Quelle: Blätter 1966 Heft 10 (Oktober)


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       DVD,  die mehr als 9000 Beiträge von 1956-1989  enthält oder auf
       der aktuellen "Blätter"-CD, welche die  Beiträge ab 1990 enthält
       und beim gleichnamigen Verlag bezogen werden kann. Näheres siehe
       unter www.blaetter.de.
       
       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Eberhard Czichon
       
       WER VERHALF HITLER ZUR MACHT?
       =============================
       Zur politischen Funktion des Keppler-Kreises
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       innerhalb der deutschen Industrie im Jahre 1932
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       ...
       Mit dem folgenden Beitrag stellen wir einen jungen Historiker aus
       der DDR  vor, dessen spezielles Forschungsgebiet die Endphase der
       Weimarer Republik, insbesondere die Politik des Kabinetts Schlei-
       cher, ist. Die hier wiedergegebene, bislang unveröffentlichte Ar-
       beit über  die Bedeutung  des Keppler-Kreises im letzten Jahr der
       Weimarer Demokratie  und damit  der Rolle, die die deutsche Indu-
       strie bei  der Machtergreifung Hitlers spielte, scheint uns nicht
       allein wegen der vom Verfasser hier erstmals zugänglich gemachten
       Dokumente für  Historiker und Politologen von großem Interesse zu
       sein (von  den Texten  des Dokumentenanhangs sind bislang nur der
       erste, fünfte,  sechste, siebente und zwölfte veröffentlicht wor-
       den, alle  übrigen sind bisher nicht erschienen). Der Klärung des
       Ausmaßes, in  dem die Großindustrie für die Zerstörung der ersten
       deutschen Demokratie  als verantwortlich anzusehen ist, kommt an-
       gesichts des  heute geführten, und zwar abermals mit einer Außen-
       politik der  Stärke verbundenen  Angriffs auf  die Demokratie vor
       allem auch aktuelle Bedeutung zu. Der Verfasser läßt diesen aktu-
       ellen Bezug seinerseits zwar nicht unberücksichtigt, weist jedoch
       nur an  einigen Stellen des Textes mit stichwortartigen Bemerkun-
       gen auf  ihn hin, so daß uns zu dieser Seite des Themas zumindest
       noch folgender  Zusatz gestattet sei: Das auffallende Drängen der
       Spitzengremien der  Wirtschaft, mittels verfassungsändernder Sta-
       bilisierungsgesetze die  Haushaltspolitik der  Länder und Gemein-
       den, den  Kapitalmarkt und die Geldbestände der Versicherungsträ-
       ger der Lenkungsgewalt einer engstens mit ihnen zusammenarbeiten-
       den Regierung  zu unterstellen, mittels der angekündigten Finanz-
       reform die Autonomie von Ländern und Kommunen faktisch aufzuheben
       und mittels  der Notstandsgesetze  alle Bereiche des öffentlichen
       und privaten  Lebens auf  den "Ernstfall"  auszurichten, läßt  es
       nicht zu,  die Parallelen,  die zwischen diesen Bemühungen um die
       Herstellung einer Formierten Gesellschaft in einem neuen Zentral-
       staat und den entscheidenden Phasen des Abbaus der Weimarer Demo-
       kratie mit all seinen Konsequenzen für den Frieden bestehen, län-
       ger zu ignorieren.
       Wie verbreitet  die Unkenntnis  über die  tatsächliche Rolle, die
       die führenden  deutschen Wirtschaftskreise  bei der Installierung
       des "Dritten  Reiches" spielten, noch immer ist, und zwar auch in
       gebildetsten und  historisch sonst  durchaus versierten  Kreisen,
       ließ sich kürzlich sogar einem Aufsatz Paul Sethes entnehmen, der
       in der  "Zeit" (vom  2.9.1966, in  einem Nachruf auf Hans Zehrer)
       schrieb: "Eine  nicht auszurottende  Legende will  wissen, Hitler
       habe die  Industriellen verführt und Geld von ihnen erhalten. Sie
       dachten nicht  daran. Einige  Außenseiter unterstützten  ihn, die
       meisten mißtrauten  ihm." Für eine wissenschaftlich exakte Beant-
       wortung der Frage, was sich vor den historischen Tatsachen nun in
       Wirklichkeit als  Legende und was als geschichtliche Wahrheit er-
       weist, dürfte  die folgende Untersuchung wesentliche Materialhil-
       fen bieten. D. Red.
       ...
       Dokumente
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       Nr. 1: Schreiben von Hjalmar Schacht an Adolf Hitler
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       vom 12.11.1932  181)
       --------------------
       ...
       Sehr verehrter Herr Hitler,
       
       erlauben Sie  mir, daß  ich Ihnen  zu der festen Haltung, die Sie
       unmittelbar nach  den Wahlen  eingenommen haben, meine besonderen
       Glückwünsche ausspreche.  Es unterliegt für mich gar keinem Zwei-
       fel, daß  die Entwicklung der Dinge nur das eine Ende haben kann,
       und das ist Ihre Kanzlerschaft. Es scheint, als ob unser Versuch,
       eine Reihe  von Unterschriften aus der Wirtschaft dafür zu bekom-
       men, doch  nicht ganz  umsonst ist, wenn ich auch glaube, daß die
       Schwerindustrie kaum  mitmachen wird,  aber sie trägt ihren Namen
       "Schwerindustrie" mit Recht von ihrer Schwerfälligkeit.
       Ich hoffe,  daß in  den nächsten Tagen und Wochen die kleinen Un-
       ebenheiten, die bei der Propaganda notwendigerweise mit unterlau-
       fen, nicht  so stark sein werden, daß sie den Gegnern berechtigte
       Gelegenheit zur Entrüstung geben. Je stärker Ihre Position inner-
       lich ist, um so vornehmer kann die Form des Kampfes sein. Je mehr
       sich die  Sache in Ihrem Sinne entscheidet, um so mehr können Sie
       persönliche Kampfesweise entbehren.
       Ich bin  von Zuversicht  erfüllt, weil das ganze gegenwärtige Sy-
       stem sich mit Sicherheit tot läuft.
       
