nur behutsame An-
       gebote machen;  sie dürfen  sich aber  in  der  entgegengesetzten
       Richtung niemals so festlegen, daß die unausweichlich notwendigen
       Kompromisse unmöglich  werden. Darauf muß auch die Öffentlichkeit
       vorbereitet werden."
       ...
       ...
       "Es kann  nicht geleugnet werden, daß durch eine in Jahrhunderten
       gelebte Verquickung  von Thron und Altar einer vor dem Evangelium
       nicht verantwortbaren Überbetonung von Heimat, Volk und Vaterland
       Vorschub geleistet worden ist" (These 3).
       ...
       ...
       "Jedes Nebeneinander  der Heilstatsachen Gottes und der Ordnungen
       dieser Welt ... führt auf gefährliche Abwege" (Lübecker These 6):
       ...
       ...
       "Die Gemeinde  Jesu Christi,  auch wenn  sie  eine  Gemeinde  von
       Fremdlingen ist,  darf sich um der Ordnung in der Welt willen auf
       die in ihr gültigen Rechte und Gesetze berufen."
       ...
       ...
       "Weil auf  der Welt  nichts befriedigend  geregelt ist, was nicht
       gerecht geregelt ist, und weil ein auf Unrecht gegründeter Friede
       den Keim  zu neuem  Unfrieden in  sich trägt, und vor allem, weil
       Gott das  Recht lieb hat und darum nirgends in der Schrift zu le-
       sen steht,  daß wir  den Bestohlenen  und  Entrechteten  mit  dem
       freundlichen Rat  beistehen sollen,  daß sie sich mit dem Gesche-
       henen abzufinden hätten, ist es vom Evangelium her sogar geboten,
       daß wir  gegen eine  voreilige Verzichterklärung,  wer immer sich
       das Recht  dazu nehmen  mag und  welche vermeintlich guten Gründe
       dafür ins  Feld geführt werden mögen, warnend unsere Stimme erhe-
       ben" (These 17).
       ...
       ...
       "Der Kompromiß  ist keine Entschuldigung, sondern Teilhabe an der
       überpersönlichen Schuld dieses Äons" 23),
       ...
       ...
       "Das Völkerrecht z.B. wird immer wieder genötigt, eine Kompromiß-
       formel zwischen  Rechtsgesichtspunkten und politischen Zwangsläu-
       figkeiten, also kurz gesagt: zwischen Recht und Macht zu suchen -
       zum mindesten  aber werden das die Vertreter der Staaten tun, die
       als Kontrahenten in völkerrechtlichen Prozessen auftreten. Der in
       diesem Zusammenhang  überaus verräterische Satz: 'Vivat iustitia,
       pereat mundus'  zeigt zudem,  daß unter  Umständen  die  absolute
       Durchsetzung eines bestimmten Rechts-Urteils (welches doch selbst
       bereits relativ, weil ein Kompromiß ist) in Konflikt geraten kann
       mit jener Grundordnung, die zu erhalten das Recht doch gerade be-
       stimmt ist.  Darum kann  auch hier wieder der Fall eintreten, daß
       ein neuer,  sozusagen potenzierter  Kompromiß  zwischen  dem  ge-
       schlossen werden muß, was eigentlich Rechtens wäre, und dem ande-
       ren, was sich der Staat oder die Gesellschaft in einem bestimmten
       Augenblick leisten  kann oder was in einem fragwürdigen positiven
       Recht bereits festgelegt ist" 24),
       ...
       ...
       "Es ist  zudem ethisch sehr fragwürdig, die Möglichkeit eines Ri-
       sikos als  gewichtigen Grund für eine gebotene Verzichtserklärung
       ins Feld zu führen" 25).
       ...
       ...
       "Die Außenpolitik ist eben kein Tummelplatz für romantische Träu-
       mereien oder  für zaghafte Gemüter" und: "Die Angst wird ... nie-
       mals als  Wegweiser zwischenstaatlichen  Handelns gebilligt  wer-
       den..." 26).
       ...
       Anmerkungen
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