Quelle: Blätter 1966 Heft 09 (September)


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       Historische Texte
       
       DIE SOWJETISCHEN PROTOKOLLE DER KONFERENZ VON TEHERAN (IV)
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       Zweite Sitzung der Konferenz der Oberhäupter der Regierungen
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       der UdSSR, der USA und Großbritanniens
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       Teheran, 29. November 1943
       Beginn der Sitzung: 16.00 Uhr
       Ende der Sitzung: 19.40 Uhr
       
       ROOSEVELT: Mir  ist nicht bekannt, was heute morgen auf der Bera-
       tung der  Militärvertreter 1)  besprochen wurde.  Deshalb schlage
       ich vor,  daß uns Marschall Woroschilow, General Brooke und Gene-
       ral Marshall über ihre Arbeit berichten.
       STALIN: Ich  bin einverstanden.  Aber die  Militärvertreter haben
       ihre Beratung anscheinend noch nicht beendet.
       CHURCHILL: Ich  halte es dennoch für nützlich, die Militärvertre-
       ter anzuhören.
       BROOKE: Unsere heutige Beratung ist noch nicht abgeschlossen. Wir
       haben in erster Linie die möglichen Kampfoperationen und ihre Be-
       ziehungen zueinander  behandelt. Wir  sprachen über die Operation
       "Overlord" und  alle sich  daraus ergebenden Folgen. Außerdem be-
       faßten wir  uns  mit  dem  bis  zur  Durchführung  der  Operation
       "Overlord" verbleibenden  Zeitraum. Wir berücksichtigten die Tat-
       sache, daß  wir bis zur Durchführung der Operation "Overlord" ak-
       tive Operationen  im Mittelmeer  unternehmen müssen, um die Deut-
       schen daran  zu hindern,  ihre Truppen an die sowjetisch-deutsche
       Front oder  nach Westen  zur Abwehr  der Operation  "Overlord" zu
       werfen. Wir  erwogen die  Möglichkeit, unsere Operationen in Ita-
       lien fortzusetzen,  wo wir  starke Kräfte  konzentriert haben und
       deutsche Divisionen  binden. Dann  wandten wir  uns der Frage des
       Ostens zu  und untersuchten,  ob der  Eintritt der  Türkei in den
       Krieg wünschenswert wäre und welche Folgen sich daraus sowohl für
       die Unterstützung  unserer Kriegführung und für die Eröffnung ei-
       nes  Seeweges  durch  die  Dardanellen  zur  Versorgung  der  So-
       wjetunion, als auch für den Zugang zum Balkan ergeben würden. Wir
       erwogen die  möglichen Operationen in Südfrankreich in Verbindung
       mit der  Operation "Overlord". Der Stabschef der britischen Luft-
       streitkräfte gab  einen Überblick  über die gegen Deutschland ge-
       richteten  Operationen  der  britisch-amerikanischen  Luftstreit-
       kräfte und erläuterte ihre Auswirkung auf den gesamten Kriegsver-
       lauf. General  Marshall gab  Zahlen über  die in  England konzen-
       trierten amerikanischen Kräfte bekannt und sprach über die Vorbe-
       reitungen, die die britischen Truppen treffen, um von der Vertei-
       digung zum  Angriff überzugehen.  Auch die  Frage  der  Operation
       "Overlord" wurde untersucht. Marschall Woroschilow stellte einige
       Fragen die zu beantworten wir uns bemühten. Dabei legte Marschall
       Woroschilow den  Standpunkt dar, den Marschall Stalin gestern auf
       der Beratung  zu den für das kommende Jahr vorgesehenen Operatio-
       nen geäußert hatte. Das wäre ungefähr alles, was wir heute morgen
       im Verlaufe unserer Sitzung besprechen konnten.
       Möchte vielleicht General Marshall meine Ausführungen noch ergän-
       zen?
       MARSHALL: Ich  habe den  Worten General  Brookes nur noch einiges
       hinzuzufügen. Die  Information General  Brookes war sehr ausführ-
       lich, Für  die Amerikaner  besteht das Problem nicht im Mangel an
       Truppen, sondern im Mangel an Transportraum, speziellen Landungs-
       mitteln und an Luftstützpunkten in der Nähe des Operationsraumes.
       Wenn ich  von Landungsmitteln  spreche, meine  ich spezielle Lan-
       dungsboote, von  denen ein jedes bis zu 40 Panzern oder Autos be-
       fördern kann. Gerade die Anzahl solcher Schiffe ist begrenzt. Die
       Beförderung amerikanischer  Truppen,  Ausrüstungen  und  Munition
       nach England  verläuft planmäßig.  Es sind  bereits eine  Million
       Tonnen Ausrüstungen  jeder Art  in England eingetroffen. Die Zahl
       der Landungsmittel  ist jedoch  nach wie  vor  begrenzt.  Deshalb
       wurde unser Plan für die Produktion von Landungsmitteln sowohl in
       den Vereinigten  Staaten als  auch in  England erweitert. Die be-
       schleunigte Produktion wird uns mehr Landungsmittel für die Inva-
       sion über  den Kanal  und für  die Operationen  im Mittelmeer zur
       Verfügung stellen.  Kurz gesagt,  die Vorbereitung  der Operation
       "Overlord" verläuft  planmäßig, da es uns ja nicht an Truppen und
       Versorgungsgütern mangelt.  Das Problem  besteht hauptsächlich im
       Mangel an Transportraum und in der Verteilung der Landungsmittel.