       Mit deutschem Gruß
       Ihr sehr ergebener
       Dr. Hjalmar Schacht
       ...
       Nr. 2: Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von Schroeder
       ----------------------------------------------------------
       vom 13.11.1932  182)
       --------------------
       ...
       Sehr verehrter Herr Schroeder:
       
       Die letzten  Tage waren für mich so besetzt, daß ich leider nicht
       dazu kam, Ihnen wie beabsichtigt zu berichten.
       Herr Hecker  konnte von  seinem Urlaub bei Herrn von P(apen) 183)
       uns berichten,  daß dort  der gute  Wille vorliege, sich auf eine
       Regierung unter  der Kanzlerschaft  Hi(tlers)  zu  einigen.  Herr
       H(ecker) machte  dem Kanzler auch Mitteilung von dem beabsichtig-
       ten Brief,  und er gab Ratschläge, wie man hierbei am besten vor-
       gehe. Andererseits  wurde wiederum darauf aufmerksam gemacht, wie
       schwer es sein würde, den bestehenden Widerstand an der bekannten
       Stelle zu begegnen.
       Freitag (11.11.32) fand alsdann eine eingehende Aussprache statt,
       wobei Herr  Hecker, Dr. Schacht und Herr Himmler aus München, der
       auch bei  den früheren  Verhandlungen wegen Regierungsbildung be-
       teiligt war,  teilnahmen. Herr  Hecker legte  Herrn v(on) P(apen)
       nahe, im  Kabinett zu bleiben, um dadurch eine gewisse Beruhigung
       für den  alten Herren  zu schaffen. Herr Himmler war der Anschau-
       ung, daß  alle vorgesehenen  Maßnahmen auch den Ideen des Führers
       entsprechen würden, und man vertrat den Standpunkt, möglichst of-
       fen und  ehrlich die ganzen Verhandlungen zu führen. Herr Himmler
       wird heute  Herrn Hi(tler) berichten. Wir hoffen, daß alsdann ge-
       wisse weitere  Verhandlungen in  Gang kommen, wenn auch bei Herrn
       Hi(tler) der Wille zu einer derartigen Einigung besteht.
       Es herrscht  die Anschauung,  daß die beste Wirkung bei dem alten
       Herrn zu  erwarten sei,  wenn sich Herr v(on) P(apen) selbst mög-
       lichst ernst  für eine derartige Lösung einsetze. Mit den anderen
       Parteien soll  vorerst nicht verhandelt werden. Sollten sie nicht
       bereit sein  mitzumachen, um  eine Lösung  auf verfassungsmäßigem
       Wege zu  ermöglichen, so denkt man an Neuwahlen unter der Parole:
       Hindenburg und  Hitler; an  dem Erfolg  einer derartigen Wahl ist
       nicht zu  zweifeln. Ich sprach gestern nochmals mit Herrn Hecker,
       und er  versicherte nochmals,  daß er der festen Überzeugung sei,
       daß Herr  v(on) P(apen)  an einer  derartigen  Lösung  festhalten
       werde; er  wies aber  nochmals auf  die eine  große Schwierigkeit
       hin. Die  wirtschaftlichen Richtlinien,  über deren Abfassung wir
       bei der  Besprechung letzten Dienstag sprachen, und gewisse poli-
       tische Richtlinien  sollen die  Grundlage für  die  Verhandlungen
       bilden.
       Bei dieser  Sachlage müssen  wir besonders darauf Wert legen, den
       bewußten Brief  möglichst wirkungsvoll  zu gestalten. Da Herr von
       P(apen) über  diesen Schritt  orientiert ist  / es  soll ihm  vor
       Übersendung noch  in offizieller Form Mitteilung gemacht werden /
       und ihn  zur Verwirklichung der Absichten begrüßt, werden die Be-
       denken gegen Unterzeichnung in vielen Kreisen fortfallen. Die Ab-
       sendung soll erst in etwa 8 Tagen erfolgen.
       Wir konnten  weiterhin feststellen,  daß die  Berliner Börsenzei-
       tung, die  DAZ und  die Hamburger  Nachrichten für  eine Kanzler-
       schaft Hi(tlers) eintreten werden, so daß auch eine entsprechende
       Resonanz da sein wird.
       Nachdem ich  gestern mit Ihnen wegen Herrn Cuno gesprochen hatte,
       kam ein Anruf von Herrn Krogmann; er teilte mit, daß Dr. Kiep mit
       Herrn Cuno gesprochen habe, und daß letzterer Bedenken habe. Sub-
       ventionierter Betrieb!  Die Hamburger  Herren  waren  über  obige
       Sachlage noch  nicht orientiert,  und ich hoffe, daß die Kenntnis
       der Vorgänge zu einer anderen Stellungnahme führt.
       Ich bin  überzeugt, daß  die bisherigen  Verhandlungen auch Ihren
       Anschauungen entsprechen  werden, und bitte Sie, uns auch weiter-
       hin zwecks Erreichung des Zieles unterstützen zu wollen.
       Der Winterbeginn ist ein wenig geeigneter Zeitpunkt zur Übernahme
       der Regierungsführung; eine nochmalige Zwischenlösung, die sicher
       mit einem Fiasko enden würde, würde eine weitere Stärkung der Po-
       sition Herrn  Hi(tlers) bedeuten. Herr Himmler berichtet mir, daß
       der Führer  trotzdem sich  verpflichtet fühle, ev(tl) schon jetzt
       die Verantwortung  zu übernehmen,  um einen  weiteren Verfall der
       Wirtschaft zu  vermeiden. Ich  darf wohl  annehmen, daß  auch die
       Kräfte der Wirtschaft sich zur Erreichung des Zieles einsetzen.
       
