Quelle: Blätter 1965 Heft 11 (November)


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       DR. RICHARD JAEGER (ZITATE)
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       Geboren am  16. Februar  1913 in  Berlin-Schöneberg;  katholisch;
       verheiratet, sechs  Kinder. Volksschule.  Maximiliansgymnasium in
       München, Absolutorium. Studium der Rechts- und Staatswissenschaf-
       ten in  München, Berlin und Bonn; 1936 Referendarexamen, 1939 As-
       sessorexamen. 1940 Gerichtsassessor am Amtsgericht Weilheim, 1943
       Amtsgerichtsrat. 1939/45 Kriegsteilnehmer, zwei Jahre in Rußland.
       Nach dem  Kriege Promotion  zum Dr.  jur. an der Universität Mün-
       chen. 1947 Regierungsrat im Bayerischen Staatsministerium für Un-
       terricht und  Kultus. 1948  rechtskundiger 1. Bürgermeister, 1949
       Oberbürgermeister der  Stadt Eichstätt.  1933 bis 1939 in der ka-
       tholischen Jugend- und Studentenbewegung führend tätig. Seit 1946
       Mitglied der  CSU. - Mitglied des Bundestages seit 1949, seit Ok-
       tober 1953  Vizepräsident; Vorsitzender  des Ausschusses für Ver-
       teidigung.
       Amtliches Handbuch  des Deutschen  Bundestages,  4.  Wahlperiode,
       Darmstadt, S. 218.
       
       Kein Reich mit Berlin als Hauptstadt
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       Aus der  Denkschrift "Auf  dem Weg zur Demokratie", in der Jaeger
       im Herbst  1945 seine "Gedanken zur bayerischen Selbstbestimmung"
       formulierte:
       Die Erkenntnis,  daß Preußen  Deutschlands Unglück  ist, kann dem
       bayerischen Volk nicht nachdrücklich genug zu Bewußtsein gebracht
       werden. Bayern  muß deshalb im Verein mit den übrigen von Preußen
       nach und nach unterdrückten Ländern des Südens und des Nordens...
       alle Kraft  daransetzen, daß ein Reich Bismarckscher Prägung, ein
       Reich mit  preußischer Hegemonie,  ein Reich mit zentralistischer
       Struktur, kurz gesagt, ein Reich mit Berlin als Hauptstadt... nie
       wiederkehren kann...
       Der Spiegel (Hamburg), 15. Jahrg., Nr. 17, April 1961, S. 41.
       
       Einen seiner wenigen Freunde in der Welt...
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       Nach einer Spanien-Reise schrieb Dr. Jaeger unter der Überschrift
       "Spanien und Europa":
       Im Rahmen  des gemeinsamen geschichtlichen Schicksals und der ge-
       meinsamen politischen Aufgabe unseres Erdteils verbanden und ver-
       binden Spanien und Deutschland besondere Bande der Sympathie. Ha-
       ben nicht  beide Völker  gerade in jüngster Zeit in verschiedenen
       Formen dasselbe  erlitten, da sie die Grausamkeit des Bolschewis-
       mus am  eigenen Leibe  erfahren mußten?  Spanien und  Deutschland
       sind heute mehr als andere Nationen auf Grund dieser bitteren Er-
       fahrungen immun  gegen die Gefahr des Bolschewismus. Sie vermögen
       also beide zum geistigen Aufbau Europas ein Moment der besonderen
       Stabilität beizutragen. Solche Gedanken heute in Deutschland aus-
       zusprechen, ist  manchmal schwer, weil sie nicht in die patentde-
       mokratische Denkschablone  der deutschen  Opposition passen.  Sie
       kann sich  noch nicht  zu  der  alten  staatsmännischen  Weisheit
       durchringen, daß  die außenpolitischen  Beziehungen eines  Landes
       nicht von  den Unterschieden in Staatsauffassung und Weltanschau-
       ung anderer Länder bestimmt werden dürfen und daß gerade Deutsch-
       land keinen  Anlaß hat,  einen seiner wenigen Freunde in der Welt
       deshalb zurückzustoßen,  weil er  unter einer anderen politischen
       Verfassung lebt...
       Rheinischer Merkur (Koblenz) v. 17.IX.1954.
       
