Quelle: Blätter 1966 Heft 07 (Juli)


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       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Anmerkungen, Glossen, Zuschriften
       
       ZWEIMAL ZIVILSCHUTZ
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       Rundschreiben aus Bonn
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       ...
       DER OBERKREISDIREKTOR DES LANDKREISES BONN
       An die
       Angehörigen der Geburtsjahrgänge 1930 bis 1936
       im Landkreise Bonn
       
       Sehr geehrter Herr!
       
       Bei Unglücksfällen  und Katastrophen hat es sich immer wieder ge-
       zeigt, daß  der betroffenen Bevölkerung nur dann wirkungsvoll und
       umfassend geholfen  werden kann,  wenn die Maßnahmen der Behörden
       durch freiwillige Helfer tatkräftig unterstützt werden. Diese Er-
       kenntnis ist  bei der Flutkatastrophe in Hamburg sowie den Unwet-
       terkatastrophen in  den Sommermonaten  des vergangenen  Jahres in
       Bayern, Ostwestfalen, Niedersachsen und Hessen bestätigt worden.
       Unglücksfällen und  Katastrophen kann  nur dann  wirksam begegnet
       werden, wenn  rechtzeitig die entsprechenden Vorkehrungen getrof-
       fen werden.
       Neben den  notwendigen Hilfsmitteln  und Geräten müssen insbeson-
       dere ausgebildete Helfer in ausreichender Zahl bereitstehen. Auch
       im Landkreise  Bonn haben  sich die  Angehörigen der Freiwilligen
       Feuerwehren, des  Deutschen Roten  Kreuzes,  des  Malteser-Hilfs-
       dienstes und  des Technischen Hilfswerkes bereits seit Jahren für
       diesen uneigennützigen  Dienst im  Interesse der  Bevölkerung un-
       seres Kreises zur Verfügung gestellt.
       Leider reichen die Kräfte dieser Organisationen nicht aus, um al-
       len Anforderungen  gerecht werden  zu können. Es ist deshalb not-
       wendig, die  vorhandenen Einheiten  durch weitere  Helfer zu ver-
       stärken. Der  Herr Regierungspräsident  in Köln  hat mich deshalb
       beauftragt, die  bisher im  Landkreise Bonn vorhandenen Einheiten
       des Zivil- und Katastrophenschutzes in den folgenden Fachdiensten
       zu ergänzen:
       a) Sanitätsdienst
       b) Bergungsdienst
       c) Lenkungs- und Sozialdienst
       d) Fernmeldedienst.
       Alle diese  Fachdienste haben  die Aufgabe,  Hab und  Gut unserer
       Mitbürger zu  schützen und  aufgetretene Schäden  zu beheben oder
       Notstände zu  mildern. Aus dem anliegenden Merkblatt bitte ich zu
       entnehmen, welche  speziellen Aufgaben  innerhalb  der  einzelnen
       Fachdienste zu  erfüllen sind.  Soweit Sie nicht bereits Mitglied
       einer freiwilligen Hilfsorganisation sind, möchte ich Sie bitten,
       sich als freiwilliger Helfer für eine der Einheiten innerhalb des
       Zivil- und  Katastrophenschutzes zur  Verfügung zu  stellen.  Für
       Ihre Ausbildung stehen auf Kreisebene bewährte Führungskräfte der
       einzelnen Hilfsorganisationen  zur Verfügung.  Die Ausbildung um-
       faßt im Jahr ca. 100 Stunden. Sie findet im allgemeinen außerhalb
       der regelmäßigen Dienst- und Arbeitszeit statt, so daß Ihnen kein
       Verdienstausfall entsteht  und Ihnen  in Ihrer beruflichen Tätig-
       keit keine  Nachteile erwachsen.  Sie können  darüber hinaus Ihre
       Fachkenntnisse entsprechend  Ihrer persönlichen  Neigung auf ver-
       schiedenen Gebieten  vertiefen oder zusätzliche Kenntnisse erwer-
       ben, die auch Ihrem beruflichen Fortkommen dienen.
       Die Ihnen  durch die  Ausbildung entstehenden  Kosten werden  vom
       Bund erstattet.
       Weiterhin darf  ich darauf hinweisen, daß die über 25 Jahre alten
       Wehrpflichtigen in  einem Verteidigungsfalle  vom Wehrdienst oder
       der Dienstverpflichtung  für ein  Zivilschutzkorps befreit  sind,
       wenn sie  einer Einheit  des Zivilschutzes als Mitglieder angehö-
       ren.
       Sofern Sie  bereit sind, unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern im
       Falle der  Not freiwillig zu helfen, senden Sie bitte die beilie-
       gende Karte  ausgefüllt an  mich zurück.  Bedenken Sie bitte, daß
       auch Sie  selbst und  Ihre Angehörigen  möglicherweise einmal der
       Hilfe in unverschuldeter Not bedürfen.
       Zur Beantwortung  weiterer Fragen steht mein Amt für Zivilschutz,
       Bonn, Bachstraße  36, Zimmer 201, Rufnummer 3 09 43 81 zur Verfü-
       gung.
       Mit vorzüglicher Hochachtung
       gez. Dr. Eggert
       Bonn, im Mai 1966
       ...
       Der letzte Akt des tragikomischen New Yorker Luftschutzes
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       ...
       Lindsay ordnet  die Auflösung  des Amtes  wegen Unwirksamkeit und
       Überflüssigkeit an
       
