Quelle: Blätter 1965 Heft 10 (Oktober)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ACHT FRIEDENSNOBELPREISTRÄGER FORDERN GEMEINSAM
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       EINE REGELUNG FÜR VIETNAM
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       Der Krieg  in Vietnam  ist eine  Frage an  das Gewissen der Welt.
       Niemand von  uns kann  Tag für  Tag die  Berichte über das Töten,
       Zermalmen und  Verbrennen lesen,  ohne ein  Ende dieser Unmensch-
       lichkeit zu  fordern. Unsere  gegenwärtige Absicht  ist es nicht,
       die Schuld der Kämpfenden zu verteilen. Es geht allein darum, daß
       diesem Verbrechen  gegen alles  was in der Menschheit zivilisiert
       ist, ein Ende gemacht wird.
       Der Friede  ist möglich.  Beide Seiten  sagen, daß sie die Grund-
       prinzipien der  Genfer Vereinbarung akzeptieren. Warum also kommt
       man dann  nicht zusammen,  um eine politische Regelung zu suchen?
       Warum kein sofortiger Waffenstillstand?
       Im Namen  des uns  allen gemeinsamen Menschseins appellieren wir,
       die unterzeichneten Inhaber des Nobelfriedenspreises, an alle be-
       teiligten Regierungen  und Parteien, sofort Schritte zu unterneh-
       men, um  einen Waffenstillstand und in vertragliche Regelung die-
       ses tragischen Konflikts herbeizuführen.
                                    *
       Zugleich mit der Veröffentlichung des Aufrufes am 12. August 1965
       wurde in  Los Angeles  eine Presseerklärung herausgegeben, in der
       es u.a. heißt:
       Dieser Appell wurde von Dr. Pauling, Research Professor im Center
       for the Study of Democratic Institutions, Santa Barbara, Kalifor-
       nien (Träger  des Nobelfriedenspreises  1962 und des Nobelpreises
       für Chemie  1954), geplant und in Zusammenarbeit mit Philip Noel-
       Baker, Mitglied  des britischen Parlaments (Träger des Nobelfrie-
       denspreises 1959), und mit dem Dominikanerpater Georges Dominique
       Pire aus Belgien (Träger des Nobelfriedenspreises 1958) niederge-
       schrieben. Die  anderen Unterzeichner  sind Norman Angell (1934),
       Lord Boyd  Orr, der  ehemalige Direktor der Food and Agricultural
       Organization der Vereinten Nationen (1949), Dr. Albert Schweitzer
       aus Lambarene,  Afrika (1952),  Häuptling Albert J. Luthuli, ehe-
       mals Präsident des African National Congress (1960), und Dr. Mar-
       tin Luther  King, Jr.,  der Führer der Southern Christian Leader-
       ship Conference (1964)...
       Es gibt  nur noch  zwei weitere lebende Nobelfriedenspreisträger,
       und zwar  Ministerpräsident Lester Pearson (Canada) und Dr. Ralph
       Bunche vom  Stab der Vereinten Nationen. Sowohl Ministerpräsident
       Pearson als auch Dr. Bunche erklärten, daß ihre offiziellen Funk-
       tionen sie  daran hinderten,  einen solchen Appell zu unterzeich-
       nen, daß das Fehlen ihrer Unterschrift jedoch nicht als Mangel an
       Übereinstimmung  interpretiert  werden  dürfe.  Ministerpräsident
       Pearson fügte  hinzu, daß  er alles  in seiner Macht stehende tun
       würde, um eine Regelung des tragischen Konfliktes zu fördern, die
       mit den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Demokratie verein-
       bar sei  und daß er konstruktiv zu den internationalen Bemühungen
       in dieser Richtung beitragen würde...
       

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