       Banditen und Gentlemen
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       Es sind  nicht lauter  Kavaliere in  den Regierungen der heutigen
       Welt, die sich durch Dispositionen wirtschaftlicher Mächte - etwa
       der Rüstungsindustrie  - in Kriege treiben ließen, sondern es ist
       doch so: Die eine Hälfte der Welt wird von Gentlemen geführt, die
       andere Hälfte von Banditen. Diese Banditen wollen ihre Herrschaft
       über die  Welt ausdehnen,  und davor  müssen  wir  uns  schützen.
       (Beifall in der Mitte und rechts.)...
       Verhandlungen des Deutschen Bundestages, 2. Wahlperiode, 70. Sit-
       zung, v. 25.II.1955.
       
       Mitglied der "Abendländischen Akademie"
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       Über  die   Tätigkeit  der  "Abendländischen  Akademie"  und  der
       "Abendländischen Aktion"  berichtete das Hamburger Nachrichtenma-
       gazin:
       Während der  Bundesaußenminister in Augsburg die Menschheit unse-
       rer Tage  in Christen,  bloße Heiden und neue Heiden zergliederte
       *), hatte  Brentanos Fraktionskollege,  der zweite  Vizepräsident
       des Deutschen Bundestages und CSU-Abgeordnete Dr. Richard Jaeger,
       die Regierenden dieser Welt schon am 25. Februar 1955 in Bonn vor
       dem Hohen  Hause etwas  moderner und  schlichter, wenn auch nicht
       weniger unfein, in zwei Gruppen sortiert: "...die eine Hälfte der
       Welt wird  von Gentlemen  geführt, die  andere von Banditen." Die
       Institution, deren  Kuratoriumsmitglied Brentano und Jaeger sind,
       ist die  "Abendländische Akademie",  die  seit  zwei  Jahren  die
       "wertvollen Aufgaben"  verfolgt, die sich die "Abendländische Ak-
       tion" gesetzt  hat. Aktion  und Akademie  haben sich vorgenommen,
       "die diesseitige  Welt christlich zu ordnen und zu durchdringen».
       Bei ihrem  gründlichen Reform-Unternehmen  geht der  Akademie die
       Monatszeitschrift "Neues  Abendland" zur  Hand. Verlag und Redak-
       tion des  "Neuen Abendlandes"  sind zusammen  mit der  Geschäfts-
       stelle der  "Abendländischen Akademie"  im  Haus  Nummer  20  der
       Münchner Rauchstraße  einquartiert. Konkrete  Vorstellungen,  die
       diese neuen  Abendländer wie  Brentano und  Jaeger bewegen, haben
       ihren  Niederschlag  im  "Manifest  der  Abendländischen  Aktion,
       Grundlagen Abendländischer  Erneuerung" und - konzentrierter noch
       - im "Ordnungsbild der Abendländischen Aktion" gefunden. Aus die-
       sen beiden Publikationen und aus den Protokollen der "Abendländi-
       schen Akademie"  kann man  mühelos und  nicht ohne Reiz zusammen-
       lesen, wie das Abendland erneuert werden soll.
       Vom "Paktieren und Kontrahieren" mit dem "antichristlichen Wider-
       reich des Bolschewismus" halten die abendländischen Akteure nicht
       viel. Dagegen  halten sie  für den  Hausgebrauch zunächst noch an
       der Demokratie  fest, von  der die westliche Welthälfte "anschei-
       nend nicht  lassen kann".  Doch  akzeptieren  sie  die  parlamen-
       tarische Demokratie,  wie sie  im Grundgesetz  der Bundesrepublik
       Deutschland  fixiert  ist,  nicht  ohne  weiteres,  sondern  nur,
       "soweit sie  geschichtlich gewachsen  ist, sich praktisch bewährt
       hat, das  natürliche Recht  bejaht und  das Volk  zur Ordnung des
       Staates verpflichtet,  ohne zu  behaupten, daß  alle Staatsgewalt
       vom Volk  ausgehe". Es überrascht kaum, daß diesen halbdemokrati-
