Quelle: Blätter 1965 Heft 10 (Oktober)


       zurück       Anzeige mit ausgesterntem Text


       Aus Copyrightgründen kann DEA hier keine Volltextausgabe machen.
       ----------------------------------------------------------------
       Das vollständige Dokument finden Sie entweder auf der "Blätter"-
       DVD,  die mehr als 9000 Beiträge von 1956-1989  enthält oder auf
       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
       unter www.blaetter.de.
       
       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Bücher
       
       POLENS EXISTENZ...
       ==================
       ...
       Martin Broszat,  Zweihundert Jahre  deutsche Polenpolitik, Ehren-
       wirth Verlag, München 1965, 270 S.
       ...
       ...
       "Die neuzeitliche Gestaltung des deutschen Verhältnisses zu Polen
       ist entscheidend  von Preußen  her bestimmt  worden. Brandenburg-
       Preußen fiel  im 17.  und 18. Jahrhundert der gesamte historische
       deutsche Grenzraum  gegenüber Polen zu. Der Hohenzollernstaat war
       zum Universalerben des mittelalterlichen deutschen Kolonisations-
       gebietes im  Osten des  Reiches, er war zu den deutschen Nachbarn
       Polens geworden.  Er übernahm  damit auch  die politischen,  eth-
       nisch-kulturellen und  konfessionellen Mischungs-  und Spannungs-
       verhältnisse, die in diesem deutsch-polnischen Grenzraum in Jahr-
       hunderten vorher angelegt waren. Aus der gemeinsamen oder gleich-
       zeitigen Missionierung  und Unterwerfung heidnisch-westslawischer
       Stämme zwischen  Elbe und unterer Weichsel und zwischen der Saale
       und Oder sowohl vom deutschen Westen wie vom polnischen Osten her
       hatte sich  seit dem  10. Jahrhundert die geschichtliche Nachbar-
       schaft zwischen  Deutschen und Polen herausgebildet. Jenseits der
       Oder entstand  eine Mischzone  einander ablösender polnischer und
       deutscher Einflüsse,  von denen,  je nach  der Datierung,  später
       entweder Polen  oder Deutsche  ihre 'geschichtlichen Rechte' her-
       leiten sollten."
       ...
       ...
       "Das andere, östliche Preußen blieb dem Orden erhalten, mußte je-
       doch die  Lehenshoheit des polnischen Königs (nach der Niederlage
       von Grunwald)  anerkennen. Die  spätere Inbesitznahme  durch  die
       brandenburgischen Hohenzollern  ergab sich aus einer dynastischen
       Zufallsentwicklung: Der  1511 zum  Hochmeister gewählte  Albrecht
       von Brandenburg führte in dem ostpreußischen Überbleibsel des Or-
       denslandes die  Reformation ein  und säkularisierte es zum erbli-
       chen Herzogtum.  Einhundert Jahre  später starb  die Königsberger
       Linie aus.  Das Herzogtum Preußen - nach wie vor polnisches Lehen
       - gelangte  auf dem  Wege der  Erbfolge 1618 an den Brandenburgi-
       schen Kurfürsten. Seitdem hielten sich im Gebiet der Weichselmün-
       dung polnische  und brandenburgisch-preußische  Herrschafts-  und
       Hoheitsverhältnisse gegenseitig  in der  Zange. Hier  lag deshalb
       auch von  Anfang an der neuralgische Punkt in den politischen Be-
       ziehungen zwischen Brandenburg-Preußen und Polen."
       ...
       ...
       "Wir haben  die  innerpolnischen  Ursachen  genannt,  welche  die
       staatliche Desintegration  Polens bewirkten und somit die Hegemo-
       nie auswärtiger  Mächte und  die spätere Teilung begünstigten. Es
       bleibt aber  festzuhalten: Der  polnische Staat  ist  schließlich
       nicht von  innen verfallen,  sondern durch eine überlegene Koali-
       tion von außen erst zerstückelt, dann durch die zweite und dritte
       Teilung, nach letztem Widerstand, von Rußland, Preußen und Öster-
       reich gewaltsam  beseitigt worden.  Gerade der endgültige Akt der
       Teilung vollzog  sich nicht  als Inbesitznahme eines machtpoliti-
       schen Vakuums, sondern als russisch-preußische militärische Stra-
       faktion, während  Polen den  energischen Versuch  gemacht  hatte,
       sich aus eigenen Kräften zu reformieren und aus bisheriger Abhän-
       gigkeit und  Machtlosigkeit zu erheben. Ungeachtet dessen sind in
       der deutschen  historischen Literatur seit der zweiten Hälfte des
       19. Jahrhunderts  die polnischen  Teilungen meist als 'Untergang'
       Polens, als  'polnische Tragödie'  u.ä.  stilisiert  worden.  Man
       nannte 'schicksalhaft'  und einen  von Polen selbst verschuldeten
       'Urteilsspruch der Geschichte', was willkürlich von außen erzwun-
       gen war."
       ...
       ...
       "Polens Existenz  ist unerträglich, unvereinbar mit den Lebensbe-
       dingungen Deutschlands. Es muß verschwinden und wird verschwinden
       durch eigene Schwäche und durch Rußland, mit deutscher Hilfe."
       ...
       ...
       August Scholtis
       ...
       

       zurück