       Wie General  Brooke erläuterte, wurden aus Italien bereits einige
       Divisionen abgezogen.
       WOROSCHILOW:  Die   Informationen  General  Brookes  und  General
       Marshalls entsprechen unserer Unterredung von heute morgen. Meine
       Fragen betrafen die Präzisierung der technischen Vorbereitung für
       die Operation  "Overlord". Sie wurden so beantwortet, wie General
       Marshall soeben  ausführte.  Genaue  Termine  für  die  Operation
       "Overlord" und  alle damit zusammenhängenden Einzelheiten festzu-
       legen, haben  wir nicht versucht; denn wir waren der Meinung, daß
       man diese  Fragen auf unserer nächsten Beratung, falls sie statt-
       finden sollte, berücksichtigen könne.
       STALIN: Wenn  es erlaubt  ist, möchte ich um die Beantwortung der
       Frage bitten, wer die Operation "Overlord" befehligen wird.
       ROOSEVELT: Diese Frage ist noch nicht entschieden.
       STALIN: Dann wird aus der Operation "Overlord" nichts werden. Wer
       trägt denn  die moralische und militärische Verantwortung für die
       Vorbereitung und  die Durchführung der Operation "Overlord"? Wenn
       das nicht  bekannt ist,  ist die  Operation  "Overlord"  nur  Ge-
       schwätz.
       ROOSEVELT: Für  die Vorbereitung der Operation "Overlord" ist der
       englische General Morgan verantwortlich.
       STALIN: Und  wer trägt die Verantwortung für die Durchführung der
       Operation "Overlord"?
       ROOSEVELT: Wir kennen alle, die an der Durchführung dieser Opera-
       tion teilnehmen werden, mit Ausnahme des Oberbefehlshabers.
       STALIN: Es  kann also eintreten, daß General Morgan die Vorberei-
       tung der Operation für abgeschlossen hält, während der Befehlsha-
       ber, der  die Durchführung  dieser Operation zu verantworten hat,
       nach seiner  Ernennung dessen Meinung nicht teilt. Für die Vorbe-
       reitung und  die Durchführung  dieser Operation muß ein Mann ver-
       antwortlich sein.
       CHURCHILL: Die  vorher erforderlichen Vorbereitungen wurden Gene-
       ral Morgan übertragen.
       STALIN: Wer hat sie General Morgan übertragen?
       CHURCHILL: General  Morgan erhielt  vor einigen  Monaten von  dem
       Vereinigten Britisch-Amerikanischen  Stab  unter  Zustimmung  des
       Präsidenten und  mit meiner Einwilligung diesen Auftrag. Er wurde
       beauftragt, gemeinsam  mit dem  amerikanischen und dem britischen
       Stab die Operation "Overlord" vorzubereiten. Der Oberbefehlshaber
       wurde jedoch noch nicht ernannt. Die britische Regierung erklärte
       sich bereit,  ihre Kräfte dem Kommando eines amerikanischen Ober-
       befehlshabers für  die Operation  "Overlord" zu  unterstellen, da
       die Vereinigten  Staaten die  Verantwortung für die Konzentration
       und Ergänzung  der Truppen  tragen und  die Anzahl  ihrer Truppen
       überwiegt. Andererseits schlug die britische Regierung vor, einen
       britischen Oberbefehlshaber für die Operationen im Mittelmeerraum
       zu benennen,  weil hier  die englischen  Truppen überwiegen.  Die
       Frage der  Ernennung des  Oberbefehlshabers kann man auf einer so
       ausgedehnten Besprechung  wie  der  heutigen  nicht  entscheiden.
       Diese Frage  müssen die drei Regierungsoberhäupter allein, im en-
       gen Kreis lösen. Wie mir der Präsident soeben gesagt hat, und ich
       unterstützte das,  wird die  Ernennung des  Oberbefehlshabers von
       den Verhandlungen abhängen, die wir hier führen.
       STALIN: Ich  möchte richtig  verstanden werden.  Die Russen bean-
       spruchen nicht,  an der Ernennung des Oberbefehlshabers teilzuha-
       ben, sie  möchten jedoch  wissen, wer Oberbefehlshaber sein wird.
       Die Russen wünschen, daß er möglichst schnell ernannt werden möge
       und sowohl für die Vorbereitung als auch für die Durchführung der
       Operation "Overlord" verantwortlich sein wird.
       CHURCHILL: Wir  stimmen dem, was Marschall Stalin sagte, voll und
       ganz zu.  Und ich glaube, der Präsident wird meiner Meinung sein,
       daß wir  den Oberbefehlshaber  in zwei Wochen ernennen und seinen
       Namen bekanntgeben  werden. Auch die Ernennung des Oberbefehlsha-
       bers ist Aufgabe der Konferenz.
       STALIN: Zu  den Ausführungen Brookes und Marshalls habe ich keine
       Fragen.