       schen Vorbehalten das harte Urteil folgt: "Die Abendländische Ak-
       tion erblickt  im modernen Vielparteienstaat und in der durch ihn
       herbeigeführten Vergiftung des öffentlichen Lebens einen Ausdruck
       neuzeitlicher Willkür..." ...
       Das Verfassungsprojekt  der "Abendländischen Aktion" läßt von der
       parlamentarischen Demokratie  in der  Tat nur noch ein paar Voka-
       beln übrig.  Ihr Inhalt verwandelt sich unterdes in ein Organisa-
       tionsschema, das aus monarchistischen, klerikalfaschistischen und
       berufsständischen Zutaten  zusammengemischt ist.  Da gibt  es ein
       Staatsoberhaupt, eine  Regierung und  ein Parlament,  das aus dem
       Senat und  einem niederen  Haus mit  dem beziehungsreichen  Namen
       "Volkskammer" besteht.  Hinzu kommt ein Oberster Gerichtshof, dem
       die juristisch  unlösbare Aufgabe  gestellt ist, die Gesetze nach
       "göttlichem und natürlichem Recht" zu prüfen.
       Das Staatsoberhaupt  wird von einem möglichst kleinen Wahlkörper,
       keineswegs vom  Volk selber  gewählt. Dabei  ist einem  König der
       Vorzug vor  einem Präsidenten  zu geben: "Der Präsident ist immer
       in Gefahr,  die Macht  in mißverständlicher Weise zu repräsentie-
       ren, eben  als Ausdruck  der Volkssouveränität."  Im Zusammenhang
       damit heißt  es weiter: "Darum gehört die Macht in einer besonde-
       ren Weise Gott dargebracht, sie gehört... geweiht. Der echte sym-
       bolische Ausdruck hierfür ist die Königsweihe - wie überhaupt das
       Königstum die  wirklich gemäße  Form für das oberste Herrscheramt
       eines Volkes ist."...
       Einen nicht  minder heftigen Stoß erhält die Demokratie durch den
       neu-abendländischen Wahlmodus  für Parlamentarier.  Die  geheime,
       gleiche, direkte  Wahl, die  noch immer  in allen abendländischen
       Demokratien praktiziert wird, ist - laut "Abendländischer Aktion"
       - die  "dümmste". Da  "sich die formaldemokratische Auslese weder
       logisch noch  theologisch begründen  läßt", wird  für die "Volks-
       kammer" das  indirekte Wahlverfahren  empfohlen, "um die Qualität
       der Auslese  zu verbessern".  Danach wählen  die Staatsbürger aus
       ihren Reihen  die Gemeindevertreter,  die  Gemeindevertreter  die
       Kreistage, die  Kreistage die  Bezirkstage, die  Bezirkstage  die
       Landtage und  die Landtage schließlich die "Volkskammer". Politi-
       sche Parteien sind bei dieser Prozedur überflüssig.
       Der solcher  Art verdünnte  Aufguß vom Parlament hat nur noch das
       Recht,  zu   interpellieren,  am   Verhalten  der   Staatsbeamten
       "öffentlich (aber begründet)" Kritik zu üben und Gesetzesänderun-
       gen vorzuschlagen. Die eigentliche Gesetzgebung jedoch liegt aus-
       schließlich bei  Regierung und Senat. Dieser Senat besteht zu ei-
       nem Drittel  aus den  "besten" Volkskämmerern. Das zweite Drittel
       wird von  den Berufsständen  delegiert, zu denen auch die Gewerk-
       schaften gezählt  werden. Und das letzte Drittel - "allgemein ge-
       achtete Persönlichkeiten" - wird vom Staatsoberhaupt berufen.
       Diese staatliche  Ordnung, die  in den Köpfen der abendländischen
       Aktivisten spukt,  wird in  allen anderen Bereichen des öffentli-
       chen und  privaten Lebens entsprechend ergänzt. So ist die Todes-
       strafe integrierender  Bestandteil  der  abendländischen  Erneue-
       rung...
       Der Spiegel (Hamburg), 9. Jahrg., Nr. 33, August 1955, S. 12 f.
       
