Quelle: Blätter 1965 Heft 07 (Juli)


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       Bücher
       
       KONSERVATIVER UND PROGRESSIVER HUMANISMUS
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       OFFENER HUMANISMUS  von Friedrich  Heer. 408  Seiten,  Leinen  DM
       24,80. Alfred Scherz Verlag, München,
       ...
       ...
       "Die Eroberung  und Plünderung  Konstantinopels  1204  durch  die
       Kreuzfahrer, die  Vernichtung von unersetzlichen Schätzen der an-
       tiken und byzantinischen Kultur, alarmierten den ganzen Osten bis
       tief nach  Rußland hinein.  Die erste russische Chronik des soge-
       nannten Nestor  spricht die  westlichen Christen,  ebenso wie die
       byzantinischen Mönche,  Beamten und  Kirchenführer  es  tun,  als
       kriegslüsterne und  kriegsbesessene Barbaren  an. Seither  gab es
       den später vom Mönchtum des Athos weiter ausgebildeten Mythos vom
       'korrupten Westen', zumal die Ostkirche theologisch und kirchlich
       keinen Kreuzzug  kennt. Wenige Jahrzehnte nach diesem schicksals-
       schweren vierten  Kreuzzug von  1204 hatte  Alexander Newski, der
       Großfürst von  Wladimir und Fürst von Nowgorod, in wenigen Jahren
       zwei westliche Kreuzzüge gegen den Osten abzuwehren, den schwedi-
       schen Kreuzzug  von 1240 und den livländischen Kreuzzug von 1242.
       Er schlug  die deutschen Ordensritter auf dem Eis des Peipussees.
       Man beuchte die Parallele von 1242 und 1942: 1942 finanzierte die
       Orthodoxe Kirche die Panzerbrigade 'Alexander Newski' und stellte
       sie Stalin  zum Kampf  gegen die  westlichen Invasoren zur Verfü-
       gung..."
       ...
       ...
       "Die überwiegende  Mehrheit aller  deutschen  Menschen  wußte  um
       1933/34 sehr wenig von der wirklichen Weltlage und sehr wenig von
       Hitlers Zielen,  obwohl beides einsehbar war. Auf diese Weise sah
       man die Weltlage schief und verzerrt, da man im Banne alter Tabus
       und Vorurteile  war... Die  Situation der Gegenwart ist erschrec-
       kend verwandt  in vielen Bezügen..." Er glaube nicht daran, meint
       Heer, daß  "morgen eine  neue Machtübernahme"  möglich wäre, aber
       der entsetzliche  Mangel an  politischem Wissen  und  politischer
       Bildung erinnere  beklemmend an  die "innere  Lage  um  1933/34".
       (Theodor Eschenburgs politische Test-Sendung im Deutschen Fernse-
       hen bestätigte inzwischen recht massiv solche Thesen.)
       ...
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       "Wie heute  der Bundestag  ist auch  der Reichstag  nie über  ab-
       strakte Normensetzungen hinausgekommen. Regiert hat eine Bürokra-
       tie, ein Richterkorps, das durch seine politischen Urteile es im-
       mer offener wagen konnte, die Demokratie lächerlich zu machen."
       ...
       ...
       "Es mag  ein Nobelpreisträger sein, wie einer der Göttinger Sieb-
       zehn, ein berühmter Arzt, ein Dichter wie Henny Jahnn: Jedem kann
       die Stunde  schlagen, in  der er  unangenehm auffällt;  plötzlich
       sieht er  sich über  Nacht diffamiert. Er wird lächerlich gemacht
       und in  die Reihe der unmaßgeblichen Außenseiter, der nichtreprä-
       sentativen Geister  eingereiht; wie wenn Geist durch Masse, durch
       Quantität, durch  den Richterspruch  von Funktionären präsentiert
       werden könnte!"
       ...
       ...
       "Die Vernunft  des Menschen geht heute an die Front, an die Front
       der Menschheit,  und macht  das Boot  bereit für  die Ausfahrt zu
       neuen Ufern.  Während wir  hier  reden,  schreiben,  drucken  und
       schweigen, arbeiten,  opfern, leiden und wirken auf dieser ganzen
       Einen Erde, in Laboratorien sehr verschiedener Art, Menschen geg-
       nerischer Überzeugungen  als Kenner ihrer Freiheit in den Künsten
       des Friedens...  Die Spiele  des Friedens haben bereits begonnen.
       An uns liegt es, sie zu sehen und an ihnen teilzunehmen."
       ...
       ...
       DER NEUE  HUMANISMUS. GEIST  UND GESELLSCHAFT  AN DER ZEITENWENDE
       von Oscar  Pollek. 88  Seiten, Paperback  DM 7,40. Europa Verlag,
       Wien,
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       "Die Sozialisten  glauben an  die Entwicklung,  die die  Menschen
       selbst herbeiführen  helfen und hindern können. Allein der Sozia-
       lismus hat  den Menschen eine Zukunft ohne Angst und ohne Hunger,
       in Frieden  und Freiheit  zu bieten.  Dann kann  der uralte Traum