       CHURCHILL: Die  Anzahl und  die Kompliziertheit der Probleme, die
       vor uns  stehen, beunruhigen  mich ein  wenig. Diese Beratung ist
       einzig in  ihrer Art.  Millionen Menschen  setzen ihre Hoffnungen
       und richten  ihre Blicke  auf diese  Konferenz, und  ich  wünsche
       sehr, daß wir nicht eher auseinandergehen werden, bevor wir nicht
       in den  uns zur Lösung übertragenen politischen und militärischen
       Fragen Übereinstimmung erzielt haben. Heute möchte ich auf einige
       Punkte verweisen,  die in der Unterkommission geprüft werden müs-
       sen. Der britische Stab und ich haben uns lange Zeit mit der Lage
       im Mittelmeer  befaßt, wo  wir eine  bedeutende Armee stationiert
       haben. Wir  wollen, daß diese Armee während des ganzen Jahres ak-
       tiv kämpft  und nicht durch irgendwelche Faktoren zur Untätigkeit
       gezwungen wird. Deshalb bitten wir unsere russischen Verbündeten,
       dieses gesamte Problem und die verschiedenen Alternativen zu prü-
       fen, die  wir ihnen  hinsichtlich des besten Einsatzes unserer im
       Mittelmeer stationierten  Truppen vorschlagen  werden. Es handelt
       sich um  drei Fragen,  die im einzelnen untersucht werden müssen.
       Die erste dieser Fragen besteht natürlich darin, wie man die Ope-
       ration "Overlord" unter Einsatz der im Mittelmeerraum stationier-
       ten Kräfte  unterstützten kann.  Gemeint ist,  welchen Umfang die
       Operationen in Südfrankreich annehmen sollen, die von Norditalien
       aus geplant sind. Darüber habe ich mich gestern mit dem Präsiden-
       ten unterhalten.  Ich glaube  nicht, daß  diese Frage erschöpfend
       genug behandelt  wurde, um eine endgültige Entscheidung herbeizu-
       führen. Ich  würde eine  Prüfung dieser  Frage durch unsere Stäbe
       vom Standpunkt  ihrer Dringlichkeit begrüßen. In diesem Zusammen-
       hang hat  Marschall Stalin die Wichtigkeit der Umgehungsoperation
       in Südfrankreich  mit Recht  betont. Der Zeitpunkt ist von Bedeu-
       tung. Wenn  man an  einer Stelle Operationen mit geringen Kräften
       unternimmt, an  anderer Stelle  jedoch Operationen  mit stärkeren
       Kräften, so  werden die  ersteren zum  Scheitern verurteilt sein.
       Unsere Stäbe  müssen Operationen  in größerem Rahmen erwägen. Ich
       wünsche mir  nur eine  ausreichende Anzahl von Landungsmitteln im
       Mittelmeer, um  zwei Divisionen befördern zu können. Mit zwei Di-
       visionen könnten wir eine Operation zur Unterstützung der entlang
       der Halbinsel  Italien vorrückenden britisch-amerikanischen Trup-
       pen unternehmen,  um die  dort befindlichen Kräfte des Gegners zu
       vernichten. Es  gibt noch  eine zweite  Möglichkeit, diese Kräfte
       einzusetzen. Sie  würden zur  Besetzung der  Insel Rhodos ausrei-
       chen, falls die Türkei in den Krieg eintreten würde. Drittens ist
       die Möglichkeit  gegeben, diese  Kräfte, nach Abzug der Verluste,
       in sechs  Monaten zur  Unterstützung der  Operation "Overlord" in
       Südfrankreich einzusetzen.  Keine dieser Möglichkeiten ist ausge-
       schlossen. Wichtig ist jedoch die Frage des Zeitpunktes. Der Ein-
       satz dieser  beiden Divisionen,  ganz gleich, für welche der drei
       von mir  genannten Operationen  im Mittelmeerraum  sie Verwendung
       finden werden, muß eine Verzögerung der Operation "Overlord" oder
       den Abzug eines Teiles der Landungsmittel aus dem Bereich des In-
       dischen Ozeans  zur Folge  haben. Darin besteht unser Dilemma. Um
       uns für einen Weg zu entscheiden, möchten wir den Standpunkt Mar-
       schall Stalins zur allgemeinen strategischen Lage hören, denn die
       Kriegserfahrungen unserer russischen Verbündeten versetzen uns in
       Begeisterung, Ich würde vorschlagen, daß unsere Militärkommission
       die Prüfung meiner Fragen morgen fortsetzt.