       Ein gerechter Krieg
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       Aus einem Bericht über den Deutschlandtag der Jungen Union in Lü-
       beck, auf  dem Dr. Jaeger über das Thema "Der junge Soldat im ge-
       teilten Deutschland" referiert hatte:
       Jaeger wies darauf hin, daß der Aufbau der Bundeswehr aus der Er-
       kenntnis notwendig  sei, daß  ein Staat  kein ganzer sei, wenn er
       nicht in  der Lage  sei, eine Armee aufzustellen. Zu den Rechten,
       die unsere  Verfassung den  Bürgern in Artikel 4 einräumt, meinte
       Jaeger: "Ich  persönlich glaube nicht, daß es ein ethisches Recht
       auf Kriegsdienstverweigerung  gibt." Und wenig später noch einmal
       mit aller  Schärfe: "In  einem gerechten  Krieg - und gerecht ist
       ein Krieg  gegen ein  angreifendes oder uns bedrohendes Rußland -
       hat niemand  das Recht, dem Staat den Kriegsdienst zu verweigern,
       genauso wenig wie das Recht, keine Steuern zu zahlen."
       Später spitzte  sich die Diskussion auf eine Frage zu, die gerade
       in diesen  Tagen, unmittelbar  vor der  Verabschiedung des  Wehr-
       pflichtgesetzes, manchen  jungen Bundesbürger  bewegt, der morgen
       die Uniform  anziehen muß, die Frage nämlich: "Darf ich als Deut-
       scher auf Deutsche schießen?" Der Sohn des nach dem 20. Juli 1944
       hingerichteten Generals  von Hase  hob hervor,  daß es  richtiger
       heißen müsse:  "Darf ich  auf Menschen  schießen oder  nicht?"...
       Jaeger ergänzte:  "Die Frage  kann ebenso  lauten, darf  ich mich
       wehren gegen  meinen Bruder?"  Sie kann nach Jaeger nur so beant-
       wortet werden: "In der Notwehr: ja!"...
       Die Welt (Hamburg) v. 2.VII.1956
       
       Abrüstungsverhandlungen - ein "Störmanöver des Ostens"
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       Schließlich sagt  man uns,  wir würden gegen den Strom schwimmen.
       Die allgemeine Abrüstung sei im Gespräch bei den Vereinten Natio-
       nen und  anderswo. Meine  sehr verehrten Damen und Herren, im Ge-
       spräch ist  sie wohl. Ich habe aber bis zur Stunde nicht den Ein-
       druck, daß  bei dem Gespräch auch Abkommen, also etwas Realisier-
       bares, herausgekommen wäre. (Sehr gut! in der Mitte.)
       Wir müssen  uns jedenfalls  also, durch  bittere Erfahrungen  be-
       lehrt, mit  der Möglichkeit  vertraut machen,  die mir sehr wahr-
       scheinlich zu  sein scheint, daß am Ende gar nichts dabei heraus-
       kommt und  das Ganze  nur ein  Störmanöver des Ostens ist, um den
       Westen und  vor allem  Westdeutschland an einer stärkeren Rüstung
       zu hindern...  Ich glaube,  der beste  Beitrag der Bundesrepublik
       zur internationalen Abrüstung besteht in ihrem unerschütterlichen
       Willen, im  Rahmen der  freien Welt einen Verteidigungsbeitrag zu
       leisten. Das wird die anderen vielleicht veranlassen, abzurüsten.
       (Beifall bei den Regierungsparteien.)...
       Verhandlungen des  Deutschen Bundestages,  2.  Wahlperiode,  157.
       Sitzung, v. 4.VII.1956.
       
