Quelle: Blätter 1966 Heft 01 (Januar)


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       Dokumente zum Zeitgeschehen
       
       ERKLÄRUNG DER JAHRESVERSAMMLUNG DER RELIGIÖSEN GESELLSCHAFT
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       DER FREUNDE (QUÄKER) IN DEUTSCHLAND
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       Im Oktober  gesandt an  die Regierungsstellen  in Bonn,  die drei
       Fraktionen, die Bundestagsausschüsse, die Ministerpräsidenten der
       Länder.
       
       Wir sind  uns bewußt,  daß die  Ablehnung allen  Kampfes mit  der
       Waffe, den  die frühen Quäker gegenüber dem englischen König Karl
       II. 1660  als im  Widerspruch zum  Geiste Jesu stehend erklärten,
       für uns heute bedeutet, daß wir darüber hinaus unbeirrbar für Zu-
       sammenarbeit und Versöhnung wirken müssen.
       Wir empfinden,  daß das  im Juli ds. Js. durch Bundestag und Bun-
       desrat beschlossene  Selbstschutzgesetz, das nach seinem Wortlaut
       in stärkstem Maße in das Leben jedes einzelnen Bürgers eingreifen
       wird, solches Friedensbemühen in weitestem Maße lähmen wird:
       1) Der Zwang,  sich durch Verteidigungsmaßnahmen auf die Möglich-
       keit eines  Krieges einzustellen,  muß die Furcht vergrößern, zur
       Resignation führen und in Regierung und Regierten den Willen läh-
       men, alle Kraft für die Überwindung der Spannungen einzusetzen.
       2) Durch das  Außerachtlassen der Erkenntnis, die die Vereinigung
       Deutscher Wissenschaftler  in ihrer  Denkschrift vom  Herbst 1962
       ausgesprochen hat,  daß  nur  eine  aktive  Friedenspolitik  eine
       Chance des  Überlebens gibt,  schafft das  Gesetz die gefährliche
       Täuschung, als  ob Verteidigungsmaßnahmen  Sicherheit geben könn-
       ten.
       Der Ausschuß  für Friedensarbeit  der deutschen  Quäker  trug  in
       Schreiben an die Fraktionen des Bundestages und an die Mitglieder
       der für  die  Notstandsgesetze  zuständigen  Bundestagsausschüsse
       schon während  der Beratung  der Gesetzentwürfe  diese  Gesichts-
       punkte vor.
       Wir glauben  darum, heute klar aussprechen zu müssen, daß es Men-
       schen in  unserem Volke  geben wird,  denen, wenn ihnen die Kraft
       gegeben werden  sollte, ihrem  Gewissen zu  folgen, keine  andere
       Möglichkeit offen  sein wird,  ihrem Volk  und der  Menschheit zu
       dienen, als  durch Ungehorsam  gegenüber diesem Gesetz und gegen-
       über allen  weiteren Gesetzen  der gleichen  psychologischen Wir-
       kung.
       
       Bad Pyrmont, Quäkerhaus, am 6. August 1965
       gez. Heinrich Carstens, Wolfgang Harms, Elisabeth Rinneberg
       

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