       Das nächste Problem, zu dem ich sprechen möchte, trägt eher poli-
       tischen als militärischen Charakter, da die militärischen Kräfte,
       die wir  für seine  Lösung aufzubieten gedenken, unbedeutend sein
       werden. Es  handelt sich  um den Balkan. Auf dem Balkan stehen 21
       deutsche Divisionen,  nicht gerechnet  die Garnisonstruppen.  Von
       den 21  Divisionen haben  die Deutschen 54 000 Mann auf den Agäi-
       schen Inseln konzentriert. Außerdem befinden sich noch mindestens
       12 bulgarische  Divisionen auf dem Balkan. Insgesamt verfügt also
       der Gegner auf dem Balkan über 42 Divisionen. Falls die Türkei in
       den Krieg  eintreten würde,  müßten die  Bulgaren ihre Truppen an
       die Front  nach Thrakien  gegen die  Türkei werfen. Das würde die
       Gefahr für  die deutschen  Divisionen auf dem Balkan erhöhen. Ich
       habe diese  Zahlen angeführt,  um die große Bedeutung dieses Fak-
       tors auf  dem Balkan zu zeigen; denn wir beabsichtigen nicht, un-
       sere regulären  Divisionen dorthin  zu schicken.  Wir wollen  uns
       dort nur auf Angriffe kombinierter Truppen beschränken. Wir haben
       weder Interesse  am Balkan noch ehrgeizige Bestrebungen. Wir wol-
       len lediglich  die 21  deutschen Divisionen auf dem Balkan binden
       und nach Möglichkeit vernichten. Deshalb schlage ich vor, daß die
       beiden Außenminister  und der  vom Präsidenten ernannte Vertreter
       zur Erörterung der politischen Seite dieser Frage heute zusammen-
       kommen. Wir  sind bestrebt,  mit unseren  russischen  Verbündeten
       Hand in  Hand zu  arbeiten. Sollten sich Schwierigkeiten ergeben,
       dann wird man sie im engen Kreis klären können. Die militärischen
       Fragen können später erörtert werden.
       Ich komme  jetzt zur  nächsten Frage  - zur Türkei. Wir Engländer
       sind Verbündete  der Türkei. Wir haben die Verantwortung übernom-
       men, die  Türkei bis  Weihnachten zum  Kriegseintritt zu bewegen.
       Wünscht der Präsident, sich uns anzuschließen, oder möchte er die
       führende Rolle übernehmen, werden wir einverstanden sein. Zur Re-
       alisierung des  auf der  Moskauer Konferenz  gefaßten Beschlusses
       brauchen wir jedoch die volle Unterstützung Marschall Stalins. Im
       Namen der  britischen Regierung kann ich erklären, daß sie bereit
       ist, die  Türkei zu  warnen, den  Vorschlag über ihren Kriegsein-
       tritt nicht anzunehmen, weil das ernsthafte politische Folgen für
       sie haben  und sich auf ihre Rechte hinsichtlich des Bosporus und
       der Dardanellen  auswirken könnte. Heute morgen hat die aus unse-
       ren Generälen bestehende Militärkommission die militärische Seite
       des türkischen  Problems behandelt,  das eher ein politisches als
       ein militärisches  Problem ist.  Wir gedenken, bei Kriegseintritt
       der Türkei nicht mehr als zwei bis drei Divisionen für die Opera-
       tion im  türkischen Gebiet  bereitzustellen,  abgesehen  von  den
       Luftstreitkräften, die außerdem daran teilnehmen werden.
       Ich habe  einige Fragen  gestellt, die  hauptsächlich politischen
       Charakter tragen. Zum Beispiel die Frage: Wie steht die Sowjetre-
       gierung zu  Bulgarien, ist sie geneigt, Bulgarien als ihren Feind
       zu betrachten,  falls die  Türkei Deutschland  den Krieg erklären
       und Bulgarien  in die  Türkei einfallen  würde?  Das  würde  eine
       starke Wirkung  auf Bulgarien  haben. Es gibt noch andere politi-
       sche Fragen.  Ich schlage  vor, daß  die beiden Außenminister und
       der vom Präsidenten ernannte Vertreter diese Frage prüfen und uns
       die Antwort  übermitteln, wie  man die  Türkei zum Kriegseintritt
       veranlassen könnte  und welche Folgen sich daraus ergeben würden.
       Diese Folgen  werden meiner  Meinung nach  ungeheuer und die Mög-
       lichkeiten entscheidend  sein. Erklärt die Türkei Deutschland den
       Krieg, ist  das als ein gewaltiger Schlag gegen das deutsche Volk
       zu werten. Wenn wir es dann verstehen werden, diesen Faktor rich-
       tig auszunutzen,  wird  die  Neutralisierung  Bulgariens  perfekt
       sein. Was  die anderen  Balkanländer angeht,  so  sucht  Rumänien
       schon jetzt  ein Land,  vor dem es kapitulieren könnte. In Ungarn
       herrscht ebenfalls  Verwirrung. Für  uns ist  es Zeit, zu ernten.
       Wir müssen  jetzt den  Preis für diese Ernte zahlen, falls wir es
       für zweckmäßig  erachten. Ich  schlage vor,  daß diese Fragen von
       den drei  Vertretern unserer  Länder erörtert  werden. Sie können
       uns nach erfolgter Prüfung sagen, was zur Entlastung Rußlands und
       zur Sicherung des Erfolges der Operation "Overlord" zu tun ist.
       STALIN: Was  die beiden Divisionen anbetrifft, die Herr Churchill
       zur Unterstützung  der Türkei  und der Partisanen einsetzen will,
       gibt es  bei uns keine Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage.
       Die Bewilligung  der beiden  Divisionen und die Unterstützung der
       Partisanen sind  nach unserer Meinung sehr wichtig. Wenn wir hier
       jedoch militärische  Probleme behandeln  wollen, halten  wir  die
       Operation "Overlord" für die wichtigste und entscheidende Frage.
       Mein Wunsch  geht dahin, daß der Militärkommission eine bestimmte
       Aufgabe übertragen  wird. Ich  schlage deshalb  vor, ihr ganz be-
       stimmte Direktiven zu geben, in deren Rahmen sie arbeiten könnte.
