Quelle: Blätter 1966 Heft 09 (September)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Dr. Helmut Lindemann
       
       DAS NACHGEBORENE MILITÄR
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       ...
       Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers und des Verlages ver-
       öffentlichen wir im nachfolgenden das vierzehnte Kapitel aus Hel-
       mut Lindemanns neuem Buch "Das antiquierte Grundgesetz - Plädoyer
       für eine zeitgemäße Verfassung" (Christian Wegner Verlag, Hamburg
       1966, 286  Seiten, 19,80  DM), das zur diesjährigen Buchmesse er-
       scheint. Aktuelle Ereignisse bewogen uns zum Abdruck des Militär-
       kapitels, wenngleich  es den  eigentlichen Problemkern des Buches
       nur mittelbar  berührt. - Lindemann konzipiert verfassungspoliti-
       sche Leitlinien  für einen  Sozial- und  Bildungsstaat  mit  mehr
       Rechten und Pflichten für den einzelnen, mit Volksbegehren, Wahl-
       pflicht und  effektiver Gewaltenteilung-  einen  Staat,  der  die
       Freiheit aller Bürger "in möglichst gleichem Maße" festlegt, "und
       es liegt  auf der  Hand, daß dieser Vorgang zu Lasten derer gehen
       muß, die vorher auf Kosten anderer Mitbürger ein Übermaß an Frei-
       heit genossen  haben". Lindemann nennt seinen Verfassungs-Entwurf
       "für den  Staat von  morgen" eine  "realistische Utopie"  in  der
       "Nachfolge von  Thomas Morus". Weil die "demokratische Verspätung
       Deutschlands eine  Tatsache ist,  deren Bedeutung  man kaum über-
       schätzen kann",  will Lindemann  ein Verfassungsgerüst  vorlegen,
       das der  "Wirklichkeit des Atomzeitalters" gerecht werden und der
       "illusionären Träumerei  vom nationalen Machtstaat" ein Ende set-
       zen soll.  Dem zu  erwartenden Einwand, daß nicht das Grundgesetz
       von 1949  mit seinen rechtsstaatlichen, demokratischen, parlamen-
       tarischen, friedens-  und sozialstaatlichen Postulaten einer kon-
       tinuierlichen Entwicklung  zu Demokratie  und Friedenspolitik  im
       Wege stehe,  begegnet Lindemann  allerdings nicht ausführlich ge-
       nug. In  seinem geschichtlichen Abriß und in seiner Kritik an der
       Verfassungswirklichkeit der  Bundesrepublik kommt  der Autor zwar
       auf die  traditionell rückwärtsgewandten Kräfte zu sprechen, ohne
       sich jedoch  mit dem verhängnisvoll großen Einfluß ihrer modernen
       Repräsentanten und  den vor  allem daraus  resultierenden Verfas-
       sungsmanipulationen in  den vergangenen  siebzehn Jahren näher zu
       beschäftigen. Lindemann  nennt wohl  nicht zuletzt  auch  deshalb
       seine verfassungspolitischen  Vorschläge eine  "realistische Uto-
       pie". Sein  kühner Plan ließe sich nur durch eine Veränderung des
       politischen Kräfteparallelogramms  zugunsten derer verwirklichen,
       die zunächst  einmal die  innen- und  außenpolitischen Prinzipien
       der Verfassung  von 1949 zur Leitlinie der bundesdeutschen Innen-
       und Außenpolitik machen wollen. Die insgesamt bemerkenswerten An-
       regungen dürften  deshalb besonders  bei all denen Beachtung fin-
       den, die  die innenpolitische  Entwicklung in  der Bundesrepublik
       und deren  adäquaten außenpolitischen  Kurs mit Sorge betrachten.
       Wir werden  noch des öfteren auf Lindemanns Buch zurückkommen. D.
       Red.
       ...
       

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