Quelle: Blätter 1967 Heft 04 (April)


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       G l i e d e r u n g  u n d  Z i t a t e:  
       
       Hans G. Helms
       
       DIE GESELLSCHAFTSFEINDLICHE IDEOLOGIE EUGEN GERSTENMAIERS
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       ...
       Die folgenden  Notizen zu  einer Schrift  des amtierenden Bundes-
       tagspräsidenten möchten  auch als Ergänzung zu meiner Arbeit über
       "Die Ideologie  der anonymen Gesellschaft" (Köln 1966) verstanden
       werden, insbesondere  zu deren  Kapiteln II,  3 und  VI. Wäre mir
       Gerstenmaiers Vortrag,  den er 1960 auf dem Verbandstag des Deut-
       schen Handels-  und Industrieangestellten-Verbandes gehalten hat,
       bereits bekannt  geworden, als ich noch an der "Ideologie" arbei-
       tete, so  hätte ich nicht versäumt, ihn in den genannten Kapiteln
       ausführlich zu kritisieren.
       Bis in beiläufige Details stimmen Gerstenmaiers Vorstellungen mit
       den in  meiner Arbeit  dargestellten Strukturen  der herrschenden
       Mittelstandsideologie überein. Sie lassen eindeutig erkennen, daß
       die entscheidenden klassen- und funktionsbedingten Ressentiments,
       die das  Bewußtsein des  Mittelstands bestimmen, auch das Bewußt-
       sein der  heute mächtigen politischen Führer des Mittelstands be-
       herrschen. Dies  und die Tatsache, daß inzwischen unbekümmert von
       Regierungs- wie  von Oppositionskreisen  vertreten wird, was Ger-
       stenmaier im  Jahre 1960  noch mit  einer gewissen pfiffigen Vor-
       sicht vorgetragen hat, lassen meine in der "Ideologie" mit Beden-
       ken geäußerte  geringe Hoffnung  auf  minimale  politisch-gesell-
       schaftliche Bewußtseinsbildung  unter Mittelständlern,  die ja in
       keinem Fall ohne Klärung der gegenwärtigen Klassenlage als erstem
       Schritt geschehen  kann, wie  eine unrealistische Utopie erschei-
       nen. Was hier an ideologischem Unrat von oben kommt, dem wird von
       unten -  aus den  uniformierenden Bereichen  der  Amtsstaben  und
       Wohnzimmer - aus vermeintlich freiem Willen Entsprechendes entge-
       gengebracht. Und  das nicht  allein im  Mittelstand, sondern  mit
       wachsender Energie  auch in  der ansässig  gemachten, ideologisch
       anfällig gewordenen  und mit  Mittelstandsideologie durchtränkten
       Arbeiterklasse.
       Gerstenmaiers Vortrag  ist unter dem Titel "Rang und Stand in der
       modernen Massenwelt"  1961 in Bad Godesberg (Hohwacht Verlag) er-
       schienen. Die  Seitenzahlen in  Klammern beziehen  sich auf diese
       Broschüre. Den  Deutschen Handels- und Industrieangestellten-Ver-
       band nennt  Gerstenmaier meistens abgekürzt DHV oder einfach Ver-
       band. D. Verf.
       ...
       

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