       Natürlich benötigen  die Russen  Unterstützung. Ich möchte erklä-
       ren, daß  wir, was  unsere Unterstützung  anbetrifft,  von  denen
       Hilfe erwarten,  die verpflichtet  sind, vorgesehene  Operationen
       durchzuführen. Und wir hoffen auf wirkliche Unterstützung.
       Wie sollen nun die Direktiven für die Militärkommission aussehen?
       Sie müssen  solche Bedingungen  vorsehen, daß  der Zeitpunkt  der
       Operation "Overlord" nicht hinausgeschoben wird und der Monat Mai
       als äußerster  Termin für  die Durchführung  dieser Operation ge-
       wahrt bleibt.  Die zweite  Direktive muß,  dem Wunsche der Russen
       entsprechend, die  Unterstützung der  Operation "Overlord"  durch
       eine Landung  in Südfrankreich  vorsehen. Sollte es nicht möglich
       sein, zwei  bis drei  Monate vor  Beginn der Operation "Overlord"
       Truppen in  Südfrankreich zu  landen, dann  müßte  es  vielleicht
       gleichzeitig mit der Operation "Overlord" geschehen. Falls Trans-
       portschwierigkeiten eine  Landung in  Südfrankreich zur  Zeit der
       Operation "Overlord" nicht zulassen sollten, müßte man diese Ope-
       ration in  Südfrankreich einige  Zeit nach  Beginn der  Operation
       "Overlord" durchführen.  Ich bin  der Meinung, daß die Landung in
       Südfrankreich  eine   Hilfsoperation  für  "Overlord"  darstellen
       würde. Diese  Operation würde den Erfolg "Overlords" garantieren,
       während die  Operation zur  Einnahme Roms  ein  Ablenkungsmanöver
       wäre. Die  dritte Direktive  würde der  Kommission  vorschreiben,
       schnellstens den Oberbefehlshaber für die Operation "Overlord" zu
       ernennen. Es  wäre besser,  diese Fragen während unseres jetzigen
       Aufenthaltes in  Teheran zu  lösen. Ich  sehe auch  keinen Grund,
       weshalb das nicht möglich sein sollte. Solange der Oberbefehlsha-
       ber nicht  ernannt ist, verspricht die Operation "Overlord" unse-
       rer Meinung  nach keinen Erfolg. Die Ernennung des Oberbefehlsha-
       bers ist  Aufgabe der  Engländer und  Amerikaner. Aber wir Russen
       möchten wissen,  wer es  sein wird. Das wären die drei Direktiven
       für die  Militärkommission. Wenn  die Kommission im Rahmen dieser
       Direktiven arbeiten  würde, könnte ihre Arbeit von Erfolg gekrönt
       sein und schneller abgeschlossen werden. Ich bitte die Konferenz,
       diese meine Erwägungen zu berücksichtigen.
       ROOSEVELT: Es war für mich interessant zu hören, was hier, begin-
       nend mit  der Operation  "Overlord" bis zur Frage der Türkei, ge-
       sagt wurde.  Ich messe  den Terminen  große Bedeutung  bei. Falls
       über die Operation "Overlord" Einstimmigkeit herrscht, müssen wir
       uns über den Termin dieser Operation einigen.
       Man könnte  die Operation  "Overlord" in der ersten Maiwoche oder
       etwas  später   durchführen.  Eine   Verzögerung  der   Operation
       "Overlord" würde eintreten, wenn wir ein oder zwei Operationen im
       Mittelmeer durchführen  würden, bei  denen wir Landungsmittel und
       Flugzeuge einsetzen  müßten. Sollte  eine Expedition im östlichen
       Teil des Mittelmeeres stattfinden und erfolglos verlaufen, müßten
       wir zusätzliche  Versorgungsgüter und  Truppen dorthin  schicken.
       Dann könnten  wir mit  der Operation "Overlord" nicht zum festge-
       setzten Termin beginnen.
       STALIN: Die  Deutschen haben  acht Divisionen  gegen  Jugoslawien
       eingesetzt, von  denen fünf  in Griechenland stehen. In Bulgarien
       befinden sich  drei bis  vier deutsche  Divisionen und in Italien
       neun.
       CHURCHILL: Unsere Zahlen unterscheiden sich von diesen Angaben.
       STALIN: Ihre  Zahlen stimmen  nicht. In  Frankreich verfügen  die
       Deutschen über 25 Divisionen.
       ROOSEVELT: Unsere  Stäbe müssen  Pläne zur  Bindung der deutschen
       Truppen auf  dem Balkan ausarbeiten. Diese Pläne müssen so ausse-
       hen, daß  die Operationen,  die wir  zu diesem  Zweck unternehmen
       werden, der Operation "Overlord" nicht schaden.
       STALIN: Richtig.
       CHURCHILL: Als  ich von  den Maßnahmen  gegen den  Balkan sprach,
       meinte ich nicht den Einsatz starker Kräfte für diese Zwecke.
       STALIN: Es  wäre gut, könnte die Operation "Overlord" im Mai, sa-
       gen wir am 10., 15. oder 20. Mai durchgeführt werden.
       CHURCHILL: Diese Verpflichtung kann ich nicht eingehen.