       "Befreiung der Mittelzone"
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       Wir sind  in  der  Fraktion  der  Christlich  Demokratischen  und
       Christlich-Sozialen Union  der Überzeugung, daß das Gesamtgewicht
       aller Argumente  eben für die Einführung der Wehrpflicht spricht,
       weil wir  sonst nicht  jene Sicherheit des freien Deutschland und
       der freien  Welt garantieren  können, ohne  die jede Hoffnung auf
       Befreiung der  Mittelzone und jede Hoffnung auf Wiedervereinigung
       ein für allemal vom Tisch geweht wäre...
       Verhandlungen des  Deutschen Bundestages,  2.  Wahlperiode,  157.
       Sitzung, v. 4.VII.1956
       
       Ausrüstung mit taktischen Atomwaffen
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       Auf eine entsprechende Umfrage der Zeitung antwortete Dr. Jaeger:
       Im Vertrag  über die Westeuropäische Union haben wir auf die Pro-
       duktion von ABC-Waffen in Deutschland verzichtet. Davon soll auch
       nicht abgegangen  werden. Hingegen  ist der Erwerb solcher Waffen
       durch Kauf oder durch Leihe durchaus möglich.
       Bisher war  der Besitz solcher Waffen de facto ein amerikanisches
       Monopol. Sollte hiervon abgegangen werden und sollten auch andere
       Staaten der  NATO ihre  Truppen mit  taktischen Atomwaffen ausrü-
       sten, dann  wird auf  die Dauer  dies selbstverständlich auch für
       die Bundeswehr notwendig sein, denn die Bundeswehr als Ganzes und
       der deutsche  Soldat als einzelner sollen in der Bewaffnung nicht
       schlechter gestellt  werden als  andere Streitkräfte der NATO. Es
       dürfte sich  empfehlen, wenn die Ausrüstung der kontinental-euro-
       päischen NATO-Staaten  mit taktischen Atomwaffen nach gemeinsamer
       Planung und  in gegenseitiger  Übereinstimmung vorgenommen  wird.
       Die Frage  ist, solange  die Bundeswehr  sich im Aufbau befindet,
       noch nicht  aktuell, doch  wird sie  es voraussichtlich  zu einem
       späteren Zeitpunkt werden...
       Neue Rhein-Zeitung (Köln) v. 28.III.1957
       
       Ein Staat mit provisorischen Grenzen
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       Ein Staat, der seine jungen Bürger aufrufen muß, ihn zu verteidi-
       gen, kann  sich nicht  selber als provisorisch verstehen, sondern
       kann nur davon sprechen, daß seine östlichen Grenzen provisorisch
       sind und  daß selbstverständlich  das gesamte  deutsche Volk nach
       der Wiedervereinigung das Recht hat, wie es im Grundgesetz steht,
       sich auf Grund einer frei gewählten Nationalversammlung eine neue
       Verfassung zu  geben, die  aber in geistiger und politischer Hin-
       sicht auf der Grundlage des Grundgesetzes beruhen wird...
       Wir sind  in einer  Partei, die  den christlichen Namen nicht als
       Anspruch, sondern  als Verpflichtung führt, auf Grund der christ-
       lichen Welterkenntnis von der Macht des Bösen mehr überzeugt, als
       es manche  andere sind,  und wir meinen, daß sich diese Macht des
       Bösen in  der Weltgeschichte  noch nie  so drastisch enthüllt hat
       wie in den 43 Jahren sowjetischer Politik...
       Verhandlungen des  Deutschen Bundestages,  3.  Wahrperiode.  122.
       Sitzung. v. 30.VI. 1960
       