       Mit besten Grüßen,
       Ihr aufrichtig ergebener
       Keppler
       ...
       Nr. 3: Liste des Kepler-Kreises, handschriftlich. Industrielle
       --------------------------------------------------------------
       und Großagrarier, die für die Unterzeichnung der Eingabe an den
       ---------------------------------------------------------------
       Reichspräsidenten vorgesehen waren. 184)
       ----------------------------------------
       ...
       Erste Namensliste:
       
       x Krogmann                             x Thyssen          Sch
       x Helfferich                           x Vögler     ? x
       x Schacht                              x Haniel     ? x   Sch
       x Reinhardt                              Rob. Bosch ?     K
       x Schroeder                            x Fink       ?     B
       x Hecker                                 Kalckreuth       B
       x Rosterg                                von Lünninck x
       x R. Slomann         H                   von Oppen        K
       x Witthoeft          H                 x Eichhorn         B
       x Cuno               H                 x Merk             H
       x Kiep               H                 x Lübbert          B
       x Albert             Hecker              von Keudell      B
       x Silverberg         ?                 x Ullrich          R
       x Tischbein          ?       k           Rabethge
         Jaenicke                   k           Wenzel
       x Reusch             ?      Sch        x Krupp
       x Schmitt            ?      B            Brandes
       
       Zwei weitere Listen enthalten außerdem folgende Namen:
       
       Kurt Woermann                           Springorum
       Keyserling            x                 Beindorff
       Siemens                                 Ventzky
       
       (Anmerkung zu  den Initialen:  Das "x" bedeutet offenbar, daß die
       Eingabe übergeben  wurde, während  die Buchstaben  wahrscheinlich
       den Überbringer  bezeichnen. Diese  Listen sind  vermutlich  auch
       nicht vollständig,  geben aber  einen interessanten Einblick, wer
       unterzeichnen sollte. D. Verf.)
       ...
       Nr. 4: Schreiben von Hermann von Lüninck an Kurt von Schroeder
       --------------------------------------------------------------
       vom 15.11.1932  185)
       --------------------
       ...
       Sehr verehrter Herr von Schroeder!
       
       Ich nehme  Bezug auf  die gestrige  mündliche Rücksprache und den
       mir übergebenen  Entwurf einer  Eingabe an den Herrn Reichspräsi-
       denten.
       Obwohl ich, wie gestern bereits bemerkt, dem Grundgedanken dieser
       Eingabe zustimme  und meinerseits bereits vor Monaten bei Bildung
       des Kabinetts  Papen dem  Herrn  Reichspräsidenten  mündlich  und
       schriftlich zum  Ausdruck gebracht habe, daß m.E. die Übertragung
       der Kabinettsführung  an die  nationalsozialistische Bewegung  im
       Interesse einer gesunden wirtschaftlichen und nationalen Entwick-
       lung unbedingt notwendig sei, bitte ich doch bei Übergabe der von
       Ihnen geplanten  Eingabe von  meiner Mitunterschrift  gütigst Ab-
       stand nehmen zu wollen.
       
       Mit vorzüglicher Hochachtung
       verbleibe ich
       Ihr sehr ergebener
       Freiherr von Lüninck
       ...
       Nr. 5: Eingabe von Industriellen, Bankiers und Großagrariern
       ------------------------------------------------------------
       an Reichspräsident von Hindenburg 186)
       --------------------------------------
       ...
       November 1932
       
       Ew. Exzellenz,
       
       Hochzuverehrender Herr Reichspräsident!
       