       STALIN: Sollte  die Operation "Overlord" erst im August stattfin-
       den, wie Churchill gestern bemerkte, wird sie infolge des in die-
       ser Zeit  herrschenden ungünstigen  Wetters  scheitern.  Die  ge-
       eignetsten Monate für "Overlord" wären April und Mai.
       CHURCHILL: Offenbar gehen unsere Ansichten gar nicht so sehr aus-
       einander, wie es scheinen mag. Ich bin bereit, alles in der Macht
       der britischen  Regierung  Stehende  zu  tun,  um  die  Operation
       "Overlord" möglichst  bald durchführen  zu können. Ich glaube je-
       doch nicht,  daß man  die vielen  Möglichkeiten im  Mittelmeer so
       völlig ungenutzt verstreichen lassen sollte, als hätten sie keine
       Bedeutung, nur  weil ihre Wahrnehmung die Realisierung der Opera-
       tion "Overlord" zwei bis drei Monate hinauszögern würde.
       STALIN:  Die  Operationen  im  Mittelmeer,  von  denen  Churchill
       sprach. sind  nur Ablenkungsmanöver.  Ich negiere  die  Bedeutung
       dieser Angriffe keinesfalls.
       CHURCHILL: Die  zahlenmäßig starken britischen Truppen dürfen un-
       serer Meinung nach nicht sechs Monate lang untätig sein. Sie müs-
       sen gegen den Feind eingesetzt werden. Mit Unterstützung der ame-
       rikanischen Verbündeten  hoffen wir,  die deutschen Divisionen in
       Italien zu  vernichten. Wir können in Italien nicht länger abwar-
       ten. Das  würde unseren ganzen Feldzug zum Scheitern verurteilen.
       Wir müssen unseren russischen Freunden zu Hilfe kommen.
       STALIN: Nach Churchills Worten zu urteilen, würden die Russen von
       den Engländern fordern, untätig zu sein.
       CHURCHILL: Schiffe  aus dem  Mittelmeerraum abzuziehen hieße, den
       Umfang der  Operationen in diesem Bereich erheblich einschränken.
       Marschall Stalin  erinnert daran,  daß auf der Moskauer Konferenz
       Voraussetzungen festgelegt  wurden,  unter  denen  die  Operation
       "Overlord" gelingen  könnte. Diese  Voraussetzungen ziehen in Be-
       tracht, daß  sich bei  Beginn der  Invasion höchstens 12 deutsche
       bewegliche Divisionen  in Frankreich  befinden und  die Deutschen
       innerhalb von 60 Tagen nicht in der Lage sein werden, mehr als 15
       Divisionen zur  Auffüllung ihrer  Truppen nach Frankreich zu wer-
       fen. Hier  liegt kein Fehler vor, denn diese Voraussetzungen sind
       die Grundlage, auf der die Operation "Overlord" basiert. Wir müs-
       sen in  Italien, auf  dem Balkan  und in der Türkei, falls sie in
       den Krieg  eintritt, soviel  deutsche Divisionen  wie nur möglich
       binden. An  der italienischen Front stehen uns aus Frankreich ab-
       gezogene deutsche Divisionen gegenüber. Sind wir an der italieni-
       schen Front  passiv, können  die Deutschen ihre Divisionen wieder
       nach Frankreich bringen. Das würde der Operation "Overlord" scha-
       den. Um  hier eine  genügende Anzahl deutscher Divisionen zu bin-
       den, müssen  wir den Gegner in Kämpfe verwickeln und unsere Front
       in Italien in einem aktiven Zustand halten.
       Was die  Türkei betrifft,  bestehe auch  ich auf ihrem Kriegsein-
       tritt. Wenn  sie nicht  einwilligen wird,  ist nichts  zu machen.
       Sollte sie  aber einverstanden  sein, werden  wir die  türkischen
       Luftstützpunkte in Anatolien benutzen und die Insel Rhodos beset-
       zen. Für  diese Operation würde eine Angriffsdivision ausreichen.
       Später können wir die Garnison auf der Insel belassen. Sobald wir
       Rhodos besetzt  und die  türkischen Stützpunkte  erhalten  haben,
       können wir  die deutschen  Garnisonen von  den anderen Inseln des
       Agäischen Meeres  vertreiben und den Seeweg durch die Dardanellen
       freimachen. Diese  Operation wird  begrenzt sein,  und  sie  wird
       keine große Anzahl von Truppen erfordern. Falls die Türkei in den
       Krieg eintreten  und die Insel Rhodos von uns besetzt würde, wäre
       unsere Überlegenheit  in diesem  Raum gesichert.  Alle Inseln  im
       Agäischen Meer  würden von  nun an  uns gehören. Tritt die Türkei
       jedoch nicht  in den  Krieg ein, soll uns das nicht traurig stim-
       men. Ich  werde dann  nicht um die Bereitstellung von Truppen zur
       Eroberung der  Insel Rhodos und der anderen im Agäischen Meer ge-
       legenen Inseln  nachsuchen. Allerdings würde das auch Deutschland
       keinen Kummer  bereiten, denn es könnte diesen Raum weiterhin be-
       herrschen. Bei  Kriegseintritt der Türkei könnten unsere zur Ver-
       teidigung in  Ägypten stationierten  Truppen und Luftstreitkräfte
       vorgeschoben werden.  Nach der  Eroberung  der  Agäischen  Inseln
       könnten wir  die erwähnten  Kräfte im  Raum nördlich  von Ägypten
       einsetzen. Ich schlage vor, diese Frage gründlich zu untersuchen.