       verwirklicht werden,  daß die  Schwerter  in  Pflugscharen  umge-
       schmiedet werden.  Dann wird  ein Geschlecht  erwachsen, frei von
       Furcht und  Not, in Wohlstand und Sicherheit, aufrecht und aufge-
       schlossen den  Künsten und Wissenschaften, das eigene Geschick in
       demokratischer Selbstverantwortung formend..."
       ...
       ...
       "Die Lebensangst  unseres Zeitalters ist der Ausdruck der Heimat-
       losigkeit des  heutigen Menschen  in der unheimlich größer gewor-
       denen, vom Motorenlärm der modernen Zivilisation erfüllten Welt."
       ...
       ...
       "In den  unterentwickelten Ländern hungern die Menschen noch nach
       Brot, in  den kommunistischen Ländern nach Freiheit und Recht. In
       den entwickelten  Ländern der freien Welt sind die Menschen satt;
       auch jene  mögen es sein, die sich zum Sozialismus bekennen. Aber
       es gibt keinen sattgewordenen Sozialismus - seinem humanistischen
       Inhalt nach. Der humanistische Sozialismus ist der Weg zum besse-
       ren Menschen..."  Oder: "Der Humanismus ist eine dem Konservatis-
       mus wie dem Kommunismus entgegengesetzte Weltanschauung..."
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       "Mit der  Wasserstoffbombe läßt  sich kein neues Kapitel des men-
       schlichen Fortschritts mehr eröffnen, sondern nur eines des Rück-
       schritts der menschlichen Entwicklung."
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       IST DER  KRIEG NOCH ZU RETTEN? EINE ANTHOLOGIE MILITÄRPOLITISCHER
       MEINUNGEN. Herausgegeben  von Helmut  Lindemann. Idee  und Bilanz
       Golo Mann.  207 Seiten,  Leinen DM 12,80. Scherz Verlag, München.
       (Auch als Fischer-Taschenbuch erschienen: Bd. 649, DM 2,60.)
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       "Die größte Gefahr sind heute die Leute, die nicht wahrhaben wol-
       len, daß das jetzt anhebende Zeitalter sich grundsätzlich von der
       Vergangenheit unterscheidet. Mit den überkommenen politischen Be-
       griffen werden wir mit dieser Lage nicht fertig werden. Der Bank-
       rott der  traditionellen Vorstellung  von Krieg, Angriff und Ver-
       teidigung ist offenbar. Ohne Umdenken ist kein Ausweg aus der Ge-
       fahr möglich."
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       ...
       "Es wäre gewiß ungerecht und irreführend, wollte man den Männern,
       die heute  in allen  Ländern für die Politik verantwortlich sind,
       durchweg das Gefühl für die sittliche Grundlage ihrer Aufgabe ab-
       sprechen. Wohl  aber wird  man sagen  müssen, daß die meisten von
       ihnen sich  seit 1945 so verhalten haben, als ob ihnen das Wissen
       und die  Einsichten, die  ihnen die  Wissenschaft verschafft hat,
       gar nicht  zur Verfügung  gestanden wären...  Der perverse  Trug-
       schluß, mit  dem wir  es zu  tun haben,  besagt, daß  die Wissen-
       schaft, nachdem  sie durch  ihre Erkenntnisse  auf dem Gebiet der
       Atomphysik den  Krieg als  Instrument der internationalen Politik
       untauglich gemacht  hat, verpflichtet sei, Mittel und Wege zu er-
       sinnen, wie diese Untauglichkeit wieder aufgehoben oder doch min-
       destens soweit eingeschränkt werden könnte, daß - wie Edward Tel-
       ler es ausdrückt - 'die Verwendung von Atomwaffen in einem Krieg,
       dessen Gebiet und Zweck begrenzt sind, nicht unvermeidlich zu ei-
       ner globalen atomaren Katastrophe führen muß'. Dieser Trugschluß,
       auf den  wir besonders  bei  zahlreichen  amerikanischen  Wissen-
       schaftlern stoßen,  wird erleichtert  durch das  Klima des Kalten
       Krieges und  die allzu einfache Gegenüberstellung von Kommunismus
       und westlicher  Welt. Nichts  erleichtert dem Verstand die Abkehr
       von der Vernunft mehr als ein schlichtes Freund-Feind-Denken, und
       nichts läßt  das Gedankenspiel  mit der  Anwendung von längst als
       unzulässig erkannten  Gewaltmethoden gerechtfertigter  erscheinen
       als die auf dem Wege der Autosuggestion erworbene Überzeugung von
       der sittlichen Überlegenheit der eigenen Absichten..."
       ...
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       AUF DEM  WEG ZUR  VATERLOSEN GESELLSCHAFT von Alexander Mitscher-
       lich. 490  Seiten, kartoniert  DM 10,80,  Leinen DM  14,80. Piper
       Verlag, München,
       ...
       ...
       Egbert Hoehl
       ...
       

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