       Gleich Eurer  Exzellenz durchdrungen  von heißer  Liebe zum deut-
       schen Volk  und Vaterland,  haben die  Unterzeichneten die grund-
       sätzliche Wandlung, die Eure Exzellenz in der Führung der Staats-
       geschäfte angebahnt haben, mit Hoffnung begrüßt. Mit Eurer Exzel-
       lenz bejahen  wir die  Notwendigkeit einer  vom parlamentarischen
       Parteiwesen unabhängigen  Regierung, wie sie in den von Eurer Ex-
       zellenz formulierten  Gedanken eines  Präsidialkabinetts zum Aus-
       druck kommt.  Der Ausgang der Reichstagswahl vom 6. November d.J.
       hat gezeigt,  daß das derzeitige Kabinett, dessen aufrechten Wil-
       len niemand  im deutschen Volk bezweifelt, für den von ihm einge-
       schlagenen Weg keine ausreichende Stütze im deutschen Volk gefun-
       den hat,  daß aber  das von  Eurer Exzellenz  gezeigte Ziel  eine
       volle Mehrheit  im deutschen  Volk besitzt, wenn man - wie es ge-
       schehen muß  - von  der staatsverneinenden Kommunistischen Partei
       absieht. Gegen  das bisherige  parlamentarische Parteiregime sind
       nicht nur  die Deutschnationale  Volkspartei und die ihr naheste-
       henden kleinen  Gruppen, sondern  auch die Nationalsozialistische
       Deutsche Arbeiterpartei grundsätzlich eingestellt und haben damit
       das Ziel  Eurer Exzellenz  bejaht. Wir halten dieses Ergebnis für
       außerordentlich erfreulich  und können  uns nicht vorstellen, daß
       die Verwirklichung  dieses Zieles nunmehr an der Beibehaltung ei-
       ner unwirksamen Methode scheitern sollte.
       Es ist klar, daß eine des öfteren wiederholte Reichstagsauflösung
       mit sich  häufenden, den Parteikampf immer mehr zuspitzenden Neu-
       wahlen nicht  nur einer  politischen, sondern  auch  jeder  wirt-
       schaftlichen Beruhigung  und Festigung entgegenwirken muß. Es ist
       aber auch klar, daß jede Verfassungsänderung, die nicht von brei-
       tester Volksströmung  getragen ist, noch schlimmere wirtschaftli-
       che, politische und seelische Wirkungen auslösen wird.
       Wir erachten  es deshalb für unsere Gewissenspflicht, Eure Exzel-
       lenz ehrerbietigst  zu bitten, daß zur Erreichung des von uns al-
       len unterstützten  Zieles Eurer  Exzellenz die  Umgestaltung  des
       Reichskabinetts in einer Weise erfolgen möge, die die größtmögli-
       che Volkskraft hinter das Kabinett bringt.
       Wir bekennen  uns frei von jeder engen parteipolitischen Einstel-
       lung. Wir  erkennen in  der nationalen  Bewegung, die durch unser
       Volk geht,  den verheißungsvollen  Beginn einer  Zeit, die  durch
       Überwindung des Klassengegensatzes die unerläßliche Grundlage für
       einen Wiederaufstieg  der deutschen  Wirtschaft erst schafft. Wir
       wissen, daß dieser Aufstieg noch viele Opfer erfordert. Wir glau-
       ben, daß diese Opfer nur dann willig gebracht werden können, wenn
       die größte  Gruppe dieser  nationalen Bewegung führend an der Re-
       gierung beteiligt wird.
       Die Übertragung der verantwortlichen Leitung eines mit den besten
       sachlichen und persönlichen Kräften ausgestatteten Präsidialkabi-
       netts an den Führer der größten nationalen Gruppe wird die Schwä-
       chen und  Fehler, die jeder Massenbewegung notgedrungen anhaften,
       ausmerzen und  Millionen Menschen,  die heute  abseits stehen, zu
       bejahender Kraft mitreißen.
       In vollem  Vertrauen zu Eurer Exzellenz Weisheit und Eurer Exzel-
       lenz Gefühl der Volksverbundenheit begrüßen wir Eure Exzellenz
       
       mit größter Ehrerbietung
       Dr. Hjalmar Schacht, Berlin
       Kurt Freiherr von Schroeder, Köln
       Fritz Thyssen, Mühlhausen (20.11.1932)
       Graf Eberhard von Kalckreuth, Berlin
       Friedrich Reinhardt, Berlin
       Kurt Worrmann, Hamburg (11.11.1932)
       Fritz Beindorff,
       Kurt von Eichborn, Breslau
       Emil Helfferich, Hamburg
       Ewald Hecker, Hannover
       Carl Vincent Krogmann,
       Dr. Erwin Lübbert, Berlin
       Erwin Merck, Hamburg
       Joachim von Oppen, Dannenwalde
       Rudolf Ventzki, Erslingen (Württemberg)
       Franz Heinrich Witthoefft, Hamburg
       August Rosterg,
       Graf von Keyserlingk, Cammerau
       von Rohr-Manze,
       Engelbert Beckmann, Hengstey
       ...
       Nr. 6: Schreiben von Otto Meissner, Staatssekretär im Büro des
       --------------------------------------------------------------
       Reichspräsidenten, an Friedrich Reinhardt vom 19.11.1932 (Auszug)
       -----------------------------------------------------------------
       187)
       ----
       ...
       Sehr geehrter Herr Reinhardt,
       
       ... Die  mir heute Vormittag von Ihnen überreichte Kundgebung von
       Vertretern der deutschen Wirtschaft habe ich dem Herrn Reichsprä-
       sidenten vorgelegt. Der Herr Reichspräsident hat von ihr Kenntnis
       genommen und  mich beauftragt, Ihnen den Empfang ergebenst zu be-
       stätigen...
       
       Meissner
       ...
       Nr. 7: Schreiben von Friedrich Reinhardt an Otto Meissner
       ---------------------------------------------------------
       vom 21.11.1932  188)
       --------------------
       ...
       Sehr geehrter Herr Staatssekretär!
       