       Besuch bei General Franco
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       Über seinen Empfang bei Spaniens Staatschef berichtet Dr. Jaeger:
       Nachdenklich verläßt  man nach fast einstündiger Unterhaltung den
       Prado.  Sollen  wir  Deutsche  wirklich,  wie  unsere  Opposition
       wünscht, die  Friedenshand zurückweisen, die uns aus Spanien ent-
       gegengestreckt wird? Haben wir mit unserer jüngsten Vergangenheit
       das Recht,  die politische Gouvernante anderer Länder zu spielen?
       Hat der Westen nicht ein Interesse daran, daß die Stabilität, die
       Spanien 21 Jahre inneren Frieden geschenkt hat, aufrecht erhalten
       bleibt?
       Abendzeitung (München) v. 14.VII.1960
       
       Für Verfassungsänderung und Notstandsgesetzgebung
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       Bundestagspräsident Jaeger  hat nach Ansicht der Sozialdemokraten
       das Recht  verwirkt, dem  Präsidium des  Parlaments  anzugehören,
       weil er  "mit dem  Verfassungsbruch spielt". Die Sozialdemokraten
       beziehen sich  dabei auf eine Rede Jaegers vor der Landesversamm-
       lung der  bayerischen Jungen Union am Wochenende in Kempten. Nach
       Agenturberichten soll  Jaeger gesagt  haben, nach der Bundestags-
       wahl müsse  es die CDU/CSU allein oder zusammen mit einer anderen
       Partei mittels  Zweidrittelmehrheit  fertigbringen,  die  Verfas-
       sungsänderung für  eine Notstandsgesetzgebung  zu erreichen.  Ge-
       linge dies nicht, werde der Staat zugrunde gehen, oder die Regie-
       rung wäre  - um das abzuwenden - gezwungen, außerhalb der Verfas-
       sung oder sogar gegen sie tätig zu werden...
       Die Welt (Hamburg) v. 18.IV.1961.
       
       Die Todesstrafe...
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       Für die Wiedereinführung der Todesstrafe für Mord und die schwer-
       sten Fälle  von Landesverrat  sprach sich  am Mittwoch in München
       der Vizepräsident des Bundestages, Dr. Richard Jaeger, aus... Dr.
       Jaeger, der Jurist ist, bezeichnete das im Grundgesetz ausgespro-
       chene Verbot  der Todesstrafe als den "größten Mangel" des heuti-
       gen Strafrechts.  Er führte den Widerstand weiter Kreise des Bun-
       desparlaments gegen  die Wiedereinführung  der  Todesstrafe  "auf
       veraltete juristische  und philosophische Vorurteile aus der mar-
       xistischen und  liberalen Mottenkiste  des vorigen  Jahrhunderts"
       zurück.
       Frankfurter Rundschau v. 10.II.1961.
       
       ...im Kalten Krieg
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       "Soll wieder  gehenkt werden?"  - "Spiegel"-Gespräch mit dem Bun-
       destagsvizepräsidenten über die Todesstrafe:
       JAEGER: ...Die  Frage, ob  man auch bei Landesverrat im Falle des
       Verteidigungsfalles nicht die Todesstrafe einführen müßte, stellt
       sich dem  Gesetzgeber auf  die Dauer unausweichlich. Hier bin ich
       der fest begründeten Überzeugung, daß das, was im Kaiserreich und
       in der  Weimarer Republik durchaus als Recht gegolten hat, wieder
       eingeführt werden muß. Eine weitere Frage, über die man diskutie-
       ren kann  - bei  der ich allerdings durchaus der Meinung bin, man
       muß es sich ernsthaft überlegen -, ist, ob man gegenüber dem sub-
       versiven und ungeheuer gefährlichen Feind des Bolschewismus...
       SPIEGEL: "Kalter Krieg?"
       JAEGER: Ja,  gerade deswegen muß man schärfere Strafen ergreifen,
       als sie  früher bei uns üblich waren. Es ist nicht undemokratisch
       oder eines  demokratischen Rechtsstaates  unwürdig und ihm fremd,
       die Todesstrafe  für schwerste  Fälle des  Landesverrats auch  in
       Zeiten, in denen kein Krieg herrscht, einzuführen...
       Der Spiegel (Hamburg), 15. Jahrg., Nr. 17, April 1961, S. 49.
       