       Von Paul L. Montgomery
       
       Sonderbericht der New York Times
       New York,  14. Februar. Während das Regenwasser von der Decke auf
       die  metallene   Oberfläche  eines   verstaubten   Aktenschrankes
       tropfte, suchte  der provisorische Direktor des New Yorker Stadt-
       amtes für zivilen Luftschutz seinen Weg durch den düsteren Keller
       seiner zentralen Befehlsstelle.
       Als er  am Ende des Kellergeschosses zu einem großen, hellen Raum
       kam, nahm  seine Stimme  einen Ton der Verwunderung an. "Das", so
       sagte Timothy  J. Cooney,  "ist ein  komplettes Unternehmen genau
       aus der Zeit der Luftschutzwarte."
       Der Raum  in dem umgebauten Häuserblock der Lexington Avenue, der
       von strengen  Sicherheitsmaßnahmen geschützt  ist, enthielt  eine
       glitzernde 1-Millionen-Dollar-Apparatur  von  datenverarbeitenden
       Maschinen. An der einen Wandseite standen Hunderte von Kästen für
       200 000 Lochkarten.
       Die Karteien  sind faktisch  totes Material. Die Karten enthalten
       die Namen,  Anschriften, Beschäftigungen und andere Daten von New
       Yorkern, die  irgendwann einmal  in den  letzten 15 Jahren gesagt
       haben, daß sie im Falle eines atomaren Notstandes als Hilfskräfte
       zur Verfügung  stehen würden. "Es gibt hier unten Leute, die tag-
       ein, tagaus  diese Karten  durch die  Maschinen  laufen  lassen",
       sagte Mr. Cooney mit der Miene eines Mannes, der das Leben in ir-
       gendeinem sagenhaften  Land  beschreibt.  "Und  das  Unglaubliche
       daran ist,  daß diese  Karteien faktisch totes Material sind. Wir
       wissen kaum,  ob diese Freiwilligen noch leben oder schon gestor-
       ben sind."
       Mr. Cooney,  36 Jahre alt und ehemaliger Assistent des Bürgermei-
       sters Robert F. Wagner, wurde vergangenen Monat von Bürgermeister
       John V.  Lindsay in  sein jetziges Amt berufen. Seine Aufgabe ist
       es, das  Amt, das die neue Stadtverwaltung als unnötig, unwirksam
       und unverhältnismäßig  kostspielig ansieht,  aufzulösen. Er sagte
       gestern, daß  er die  ersten vier Wochen in seinem Amt nur in den
       Begriffen des Tragikomischen beschreiben könne.
       Als er seine Arbeit aufnahm, stellte er fest, daß er sieben Autos
       mit sieben  Chauffeuren zu  seiner Verfügung  hatte. Jeder  Wagen
       steht in  Empfang- und Sende-Verbindung mit dem gesamtstaatlichen
       Luftschutz-Warnsystem. Die Autos, sagte er, parken in Seitenstra-
       ßen in  der Nähe  der Befehlszentrale, weil sich kein Garagenraum
       für sie fand.
       Erstaunt war  er, als  er erfuhr,  daß er in ständiger Radio- und
       Telefonverbindung mit  dem Hauptquartier  zu stehen  hat, weil es
       die Aufgabe  des Direktors  des Zivilen Luftschutzes ist, das Si-
       gnal zum  Ertönen der  Luftschutzsirenen  zu  geben,  sobald  der
       'Ballon hoch  geht' -  der Luftschutzausdruck  für einen atomaren
       Angriff.
       Mr. Cooneys zentraler Stab hat ein Durchschnittsalter von 65 Jah-
       ren, er besteht hauptsächlich aus pensionierten Armee-Offizieren,
       die sich gegenseitig als 'General' oder 'Oberst' oder ähnlich ti-
       tulieren, berichtete  er weiter. Ein Mann, der nicht beim Militär
       war, erhielt  einen Hauptmannstitel  bei der  Hilfspolizei, sagte
       Mr. Cooney, damit die anderen ihn mit einem Rang ansprechen konn-
       ten.
       Mr. Cooney,  der ein  Buch über Philosophie geschrieben und zuvor
       im Anti-Armutsprogramm  gearbeitet hatte,  war in  der peinlichen
       Situation, daß er es nur bis zum Unteroffizier bei den Fallschir-
       mjägern gebracht  hatte. Zuerst  nannte ihn sein Stab Herr Direk-
       tor, aber er bat, weniger förmlich zu sein.
       Das Amt  für zivilen  Luftschutz hatte im letzten Jahr ein Budget
       von 2,7  Millionen Dollar.  Davon zahlte  die Stadt 1,1 Millionen
       Dollar und die Bundesregierung ungefähr 1,6 Millionen. Es hat 205
       Angestellte, ein  achtstöckiges Hauptquartier  an  der  Ecke  55.
       Straße und  Lexington Avenue  und 5 regionale Befehlsstellen, die
       durchgehend 24 Stunden besetzt sind.
       Mr. Cooneys  Büro ist  im obersten  Stock des Gebäudes an der Le-
       xington Avenue.  Es ist  von einem Ende zum anderen mit Teppichen
       ausgelegt, besitzt  einen privaten  Duschraum, einen  Balkon  und
       einen 'heißen Draht', der ihn in Sekunden mit den Mikrophonen der
       Radiostationen der Stadt verbindet.
       Mr. Cooney  wird in  ungefähr drei  Wochen Bürgermeister  Lindsay
       seine Vorschläge  für die  Auflösung des Amtes machen. Er glaubt,
       daß dessen  meiste Funktionen  von der Polizei, der Feuerwehr und
       dem Gesundheitsamt übernommen werden können.
       (Entnommen der  "New York Times", internationale Ausgabe, vom 15.
       Februar 1966)
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