       Unter der  Eingabe an  den Herrn Reichspräsidenten, die ich Ihnen
       am Sonnabend  vormittag überreichte,  stand auch die Unterschrift
       des General-Direktors  Rosterg, die  Originaleingabe dieses Herrn
       füge ich hier bei.
       Weiter füge  ich noch  die  unterschriebenen  Eingaben  folgender
       Herrn bei:
       Graf von Keyserlingk-Cammerau
       von Rohr-Manze
       Fritz Thyssen, Mülheim
       Der Präsident  des Westfälischen Landbundes, Herr Engelbert Beck-
       mann in  Hengstey, hat sich ebenfalls zur Unterschrift bereit er-
       klärt, die unterschriebene Eingabe wird nachfolgen.
       Ich habe  ferner den  Auftrag, Ihnen, Herr Staatssekretär, namens
       der Herren
       Dr. Albert Vögler, Dortmund
       Commerzienrat Dr. Paul Reusch, Oberhausen
       Dr. Fritz Springorum, Dortmund
       zur Weitergabe  an den  Herrn Reichspräsidenten  mitzuteilen, daß
       diese Herrn grundsätzlich voll und ganz auf dem Boden der Eingabe
       stehen, aber  nicht zu  unterzeichnen wünschen,  da sie politisch
       nicht hervortreten wollen. Das Originalschreiben des Herrn Vögler
       mit entsprechendem Inhalt werde ich morgen vorlegen können.
       Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung bin ich Ihr ergebenster
       
       Friedrich Reinhardt
       ...
       Nr. 8: Schreiben von Albert Vögler an Kurt von Schroeder
       --------------------------------------------------------
       vom 21.11.1932  189)
       --------------------
       ...
       Sehr verehrter Herr von Schroeder,
       
       Es war  nicht möglich,  die genannten  Herrn des Westens zu ihrer
       Unterschrift unter das bekannte Schreiben zu veranlassen.
       Sowohl der Herr Reusch wie Herr Springorum haben mir aber gesagt,
       daß sie  an und  für sich die in dem Schreiben niedergelegte Auf-
       fassung teilen  und nur  darin eine wirkliche Lösung der jetzigen
       Krise sehen.
       Wenn trotzdem  die Eingabe  nicht unterschrieben wurde, so lag es
       in der  Hauptsache daran, daß die Herrn überhaupt von jeder poli-
       tischen Stellungnahme sich fernhalten wollen. Hinzukommt, daß man
       die Gegensätze gerade in unserem Revier, die die frühere einheit-
       liche Haltung  und damit auch den Einfluß stark geschwächt haben,
       nicht noch  weiter verschärfen  will. Ich habe Ihnen ja zu diesem
       Thema schon mündlich entsprechende Aufklärung gegeben.
       
       Mit freundlicher Begrüßung
       Ihr sehr ergebener
       Vögler
       ...
       Nr. 9: Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von Schroeder
       ----------------------------------------------------------
       vom 28.11.1932, Nürnberger Dokument NI 211. 190)
       ------------------------------------------------
       ...
       Sehr verehrter Baron Schroeder,
       
       Leider komme  ich erst heute dazu, Ihnen für Ihre zahlreichen Be-
       mühungen anläßlich  der jüngsten  politischen Verhandlungen  aus-
       drücklich zu  danken. Unser  Führer hatte von vornherein den Ein-
       druck, daß diese Verhandlungen nicht ernst gemeint seien, und die
       ganze Entwicklung  hat ihm  recht gegeben. Eigenartigerweise wird
       aber das  ursprüngliche Ziel,  die Wiedereinsetzung der Regierung
       Papen, nicht  zur Ausführung  kommen können, da einem großen Teil
       der Minister  die Lust  zur weiteren Übernahme der Regierung ver-
       gangen ist.  Besonders ernsthaft  soll dieses Bedenken von seiten
       des Herrn  Schwerin-Krosigk geäußert worden sein, der nicht weiß,
       wie er  mit seinen  Finanzen über den Winter kommen soll. Alsdann
       werden Warmbold,  Schaeffer und  v. Braun genannt, und zum Schluß
       hat sogar  Herr v. Papen eingesehen, daß er sich von einer weite-
       ren Regierungstätigkeit  nichts versprechen kann. Die Stimmung in
       der Wilhelmstraße  soll daher  ziemlich verzweifelt  sein, und es
       ist ein  Glück, daß  wohl niemand  mehr mit einer Lösung rechnet,
       die Bestand haben wird.
       Insbesondere danke  ich Ihnen  für Ihre  Bemühungen bei den Herrn
       des Ruhrladens. Der Brief des Herrn Dr. Vögler ist noch rechtzei-
       tig eingetroffen  und Herrn  Staatssekretär Meissner  übermittelt
       worden. Anbei gebe ich Ihnen die Abschrift dieses Schreibens.
       Durch Zufall  erfuhr ich,  daß der  Rheinisch-Westfälische  Wirt-
       schaftsdienst in  lebhaftester Weise gegen unsere Bewegung arbei-
       tet. Diese  Herren sollen  soweit gehen,  daß sie im Braunen Haus
       spionieren lassen  und die  gefärbtesten Berichte  an die Reichs-
       kanzlei und  ähnliche Stellen, die sie haben wollen, weitergeben.
       Ich wäre  Ihnen dankbar, wenn Sie mir Nachricht geben könnten, um
       was für  eine Einrichtung  es sich hier handelt und welche Kreise
       dahinter stecken.  Das richtige  wäre natürlich,  wenn man diesen
       Herrn das Handwerk legen könnte.
       Ich bemerke  mir gern,  daß Sie  im Laufe  dieser Woche wieder in
       Berlin sein  werden, und  freue mich,  Sie alsdann  zu  sprechen.
       Freitag werde  ich den ganzen Tag abwesend sein, Mittwoch erwarte
       ich den  Besuch von  Herrn Bejem  aus Amsterdam,  der  wegen  der
       Auslandsschulden mich sprechen will. Ich zögerte anfangs, dies zu
       tun, Dr. Schacht gab mir aber den Rat, den Herrn ruhig anzuhören.
       