       Spanien ist "nur eine Diktatur"
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       Aus dem Artikel "Francos Freund weicht aus" von Alfred Wollmann:
       Dr. Jaeger ist dafür bekannt, ein Freund Franco-Spaniens zu sein.
       Er ist  Träger eines hohen spanischen Ordens. Wir weisen Dr. Jae-
       ger auf  seinen im  "Rheinischen Merkur" veröffentlichten Artikel
       hin, in  dem es hieß: "Die Sozialdemokraten, die gegen Franco ge-
       kämpft haben,  sollten heute  einsehen, daß  sie auf der falschen
       Seite gekämpft  haben." Dr.  Jaeger  verteidigt  leidenschaftlich
       diese These:  "Jawohl, das stimmt doch! Es ging darum, in Spanien
       den Kommunismus zu schlagen. Franco hat Spanien vor dem Kommunis-
       mus bewahrt."  Fassungslos frage ich Dr. Jaeger: "Wissen Sie denn
       nicht, daß  Franco nur durch einen gewaltsamen Putsch und mit di-
       rekter Hilfe  der berüchtigten  'Legion Condor'  Hitlers die  ge-
       wählte Regierung der Spanischen Republik beseitigte, in der übri-
       gens kein  einziger Kommunist  saß?" Zum  ersten Mal  in  unserem
       mehrstündigen Gespräch  stockt  der  Bundestagsvizepräsident  und
       blickt etwas verlegen drein... Dr. Jaeger fährt fort: "Sie müssen
       unterscheiden zwischen  totalitärer Diktatur und ordinärer Dikta-
       tur. Spanien ist keine totalitäre Diktatur, sondern nur eine Dik-
       tatur. Und wir brauchen Spanien zur Verteidigung gegen den Kommu-
       nismus." - "Also bejahen Sie den Grundsatz: Der Zweck heiligt die
       Mittel?" werfe  ich ein.  "Der Zweck bestimmt sehr wesentlich die
       Mittel", meint Dr. Jaeger...
       Welt der Arbeit (Köln) v. 9.III.1962.
       
       Zwei Sorten Grundgesetz?
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       Am 20.  Oktober, als  Ludwig  Erhard  zum  Bundeskanzler  gewählt
       wurde, saßen  - seltenes  Ereignis - vier Ministerpräsidenten auf
       der Bundesratsbank  im Plenarsaal  des Bundestages.  Da einer der
       Herren von  der Fertigkeit  lebt, zur  geeigneten Zeit Bonmots zu
       prägen, sagte  er folgendes ungeschminkt zu seinen Kollegen: Bis-
       her hatten  wir einen  Bundesinnenminister,  der  nicht  mit  dem
       Grundgesetz unterm  Arm herumlief,  jetzt sollen wir einen bekom-
       men, der  mit dem Grundgesetz unterm Arm herumläuft, aber mit dem
       portugiesischen. Es gibt, wie man sieht, zwei Sorten Grundgesetz.
       Der Mann,  der gemeint  war, war  Dr. Richard  Jaeger. Aber schon
       achtundvierzig Stunden  später war Jaeger nicht mehr Kandidat für
       das Innen-, sondern für das Justizministerium...
       Walter Henkels, in: Frankfurter Allgemeine v. 25.X.1965.
       
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       *) Der damalige  Bundesaußenminister von Brentano hatte anläßlich
       der Jahrtausendfeier  der Schlacht auf dem Lechfeld eine histori-
       sche Parallele  gezogen  und  von  den  heidnischen  'Massen  des
       Ostens' gesprochen.
       

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