       Die eventuelle  Weigerung der  Türkei, in  den Krieg einzutreten,
       wäre für  uns ein  Nachteil, da  Deutschland nach wie vor Herr in
       diesem Raume  sein würde. Ich wünsche, daß wir bei Kriegseintritt
       der Türkei so schnell wie möglich die untätigen Truppen und Flug-
       zeuge, die in Ägypten stehen, einsetzen. Es hängt natürlich alles
       von den  Landungsmitteln ab. Schwierigkeiten ergeben sich bei der
       Beförderung der  Truppen übers  Meer. Ich  bin jederzeit  bereit,
       alle Einzelheiten  mit den Alliierten zu erwägen. Ausschlaggebend
       ist jedoch die Anzahl der Landungsmittel. Wenn die Landungsmittel
       zum Schaden  der Operation "Overlord" im Mittelmeer oder im Indi-
       schen Ozean  verbleiben, ist  der Erfolg der Operation "Overlord"
       und der  Operation in  Südfrankreich in  Frage gestellt.  Für die
       Operation in  Südfrankreich werden  wir eine  größere Anzahl  von
       Landungsmitteln benötigen. Ich bitte, das zu berücksichtigen.
       Schließlich halte  ich es  für annehmbar  und stimme im Namen der
       britischen Regierung  zu, Direktiven  für  die  Militärkommission
       auszuarbeiten. Ich  schlage vor, daß wir gemeinsam mit den Ameri-
       kanern eigene  Vorschläge über die Direktiven der Kommission auf-
       stellen. Ich  glaube. unsere  Ansichten dürften mehr oder weniger
       übereinstimmen.
       STALIN: Wie lange wollen wir in Teheran bleiben?
       CHURCHILL: Ich bin bereit, nicht zu essen, solange die Direktiven
       nicht vorliegen werden.
       STALIN: Ich meine, wann wir unsere Konferenz zu beenden gedenken.
       ROOSEVELT: Solange  Marschall Stalin  in Teheran sein wird, werde
       auch ich bleiben.
       CHURCHILL: Wenn  es notwendig  wäre, würde  ich immer  in Teheran
       bleiben.
       STALIN: Ich möchte gern erfahren, wieviel französische Divisionen
       es zur Zeit gibt?
       ROOSEVELT: Es sollen elf französische Divisionen ausgerüstet wer-
       den. Davon  wurden gegenwärtig  erst fünf  aufgestellt,  aber  in
       Kürze werden vier weitere folgen.
       STALIN: Befinden  sich diese  französischen Divisionen im Einsatz
       oder nicht?
       ROOSEVELT: Eine Division kämpft in Italien, eine oder zwei befin-
       den sich auf Korsika und Sardinien.
       STALIN: Wie  gedenkt das Kommando, diese französischen Divisionen
       einzusetzen?
       MARSHALL: Das  französische Korps soll in die fünfte Armee einge-
       gliedert werden, die an der linken Flanke in Italien kämpft. Eine
       Division wird  gegenwärtig an die italienische Front gebracht, wo
       sie ihre  Feuertaufe erhalten  wird. Die Frage des zweckmäßigsten
       Einsatzes der  französischen Divisionen wird später gelöst werden
       Von der  für die Ausbildung dieser Divisionen erforderlichen Zeit
       wird es abhängen, wann die vier weiteren französischen Divisionen
       ausgerüstet sein werden.
       STALIN: Handelt es sich hier um Divisionen nach französischem Mu-
       ster?
       MARSHALL: Es  sind Divisionen nach amerikanischem Muster, sie be-
       stehen aus  je 15000  Mann. Die  Mehrheit der Soldaten sind keine
       Franzosen. Die  Mannschaften  der  Panzerdivisionen  bestehen  zu
       Dreivierteln aus Franzosen, der Rest sind Afrikaner.
       ROOSEVELT: Ich  möchte einige  Worte sagen. Wenn wir drei unserer
       Militärkommission Direktiven  erteilen, müßte sie nach meinem Da-
       fürhalten alle Fragen erörtern können.
       STALIN: Eine  Militärkommission ist  nicht notwendig.  Wir können
       alle Fragen  hier auf  der Konferenz  lösen. Notwendig  ist,  die
       Frage des  Zeitpunktes, des  Oberbefehlshabers und der Notwendig-
       keit einer  Hilfsoperation in  Südfrankreich zu  klären. Für  uns
       Russen ist  die Zeit  des Aufenthaltes  in Teheran  begrenzt. Wir
       könnten bis zum 1. Dezember hierbleiben, müßten aber am 2. Dezem-
       ber abreisen.  Der Präsident  wird sich erinnern, daß wir uns auf
       drei bis vier Tage geeinigt hatten.
       ROOSEVELT: Ich  glaube, daß  mein Vorschlag die Arbeit des Stabes
       vereinfachen wird.  Die Militärkommission  sollte  die  Operation
       "Overlord" zur  Grundlage nehmen.  Sie müßte  ihre Vorschläge für
       die Hilfsoperationen  im Mittelmeer unterbreiten und dabei beach-
       ten,  daß   diese  Operationen  die  Durchführung  der  Operation
       "Overlord" hinauszögern könnten.