       Mit verbindlichen Grüßen
       Ihr aufrichtig ergebener
       Keppler 191)
       ...
       Nr. 10: Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von Schroeder
       -----------------------------------------------------------
       vom 19.12.1932  192)
       --------------------
       ...
       Sehr verehrter Baron Schroeder,
       
       Haben Sie verbindlichsten Dank für Ihren gestrigen Anruf. Ich be-
       grüße es  außerordentlich, daß  Sie die  Gelegenheit wahrgenommen
       haben, Herrn v. Papen zu sprechen, um damit wirklich eine Klärung
       der Lage  herbeizuführen. Dies ist Ihnen offensichtlich gelungen.
       Ich bin  froh, daß im November keine Beauftragung unseres Führers
       stattfand, denn  die damals  notwendige Übernahme des Herrn v(on)
       Schl(eicher) in das Kabinett hätte sicher keine guten Früchte ge-
       tragen.  Der   Wunsch,  eine  Rücksprache  zwischen  P(apen)  und
       H(itler) herbeizuführen,  erscheint auch  mir bei  der  gegebenen
       Sachlage äußerst  wichtig. Es  wäre einerseits  sehr zu begrüßen,
       wenn hierdurch eine volle Aufklärung der Vorgänge der letzten Wo-
       chen stattfinden würde und man andererseits die Frage des künfti-
       gen Vorgehens  erörtern würde. Zumal Herr von Papen sicher am be-
       sten beurteilen kann, wie heute die Stimmung beim alten Herrn ist
       und wie  man am besten den bisher dort liegenden Widerstand über-
       winden kann. Man hört im Volke viel, daß die Lösung nur durch den
       Rücktritt des  alten Herrn erreicht werden könnte. Ich stehe aber
       auf dem  Standpunkt, daß man dies unbedingt vermeiden solle, wenn
       das Ziel  auf anderen Wegen vernünftig zu erreichen ist. Hierüber
       muß Herr  v(on P(apen)  am besten  urteilen  können.  Desweiteren
       würde uns eine derartige Rücksprache sicher Material liefern kön-
       nen, das in dem bevorstehenden Kampf verwertbar ist.
       Ich hatte  gestern Besuch des Herrn Himmler, den ich orientierte,
       und gab  ihm ein  Schreiben an  den Führer mit 193): Herr Himmler
       wird sich  auch dafür  einsetzen, daß  diese Besprechung zustande
       kommt. Falls  Sie in Ihrem Hause in Köln sein sollten, was sicher
       angebracht wäre,  müßte man den Zeitpunkt so wählen, daß der Füh-
       rer bei  Dunkelheit dort  an- und abfahren könnte. Man müßte eine
       genaue Beschreibung des Weges zu Ihrer Wohnung nach München über-
       mitteln, denn  es ist  unbedingt notwendig, daß von diesem Zusam-
       mentreffen nichts  nach außen  bekannt wird. Darf ich Sie um Aus-
       kunft bitten, wann Herr v(on) Papen auf seinem Gut im Westen Woh-
       nung nehmen  wird. Letzten  Freitag *) war ich noch etwas mit Dr.
       Schacht allein zusammen, wobei er auch mir erklärte, daß er meine
       Anschauungen betr.  der Person Schl(eichers) voll und ganz teile.
       Im Gegensatz  zu Dr.  Schacht glaube  ich, insbesondere nach dem,
       was ich von Dr. Luther hörte, daß der Regierung eine Belebung der
       Wirtschaft erst  im Frühjahr gelingen wird. Aber selbst diese Be-
       lebung wird  keine wirklich gesunde sein, da sie nur auf den hin-
       eingepumpten Geldbeträgen  und nicht  auf Behebung  der  Vertrau-
       enskrise basiert.  Es wäre  sicher am  besten, wenn in den ersten
       Monaten des  kommenden Jahres der Regierungswechsel erreicht wer-
       den könnte,  und zwar  möglichst ohne  vorhergehende Neuwahl  des
       Reichstages. Es  ist die  große Frage, ob der alte Herr sich ent-
       schließen wird,  bei einem entsprechenden Mißtrauensvotum für die
       Regierung sofort  zu einer  neuen Regierungsbildung zu schreiten,
       statt nochmals  Neuwahlen unter  der jetzigen Regierung vorzuneh-
       men. Es  müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um den al-
       ten Herrn  alsdann zu  der einzig richtigen Maßnahme zu veranlas-
       sen, und  wenn eine Neuwahl des Reichstages trotzdem erforderlich
       sein sollte,  wäre der Wahlausfall unter einem Kanzler Hitler we-
       sentlich anders  als unter einem Kanzler Schleicher. Herr von Pa-
       pen könnte höchste Verdienste um das deutsche Volk sich erringen,
       wenn es  ihm gelingen  würde, eine derartige Lösung bei dem alten
       Herrn zu erreichen.
       Hitler selbst  ist erst  kommenden Mittwoch zu einer vernünftigen
       Aussprache erreichbar,  da er  in diesen Tagen dauernd auf Reisen
       ist, so  daß ich Ihnen frühestens in der zweiten Hälfte der Woche
       entsprechende Nachricht werde geben können.
       
       Ihr aufrichtig ergebener
       W. Keppler
       
       *) gemeint ist  Freitag, der 16. Dezember 1932, an dem Papen sei-
       nen bekannten Vortrag im Herrenclub hielt.
       ...
       Nr. 11: Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von Schroeder
       -----------------------------------------------------------
       vom 26.12.1932  194)
       --------------------
       ...
       Sehr verehrter Baron Schroeder!
       
       Vorgestern abend erhielt ich die Meldung, daß der F(ührer) es er-
       möglichen könne,  am 4.1.  vormittags zwischen  10 und 1/2 11 Uhr
       bei Ihnen einzutreffen, und ich bitte Sie, festzustellen, ob die-
       ser Zeitpunkt genehm ist. Desweiteren bitte ich Sie, mir zur Wei-
       tergabe einen  Kölner Stadtplan  zu senden,  auf dem Ihr Wohnhaus
       eingezeichnet ist, damit die Zufahrt keine Schwierigkeiten macht.
       Ich hoffe,  daß die  Besprechung zu einer weitgehenden Aufklärung
       der politischen  Geschehnisse der letzten Monate führen wird; ich
       vermute, daß  wir den  13.8. auch Herrn v. Schl(eicher) zu danken
       haben; in  diesem Falle wäre auch eine Aufklärung hierüber beson-
       ders dankbar.  Mir schwebt  als politisches  Ziel der Besprechung
       vor: Neubildung  der Regierung ohne vorhergehende Neuwahl und un-
       ter  Vermeidung   einer  Präsidentenkrise.   Eine  Neuwahl  unter
       Schl(eicher) würde  doch bestimmt keine tragfähige Mehrheit brin-
       gen. Bei  einer Neuwahl  nach Ernennung Hitlers unter der Parole:
       Hindenburg-Hitler, als Regierungswahl durchgeführt, wäre ein weit
       besseres Ergebnis  zu erwarten,  und die Krise würde dann ihr na-
       türliches Ende  finden. Ein Ausscheiden des Herrn v. Schl(eicher)
       aus der  Regierung dürfte  nicht den  Widerstand des  alten Herrn
       finden. Es  ist die  große Frage, wie der alte Herr von der Rich-
       tigkeit derartiger  Maßnahmen überzeugt  werden kann. Hier könnte
       Herr v. P(apen) eine große geschichtliche Mission erfüllen.
       Infolge des  13.8., den  der Führer immer als persönliche Nieder-
       lage empfand, war seine Stimmung gegenüber Herrn v. P(apen) lange
       Zeit sehr  schlecht. Ich bin bei ihm immer für v. P(apen) und ge-
       gen v.  Schl(eicher) eingetreten; die Stimmung wurde mit der Zeit
       besser, und  er soll dem jetzt geäußerten Wunsch gern entsprochen
       haben; ich  hoffe, daß es Ihrer Geschicklichkeit gelingt, bei der
       Besprechung die letzten Hemmnisse zu beseitigen.
       In Erwartung  Ihrer Rückantwort verbleibe ich mit den besten Grü-
       ßen
       