       STALIN: Die  Russen möchten  den Termin für den Beginn der Opera-
       tion "Overlord"  erfahren, um  ihren Schlag  gegen die  Deutschen
       vorbereiten zu können.
       ROOSEVELT: Der Zeitpunkt für die Operation "Overlord" ist in Que-
       bec 2)  festgelegt worden. Nur sehr wesentliche Veränderungen der
       Situation würden  eine Veränderung  des festgelegten  Termins für
       diese Operation rechtfertigen.
       CHURCHILL: Ich  habe soeben die Direktiven zur Kenntnis genommen,
       die auf Vorschlag des Präsidenten der Kommission übergeben werden
       sollen. Diesen  Vorschlag des  Präsidenten bitte ich, durchdenken
       zu dürfen. Obwohl ich keine prinzipiellen Meinungsverschiedenhei-
       ten in  dieser Frage sehe, möchte ich doch den Vorschlag des Prä-
       sidenten in  Ruhe erwägen. Ich freue mich sehr, bis zum 1. Dezem-
       ber in  Teheran sein zu dürfen und am 2. Dezember abzureisen. Mir
       ist jedoch nicht klar, ob der Präsident vorschlägt, eine Militär-
       kommission zu  bilden, oder  ob er  sie nicht für notwendig hält.
       Denn Marschall Stalin hat beantragt, ohne Kommission auszukommen.
       Ich persönlich wäre für diese Kommission.
       Zur Festlegung  des Termins  für die  Operation "Overlord" möchte
       ich sagen: Sollte entschieden werden, die strategischen Fragen in
       der Militärkommission zu untersuchen...
       STALIN: Wir fordern keine Untersuchung.
       ROOSEVELT: Wir  wissen alle,  daß zwischen uns und den Engländern
       keine großen  Meinungsverschiedenheiten bestehen.  Ich bin  gegen
       eine Verzögerung der Operation "Overlord", während Herr Churchill
       mehr die Wichtigkeit der Operationen im Mittelmeer hervorhebt. In
       diesen Fragen dürfte sich die Militärkommission auskennen.
       STALIN: Wir  können diese Fragen selbst entscheiden, denn wir be-
       sitzen mehr  Rechte als  die Militärkommission. Wenn ich eine un-
       vorsichtige Frage  stellen dürfte,  dann möchte  ich gern von den
       Engländern erfahren,  ob sie  an die Operation "Overlord" glauben
       oder nur davon reden, um die Russen zu beruhigen.
       CHURCHILL: Sobald  die auf  der Moskauer  Konferenz  festgelegten
       Voraussetzungen gegeben  sind, werden wir uns, davon bin ich fest
       überzeugt, bei  Beginn der Operation "Overlord" verpflichtet füh-
       len, alle nur möglichen Kräfte gegen die Deutschen einzusetzen.
       ROOSEVELT: Wir verspüren bereits großen Hunger. Deshalb würde ich
       vorschlagen, unsere  Sitzung zu  unterbrechen, um  an  dem  Essen
       teilzunehmen, das Marschall Stalin uns zu Ehren gibt. Ich schlage
       vor, daß unsere Militärkommission ihre Beratung morgen früh fort-
       setzt.
       STALIN: Die  Beratung der  Militärkommission ist nicht notwendig.
       Sie ist nutzlos. Nicht die Beratung der Militärfachleute kann un-
       sere Arbeit beschleunigen, sondern nur wir selbst.
       CHURCHILL: Wäre es nicht besser, wenn wir, der Präsident und ich,
       unsere Standpunkte  miteinander abstimmen  und Ihnen dann unseren
       gemeinsamen Standpunkt mitteilen würden?
       STALIN: Das würde unsere Arbeit beschleunigen.
       CHURCHILL: Und  wie verbleiben  wir mit  der Kommission, die sich
       aus Hopkins und den beiden Außenministern zusammensetzen soll?
       STALIN: Auch  diese Kommission brauchen wir nicht. Wenn aber Herr
       Churchill darauf bestehen sollte, sind wir mit ihrer Bildung ein-
       verstanden.
       ROOSEVELT: Morgen  könnten Hopkins,  Molotow und Eden während des
       Frühstücks eine Unterredung haben.
       STALIN: Wie  wird unsere morgige Arbeit aussehen? Werden die Vor-
       schläge Churchills und Roosevelts fertig vorliegen?
       ROOSEVELT: Die Vorschläge werden fertig sein, und ich möchte vor-
       schlagen, daß  ich, Churchill und Marschall Stalin morgen um halb
       zwei das Frühstück einnehmen und alle Fragen diskutieren werden.
       CHURCHILL: Das wäre also unser Programm für morgen.
       STALIN: Einverstanden.
       
       _____
       1) Zu den  Besprechungen der  Militärvertreter vgl. die Aufzeich-
       nungen in "Blätter", Heft 7/1966, S. 649 ff.
       2) In Quebec  (Kanada) berieten  Roosevelt und  Churchill vom 14.
       bis 24. August 1943 die militärische Lage.
       

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