       Ihr stets ergebener
       Keppler
       ...
       Nr. 12: Eidesstattliche Erklärung des Freiherrn
       -----------------------------------------------
       Kurt von Schroeder, Köln, vom 21.7.1947  195) (Auszug)
       ------------------------------------------------------
       ...
       Ich, Kurt  Freiherr von  Schroeder, nachdem ich darauf aufmerksam
       gemacht worden  bin, daß ich mich wegen falscher Aussage strafbar
       mache, stelle hiermit unter Eid freiwillig und ohne Zwang folgen-
       des fest:
       ...Am 4.  Januar 1933  trafen Hitler, von Papen, Heß, Himmler und
       Keppler in  meinem Hause  in Köln  ein. Hitler, von Papen und ich
       begaben uns  in mein Arbeitszimmer, wo eine zwei Stunden dauernde
       Besprechung stattfand. Heß, Himmler und Keppler nahmen an der Be-
       sprechung nicht teil, hielten sich aber im Nebenzimmer auf. Kepp-
       ler, der behilflich gewesen war, diese Zusammenkunft zu arrangie-
       ren, kam von Berlin; von Papen kam allein von seinem Hause an der
       Saar; und  Hitler brachte Himmler und Heß mit sich, da sie zu ei-
       ner Wahlversammlung  in Lippe  unterwegs waren. Die Verhandlungen
       fanden ausschließlich  zwischen Hitler  und Papen statt, ich nahm
       keinen Anteil  daran. Die  Besprechung begann  ungefähr 11.30 Uhr
       morgens, und der erste Punkt, der von Hitler zur Sprache gebracht
       wurde, war  die Frage,  warum es notwendig gewesen wäre, die zwei
       Nazis, die den Kommunisten in Schlesien umgebracht hatten, zu be-
       strafen... Weiterhin  führte Papen  aus, daß  er es für das beste
       halte, eine  Regierung zu  formen, bei  der die konservativen und
       nationalen Elemente, die ihn unterstützt hatten, zusammen mit den
       Nazis vertreten  seien. Er  schlug vor,  daß diese neue Regierung
       womöglich von  Hitler und  Papen zusammen  geführt werden sollte.
       Daraufhin hielt  Hitler eine lange Rede, in der er sagte, wenn er
       zum Kanzler  ernannt werden  würde, Anhänger von Papens als Mini-
       ster in seiner, Hitlers, Regierung teilnehmen könnten, sofern sie
       gewillt wären,  seine Politik,  die viele  Änderungen bestehender
       Zustände verfolge,  zu unterstützen. Er skizzierte diese Änderun-
       gen, einschließlich der Entfernung aller Sozialdemokraten, Kommu-
       nisten und  Juden von führenden Stellungen in Deutschland und der
       Wiederherstellung der  Ordnung im  öffentlichen Leben.  Von Papen
       und Hitler  erzielten eine  prinzipielle Einigung,  durch  welche
       viele der Punkte, die den Konflikt verursachten, beseitigt werden
       konnten und  eine Möglichkeit  der Zusammenarbeit gegeben war. Es
       wurde vereinbart,  daß weitere  Einzelheiten noch  zu  bearbeiten
       seien...
       Diese Zusammenkunft  zwischen Hitler  und Papen am 4. Januar 1933
       in meinem  Hause in  Köln wurde von mir arrangiert, nachdem Papen
       mich ungefähr am 10. Dezember 1932 darum ersucht hatte. Bevor ich
       diesen Schritt  unternahm, besprach ich mich mit einer Anzahl von
       Herrn der Wirtschaft und informierte mich allgemein, wie sich die
       Wirtschaft zu einer Zusammenarbeit der beiden stellte. Die allge-
       meinen Bestrebungen der Männer der Wirtschaft gingen dahin, einen
       starken Führer  in Deutschland  an die Macht kommen zu sehen, der
       eine Regierung  bilden würde, die lange Zeit an der Macht bleiben
       würde. Als  die NSDAP am 6. November 1932 ihren ersten Rückschlag
       erlitt und  somit also ihren Höhepunkt überschritten hatte, wurde
       eine Unterstützung  durch die deutsche Wirtschaft besonders drin-
       gend. Ein  gemeinsames Interesse  der Wirtschaft  bestand in  der
       Angst vor dem Bolschewismus und der Hoffnung, daß die Nationalso-
       zialisten -  einmal an der Macht - eine beständige politische und
       wirtschaftliche Grundlage  in Deutschland  herstellen würden. Ein
       weiteres gemeinsames  Interesse war  der  Wunsch,  Hitlers  wirt-
       schaftliches Programm  in die Tat umzusetzen, wobei ein wesentli-
       cher Punkt  darin lag,  daß die  Wirtschaft  sich  selbst  lenken
       sollte zur Lösung der von der politischen Führung gestellten Pro-
       bleme. Zur praktischen Durchführung dieses Programmpunktes erwar-
       tete man,  wie es  ja später  auch geschah, daß die gesamte Wirt-
       schaft auf  einer neuen Basis organisiert werden würde... Weiter-
       hin erwartete  man, daß eine wirtschaftliche Konjunktur durch die
       Vergabe von größeren Staatsaufträgen werden würde.
       In diesem  Zusammenhang sind zu erwähnen: eine von Hitler projek-
       tierte Erhöhung  der deutschen  Wehrmacht von 100 000 auf 300 000
       Mann, das  Bauen von  Reichsautobahnen...  Aufträge zur Verbesse-
       rung des  Verkehrswesens, insbesondere der Reichsbahn, und Förde-
       rung solcher  Industrien wie  Automobil- und  Flugzeugbau und der
       damit verbundenen Industrien.
       Es war  allgemein bekannt,  daß einer  der wichtigsten  Programm-
       punkte Hitlers  die Abschaffung des Vertrages von Versailles dar-
       stellte und  die Wiederherstellung  eines sowohl in militärischer
       als auch in wirtschaftlicher Hinsicht starken Deutschlands...
       Das wirtschaftliche Programm Hitlers war der Wirtschaft allgemein
       bekannt und wurde von ihr begrüßt.
       ...
       Nr. 13: Schreiben von Hjalmar Schacht an Kurt von Schroeder
       -----------------------------------------------------------
       vom 6.1.1933  196)
       ------------------
       ...
       Lieber Herr v. Schroeder!
       
       Ich möchte  Ihnen und Ihrer Gattin nicht nur - auch namens meiner
       Frau -  herzlich danken  für Ihre  freundlichen Neujahrsreden und
       Ihre guten  Wünsche aufrichtigst  erwidern, sondern  Sie auch be-
       glückwünschen zu der mutigen Initiative in der Anbahnung der Ver-
       ständigung zweier  Männer, die  wir beide  hochschätzen und durch
       deren Zusammenwirken  vielleicht am schnellsten eine positive Lö-
       sung herbeigeführt werden kann. Ich hoffe, daß die Unterredung in
       Ihrem Hause  einmal historische  Bedeutung gewinnen wird. Ich bin
       bis 14.1.  verreist, dann aber wieder in Berlin, bzw. Lindow, und
       hoffe Sie bald wieder zu sehen.
       
       Mit besten Grüßen
       Ihr Hjalmar Schacht
       ...
       

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